Wir Eltern haben eine Verantwortung. Und wir müssen dafür sorgen, dass wir dieser Verantwortung als Eltern auch gerecht werden. Immer. Ein klares Statement von Mamapsychologin und MutterKutter-Autorin Isabel Huttarsch zum Thema „Mama meckert“. Dieses Interview, die Antworten von Isabel, haben mich, Doro, bewegt. Sehr sogar.

Mamapsychologin Isabel Huttarsch Mamablog Mamablogger MutterKutter Dresden Autorin Verantwortung Eltern
Mamapsychologin Isabel Huttarsch I Foto: get_shot.de

Weil die Dresdnerin mit so viel Liebe auf unseren Mama- Job blickt. Selbst auf meckernde Moms. Sie hat so viel Verständnis für die Situationen, in denen wir Eltern im Alltag regelrecht feststecken können. Situationen, die die Zweifachmama auch persönlich schon erlebt hat, sie gibt tolle Ratschläge. Und nicht nur das. In diesem Interview beantwortet Isabel auch die Frage: Wie schlimm ist es für unsere Kinder, wenn wir meckern?

Mir war es ein Bedürfnis, einen zweiten Artikel zum Thema zu posten (hier geht es zum ersten). Einfach, weil ich gemerkt habe, wieviele von euch da draußen diese Mecker-Momente kennenUnd etwas ändern wollen. Dafür ist dieser Artikel da! Von Herzen DANKE an dieser Stelle für euer Feedback auf allen Kanälen!

Viel Spaß beim Lesen!

Werbung, da Verlinkung*


Liebe Isabel, ich muss dich mal direkt fragen. Ich kann nicht anders. Du schreibst so wundervolle Texte. Du hilfst so vielen Frauen auf eine entspannte Art mit deinen Tipps, Ratschlägen, Wissen, deinen Geschichten auf Instagram. Du wirkst so ausgeglichen. So voller Liebe. Butter bei die Fische: Meckerst du überhaupt? Und wenn ja, in welchen Situationen?
Ich meckere, wenn das Fass voll ist.
Liebe Doro, ich danke dir sehr für deine so wertschätzenden Worte. Und ja, auch ich meckere. Nicht mehr so oft, wie ich es vor ein paar Jahren noch getan habe, aber ich meckere ab und an. Dabei trifft es nicht immer nur meine Kinder, sondern manchmal auch meinen Partner. Ist es nicht komisch, dass wir mit unserem Meckern meist die Leute treffen, die uns so am Herzen liegen? Inzwischen habe ich eine ziemlich gute Übersicht über die Situationen, in denen ich zur Meckermutti werde.
Es sind immer Situationen, in denen sich die Realität auf den ersten und manchmal auch zweiten Blick nicht mit meinen Bedürfnissen vereinbaren lassen möchte. Wenn ich nach einem Termin nach Hause komme, mit dem Wissen im Kopf, noch etwas Wichtiges schaffen zu wollen und dann das Chaos vorfinde, das mich Stunden kosten wird, um es zu beseitigen. Wenn mir etwas wichtig ist und die anderen Familienmitglieder dies missachten. Wenn ich müde bin und noch so viel vor mir liegt an diesem Tag. Kurz: Wenn das Fass ist voll ist und jemand scheinbar ungefragt noch etwas hinein gießt.
Ich habe ja grad die Hosen runtergelassen und über meine Mecker-Momente geschrieben. Ich dachte mir: Es ist so wichtig, darüber zu reden. Was hast du gedacht und gefühlt, als du den Artikel gelesen hast?

Zuallererst habe ich an die Umarmung gedacht, die ich dir und all den Mamas da draußen so gerne geben möchte, wenn sie in genau dieser Situation scheinbar feststecken. Wenn sie merken, dass sie nicht die Mama sind, die sie gerne wären. Wenn alles zu viel wird und sich das ganze Leben schwer anfühlt.

Wir Eltern übernehmen Verantwortung: Doro, Du hast ein Tabu gebrochen.
Mamapsychologin Isabel Huttarsch Mamablog Mamablogger MutterKutter Dresden Autorin Verantwortung Eltern
Foto: get_shot.de

Dann habe ich mich gefreut. Darüber, dass du ein Tabu brichst und über das Meckern schreibst. Darüber, dass du für dich erkannt hast, dass es deine Bedürfnisse sind, die sich über den Weg des Meckerns in dein Bewusstsein drängen. Und dann war ich tatsächlich etwas traurig darüber, dass du die Kritik an dir selbst als Teil der Lösung siehst. Denn ich kenne das nicht nur von „meinen“ Mamas, sondern auch von mir selbst. Erst mal die Kritikkeule schwingen und sich selbst klein machen. Dann können wir weiter sehen.

Leben als Eltern: „Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten.“

Und von außen betrachtet fühlt sich das so falsch an. Brauchen wir diese scharfe Kritik an uns selbst tatsächlich, um etwas zu verändern? Reicht nicht das unfassbar bedrückende Gefühl der Schuld, das wir nach einem Meckersturm ohenhin erfahren, gepaart mit dem Entschluss, etwas ändern zu wollen? Ich glaube, dass viele von uns Mamas lernen dürfen, dass der Lösungsweg nicht immer über die Stufe der Selbstkasteiung führen muss.

Kennst du den Spruch: „Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten“? Er trifft auch auf die Liebe für uns selbst zu. In einem Moment des subjektiven Versagens brauchen wir uns selbst mehr denn je. Selbstkritik kann uns die motivieren. Aber dann darf sie weichen und Platz machen für die Liebe.

Wie oft erlebst du Frauen in ähnlichen Sitationen? Mamas, die immer wieder an den Rand ihrer Kräfte kommen und daraus resultierend ungeduldig werden und hier und da explodieren. Vielleicht magst du uns erzählen, wie es anderen Mamas ergeht.

Beim Schreiben dieses Satzes wehrt sich etwas in mir, da ich meine Antwort darauf eigentlich nicht wahr haben möchte. Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, das käme selten vor. So viele Frauen, mit denen ich arbeite, stehen genau vor diesem Problem. Sie explodieren. Oft täglich. Mama sein. Frau sein. Mensch sein. Berufstätig sein. Ständig Rollen erfüllen und Aufgaben erledigen müssen. Ständig die Bedürfnisse anderer im Blick haben und die eigenen dabei vergessen, das zehrt.

Ist der Meckersturm vorbei, und wird es wieder ruhig in uns und um uns, dann wird es oft unerträglich still.

Und irgendwann geht nichts mehr. Das, was wir bislang zu unterdrücken versucht haben, strömt nach draussen. Mit doppelter Wucht trifft es uns in einem Moment, in dem wir nicht damit gerechnet haben. Wir explodieren. Unweigerlich. Wir können uns kaum dagegen wehren, wenn es uns überkommt. Ist der Meckersturm vorbei, und wird es wieder ruhig in uns und um uns, dann wird es oft unerträglich still. Wir schämen uns. Wir realisieren, dass wir die Grenzen unseres Kindes überschritten haben. Wir haben ein schlechtes Gewissen. Und wir schwören uns, dass das nicht mehr passieren soll.

Und so oft, früher oder später, da passiert es doch wieder. Nicht selten erstickt das erneute Meckern das Pflänzchen der bedingungslosen Gewaltfreiheit gegenüber unseren Kindern, das wir so mühsam zum keimen gebracht haben. Und wir sehen uns bestätigt in unserem Versagen.

Wir machen alle Fehler.

Natürlich haben wir Mamas – ich denke, da kann ich für viele sprechen – ein schlechtes Gewissen, wenn wir explodiert sind. Bei mir super schlecht – zeitweise habe ich mich sogar als schlechte Mutter gefühlt. Natürlich wäre es schöner, immer ruhig und Mama Buddha zu sein. Aber irgendwie sind wir ja auch nur Menschen. Was glaubst du: Was macht das Meckern mit unseren Kindern? Wie schlimm ist es wirklich?

Meckern macht etwas mit unseren Kindern. Aber man kann nicht pauschal sagen, dass Meckern immer unweigerlich zu irreversiblen Schäden an der Seele unserer Kinder führt. Dabei ist es unumstritten, dass Meckern und die damit einhergehende emotionale Explosion die zarte Kinderseele verletzen kann. Vor allem dann, wenn das Kind sich als Ursache für das Meckern erlebt. Dann, wenn das Kind spürt „ich bin Schuld, ich bin nicht liebenswert, ich bin nichts wert“. Dabei kommt es nicht darauf an, ob wir das bewusst so kommunizieren, sondern ob unser Kind das für sich so empfindet.

Eltern: Wir dürfen mit unseren Kindern auf Augenhöhe gehen.

Wir alle machen Fehler. Unsere Verantwortung als Eltern liegt darin, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Das geht schwer, wenn wir in unserer Scham und dem schlechten Gewissen verhaftet bleiben. Wir können uns bei unserem Kind entschuldigen, wenn wir merken, dass wir ungerecht waren. Dass wir geurteilt haben. Dass wir verurteilt haben. Wir dürfen auf Augenhöhe gehen und unser Kind wissen lassen, was es für uns bedeutet. Wir dürfen unserem Kind aufrichtig in die Augen blicken und sagen „ich liebe dich“. Und wir dürfen den festen Entschluss fassen, etwas zu verändern. Und dann dürfen wir handeln. Ausprobieren. Scheitern. Aufstehen. Weiter gehen.

Unsere Kinder dürfen uns meckern sehen. Sie dürfen wahrnehmen, dass wir unzufrieden sind. Dass da etwas unsere ureigenen Grenzen überschritten hat. Dass es zum Leben dazu gehört, starke Gefühle zu haben. Aber wenn wir unserem Kind ein Vorbild sein wollen, und das sind wir unweigerlich, so dürfen wir uns fragen, was wir selbst mit diesen starken Gefühlen tun wollen. Wenn die Antwort auf diese Frage in einer Situation das Meckern ist, dann müssen wir dafür Sorge tragen, dass unser Kind unmissverständlich spürt, dass es ein Verhalten ist, das unser Missgefallen auslöst und nicht das Kind selbst.

Raus aus der Mecker-Falle, liebe Eltern: dafür brauchen wir Zeit und Übung.

Wozu rätst du uns Mamas, wenn wir in der Mecker-Falle feststecken. Wie kommen wir da wieder raus, sprich: Was ist dein Rat als Psychologin für Momente, Tage, Phasen, wie diese?

Wenn wir wirklich raus wollen aus der Mecker-Falle, dann brauchen wir vor allem zwei Dinge: einen langen Atem und die Gewissheit, dass wir uns in jedem Moment ganz neu für uns und unsere Kinder entscheiden dürfen. Den langen Atem brauchen wir, da es verdammt schwer ist, der zementierten Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse bewusst zu entsagen und ihr Selbstfürsorge entgegen zu setzen.

Die gute Nachricht ist, dass wir genau das lernen können. Und das braucht Zeit und Übung. Dazu müssen wir uns immer und immer wieder selbst betrachten, uns immer wieder die Frage stellen: was brauche ich, damit es mir gut geht? Und selbst wenn wir unser Vorhaben gebrochen und doch wieder gemeckert haben, dann lohnt sich die Frage: was brauche ich, damit es mir besser geht? Dabei müssen wir radikal ehrlich zu uns sein. Alles andere wird uns nicht dabei helfen, aus der Mecker-Falle auszusteigen.

Wir meckern aus einer inneren Unzufriedenheit heraus.

Um da wirklich nachhaltig dran zu bleiben, braucht es ein „warum“. Dein „warum“. Warum möchtest du diese Veränderung für dich und deine Familie? Ohne diese Motivation ist es hier nicht anders als bei anderen Projekten. Sie verlaufen im Sand. Wenn du für dich festgestellt hast, dass sich etwas ändern muss und du dein Mecker-Verhalten tatsächlich verändern möchtest, dann gratuliere ich dir dazu. Alleine diese Erkenntnis ist ein kleiner Akt der Selbstliebe für dich und ein kleiner Akt der Liebe für deine Familie. Und er kann groß werden, dieser Akt. Dadurch, dass du auf dich blickst und dich achtest.

Wir meckern meist nicht, um andere bloß zu stellen. Wir meckern aus einer inneren Unzufriedenheit heraus. Weil es für uns nicht mehr geht, einfach nur zu schweigen. Weil wir sonst etwas tief in uns verleugnen würden. Einen Teil von uns Selbst. Einen Teil, der gesehen werden möchte und muss. Also frage dich: was möchte in dir gesehen werden und braucht Aufmerksamkeit? Und dann gib diesem Teil deine volle Aufmerksamkeit. Hege und pflege ihn, bis er stark genug ist und das Meckern nicht mehr benötigt, um seine wahre Größe zu erreichen. „Dafür habe ich aber keine Zeit“ ist dabei ein gefundenes Fressen für das Meckermonster und lässt es stark werden in froher Erwartung der nächsten Explosion.

Lass das Meckermonster Monster sein und füttere lieber deine Seele. Sei gut zu dir. Und du wirst es auch zu deinen Kindern sein.

Übrigens: Coaching ist Isabels Herzensangelegenheit. Ihren wertvollen Ratschlägen rund um das Thema Mamasein und Eltern-Leben könnt ihr auf Instagram und auf Facebook folgen.

Mamapsychologin Isabel Huttarsch Mamablog Mamablogger MutterKutter Dresden Autorin Verantwortung Eltern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere.