Pränataldiagnostik: Mama Kati betrachtet dieses Wort, die Untersuchungen, mit sehr gemischten Gefühlen. Ihre Tochter Eleni hat das Down-Syndrom. Bluttests? Screenings? Für sie geben sie nur eine „trügerische Sicherheit“. Und sie sieht eine große Gefahr.

Über diese hat die Journalistin Kati Pein mit mir in diesem Interview gesprochen. Sehr berührend. Auch für mich, denn unsere Töchter sind Freundinnen. Dazu ist Kati auch Gründerin von MutterKutter.

Pränataldiagnostik
Foto: Kati Pein

Kati hat erst im Kreißsaal davon erfahren, dass Eleni das Down-Syndrom hat. Ihr Artikel über die ersten Stunden mit Eleni – einer, der mir heute noch die Tränen in die Augen treibt und dazu viel Liebe durch meinen Körper strömen lässt – findet ihr hier. Und noch einen weiteren, über die Physiotherapie mit Eleni – hier.

Das hier ist Teil 4 unserer Reihe rund um die Pränataldiagnostik. Alle weiteren Links findet ihr unten im Artikel.


Das Interview mit Mama Kati

Liebe Kati, wie stehst du zur Pränatalmedizin:

Ich finde die Pränatalmedizin durchaus eine Errungenschaft unserer Zeit – und wenn ein Anlass besteht, Dinge abklären zu müssen – völlig okay. Sie sollte aber nicht dazu da sein, sich Kinder aussuchen zu können.

Pränataldiagnostik: Es ist immer anders, wenn man in der Situation selbst steckt. 

Der Bluttest scannt ja auf Trisomien, so wie das Down-Syndrom, das deine Tochter hat. Mit welchem Gefühl betrachtest du solche Tests?

Ich betrachte die Bluttests mit gemischten Gefühlen. Denn sie können ja vielleicht die Trisomien ausschließen – aber es gibt so viel schlimmere genetische Fehler als zB eine Trisomie 21. Oder andere Krankheiten, Geburtsschäden oder auch Behinderungen durch eine Frühgeburt. Die kann der Test nicht ausschließen. Er bietet für mich daher – wenn überhaupt- nur eine trügerische Sicherheit.

Pränataldiagnostik: Wir sollten nicht Gott spielen

Außerdem: die Konsequenzen: Aus meiner Erfahrung kann man sich vorher so viele Gedanken machen, wie man möchte, was man täte, wenn … Es ist immer anders, wenn man in der Situation selbst steckt. Und ich halte es für sehr gefährlich, wenn wir Menschen sowas wie Gott spielen wollen – es gibt Gründe, warum er oder wer auch immer die Kinder für die jeweiligen Eltern ausgesucht hat. Es ist nicht so, dass sich Eltern ihre Kinder aussuchen! 

Pränataldiagnostik
Down-Syndrom
Pränataldiagnostik: Was soll das mit der grundsätzlichen Kassenleistung?

Der Bluttest als Krankenkassenleistung. Was bedeutet das für dich? Könntest du uns bitte deine Gedanken schildern?

Da dran darf ich gar nicht denken … Da werde ich richtig wütend: Was soll das denn auch? Wie gesagt: Wenn es einen Anlass gibt und man die Trisomien 13 und 18 – bei denen keine Lebensfähigkeit besteht – ausschließen möchte, dann kann der Test von mir aus auch eine Kassenleistung sein.

Aber es kann doch eine Krankenkasse nicht ernsthaft bezahlen wollen, dass man sich Kinder aussuchen kann. Mein Freund sagt immer: Wir sind doch nicht in einem Geschäft – wenn die Hose ein Loch hat, dann tauschen wir sie eben um! So geht das nicht. 

Welche Sorgen hast du im Hinblick auf unsere Gesellschaft?

Ich kenne inzwischen so viele besondere Kinder und Eltern von besonderen Kindern und ich weiß, wie sie unser Leben bereichert haben. Die Kinder mit all ihren Möglichkeiten, Stärken aber auch mit ihren Schwächen.

Und auch die Eltern, die sich alle mit unglaublicher Kraft und Liebe um ihre Kinder kümmern. Wie arm und trist wäre unsere Gesellschaft ohne all diese Menschen. 

Das Positive überwiegt!

Und gibt es irgendetwas, das du werdenden Eltern, die vielleicht grad erfahren haben, dass ihr Kind das Down-Syndrom hat, sagen möchtest?

Ich möchte die Eltern, die gerade vor der Entscheidung stehen, gern einfach einladen – kommt zu uns, erlebt einen Tag mit Eleni … Es ist alles ein bisschen anders, es gibt sicher mehr Termine, es gibt sicherlich auch mehr Sorgen – das will ich gar nicht verhehlen, aber der Schmerz von dem in meinem ersten Artikel ganz am Ende geschrieben habe, der ist nur noch an ganz ganz wenigen Tagen da.

Alles andere, alles Positive überwiegt! Und noch einmal – das Kind hat sich euch ausgesucht, weil es weiß, dass ihr es schafft.


Zu Teil 1 – Judiths Interview mit einem Pränatalexperten – geht es hier.

Zum zweiten Teil – Judiths persönlichen Gedanken rund um das Thema – hier. In diesem Artikel erzählt unsere Frauenärztin, wie sie zur Pränatalmedizin steht. Im Fokus auch: ihre erste Schwangerschaft. Damals hat sie alle Untersuchungen gemacht – und dennoch wurde die fehlende Hand ihrer Tochter übersehen.

Und zum dritten Teil, dem Interview mit Moderatorin & Buchautorin Anna Funck zum NIPT – hier. Anna erzählt, warum sie sich für ihn entschieden hat.

Außerdem habe ich noch einen Film mit Fotografin Jenny Klestil gedreht rund um ihre Arbeit mit Familien mit Kindern mit Down-Syndrom.


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