Flaute im Bett? Gääääääähn! Müde. Was ist dieses Sex noch einmal? Echt jetzt? Sind die 2 Wochen schon wieder rum? Wie oft haben Eltern eigentlich Sex? Und warum haben wir als Eltern oft weniger Lust? Kommt, lasst uns einen Blick in unsere Schlafzimmer werfen.

Und das gemeinsam mit Sascha Schmidt. Er ist Paarcoach. Sascha hat sich in seinem Buch „Wieder Paar sein“ – klar – auch dem Thema Elternsex gewidmet.


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Foto: Sascha Schmidt

 

Wir wollen in diesem Artikel nicht nur einen Blick in Saschas Buch werfen – ich habe ihm auch ein paar Fragen gestellt, zum Beispiel: Elternsex – das klingt so dröge – warum ist das eigentlich so? Wie grundlegend ist Sex eigentlich für eine gute Beziehung? Dazu erfahrt ihr, was ihr gegen eine mögliche Flaute im Bett tun könnt. 

Sascha in diesem Artikel als MutterKutter-Sexperte. Mit Antworten auf alle wichtigen Fragen rund um das Thema Elternsex. Und mit seinen persönlichen Gedanken.

Erst das Interview, dann der Buchauszug für euch. Here we go.


P.S. Saschas Buchauszug handelt von Sex zwischen Mann und Frau. Deshalb habe ich die Fragen auch im Hinblick auf diese Familien-Konstellation gestellt. Wir haben uns auch schon dem Thema Mama, Mama, Kind gewidmet – und freuen uns auf mehr Content in Zukunft zu diesem Thema.


Flaute im Bett? Nicht mit Sascha!

Lieber Sascha, Elternsex – welche Attribute, Gedanken, Geschichten schießen dir da als erstes durch den Kopf? 

Auf die Schnelle: schwierig, normal, neuer Anlauf. Ohne Sex wären Eltern nicht Eltern. Doch das, was zwischen Frau und Mann passierte, lässt sich in der Mutter- und Vaterrolle nicht einfach fortführen.

Erotik entsteht, zumindest für mich, durch Engerie und Spannung. Dafür brauche ich das Gefühl von Distanz, also einem Gegenüber, dem ich nicht symbiotisch verbunden bin.

Viele Eltern funktionieren jedoch als super Team beim Kind. Sie verstehen sich nahtlos als Mutter und Vater. Ein großes gemeinsames „Familien-Wir“. Sexuelle Anziehung, das Gefühl begehrt zu werden, pausieren häufig. 

Elternsex = Stress?

Elternsex – das Wort klingt ja per se schon so richtig dröge, ja fast verstaubt. Woher kommt denn das, dass ich bei dem Wort schon ein „Gääääääääähn!“ im Hirn habe…?

Nun, bei mir kommt gleich der Gedanke: Will ich mir meine Eltern beim Sex vorstellen? Nein, will ich nicht! Und zweitens ist mein Bild: Stress, Müdigkeit, Kuschelbedürftigkeit. Laß das Atrribut „Eltern“ weg und schon bin ich in einem anderem Film.

Guter Elternsex – was ist deiner Meinung nach die Grundlage dafür?

Ehrlichkeit. Also was will ich haben und was kann ich geben? Ohne Wertung. Dann gemeinsam schauen, was davon geht und was nicht. Für mich war hilfreich, das Setting zu verändern. Zum Beispiel Kurzurlaube ohne Kinder, wo nichts an meine Vaterrolle erinnerte. 

Sex kann erden!

Und: Für wie grundlegend hältst du guten Sex für eine Beziehung?

Persönlich? Sehr wichtig! Ich habe mit meiner Frau öfters Konflikte; der Sex hat uns oft wieder auf den Boden der Beziehung gebracht – nennt man auch Versöhnungssex. Aus meinen Beratungen weiß ich, dass jede Beziehung einzigartig ist und somit Sexualität unterschiedlich gewichtet wird.

Eine wesentliche Erkenntnis stammt vom amerikanischen Sexualtherapeuten David Schnarch: Die Person mit dem geringeren Bedürfniss bestimmt das Sexleben eines Paares. Da stellt sich die Beziehungsfrage: Wird diese Macht wohlwollend und herzlich oder als Druckinstrument ausgelebt?


Eltern: Erotik und Sex – war da mal was?
Ein Auszug aus dem Buch „Wieder Paar sein“ von Sascha Schmidt

Die Zeiten, wo er Sie umwarb und sich Zeit nahm für ein zärtliches Vorspiel, sind lange her? Heute nur noch Routine oder gehetzt zwischen Tür und Angel? Erotik und Sex sind mit der Familiengründung erst einmal geparkt – müssen aber nicht zum Dauerparker werden. „Frauen wollen Zärtlichkeit und dann Sex. Für Männer ist Sex gleich Zärtlichkeit.“ (Weisheit aus einem Frauenmagazin)

Dass Frauen und Männer beim Sex unterschiedlich ticken, ist kein Geheimnis. Es macht die Begegnung der Geschlechter ja gerade aufregend und prickelnd. Nur je länger Sie das Bett mit Ihrem Partner teilen, umso mehr wissen Sie, was er oder sie mag, welche Knöpfe
gedrückt werden müssen, damit die Lust kommt oder steigt.

Flaute im Bett

Alle Langzeitpaare haben die Herausforderung, ihr Sexleben am Leben zu erhalten. Einigen fällt es leicht, anderen ist es nicht so wichtig. Im Idealfall haben Sie einen Partner, der so tickt wie Sie. Doch Eltern haben neue Hürden zu überwinden. Unabhängig von der körperlichen Genesung nach der Geburt sind frische Eltern einfach erschöpfter vom Tag. Da überwiegt oftmals die Müdigkeit die Lust. Später will man sich nicht erwischen lassen von den eigenen Kindern. Also ist der Zeitraum für zärtliche Erotik oder wilden Sex sehr begrenzt. Im Bett herrscht nur noch Flaute:

„Ich bin müde vom Alltag mit den Kindern. Ich habe keine wirkliche Lust auf Sex. Ihm zuliebe mache ich halt ab und zu mit.“ (35-jährige Frau)
„Was soll ich machen? Ich liebe meine Familie, doch ich will auch mal wieder mit meiner Frau schlafen. Pornoschauen ist nicht wirklich eine Lösung.“ (40-jähriger Mann im Einzelcoaching)

Die Sexualität eines Paares ist in vielen Fällen mit Scham versehen. Selten wird offen und freimütig im Freundeskreis darüber gesprochen. Und wenn, dann sind es eher die Frauen, die sich über ihr Schicksal austauschen. Männer reden kaum darüber.

Interessant ist gleichzeitig, dass, wenn die Sprachlosigkeit über die Paar-Erotik gebrochen ist, es nur so sprudelt an Frust, Unverständnis, geheimen Wünschen und moralischen Dilemmata. Ich habe einige Männer im Einzelcoaching erlebt, die wie befreit wirkten, als sie endlich jemandem ihre Not erzählen konnten. (Frauen kommen nicht mit diesem Thema zu mir – das scheint mir logisch, da ich ein Mann bin.)

Die Erotik- und Pornoindustrie bietet vielseitige Möglichkeiten, sich von der eigenen Bettflaute abzulenken. Wer es konkreter will, findet Seitensprung-Portale für jeden Geschmack im Netz. Was kurzfristige Aufregung und Abenteuer verspricht, führt kaum zu einer nachhaltigen Befriedigung. Die Flaute im Ehe- oder Paarbett bleibt bestehen, die Entfremdung nimmt zu.

Was tun?

Die Evolution der Paarsexualität

Wir haben nirgends gelernt, über unsere Sexualität zu sprechen. In der Phase der
Leidenschaft, wo unsere Hormone eine Dauerparty feierten, war dies auch nicht notwendig. Kleider runter und los war das Motto. Man erforschte seinen Partner, erlebte neue und ungeahnte Höhepunkte, und langsam spielte man sich als Paar ein: Lieblingspositionen etablierten sich, Vorspiel und Zärtlichkeiten folgten einem Muster. Und man konnte auch mal Nein sagen ohne Angst vor Partnerverlust.

Mit der Schwangerschaft bekommt die Sexualität eine neue Dimension. Männer fühlen sich oft gehemmt, während Frauen ein Feuer in sich spüren. Die Geburt ist etwas höchst Intimes. Männer erleben ihre Frauen in einer schmerzhaften und schutzlosen Situation. Viele Paare gehen gestärkt aus diesem Erlebnis hervor. Doch nach der Geburt ruht die Sexualität – das ist normal.

Mutter oder Vater zu sein und als Familie zu leben steht jetzt im Vordergrund. Die Müdigkeit, der Stress, die Verantwortung oder Sonstiges lassen keinen Raum für Sex. Am Anfang ist dafür beidseitiges Verständnis, aber dies kann sich mit der Zeit in einseitigen Frust verwandeln – bei Männern erfahrungsgemäß schneller als bei Frauen.

Höchste Zeit, darüber ins Gespräch zu kommen. Paaren, die vor der Geburt schon offen über ihre Sexualität sprechen konnten, fällt dies leichter als Paaren, die sich auch ohne Kinder schon etwas beim Sex vorgemacht haben.Paarcoach Sascha Schmidt Familylab Jesper Juul Liebe Familie Paar Therapie Mama Papa Eltern Blog Mamablog Mamablogger Mutterkutter

Über Sex offen sprechen

Die Sexologin Ann-Marlene Henning wurde der breiten Öffentlichkeit durch ihre TV-Doku „Make Love“ sowie dazugehörige Bücher für Teenager und Erwachsene bekannt. Ja, ein Aufklärungsbuch für Erwachsene! Der Erfolg zeigt, wie wenig Grundwissen viele Menschen über ihre eigene Sexualität haben. Nicht verwunderlich, denn egal ob Sie in einer Hippiekommune oder in einer katholischen Provinzfamilie groß geworden sind, die Sexualität blieb verklemmt – bei den Hippies durch den Zwang zur Freiheit, bei der religiösen Familie durch den Zwang zur Moral.

Heute leben wir endlich in einer Welt, wo sich Frauen und Männer auf Augenhöhe begegnen können – ob sie es tun, ist eine andere Frage. Bezogen auf unsere Sexualität können wir selbstbestimmt wählen, was und wie wir es gern haben. Sprechen Sie darüber!
Damit das Gespräch fruchtbar wird, müssen Sie zu Ihren sexuellen Gefühlen und Wünschen stehen. Das bedeutet, Sie sollten diese kennen, wahrnehmen und in Worte fassen. Hilfreich ist die spontane Antwort auf diese Frage: Schlafe ich mit meinem Partner, damit er Ruhe gibt, oder weil ich es wirklich will?

Wie Ihre Antwort auch lauten mag, es ist Ihr persönlicher Standpunkt. Es ist die
Ausgangsbasis für ein Gespräch, wie Sie die eingeschlafene Sexualität in Ihrer Partnerschaft wieder flottmachen können. Oder aber auch, wie Sie eine Lösung finden für die unterschiedlichen Bedürfnisse in der Paarsexualität.

Die Flaute im Bett beheben:

♥ Sprechen Sie unbedingt über Ihre Wahrnehmung Ihres Sexlebens als Paar. Was ist gut? Was fehlt Ihnen?

♥ Achten Sie darauf, dass das Gespräch ohne Kinder stattfindet. Ihr Sexleben geht Ihre Kinder nichts an!

♥ Führen Sie das Gespräch offen, also ohne gleich mit einer Lösung in der Hinterhand.  Der Ablauf sollte sein: Ein Austausch über die jeweilige Wahrnehmung, dann ein Austausch über Ihre Bedürfnisse und erst danach die gemeinsame Suche nach Lösungen.

♥ Hilfreich ist es, wenn Sie sich an Ihr Sexleben vor der Familiengründung erinnern. Was hat Ihnen da Spaß gemacht? Was ist irgendwie verloren gegangen? Was hätten Sie gerne wieder und was kann verloren bleiben?

♥ Informieren Sie sich über die weibliche und männliche Sexualität. Erschreckend wenig
Frauen und Männer kennen wirklich ihren Körper und das Zusammenspiel beim Sex. Starten Sie gemeinsam eine Forschungsreise in Theorie und Praxis.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Wieder Paar sein! Erfüllte Zweisamkeit trotz Arbeit und Kind“ vom Paar- und Familienberater Sascha Schmidt (Bordesholm bei Kiel).


Hier geht es zum ersten Interview mit dem Paarcoach Sascha Schmidt. Er erklärt unter anderem, wie er Mamas und Papas motiviert, wieder ihr eigenes Ding zu machen.

Und das haben wir noch zum Thema Elternsex im Angebot:

Und dann haben wir noch zwei weitere Artikel zum Thema Elternsex an Bord. Für weniger Flaute im Bett eben.

♥  Ein lustiges Plädoyer für mehr Elternsex von unserer Hebamme Kerstin Lüking. Ja, sie muss es wissen – Kerstin hat sieben Kinder. Und plädiert für weniger Flaute und mehr Spaß im Bett!

Und ihr habt uns verraten, was Elternsex für euch bedeutet  – ein Artikel, in dem unsere MutterKutter-Frauenärztin Judith euch auch verrät, warum Sex gesund ist.


Und hier bleibt ihr auf dem Laufenden:

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Auf YouTube gibt es immer wieder Filme zu verschiedenen Themen.

Ihr möchtet ihr wissen, wer hinter MutterKutter steckt und welche Themen wir hier behandeln? Dann lest gerne unter Crew und Ahoi! weiter.

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