Familienpsychologie

Me-Time: Warum mehr „me“ auch mehr „we“ ist!

Ein Artikel von Diplom-Psychologin Annika Rötters.

Me-Time: Was ist dran am Hype um diese Me-Time? Antworten von Diplom-Psychologin Annika Rötters.

Me-Time: Stress oder pure Entspannung?

„Liebe Dich Selbst“ lese ich überall.


Eigenwerbung* – weil Annika unser Buch nennt, völlig unbeauftragt! Sie hat ein Rezensionsexemplar bekommen.


Sogar meine aktuelle Lektüre heißt so: das zweite Buch vom Mutterkutter „Love yourself, Mama“ stellt die Leserin in den Mittelpunkt. In fünf großen Schritten (Körper, Weiblichkeit, Psyche, Beziehung, Umfeld) gibt es Tipps und Impulse – und ganz viel geballtes Wissen ohne erhobenen Zeigefinger. Und dennoch: im Alltag begegnen mir immer die gleichen Vorurteile:

1. Es ist universell, was und was nicht Selbstfürsorge „ist“

2. Selbstfürsorge ist total egoistisch

Schauen wir uns das mal an:

Me-Time bedürfnisorientierte Hundeerziehung Lockdown & Homeschooling Essstörung Schwiegermutter Crew easy Windelfrei Corona-Jammern Traumjob finden
Foto: Michele Rötters

Öffne ich Instagram, lese ich: Schaffe dir Auszeiten und Pausen. Inmitten schöngefärbter Pastelltöne sehe ich entspannte Menschen ihren Matchalatte zwischen den Meditationseinheiten genießen….. sieht so Selbstfürsorge aus? Naja, ehrlich gesagt: so möchte ich vielleicht, dass es aussieht. Wenn ich den Matchalatte für mich mache, lasse ich mich gleichzeitig nicht beim Trinken fotografieren – das ist dann nämlich entspannungstechnisch eher kontraproduktiv (aber kann ja sein, dass das nur für mich gilt).

Dann lese ich die Tipps der Selfcare-Community – Eine Tasse heißer Kaffee? Duschen? Das IST keine Pause! Ist es nicht? Ich finde: Ist es DOCH!

 

Me-Time: so wie ICH sie brauche, bitte

Was ich für mich als Pause definiere, kann mir doch keiner vorgeben? Und nur weil es heute die Dusche ist, reicht die morgen vielleicht trotzdem nicht – und das ist ok. So ein Strategie-Streit kann schon mal ausbrechen, wenn auf Ebene der Handlung anstatt auf Haltungsebene diskutiert wird. Das möchte ich jetzt aber nicht. Ich möchte bitte mehr Selbstliebe und mehr Selbstfürsorge – und zwar so wie ICH sie brauche. Ich mache Instagram wieder aus und lausche in mich hinein.

Moment mal. Ist das nicht egoistisch?! Darf ich das? Ich bin doch Mama! Wenn ich jetzt in mich hineinlausche, habe ich ja keine Ohren für das Außen… muss ich nicht an allererster Stelle immer ein offenes Ohr für das Außen haben?

NEIN! Hier kommen fünf Gründe, warum mehr „Me-Time“ IMMER gut für ALLE ist.

♥ Me-Time gibt mir die Möglichkeit, auf mich zu fokussieren. Das wertfreie Wahrnehmen von Allem, was da ist (auch erstmal ohne zu verändern, oder auf „Lösungssuche“ zu gehen) gilt in der neueren psychologischen Forschung als wichtige Ressource. So konnte in verschiedenen experimentellen Settings gezeigt werden, dass Patienten mit chronischen Schmerzen Besserungen durch ein Achtsamkeitstraining erzielen konnten, bei dem etwa die wertfreie Schmerzwahrnehmung im Fokus stand. (vgl. z.B. Kabat-Zinn und Kollegen 1985 oder Rosenzweig und Kollegen 2010, s.u.).

♥ Wenn ich als Mama lebe, dass meine Zeit für Innensicht und Fokus wichtig ist, dann „lernt“ mein Kind: „Es ist nicht nur ok, es ist sogar wichtig, auf sich selbst zu achten.“ (Funktioniert übrigens auch andersherum: Wenn ich merke, dass ich selbst meine Grenzen nicht geachtet habe und schnell ungeduldig oder wütend werde, kann ich darüber mit meinem Kind  sprechen. Wichtig hierbei: Meine Gefühle sind in mir. Ich bin verantwortlich für meine Gefühle. Das Kind trägt niemals Schuld an meinen Gefühlen.)

Darum solltest du auf dich achten!

♥ Zeit, die nur mir gehört (und ja, das ist auch eine „Alleine-Fahrt“ zur Post), kann ich mit Tätigkeiten füllen, die meine Speicher auffüllen (Da haben die Ladies vom Mutterkutter übrigens viele schöne Ideen im Selfcare-Ratgeber „Love yourself“ gesammelt.). Gerade Eltern erleben sich im Alltag (und gerade jetzt) oft größtenteils fremdbestimmt. Dabei gilt: je kleiner die Kinder, desto durchlässiger unsere Grenzen – und desto wahrscheinlicher, dass wir über unsere eigenen Grenzen hinausgehen. Was dann wiederum zu Schutzreaktionen wie z.B. Wut oder Ungeduld führt – diese Reaktionen sind Schutzfaktoren (die uns beschützen sollen): unser Körper (bzw. Gehirn) zeigt uns in diesem Moment: Deine Grenze ist nicht gewahrt! Achte auf Dich!

♥ Me-Time nehmen heißt Me-Time zugestehen. Ein „Ja“ zu mir heißt ein „Nein“ zu anderen Menschen, Aktivitäten oder Dingen – indem wir uns selbst diesen Satz bewusst machen, können wir unseren Umgang mit unserem eigenen, als auch dem „Nein“ anderer Menschen verändern. Denn auch dieses „Nein“ richtet sich primär nicht gegen uns, sondern entsteht aus einem „Ja“ – auch wenn wir es gerade nicht sehen können. Diese Perspektive stärkt unsere Kompetenz, mitfühlend mit uns selbst und unseren Mitmenschen umzugehen. 

Me-Time ist gut für die gesamte Gesellschaft!

♥ Me-Time klingt zwar isoliert, ist jedoch das Gegenteil: mit einem vollen Akku sind wir maximal beziehungsfähig. Je besser es uns selbst geht, desto besser gelingt es uns, Bedürfnisse unserer Mitmenschen wahrzunehmen und zu achten. Auch unsere (automatisierten) Bewertungsprozesse, mit denen wir Alles, was um uns herum geschieht, quasi permanent scannen, sind freundlicher und mitfühlender, wenn wir selbst nicht in Not sind. Ich postuliere sogar: Me-Time ist gut für die gesamte Gesellschaft. 

…und passend dazu hat die Mama und Ärztin Larissa (ihr kennt sie vielleicht als @laraleoleben auf Instagram (unbeauftragte Werbung wegen Verlinkung*), wo sie uns jeden Tag ihren Raketenteller zeigt) diesen März zum „ME“rz ausgerufen:

Mama Larissa im Interview!

Lara, die unfassbaren Belastungen, die gerade Familien (und noch viel zu oft Mamas quasi alleine) stemmen und gestemmt haben, haben sich manches Mal nahezu erdrückend schwer angefühlt. Als die Sonne die letzten Wochen herauskam, war es ein wenig wie ein Frühlingserwachen – und damit das nicht wieder verpufft, hast du dir was ganz Tolles überlegt – Wie kam es zu der Idee für den MErz?

Corona & Misstände
Larissa Teucher, Allgemeinärztin & Instagrammerin

Ein Jahr voller Herausforderungen liegt hinter uns, wir haben alles gegeben, dabei gab es eindeutig zu wenig Pausen für uns, das ist mir bewusst geworden, als ich mit anderen Frauen ins Gespräch kam und diese mir berichteten, dass die einzige „Pause“ eine Dusche allein oder der Wocheneinkauf ist. Das darf so nicht sein und ich kam ins Grübeln, wie ich helfen kann.

7 Frauen sind für den MErz Feuer und Flamme!

Was hat sich aus deiner Idee entwickelt/Was passiert im MErz?

Initial war es eine Online-Yoga-Stunde als Geschenk zum Weltfrauentag am 8. März, für die sich meine Freundin und Yoga-Lehrerin Michelle anbot.

Doch es entwickelte sich eine großartige Eigendynamik und plötzlich kamen insgesamt sieben inspirierende Frauen zusammen, die Feuer und Flamme für den „Me“rz waren.

Ein Monat voller kostenloser Aktionen rund um Wellbeing, Selfcare und Empowerment entstand – und ich bin unglaublich stolz, diesen Monat in nichtmal 2 Wochen Planungszeit auf die Beine gestellt zu haben.

Worauf freust du dich am meisten?

Ich war schon Tage vorher unglaublich aufgeregt und freue mich einfach, dass wir gemeinsam so viel Mehrwert bieten können. Ich bin stolz auf die Vernetzung und freue mich riesig, selbst auch an den tollen Workshops teilnehmen zu können.


QUELLEN:
Kabat-Zinn, J., Lipworth, L., & Burney, R. (1985). The clinical use of mindfulness meditation for the self-regulation of chronic pain. Journal of behavioral medicine, 8(2), 163-190.

Rosenzweig, S., Greeson, J. M., Reibel, D. K., Green, J. S., Jasser, S. A., & Beasley, D. (2010). Mindfulness-based stress reduction for chronic pain conditions: variation in treatment outcomes and role of home meditation practice. Journal of psychosomatic research, 68(1), 29-36


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