Elternsein

Die Verwandtschaft nervt mit Tipps? So kannst du reagieren!

Buchautorin, Coach und Stillberaterin Anna Hofer erklärt, wie wir Konflikte lösen können. Autorin: Dorothee Dahinden

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Deine Verwandschaft nervt mit ungewolltem Rat? Links rein, rechts raus geht nicht? Dann lies hier weiter!


Die Verwandschaft nervt mit Klassiker-Sprüchen!

Wir kennen es vermutlich fast alle: Wir sind selbst grad Eltern geworden oder wachsen grad in unsere Rolle rein. Als Familie sind wir auch schon stark, aber wenn die liebe Verwandtschaft kommt, dann … ja dann können wir, unsere Werte und Gefühle schonmal ins Wanken kommen. Ständig kassieren wir irgendeinen Spruch, einen ungewollten Kommentar, ein übergriffiges Wort. Das nervt nicht nur, das kann richtig weh tun. Und auch verunsichern.

Zum Beispiel bei Sprüchen, die vermutlich die meisten von uns von irgendwem schon gehört haben:

“Du legst dein Baby nicht ab? Wie haben wir nur überlebt.”

“Dein Baby schläft bei euch im Schlafzimmer? Ihr müsst aber schon an eure Beziehung denken, nä.”

“Dein Kind kriegt nun keine Strafe, obwohl es so einen Bockmist gemacht hat und ausgerastet ist? Ihr verwöhnt zu sehr.”

“WIE SIND WIR NUR GROß GEWORDEN?”

Puh! Was können wir tun, wenn dieses “links rein, rechts raus” nicht funktioniert und uns so ein Treffen noch lange im Nachgang stresst oder wir das nächste Treffen wiederum am liebsten absagen würden? Antworten bekommen wir von unserer Interviewgästin Anna Hofer.

Anna ist Stillberaterin, Familiencoach und Buchautorin. Gemeinsam mit Karin Bergstermann hat sie das Buch “Bei meinem Kind mache ich das anders” geschrieben, in dem sie das Thema “Generationenkonflikt” in den Mittelpunkt stellen. Grenzüberschreitung in der Kommunikation – ein Thema, das uns auch auf MutterKutter ständig begegnet. Daher freuen wir uns sehr, dass Anna mit ihren Tipps an Bord gekommen ist. Für Momente, in denen die Verwandtschaft nervt!

Sie erklärt uns jetzt, was wir machen können, wenn uns die Kommentare zu unserer Erziehung schier überrollen!


*Dieser Artikel enthält einen Affiliate Link. Mehr dazu unter dem Interview mit Anna!


“Wenn ich den Impuls spüre, andere zu belehren, dann ist ein Konflikt vorprogrammiert und ich habe meinen Teil dazu beigetragen.”

Anna Hofer, Stillberaterin & Buchautorin

Liebe Anna, viele Eltern kennen es. Der Babyduft ist grad frisch, wir grooven uns als Familie in den ersten Wochen ein, machen vieles sicherlich anders als die eigenen Eltern oder Schwiegereltern … und – zack -, haben wir auch schon den ersten Spruch kassiert. Wir “verwöhnen unser Baby viel zu sehr”, weil wir es tragen, im Beistellbett schlafen lassen oder oder oder…Was ist deiner Erfahrung nach die beste Reaktion?

Verwandtschaft nervt
Stillberaterin & Buchautorin Anna Hofer

Jede Generation macht ihre eigenen, individuellen und zeitgemäßen Erfahrungen in der Erziehung ihrer Kinder. Was damals allgemeiner Konsens war, macht uns heute eine unangenehme Gänsehaut. Besonders das Thema des vermeintlich verwöhnten Kindes hält sich hartnäckig.

“Wir wissen doch selbst, wie unschön es sich anfühlt, wenn andere meinen, es besser zu wissen.”

Wir sollten uns immer selbst hinterfragen: Was möchte ich erreichen, wenn ich in den Dialog zu anderen über andere Erziehungsvorstellungen trete? Möchte ich belehren? Möchte ich aufklären? Möchte ich einfach “mein Ding” machen? Wenn ich den Impuls spüre, andere zu belehren, dann ist ein Konflikt vorprogrammiert und ich habe meinen Teil dazu beigetragen. Auch der Wunsch aufzuklären muss von meinem Gegenüber nicht positiv angenommen werden. Wer möchte schon gerne hören, dass er keine Ahnung hat? Immerhin haben unsere Eltern uns großgezogen, diese Rolle hatten sie vor uns inne. Ihnen ihr Wissen abzusprechen wäre auch Grund für einen Konflikt. Wir wissen doch selbst, wie unschön es sich anfühlt, wenn andere meinen, es besser zu wissen.

Die Verwandtschaft nervt? Bleibt euch treu!

Besser ist es, wenn ich zuhöre, akzeptiere, dass die Haltung gegenüber Kindern früher ein andere war (und ja heute auch oft noch so ist) und mir dennoch selbst treu bleibe.

Wie können wir denn der (angeheirateten) Verwandtschaft beibringen, dass wir unseren eigenen Weg gehen? Oft ist es ja verdammt schwierig, weil so viele Emotionen auf allen Seiten sind ...

Ja, das ist in der Tat herausfordernd. Viele jungen Eltern kennen die Situation, dass sie mit viel ungefragter Meinung konfrontiert werden, sobald das Baby auf der Welt ist. Einige erfahren das auch schon während der Schwangerschaft. Dazu muss man wissen, dass Ratschläge der Verwandtschaft schon als Hilfestellung gemeint sind, aber nicht immer so bei uns ankommen. Wie ich schon sagte, ist es gut der Gegenseite zuzuhören, ohne aber innerlich das Gefühl zu entwickeln, dass unser Umgang mit unserem Kind nun grundsätzlich falsch ist.

“Im Kern geht es darum, andere Meinungen hinzunehmen.” – auch wenn die Verwandtschaft nervt!

… und wie “knicken” wir dann nicht ein, wenn wir gute Ratschläge bekommen?

Um die starke Emotionalität aus einer solche Situation zu nehmen, hilft ein Bild, das beispielhaft dafür steht, wie wir mit anderen Meinungen umgehen können: Wenn ich mit einer Freund oder einem Freund einkaufen gehe und ein in meinen Augen total schönes Shirt sehe, kann ich mich erkundigen, ob er bzw. sie das auch schön findet. Vielleicht ist die Antwort “Ja!”, vielleicht auch “Nein!”. Vielleicht findet die Freundin bzw. der Freund es auch hässlich. Hindert es mich daran, das Shirt dennoch weiterhin schön zu finden oder es zu kaufen? Im Kern geht es darum, andere Meinungen hinzunehmen, es geht noch nicht einmal darum, einen Konsens zu erreichen. Denn das ist nicht immer möglich.

Mein Tipp, wenn die Verwandtschaft nervt: Ratschläge anhören, ohne in Bedrängnis zu kommen!

Tatsächlich besteht die Kunst – oder besser gesagt – die Übung darin, sich diese Ratschläge (z.B. zum Thema: das Baby soll im eigenen Bettchen schlafen) anzuhören, ohne in Bedrängnis zu kommen, diese auch umsetzen zu müssen. Ich darf das auch anerkennend formulieren:

“Es ist schön und interessant, dass du mir erzählst, wie du damals damit umgegangen bist. Ich habe mir auch meine Gedanken dazu gemacht und möchte gerne, dass wir alle im Familienbett schlafen. Für uns ist das angenehm.”

“Die Themen Stillen, Schlafen oder auch Essen und Trösten bieten immer wieder Nährboden für Konflikte.”

Was sind denn so die typischen Herausforderungen im Baby- und Kleinkindalter im Umgang mit den (Schwieger)Eltern? Stichwort: “Wir sind ja auch groß geworden…”

Die Themen Stillen, Schlafen oder auch Essen und Trösten bieten immer wieder Nährboden für Konflikte. Ob wir einen Kinderwagen nutzen oder Tragen oder eine Kombination aus beidem. Alles, was die eigenen Großeltern selbst nicht kennengelernt haben, wird als fremd, manchmal auch neumodisch empfunden. Und: Die Angst davor, das Baby zu verwöhnen, sitzt tief.

Unsere Aufgabe ist es nicht, den Großeltern vorzuhalten, sie hätten es besser machen können. Sondern sich auf das zu konzentrieren, was uns mit unserem Baby wichtig ist. Normen und Werte wandeln sich, das ist gut und wichtig für eine dynamische, offene Gesellschaft.

Gleichzeitig stehen wir als Eltern vor der emotionalen Herausforderung uns ein Stück weit aus unserer Kinderrolle gegenüber unseren Eltern herauszuarbeiten. Wir brauchen nicht die Erlaubnis und auch nicht unbedingt die wohlwollende Zustimmung, dass unser Weg mit unseren Kindern gut und richtig ist. Es ist wichtig für uns und unser Familienleben, dass wir diese Überzeugung verinnerlichen und selbst überzeugt sind.

“Wir können durch unser Handeln ein schlechtes Gewissen auslösen, ohne, dass wir das beabsichtigt haben.”

Wenn ich mein Kind trösten möchte, wenn es weint, dann tue ich das, ganz gleich welcher Kommentar kommt. Wenn ich gut im Familienbett schlafe oder um Stillbeziehung kämpfe, dann ist das nicht egoistisch, sondern ich erfülle mir meinen Wunsch nach einem schönen Zusammensein mit meinem Kind. Denn das sind tatsächlich Kommentare, die meine Klient*innen immer wieder hören müssen.

Wir sollten daher folgendes im Hinterkopf behalten: Wenn wir familiäre Normen nicht weiterführen (alle hatten einen Kinderwagen, die eigene Mutter oder Schwiegermutter hat nicht gestillt), verunsichert das unser Gegenüber. Das müssen wir uns klar machen.

Wir können durch unser Handeln ein schlechtes Gewissen auslösen, ohne, dass wir das beabsichtigt haben. Wenn wir uns selbst oft fragen “Mache ich das alles gut und richtig mit meinem Kind? – seid euch sicher, unsere Eltern stellen sich die gleiche Frage. Ganz besonders, wenn wir etwas tun, was sie selbst nicht getan haben.

Diese Wehmut und Verletztheit kann aber nicht jede*r klar benennen – manche*r sucht sich andere Ventile, wie eben einen solchen Kommentar: “Ihr seid doch auch groß geworden!” Dahinter stecken viel Sorge und Unsicherheit. Wir können also liebevoll antworten “Natürlich, ihr habt euer Bestes gegeben und niemand streitet das ab!” Aber das muss uns nicht verunsichern oder daran zweifeln lassen, dass unser Umgang mit unserem Kind nicht gut und richtig ist.

Wir können die Großeltern auch mal direkt fragen, warum sie diese Dinge eigentlich glauben?

Was ist anders heute als früher? Und wie machen wir begreifbar, dass “Schreien nicht die Lungen kräftigt”?

Meine Co-Autorin Karin sagt: “In den letzten paar Jahrzehnten hat sich unheimlich viel bei der Säuglingspflege getan. Babys sollen nicht mehr auf den Bauch gelegt werden, Beikost wird nicht schon mit sechs Wochen begonnen und wir wissen, dass man Babys nicht mit menschlicher Nähe verziehen oder verwöhnen kann.”

Und das sind nur drei Beispiele! Unser Buch ist voll davon. Wir beschreiben darin, wie diese Fehleinschätzungen überhaupt entstehen konnten. Das allein hilft oft zu verstehen, warum so manche Ratschläge falsch sind.

Wir können das aber auch mit den Großeltern klären, indem wir sie fragen, warum sie diese Dinge eigentlich glauben oder den zugrundeliegenden Gedanken mal logisch weiterführen. Im Fall von „Schreien kräftigt die Lunge“ könnte das heißen, dass wir darauf hinweisen, dass Lungenkranken auch nicht empfohlen wird, viel zu schreien oder dass Babys beim Schreien eher flach einatmen als tief. Die Lunge wird also gar nicht so sehr ausgedehnt.

Die Verwandtschaft nervt? Auch wir selbst sollten unsere Erwartungshaltung hinterfragen!

Was haben Erwartungen mit diesem Geflecht aus Beziehungen zu tun? Und wie lassen wir los?

Wir erfüllen in unserem Leben viele Rollen und wie wir sie ausfüllen – das liegt auch in den Erwartungen von außen. Wenn ich etwas tue oder nicht tue, die Art, wie ich denke und handle, kann mich in die Lage versetzen, mich selbst zu fragen: Warum so und nicht anders? Nach welcher Erwartung handle ich? Aus meiner eigenen oder der meine Eltern, meiner Schwiegereltern, meines Chefs etc.? Das braucht Übung und fällt uns nicht immer leicht. Oft tut es gut, sich auszutauschen. In einem professionellen Setting oder mit Freund*innen, die ähnlich wie wir ticken.

Umgekehrt haben wir aber auch Erwartungen an die (zukünftigen) Großeltern und sind nicht selten enttäuscht, wenn sie nicht dem Bild entsprechen, das wir uns von ihnen wünschen. Das reicht von wenig Interesse am Enkelkind bis hin zu wenig oder gar keiner Unterstützung im Alltag.

Öfter sagen mir meine Klient*innen, sie seien enttäuscht darüber, dass sich die Eltern nicht über das Enkelkind zu freuen scheinen. Dabei liegt es an uns, die Beziehung zwischen Enkelkind und Großeltern zu ermöglichen, bis unser Kind groß genug ist, um das selbst zu übernehmen. Wenn wir uns Kontakt wünschen, laden wie sie doch ein. Niemand hindert uns daran, außer unsere Erwartungshaltung gegenüber den Großeltern.

Die Verwandtschaft nervt, aber …

“Wir können Menschen nicht ändern und es steht uns auch nicht zu.”

Was können wir tun, wenn wir – speziell von unseren Schwiegereltern –  verbal immer auf die 12 bekommen, wir nicht gehört werden und das einfach nur weh tut?

Ich kann immer prüfen, ob mein persönlicher Akku gerade ein Treffen zulässt. Damit ich eben nicht auf die 12 komme. Wir können Menschen nicht ändern und es steht uns auch nicht zu. Wir können versuchen, sie so zu nehmen, wie sie sind. Und wenn uns das viel Kraft kostet, müssen wir schauen, dass wir sie zu einem Zeitpunkt treffen, an dem wir gut mit diesen “Marotten” umgehen können.

Wir können im Geiste ein solches Treffen durchspielen und uns Antworten zu immer wiederkehrenden Kommentaren merken. Und wenn ich merke, dass ich keine Ressourcen habe, ein Zusammentreffen ohne Konflikt zu überstehen, sorge ich gut für mich und vertröste auf einen anderen Tag. Das ist gut für mich und meine Familie. Das setzt natürlich den offenen Dialog in der Partnerschaft voraus – und auch das können wir erlernen.

Auch wenn die Verwandtschaft nervt: “Es lohnt sich in meinen Augen immer, in den Dialog zu gehen.”

Ab welchem Punkt sagst du: Das macht keinen Sinn mehr in den Dialog zu gehen, bitte baut euch euer eigenes Dorf weiter aus?

Generell ist es gut und sinnvoll, sich ein eigenes Dorf zu schaffen. Menschen, die ähnlich denken, fühlen und handeln, wie wir selbst, können immer eine Bereicherung für uns sein. Das schafft Resilienz.

Es lohnt sich in meinen Augen immer, in den Dialog zu gehen. Denn es geht um unsere Eltern und Schwiegereltern, also Menschen, die uns wichtig sind, die wir lieben und die ein wichtiger Teil in unserem Leben sind. Ob dieser Dialog von der Gegenseite angenommen wird, seht natürlich auf einem ganz anderen Blatt geschrieben. Wenn wir den Kontakt abbrechen, geschieht dies nie leichtfertig und es schmerzt. Ob ein Kontaktabbruch Sinn macht oder nicht, kann niemand außer der Person, die es betrifft, beantworten.

Mehr über Anna Hofer:

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