Planet Mutter: Mütter waren für mich oft merkwürdig. Eigen. Anders. Frauen, die auf ihrem ganz eigenen Planeten leben. Ein Ort, an dem der einst geliebte Job Lichtjahre entfernt ist und es scheinbar 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche um nichts anderes geht als um Windelinhalte.

Planet Mutter: vieles war für mich ein Rätsel

Die besten Kinderärzte. Oder eben darum, dass man mit Säugling nicht einmal mehr zum Duschen und Zähneputzen geschweige denn zum Haushalt kommt. Gerade Letzteres war für mich als Nichtmutter immer ein Rätsel. Denn solche Aussagen passten für mich nicht mit den Frauen überein, die ich in meinen rar gesäten Mittagspausen (zugegeben: neidisch) beobachtete.

Planet Mutter: Haben die denn wirklich so viel Stress?

Denn diese Mütter schoben fröhlich quatschend ihre Kinderwagen – am Besten in Zweierreihen die Einkaufsmeile hinunter (damit auch wirklich niemand mehr vorbei kann), um gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen. Von der viel beschriebenen Dauermüdigkeit äußerlich keine Spur.

Ich war der Meinung: die übertreiben maßlos, meine zum Teil 16-Stunden-Arbeitstage wären schlimmer. Und nicht nur das. Für mich waren Mütter dazu irgendwo auch komplett schmerzfrei. Wie kann man sonst ohne rot zu werden seine Brust im Restaurant rausholen? Immer wieder fragte ich mich: Warum füttern die nicht einfach Zuhause?

Hilfe, die haben scheinbar nur noch Kind im Kopf!

Am Schlimmsten waren für mich aber die Frauen, die plötzlich nicht mehr den Job, sondern nur noch Kind im Kopf haben. Frauen, die auch Nichtmüttern alles ungefragt erzählen. Unnütze Infos, wie „Geil. Er hat endlich gekackt.“. Na, danke.

In völliges Unverständnis bin ich dann aber noch in meiner Schwangerschaft gestürzt. Damals habe ich erfahren habe, dass sich ein Bekannter, der Kindsvater, für die anstehenden Arzttermine extra frei genommen hat. Ich höre mich heute noch vollmundig sagen: Warum macht sie denn das bitte nicht alleine? Das ist doch ihr Job!

Planet Mutter? Ich hatte mich gewaltig geirrt!

Tja, die Jobbeschreibung Mutter, die hätte ich vorher wohl besser lesen sollen. Mit der Geburt meiner Tochter kam die Demut gegenüber anderen Müttern, vor allem denjenigen, die mehrere Kleinkinder plus Säugling zuhause haben (Hilfe, wie geht das?) . Und die Einsicht, dass ich extrem gut darin war, meine Vorurteile zu pflegen und blind zu urteilen.

Putzen? Wie denn, wenn das Kind ständig durch die Gegend getragen werden will und brüllt, sobald man es ablegt. Einkaufen? Geht nicht, ich kann nicht die Einkäufe und das Kind in den zweiten Stock schleppen. Kaffee trinken zur besten Tageszeit mit anderen Müttern? Ich liebe es. Im Kinderwagen schläft sie seelenruhig und ich komme so raus. Und: Es kann doch auch sonst niemand um diese Uhrzeit.

Plötzlich muss auch ich meine Brust in der Öffentlickeit rausholen

Stillen in der Öffentlichkeit? Was um Himmels Willen soll man machen, wenn das Kind schon wieder Hunger hat. Ich kann mich ja schließlich nicht Zuhause einsperren. Aber: Das erste Mal war ich klitschnass geschwitzt, weil es mir so unangenehm war. Müdigkeit? Furchtbar. Folter. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten sind nichts dagegen. Arztbesuche alleine. Hölle, wenn das Kind beim Impftermin die Praxis zusammenschreit und der Freund nicht da ist, um Frau und Kind zu beruhigen. Planet Mutter? Ja, auf dem lebe auch ich seit nun drei Monaten. Und er ist wunderschön.

Planet Mutter – ja, die Vorurteile sind oft fehl am Platz!

Der geliebte Job ist weit weg, dafür dreht sich alles um Babies Leben: Essen, verdauen, schlafen. Ich lebe heute viele meiner alten Vorurteile – und das ist gut so.

Nur: Über Windelinhalte spreche ich partout nicht mit Nichtmüttern. Und ich wage immer wieder einen Blick in die alte Welt. Freundinnen, die keine Kinder haben, helfen dabei. Genau so schaffe ich es täglich zu duschen und mir die Zähne zu putzen. Aber: Ich verurteile Mütter nicht mehr dafür, wenn sie die scheinbar normalsten Dinge der Welt nicht schaffen. Jedes Kind ist anders.

Das Muttersein hat mich eins gelehrt: Vorurteile sind hier meist fehl am Platz. Denn jede Mama gibt auf ihrem Planeten doch ihr Bestes. Auch wenn ihr Universum von außen betrachtet eigen und merkwürdig sein mag.


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