Beziehung

Trennung oder nicht? „Liebe fühlt man“, sagt der Paarcoach.

Ein ehrliches Gespräch mit dem Paarcoach Sascha Schmidt über (Eltern-)Liebe, Freundschaft und Trennung. Autorin: Dorothee Dahinden

Trennung: Manchmal geht die Liebe. Schleicht sich davon. Und dann? Wie merken wir, dass unsere Beziehung am Ende ist? Und wie geht Trennung friedlich? Der Paarcoach Sascha Schmidt mit klaren Antworten.


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Lieber Sascha, Trennung…mir tut das Wort schon weh, wenn ich es schreibe. Da hängt so irre viel dran. Dazu kommt vielleicht auch, dass ich als Scheidungskind Trennung schon in frühester Kindheit mitgemacht habe. Dennoch denke ich auch heute noch: Lieber trennen als ewig Streit haben. Lieber auseinandergehen als sich über Jahre unwohl fühlen. Mir ist natürlich klar, was eine Trennung – vor allem wenn Kinder im Spiel sind – für Folgen hat. Wie stehst du dazu?

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Paarcoach Sascha Schmidt

Spannend, welche Assoziation du mit dem Wort „Trennung“ hast. Ich bin nämlich auch ein Scheidungskind und mir fällt Trennen gar nicht schwer. Für mich persönlich ist es fast herausfordernder in der Beziehung zu bleiben und durch Krisen zu gehen. Ohne Kinder im Spiel sind für mich Trennungen okay, wenn man spürt, dass es nur noch sehr schwierig weitergeht. Man kann sich und dem Partner viel Leid und lange Durststrecken ersparren. Sobald Kids an Bord sind, solllte man mindestens dreimal drüber nachdenken und -fühlen. Kinder wollen nicht, dass sich die Eltern trennen. Punkt.

Trennung: „Das Herz der Kinder bekommt einen Sprung.“

Wenn Eltern aber nicht mehr gemeinsam können und alles individuell Ertragbare probiert haben, wie Auszeiten oder Paarberatung, dann ist Trennung für mich kein Tabu. Doch man sollte sich bewusst sein, das Herz der Kinder bekommt einen Sprung. Umsowichtiger ist es dann, als Mutter und Vater respektvoll und liebevoll zu den Kindern zu sein, auch wenn es als Frau und Mann nicht mehr geht.

Ich würde denken, dass zu dir in erster Linie ja Paare kommen, die ihre Liebe kitten wollen…Liege ich da richtig? Was ist, wenn in den Gesprächen bei dir rauskommt, dass nichts mehr zu machen ist. Wie sieht dein Job dann aus? Wie hilfst du dann?

Du liegst nicht ganz richtig. Manche Paare kommen auch, um einen guten Weg der Trennung zu besprechen. Mein Hauptanliegen für Elternpaare, die nicht mehr weiterkönnen oder wollen, ist, dass eine herzliche Klarheit entsteht.

Der Schmerz ist immer da.
Trennung
Foto: Melissa Bungartz

Ich versuche den Blick darauf zu schärfen, dass sie nicht gescheitert sind. Sie sind einen gemeinsamen Weg mit Höhen und Tiefen gegangen und haben jetzt beschlossen, dass die Wege sich trennen. Die nimmt den Fokus weg vom Scheitern hin zum Erreichten wie Familiengründung und Hauskauf sowie der schmerzhaften Erkenntnis, dass dies nun zukünftig anders sein wird. Der Schmerz ist übrigens auch eine Gemeinsamkeit bei Paaren, die sich respektvoll trennen.

Was sind deiner Erfahrung nach die häufigsten Gründe für eine Trennung? 

Die alten Klassiker wie Seitensprünge, Affären und Suchtverhalten – hauptsächlich Alkohol- oder Arbeitssucht. Die Süchte sind häufig in der einzelnen Person verankert und der Partner merkt, dass er es nicht mehr aushalten kann, wenn die Verantwortung für Kinder da ist. Die Seitensprünge und Affären hingegen haben oft eine Ursache in der Paarbeziehung. Es sind beide direkt oder indirekt beteiliegt. Fehlende Sexualität und Paar-Zärtlichkeiten nach der Geburt von Kindern ist ein Anlass. Hier haben Paare es versäumt, nach der Familiengründung neben Mutter- und Vatersein auch das Frau- und Mannsein wiederzubeleben.

Routinen können die Liebe einlullen.

Die Liebe geht…Ist das ein schleichender Prozess? Wie sieht der oft aus? 

Ja, es ist ein schleichender Prozess. Gerade wenn neben Kindern auch noch der Job seine Aufmerksamkeit einfordert. „Wir sind nur noch ein Team aber kein Liebespaar mehr“ steht oft in der Kontaktaufnahme für eine Paarberatung in der Mail. Routinen und Komfortzonen bieten Sicherheit und gleichzeitig können sie die Liebe einlullen. Das geht ein bis zwei Jahre gut und dann kommt es zum Knall. Entweder erhöhte Streitigkeiten oder eine Affäre steht am Horizont bzw. ist schon am Laufen.

„Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“

Und woran merken wir, dass die Liebe gegangen ist? Und was ist der Unterschied für dich zwischen Liebe und „inzwischen Freundschaft“?

Da zitiere ich gerne Erich Fried: „Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“ Punkt. Liebe fühlt man – zumindest ich. Und Liebe akzeptiert, was ist. Ohne Wertung. Ich habe Paare, die Zoffen sich und müssen sich echt Zusammenraufen. Doch das geht, denn sie liebt ihn und er liebt sie. Zu dieser Spezies gehören meine Frau und ich übrigens dazu. Freundschaft hat für mich Aspekte der Liebe in sich – doch es fehlt das gewisse Extra, dieses Kribbeln, die Kür. Bei mir hat das viel mit körperlicher Anziehung zu tun. Für andere mag es eher eine Geisteshaltung sein.

Macht mehr Kurzurlaube.

Ein Beispiel: Im Urlaub ist es total harmonisch, im Alltag fliegen die Fetzen. Wie erkennen wir den wahren „Zustand“ einer Beziehung?

Solange der Urlaub gut läuft, ist für mich alles im grünen Bereich. Dann wäre der Tipp: Macht mehr Kurzurlaube und holt den Urlaub nach Hause. Was macht den Alltag so konfliktbeladen? Schwieriger ist es, wenn selbst im Urlaub nur noch der Streit dominiert. Dann ist vielleicht wirklich tiefer Kontakt verloren gegangen. Den wahren Zustand erkennt man in Krisen. Ist mir mein Partner egal oder fühle ich plötzlich wieder etwas, das verschütt gegangen war?

Trennung

An welchem Punkt sagst du: Es hat keinen Sinn mehr? Die Liebe habt ihr hinter euch gelassen? 

Das kann ich nicht sagen. Die Erkenntnis kann nur der Betroffene selbst haben. Doch ein Indikator für mich und eine Frage an meine Klienten ist: Gibt die Beziehung ihnen noch Kraft oder nimmt sie nur noch dauerhaft Energie? Also wie stark leide ich und wie lange möchte ich noch leiden?

Trennung auf Augenhöhe – dann geht es entspannt.

Die Trennung: Wie geht sie sauber, ohne viel Streit und vielleicht sogar „mit Gewinn“ für beide? 

Eine gute und respektvolle Trennung im Guten funktioniert meiner Erfahrung fast nur, wenn beide diese wollen und keine emotionalen Verletzungen vorliegen. Sobald einer gekränkt wurde, sich hintergangen fühlt oder sich gar nicht trennen möchte, sind Konflikte bis Streit programmiert. Diese werden nicht immer offen ausgetragen.

Es gibt auch Partner, die eine Trennung akzeptieren und im Inneren am Kochen sind. Der Konflikt ist dann einseitig. Ein Gewinn ist eine Trennung, wenn man sich in die Augen schauen kann und sagt „Bis hierhin haben wir es geschafft. Jetzt geht jeder seinen eigenen Weg weiter. Ich achte das Erreichte und wünsche dir alles Gute für das Neue.“

Frauen ziehen die Trennung konsequenter durch.

Eine Leserin merkt nun: Ich kann nicht mehr. Ich möchte mich trennen, mich scheiden lassen. Wozu rätst du ihr an dieser Stelle?  

Hm, wenn meine bisherigen Antworten so etwas auslösen sollten, dann würde ich empfehlen mich zu fragen, ist das wirklich so oder nur eine Laune? Eine Trennung wirklich zu wollen passiert nicht nach dem Lesen eines Interviews. Das ist ein Prozess und dauert. Interessanterweise tun sich Frauen meiner Erfahrung nach schwerer, sich zu trennen als Männer. Dafür ziehen es Frauen konsequenter durch, wenn sie die Entscheidung getroffen haben.

Entflechtung im Alltag hilft!

Und, letzte Frage: Können wir unsere Liebe zurückholen? Wenn ja: wie ist das möglich? 

Nee, wir können sie nicht zurückholen. Das würde ich auch gar nicht wollen. Zugleich kann ich mich neu verlieben in meinen Partner. Wenn dies gelingt ist es ein Zeichen dafür, dass wir uns als Paar entwickelt haben. Wir sind raus aus den Stereotypen ala „Immer bist du so und so“ hinzu „Wow, das steht dir gut!“ Dabei hilft – so paradox dies klingen mag – Entflechtung im Alltag. Also bewusst einmal was ohne Partner und Familie machen. Sich wieder einmal ganz alleine als Frau und Mann erleben. Das bringt Leuchten und neues Liebesfeuer in die Beziehung.

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♥ Zu Saschas Buch „Wieder Paar sein“ hier

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Hier geht es zu weiteren Interviews mit Paarcoach Sascha Schmidt auf MutterKutter:

Paarcoach Sascha Schmidt: „Ich bestärke meine Klienten darin, wieder ihr eigenes Ding zu machen.“

Flaute im Bett? 5 knackige Tipps für mehr Elternsex.


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3 Kommentare

  1. Sehr interessantes Interview!
    Ich habe selbst im Freundeskreis Paare mit Kindern in Trennung und frage mich, wie ich sie am besten unterstützen kann…

    Liebe Grüße
    Mia

    1. Hallo Mia,

      wenn es Getrennte schaffen Eltern zu bleiben, auch wenn sie nicht mehr Frau und Mann sind, dann ist viel gewonnen. Ein kleiner Lesetipp dazu für den Freundeskreis ist das Buch von Mathias Voelchert (familylab.de) mit dem Titel: Trennung in Liebe.

      Herzliches Ahoi

      Sascha

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