Geburtserlebnis: In einer Zeit, in der über Geburten öffentlich gesprochen wird, besonders das Internet voll von Geburtsberichten ist und Begriffe wie ‚Hypnobirthing‘ und ‚Lotusgeburt‘ auftauchen, ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten.

Und zu sagen: So möchte ich mein Kind auf die Welt bringen. Wir wollen wissen, was ihr euch für dieses besondere Lebensereignis wünscht. Und lassen Frauen zu Wort kommen, die ihre Wünsche schon formulieren können.


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Was bedeutet für dich, Melanie, als zweifache Mutter und Frau der Begriff der ’selbstbestimmten Geburt‘?

Es geht aus meiner Sicht darum, dass jede Frau so frei wie möglich wählen kann, wo, wie und mit wem sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte. Es gibt so viele Möglichkeiten und Facetten; jede Geburt kann so individuell und einzigartig sein, wie die Gebärende und ihr Kind selbst.

Geburtserlebnis: wir brauchen Informationen über unsere Möglichkeiten
Geburtserlebnis Hypnobirthing Melanie Aring Interview Dr. Judith Bildau MutterKutter
Foto: Peter Pernold

Wollen wir unser Kind im Krankenhaus zur Welt bringen? Fühlen wir uns zu Hause am wohlsten oder möchten wir in ein Geburtshaus gehen? Soll ausschließlich die Hebamme unserer Wahl dabei sein oder fühlen wir uns sicherer, wenn Ärzte anwesend sind. Würde uns die Umsorgung einer Doula unterstützen? Und wer soll aus dem engsten Kreis dabei sein, wenn das neue Familienmitglied das Licht der Welt erblickt? Der  Partner/Mann, FreundInnen, Geschwisterkinder, Eltern oder sind wir vielleicht am liebsten allein, um uns ganz auf uns selbst und den Vorgang der Geburt zu konzentrieren?

Um sich wirklich frei entscheiden zu können, brauchen wir Zugang zu allen Möglichkeiten und Optionen. Wir brauchen Erfahrungsberichte anderer Mamas, um hineinfühlen zu können, was sich für uns am stimmigsten anfühlt. Wir brauchen Offenheit über die Pro und Contras, Klarheit über die Möglichkeiten und den Mut, um uns selbst und unser Gefühl an die erste Stelle zu stellen, wenn wir uns für unseren persönlichen Weg entscheiden.

Geburtserlebnis: Ich habe 2 ganz unterschiedliche Geburten erlebt.

Möchtest du deine Erfahrungen mit uns teilen- wie war deine erste Geburt, wie war deine zweite Geburt?

Geburtserlebnis Hypnobirthing Melanie Aring Interview Dr. Judith Bildau MutterKutter
Mama Melanie Aring; Foto: Jessica Zoglauer

Ich habe zwei sehr unterschiedliche Geburten erlebt. Mein erster Sohn kam 13 Tage vor dem errechneten Termin zur Welt, so dass wir nicht – wie geplant – in das weit entfernte Geburtshaus, sondern ins nächstgelegene Krankenhaus gefahren sind. Man hat sich dort wirklich sehr auf unsere Wünsche eingelassen. Nichtsdestotrotz hatte ich Schwierigkeiten, mich fallen zu lassen. Wechselnde und mir unbekannte Hebammen und Ärzte, Untersuchungen, Zeitdruck und bis zu sechs Personen im Raum. Kleinere und größere Irritationen. Ich hatte das Gefühl keine oder wenig Kontrolle zu haben.

Geburtserlebnis #1: Der Schmerz war sehr präsent

Ich war überwältigt von der Intensität der Geburtserfahrung und hatte das Gefühl nicht zu wissen, wie ich den Vorgang gut oder besser voranbringen und unterstützen könnte. Der Schmerz war unglaublich präsent. Während der Wehen hatte ich Schmerzen und zwischen den Wehen war ich verkrampft aus Angst vor den kommenden neuerlichen Schmerzen. Ich wollte, dass es so schnell wie möglich aufhört und habe versucht Positionen zu finden, die erträglicher wären. Schlussendlich entschied sich das Team im Krankenhaus mich (unangekündigt) zu schneiden, um meinem Sohn die letzten Zentimeter auf diese Welt zu erleichtern. Nach 13 Stunden durfte ich ihn dann endlich überglücklich und sehr stolz in den Armen halten.Geburtserlebnis Hypnobirthing Melanie Aring Interview Dr. Judith Bildau MutterKutter

Bei meiner zweiten Geburt habe ich mich für die Vorbereitung mit einem Hypnobirthing-Kurs entschieden und mir eine Hebamme gesucht, die Hausgeburten begleitet. Dank des Kurses wusste ich ganz genau, was ich wann und wie tun kann, um mein Baby während der Geburt optimal zu unterstützen. Statt zur Kliniktasche griff ich dieses Mal zu Teelichtern, Räucherstäbchen und der Fernbedienung für den CD-Player. Ich fühlte mich entspannt, kompetent und im Vertrauen zu mir, meinem Körper und meinem Baby. Durch bewusste Atmung und Entspannung waren die Schmerzen so viel erträglicher, dass ich bis zum Einsetzen der Geburtswehen (Presswehen) nicht sicher war, ob die Geburt schon “richtig“ losgegangen war.

3,5 Stunden – dann war mein Sohn da

Ich ließ mir noch eine Badewanne ein und informierte meine Hebamme. Mein Mann und unser großer Sohn schliefen im Nachbarzimmer, während ich allein in der Badewanne unseren zweiten Sohn begrüßen durfte. Gerade einmal 3,5 Stunden nach dem Platzen der Fruchtblase. Alles war so friedlich, vertrauensvoll und (dank meiner kurz darauf hinzukommenden Nachbarin) auch feierlich.  Unser inzwischen wach gewordener großer   Sohn und mein Mann lagen bei mir auf dem Sofa.  Die Hebamme kam 45 Minuten nach der Geburt und versorgte mich und das Baby.  Es gab Kuchen, frische Blumen, Kerzenlicht und dann sangen wir   alle gemeinsam „Happy Birthday“ für unser neues Familienmitglied.

Was hat sich zwischen diesen beiden Geburten bei dir verändert, wie hast du dich verändert?

Es war wohl ein großer Glücksfall, dass ich zwischen meinen beiden Geburten erleben durfte, wie eine befreundete Mama mit Hypnobirthing ihren ersten Sohn zu Hause bekommen hat. Ich habe ihre intensive Vorbereitung beobachtet und erlebt, wie sanft und natürlich sie ihre Geburt gestalten konnte. In wenigen Stunden hat sie ihr Baby „auf die Welt geatmet“

Tolles Geburtserlebnis dank Hypnobirthing!

Für meine zweite Geburt habe ich mich daher ebenfalls für einen privaten Kurs  entschieden und das Buch „Hypnobirthing“ von Marie F. Mongan gelesen. Es hat mir die Augen geöffnet, warum meine erste Erfahrung so war, wie sie war und was ich anders machen kann, um ein ganz anderes Geburtserlebnis gestalten zu können.

Nun hört man ja immer häufiger den Begriff ‚Hypnobirthing‘. Kannst du uns erklären, was genau das ist und was du persönlich genau damit verbindest?

Als Hypnobirthing bezeichnet man die Geburtsvorbereitungs- und Entbindungsmethode von Marie F. Mongan. Im Wesentlichen geht es darum, spezielle Entspannungs- und Visualisierungstechniken durch tägliches Üben in der Schwangerschaft so zu verinnerlichen, dass sie auch in der Geburtssituation leicht abrufbar sind. Marie F. Mongan ist überzeugt, dass jede Frau sanft und weitgehend schmerzfrei entbinden kann, sofern sie sich entsprechend auf die Geburt vorbereitet.

Ich selbst habe in der 28. Schwangerschaftswoche mit der Vorbereitung begonnen. Dazu gehören der Kurs bei einer Hypnobirthing-Beraterin, das Buch „Hypnobirthing“, zwei Hypnosesitzungen (um mit der Geburt und der Zeit danach im Zusammenhang stehende Ängste loszulassen), sowie die täglichen Übungen mit der im Kurs zur Verfügung gestellten CD. Entspannung, Atmung, Visualisierungen und positive Affirmationen helfen dabei das Vertrauen zu stärken und ein neues Verhältnis zum Thema Geburt zu entwickeln. Wir leben nämlich in einer vergleichsweise angstbesetzten Kultur, wenn es um Geburten geht. Die Risiken und Gefahren stehen oft im Fokus der Vorbereitungen, Erfahrungen und Erzählungen. Dabei zeigen andere Kulturen, dass Kinder zu bekommen sowohl zu den natürlichsten Dingen der Welt gehört, als auch, dass wir Frauen körperlich und mental absolut dazu geschaffen sind.

Geburtserlebnis: Habt Vertrauen in euch, ihr lieben Frauen!

Was möchtest du Frauen, die kurz vor der Geburt stehen, womöglich ihrer ersten, mit auf den Weg geben? Was möchtest du ihnen ans Herz legen?

Hab´ Vertrauen in dich, dein (Bauch)Gefühl und deine Intuition. Sie sind deine besten Ratgeber, um die für euch beste Entscheidung zu treffen, wo und wir ihr euch endlich kennenlernen möchtet.

Vor einem so wichtigen Ereignis wie der Geburt unseres (ersten) Kindes, sind wir besonders empfänglich und offen für Einflüsse anderer. Besonders uns nahestehende Personen, die es „gut mit uns meinen“, können uns verunsichern oder beeindrucken. Ihre Erfahrungen und Berichte, aber auch ihre Ängste und Sorgen können unsere Entscheidung beeinflussen, wie wir unsere Geburt planen. Du darfst dich aber vor negativen Berichten und Angstmache schützen und ruhig auch einmal sagen: „Danke, aber ich möchte das jetzt nicht hören.“, wenn jemand mit einer beunruhigenden  Geburtsgeschichte auf dich zukommt.

Schau dich nach positiven Erfahrungsberichten um!

Bestärke dich stattdessen bestmöglich selbst in deinen eigenen Wünschen und Vorstellungen, indem du dir z.B. bei YouTube Filme anschaust von Mamas, die ihr Baby  in ähnlicher Weise  erfolgreich auf die Welt gebracht haben, wie du es dir wünschst. Lies Bücher und hol dir positive Erfahrungsberichte, um dein Vertrauen zu unterstützen, dass deine Wunschgeburt möglich ist. Fühl in dich hinein, was dir gut tut und dann höre auf dein Herz. Deine Wunschgeburt ist deine Entscheidung.

Und falls ihr Fragen habt und Melanie Aring erreichen möchtet – keine Problem. Ihr findet sie bei Instagram und bei Facebook.

Übrigens gibt Melanie euch auch gerne weitere Buchtipps oder auch Youtube-Links rund um das Thema Hypnobirthing.


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Foto: Dr. Judith Bildau, Frauenärztin & MutterKutter-Autorin
Geburtserlebnis – das sagt die Frauenärztin

Eins ist mir in diesem Zusammenhang sehr wichtig: Sprecht eure Wünsche ausführlich bei eurem Frauenarzt/ eurer Frauenärztin und eurer Hebamme an. Bitte bedenkt, dass nicht jede Geburt für jede Schwangere geeignet ist und von manchen Geburtsmoden aus medizinischen Gründen abgesehen werden müssen. Ich als Frauenärztin und Geburtshelferin möchte aus meiner Sicht sagen, dass ich mir für jede Frau dieser Erde eine wunderbare und selbstbestimmte Geburt wünsche. Dennoch bin ich als Ärztin sowohl für meine Schwangere, als auch das Baby verantwortlich und möchte dieser Verantwortung voll gerecht werden. Letztendlich wollen wir alles das selbe: Ein gesundes Kind und eine gesunde Mama.


Ihr habt eine Geschichte für uns? Dann meldet euch gerne per Mail bei uns.

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