Ein Gespräch zwischen 2 Frauen, die viel zu erzählen haben: Mama Valeska aka @mother_of_six_dragons und MutterKutter-Hebamme Kerstin Lüking.

Stellen wir uns vor, die Kölnerin und die Berlinerin treffen sich abends in einer Kneipe, zufällig. Ich bin mir sicher, ihnen würde der Stoff so schnell nicht ausgehen. Valeska hat 6, Kerstin 7 Kinder. Wie wuppt ihr so euren Alltag? Eine von sechs Fragen, die ich den beiden gestellt habe. Viel Spaß beim Lesen!


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Liebe Valeska, liebe Kerstin, zwei Mamas, zwei Großfamilien. Ihr kennt euch ja noch nicht. Stellen wir uns mal vor, ihr begegnet euch irgendwo zufällig. Vielleicht abends, ohne Kinder, in einer Bar. Ihr kommt ins Gespräch und erzählt euch, dass ihr beide sechs bzw. sieben Kinder habt. Wie wäre eure Reaktion auf die jeweils andere? Wie würde das Gespräch weitergehen? Ich treffe zumindest eher selten auf Mütter mit so vielen Kindern und kann mir vorstellen, dass ihr euch viel zu sagen habt.

Gespräch
Foto: Kerstin Lüking

Kerstin: Als erstes würde ich mal denken:“Wow, noch so eine von der Sorte! Willkommen im Club“. Ich würde mich Valeska wahrscheinlich sofort verbunden fühlen und hätte sie null Komma nichts in ein Gespräch verwickelt.

Im Gespräch: Ab wann wusstet ihr, dass ihr komplett seid?

Hier oben im Norden habe ich vor einiger Zeit von einer Mutter gehört: „3 ist das neue 2“, heißt: Immer mehr Mütter bekommen mehr als 2 Kinder. Ich finde es wundervoll. Wie war es bei euch – auch, wenn ihr diese Geschichte sicher schon 1000 Mal zum Besten gegeben habt: Wie kam es, dass ihr auch nach der dritten, vierten und fünften Geburt nicht gesagt habt: „Nun sind wir komplett.“ Wusstet ihr das schon früher oder war nach jeder Geburt klar: Da ist noch Platz für jemanden!?

Gespräch
Foto: Valeska @mother_of_six_dragons

Valeska: Kaum war unser erstes Kind auf der Welt, habe ich noch im Kreisssaal zu meinem Mann und der Hebamme gesagt, dass ich noch ein Kind haben möchte. Sie hat mich allerdings nach dem Tagesmarsch eher für verrückt gehalten.

Für uns war aber klar, dass wir es nicht bei einem oder zwei Kindern belassen werden und wir Platz für mehr haben. Die drei Großen sind in nicht mal vier Jahren auf die Welt gekommen und ich habe ja auch immer fast voll gearbeitet. Natürlich ist anfangs die Zahl 6 eher abstrakt.

Kerstin: Ich habe lange gebraucht, um endlich dieses Gefühl von „Ich bin jetzt durch mit dem Thema“ für mich klar zu haben. Nach jeder Geburt habe ich eigentlich sofort gesagt, dass ich noch ein Kind haben möchte.

Ich war immer gerne schwanger, habe das genossen und fand jede Geburt einfach unglaublich. Das Gefühl, ein Neugeborenes auf dem Bauch zu haben, hat mich immer mit großem Glück erfüllt. Es ist sehr schade, dass die gesellschaftliche Akzeptanz einer Großfamilie sehr niedrig ist. Wir werden sehr häufig von allen möglichen Leuten „gescannt“.

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Foto: Kerstin Lüking
Wenn ich im Gespräch erzähle, dass ich Hebamme bin, ernte ich plötzlich Respekt!

Welche Autos fahren wir, welche Kleidung tragen unsere Kinder und auf welche Schulen gehen sie? Durch unsere vielen Umzüge kamen wir sehr häufig in diese unangenehmen Situationen. Auf dem Land war es tatsächlich schwieriger für uns zu leben, da wissen ja quasi alle alles über einen. Hier in Berlin interessiert es nicht wirklich, im Gegenteil. Ich muss mich nicht ständig rechtfertigen, warum ich mit so vielen Kindern auch noch arbeiten gehe und meine Kinder im Hort betreut werden. Das ist hier einfach normal.

Gespräch
Foto: Kerstin Lüking

Mein „Türöffner“, dass dann doch noch alle mit Respekt vor mir die „Hacken“ zusammenknallen, ist dann tatsächlich mein Beruf. In dem Moment, wo ich sage: „Ich bin Hebamme“, kommt dann die Bewunderung! „Oh, da haben Sie ja Ihre Berufung auch im wahren Leben erfüllt!“ Wahres Leben? Es war eine bewusste Entscheidung, die wir immer wieder so treffen würden.

Den Sprung von 0 auf 1 empfand ich als groß!

Ich habe mal ein Interview gelesen, in dem Eltern mit fünf Kindern gesagt haben: Der Sprung von einem auf zwei war der einschneidenste. Unterschreibt ihr das so? Und wenn ja: Warum?

Gespräch
Foto: Valeska @mother_of_six_dragons

Valeska: Ich fand vor allem den Sprung von 0 auf 1 groß, vielleicht auch, da ich mir vorher nicht so unglaublich viele Gedanken darüber gemacht habe, wie verrückt vor Liebe mich dieses kleine Wesen macht.

Von 1 auf 2 ist natürlich auch noch mal ein Schritt. Ein Kind packst du entspannt ein, nimmst es mit, kannst es vielleicht auch mal von den Großeltern betreuen lassen. Das wurde bei uns ab Kind 2 anders.

Die Kinder erziehen sich untereinander. Das ist so toll mit anzusehen!

Kerstin: Ab Kind Nummer 3 wurde es bei uns ein Selbstläufer. Alles, was es so gab mit einem Baby und Kleinkind, hatten wir schon durch und war uns bekannt. Mittlerweile würde ich es fast unterschreiben, dass eine Großfamilie einfacher zu handhaben ist als ein Einzelkind.

Gespräch
Foto: Kerstin Lüking

Davon hüpfen hier nachmittags viele durch unseren Garten. Die tun mir manchmal ein wenig leid, wenn sie dann am Abend von ihren Eltern bei uns abgeholt werden. Ich kann ein Lied davon singen, ich bin auch ein Einzelkind und fand das extrem ätzend.

Das Schöne ist, dass die Geschwister sich sehr gut untereinander erziehen. Ab Kind Nummer 4 war ich nicht mehr für das Treppenstufen laufen, Fahrradfahren und Schwimmen lernen verantwortlich. Das haben alles die Geschwister übernommen. Der Größere hat es vorgemacht, die Kleinen haben es nachgemacht! Ich habe immer nur gedacht:„Wow, was diese kleinen Pimpfe alles schon so können. Wahnsinn!“

Foto: Valeska @mother_of_six_dragons

Welcher Familienmoment hat sich bei euch eingebrannt? Und über was lacht ihr bis heute?

Valeska: Hier gibt es nicht nur den EINEN Augenblick, aber wenn ich nur einen nennen dürfte, wäre es der Morgen nach der Geburt von unserer jüngsten Tochter. Es war einfach ein so glücklicher Moment als wir morgens mit ihr nach Hause kamen. Abends habe ich noch ganz normal die Großen ins Bett gebracht und um Mitternacht sind wir ins Krankenhaus gefahren. Noch vor dem Frühstück waren wir mit ihr zurück und die Geschwister alle so selig über den Neuankömmling.

Im Gespräch: Plötzlich ausgeschlossen? Hatten wir beide schon!

Wir lachen noch heute darüber, dass unser Ältester kurz vor dem Jahreswechsel die Tür des Hauses schwungvoll zuzog und erst dann fragte, ob denn einer einen Schlüssel habe…und wir natürlich keinen hatten.

Kerstin: Naja, irre war die Woche, wo wir tatsächlich jeden Tag mit einem anderen Kind im Krankenhaus waren. Die Geschichte habe ich ja schon für „Mutterkutter“ aufgeschrieben. Und den Moment, wo wir mit einem Neugeborenen zur Tür hineinkamen, kenne ich auch zu gut. Abends um 23 Uhr das Haus verlassen und morgens um 8 Uhr mit frischen Brötchen und Baby nach Hause kommen! Ein toller Moment, wenn alle die kleine Schwester bestaunen.

Und die Sache mit dem Schlüssel hatten wir auch schon mal! Ich dachte, ich hätte den Schlüssel in der Hosentasche. Das Schlüsselband war dann die Schnullerkette, die mir aus der Hose gebaumelt hat. Alle standen draußen vor der Tür und das Baby war im Haus!

Wir haben hier eigentlich jeden Tag was zu lachen und ich könnte bestimmt ein Buch damit füllen.

Gehirnjogging und To-Do-Listen! Jede hat ihre eigene Strategie!

Und was ich mir so schwer vorstelle: Wie macht ihr es, dass ihr alles im Kopf behaltet, an alle Kinder und ihre Bedürfnisse und an euch denkt? Mit welcher Strategie wuppt ihr den Alltag?

Gespräch
Foto: Valeska @mother_of_six_dragons

Valeska: Ich habe wirklich alle Termine im Kopf und führe keinen Kalender. Ist ein ziemlich gutes Training fürs Gehirn. Wir nehmen uns zwischendurch bewusst Zeit für die Kinder, aber auch mal für uns. Ich denke, dass das für eine Beziehung mehr als wichtig ist, sonst bleibt man als Paar auf der Strecke.

Eine wirkliche Strategie habe ich nicht, ich bin einfach nur sehr gut strukturiert. Für mich bringt zum Beispiel äußere Ordnung innere Ruhe.

Kerstin: Da bin ich etwas anders, ich schreibe mir „to-do“ Listen! Die müssen dann am Ende des Tages abgehakt sein. Struktur und Logistik ist wirklich wichtig, sonst ersäuft man im Chaos und man wohnt wie bei „Hempels“. Darauf habe ich keine Lust!

Ich brauche tatsächlich auch nach außen eine Ordnung, damit ich im Inneren zufrieden bin. Mittlerweile sind die Kinder ja so groß, dass wir uns als Eltern auch bewusst wieder Auszeiten nehmen können. Das muss sein, sonst geht eine Beziehung den Bach runter.

Mittlerweile sind wir als Paar extrem gewachsen. Wir haben eine so unglaubliche Vergangenheit, dass diese uns wie ein enges Band zusammenhält. Darüber bin ich sehr glücklich, da es ein gutes Gefühl von Stabilität gibt.

Wir stellen uns nicht hinten an!

Letzte Frage: Wir Mamas vergessen ja gerne uns selbst. Welchen Rat habt ihr an alle, die zwischen Windeln, Schule, Pubertät, Haushalt, Job, Ehe…etc. gefangen sind?

Valeska: Ich vergesse mich nicht selbst. Ich esse jeden Morgen in Ruhe mein Müsli, treffe an einem Tag in der Woche vormittags kinderlos meine Freundinnen, ich drehe auch mal eine Runde um den Block und weiß um das Glück des Alltags. Die Zeit mit den Kindern vergeht so schnell, das ist leider keine Phrase. Und wenn es hier mal laut wird und gestritten wird, dann kann ich auch mal ein Machtwort sprechen.

Kerstin: Nee, die Zeiten des „Ich stelle mich mit meinen Bedürfnissen hinten an“, sind vorbei. Ich habe gerade im letzten Jahr eine extreme Kehrtwende hingelegt. Mit Mitte 40 fängt man plötzlich an, sich bewusst um sich selbst zu sorgen. Man kapiert, dass man etwas für seine Gesundheit und Psyche tun muss, um gesund zu bleiben.

Ich habe meinen Freundeskreis „entmüllt“. Diese ganzen Kraft- und Zeitfresser dürfen jetzt andere nerven, mich nicht mehr. Ich gehe häufiger zum Sport und genieße kleine Auszeiten, dann bin ich auch im Umgang mit der Familie entspannter und kann mal „alle Neune“ gerade sein lassen.


Hat euch das Gespräch gefallen? Und möchtet ihr noch mehr erfahren über die beiden Frauen oder auch mit ihnen ins Gespräch kommen? Dann lest hier weiter:

♥ Von Kerstin findet ihr hier eine Geschichte über Elternsex (warum er so wichtig ist), hier eine kritische Auseinandersetzung über die heutige Wochenbettkultur oder hier ihre Rubrik Hebammenwissen.

Ihr sucht eine Hebamme in Berlin? Dann schaut doch mal auf Kerstins Homepage vorbei.

♥ Valeska findet ihr hier auf Instagram und sie schreibt dazu auch für unsere Kolleginnen vom Mummy Mag.


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