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Dayan Kodua: „Niemand ist besser oder wichtiger!“ (Werbung*)

Die Schauspielerin über Alltagsrassismus und ihre Aufklärungsarbeit an Schulen. Autorin: Kerstin Lüking

Dayan Kodua: Ein tiefgehendes Gespräch mit der Schauspielerin, Kinderbuch-Autorin & Mutter über Rassismus.Eine tolle Frau, die uns inspiriert. Wir freuen uns, dass Dayan Kodua sich Zeit für uns genommen hat.


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 Dayan Kodua sagt:

„Niemand ist besser oder wichtiger! Auch wenn die Kinder manchmal den Eindruck erwecken, als würden sie das nicht verstehen – sie nehmen das trotzdem wahr. Und sie sind dankbar, wenn es sich um gute Botschaften handelt.“

Dayan, ich habe deine Vita durchgelesen und dachte nur: „WOW, was für eine Frau“. Du bist Schauspielerin, Produzentin, Buchautorin und du warst Model. Was ist denn deine Motivation gewesen, das alles zu tun? Du hast ja viele Bausteine in deinem Leben?

Schauspielerin, Kinderbuchautorin & Mama Dayan Kodua // Credit: Paul Zimmer

Manchmal ist es gut, manchmal ist es echt schlecht, so viele unterschiedliche Projekte und Aktivitäten im Leben zu haben, aber für mich war tatsächlich die Motivation, Dinge ins Positive zu ändern. Ich möchte selbst Sachen kreieren, die ich als Kind nicht hatte. Ich habe die Hoffnung, dass meine Kinder später nicht aufgrund ihrer Hautfarbe beurteilt werden. Ich glaube, dass man da viel machen muss, deswegen gibt es diese vielen Aktivitäten in meinem Leben.

Und wenn ich das so richtig verfolgt habe, hat dein Vater ja eine ganz entscheidende Rolle in deinem Leben gespielt? War er dein Fels in der Brandung, der dir ganz viel Kraft und Motivation gegeben hat?

Meine Eltern haben mich immer unterstützt, auch wenn es nicht aktiv war. Ich konnte nicht nach einer xyz-Summe fragen – das musste ich mir immer selbst verdienen. Aber sie haben immer gesagt: Versuch ́s einfach – mach ́s einfach. Meine Eltern standen mir nie quer. Klar haben sie sich Sorgen gemacht, als ich nach dem Abi gesagt habe, ich gehe nach Berlin und studiere Schauspiel – das fanden sie natürlich nicht gut. Aber trotzdem haben meine Eltern gesagt: So lange du dir selbst was zum Essen kaufen kannst, mach das. Und das hat sich bis heute so gehalten und dafür bin ich echt dankbar.

„Wenn ich es schaffe, meine Stimme zu nutzen, werden es meine Kinder lernen, ihre Stimme zu nutzen, um anderen Menschen zu helfen,“ sagt Dayan Kodua.

Ist das auch das, was du deinen Söhnen mitgibst?

Ja – das ist für mich sehr wichtig. Egal, wer wir sind und wo wir herkommen, wir können bestimmen, wohin wir gehen und wer wir sein wollen. Ich glaube, wenn ich es schaffe, meine Stimme zu nutzen, werden es meine Kinder lernen, ihre Stimme zu nutzen, um anderen Menschen zu helfen.

Ich habe gerade bei deinem Internet-Call mitbekommen, wie schwierig es ist, dass Schwarze bzw. People of Color und Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen in Drehbücher integriert werden. Wenn es 2021 noch eine ernsthafte Diskussion darüber geben muss, ist das ist ja der Wahnsinn. Woran liegt das denn?

Wir haben eine riesige Herausforderung in der Filmbranche. Ich glaube, dass es einfach daran liegt, dass viele Menschen, insbesondere auch diejenigen in entscheidenden Positionen, noch kein Bewusstsein dafür haben, dass sie mit der Zeit wachsen müssen und Dinge sich verändern. Ich kann verstehen, wenn jemand 1950 geboren oder 1960/1970 aufgewachsen ist, mit den ganzen alten und teilweise rassistischen Strukturen, dass man dann so denkt. Ich kann verstehen, wenn jemand sagt: „Ich habe die letzten 40 Jahre so gelebt“. Aber ich finde, spätestens ab dem 41. Lebensjahr sollte man anfangen, ein gewisses Bewusstsein zu entwickeln für die neue Zeit.

Einige Leute wundern sich oder regen sich sogar darüber auf, wenn ich sage, dass ich nicht Bimbo genannt werden und auch nicht das N-Wort hören möchte. Was ich auch oft hören muss: „Du bist so empfindlich. Reg Dich doch nicht so auf. Das ist doch normal“ – NEIN! Das ist nicht normal und ich möchte das auch nicht hören – und nicht so genannt werden.

„Wir haben alle eine Gabe. Was ist deine?“

Du gehst an Schulen und klärst Kinder auf. Was erzählst du da und was gibst du den Kindern mit auf den Weg? Wie reagieren die Kinder auf das, was du erzählst?

Dayan Kodua
Credit: Christoph Mannhardt

Ich habe ein übergeordnetes Thema wie z.B. „Gabe und Dankbarkeit“. Das sind Dinge, die uns Menschen alle gleichermaßen angehen. Ganz egal, ob du Weiß, Schwarz oder Braun oder Grün bist. Genauso egal, ob du eine Asiatin, eine Türkin usw. bist. Das geht uns alle an! Und so fange ich an. Wofür bist du dankbar? Wir haben alle eine Gabe. Was ist deine? Was kannst du besonders gut? Und dann gehen wir so durch.

Ich frage alle Kinder – und wenn es 20 Kinder sind – frage ich jedes einzelne Kind. Und so schaffe ich Bewusstsein, dass sie beruflich nicht das machen müssen, was ihnen vorgelebt wird, nur weil Oma das so gemacht hat oder weil Papa und Mama das auch so gemacht haben. Ich sage ihnen, dass Geld alleine nicht glücklich macht. Natürlich ist es schön und wichtig, im Leben Geld zu verdienen. Mit Geld kann man viel Gutes tun und Dinge bewegen. Das ist alles wunderbar. Aber du kannst, wenn du die Dinge falsch anstellst, auch als Millionär total unglücklich sein.

„Man muss immer bereit sein, die Leute hinter der Hautfarbe, den Tüchern, dem Bart kennenlernen zu wollen.“

Ich habe bis jetzt mit 300-400 Jugendlichen gesprochen und gearbeitet – wenn auch nur eine*r davon sich eines Tages daran erinnert, was wir besprochen haben und durch sein Handeln glücklicher wird, habe ich viel mit meiner Mission erreicht.

Ich versuche, auch immer den Kindern unterschiedliche schwarze Vorbilder zu zeigen: „Ach interessant, schau mal ein Arzt, er hat sogar eine eigene Arztpraxis? Der sieht gar nicht so aus“. Das sind dann Sachen, die von den Kindern kommen. Ein schwarzer Polizist, der aus Hamburg ist, der in Zivil nicht aussieht als wäre er derjenige, der für Recht, Sicherheit und Ordnung sorgt. Man muss dafür offen sein, die Menschen hinter der Hautfarbe, den Tüchern, dem Bart kennenlernen zu wollen.

Ich stelle den Kindern Menschen mit Erfolgsgeschichten vor!

Bekommst du von den Kindern auch ein Feedback?

Credit: Christoph Mannhardt

Ja, ich finde das total süß – oft bekomme ich Emails: „Oh, das war so toll“, „Vielen Dank es hat so viel Spaß gemacht, jetzt weiß ungefähr, was ich machen möchte“, „Ich weiß nicht, ob es 100 % was für mich ist, aber ich mache ein Praktikum. Das hilft mir und motiviert mich“. Alles tolle Botschaften der Kinder, über die ich mich freue. Wir haben hier in Hamburg einen dunkelhäutigen Wirtschaftssenator a.D.. Ian Kiru Karan, den rufe ich auch gerne mal an und lade ihn zu Gesprächen mit Kindern ein. Dann erzählt er, wie er vom Tellerwäscher zum Millionär und zum Hamburger Senator geworden ist. Die Kinder denken dann nur: “Wow! Was alles möglich ist.“

Mir geht es darum zu zeigen, wenn ihr in diesem Land geboren seid, macht ihr irgendwas falsch, wenn ihr es nicht hinbekommt ein halbwegs normales Leben zu führen. Hier musst du kein Schulgeld und keine Schuluniform bezahlen. Du hast einen Bus, oft haben die Eltern ein Auto und alle haben Smartphones. Ian Karan hatte zu seiner Kinder-Zeit gar nichts, er hat es trotzdem hinbekommen.

Dayan Kodua: „

„Wir unterscheiden uns nicht über Kopftücher, Hautfarbe oder Haare.“

Eigentlich ist die Quintessenz dann, dass ganz viele Menschen verschiedener kultureller Hintergründe nach draußen gehen und erzählen müssen: „Schaut auf mich, das ist meine Geschichte. Ich habe es verdient mit Wertschätzung behandelt zu werden.“ Das wäre auch meine nächste Frage: Wenn du in die Schulen gehst, hast du das Gefühl, dass sich das Bewusstsein der Kinder durch deine Besuche verändert – ich meine auch in Richtung Wertschätzung Menschen anderer Nationen, Hautfarben und Kulturen?

Das kriege ich innerhalb der kurzen Zeit leider nicht mit. Aber was mir aufgefallen ist: die Kinder respektieren sich in der Regel gegenseitig. Ich war in Kiel! Realschule – ich saß da in der Klasse und hab mit ihnen gearbeitet und ich fand das total schön, denn die Klasse war komplett gemischt. Alle Ethnien, alle Religionen. Sie haben Spaß miteinander gemacht, aber sie waren nicht rassistisch oder verletzend im Umgang miteinander.

„Niemand ist besser oder wichtiger!“

Ich glaube: das ist ein Unterschied. Wir unterscheiden uns nicht über Kopftücher, Hautfarbe oder Haare. Wir unterscheiden uns durch unsere Handlungen. Wenn jemand zu mir sagt: „Was hast du denn für blöde Haare“, ist das nicht Rassismus. Aber wenn jemand sagt: „Du N…“, das ist Rassismus. Diese Art von Kommunikation habe ich bei den Jugendlichen, die ich an den Schulen und Kindergärten getroffen habe, nicht erlebt. Ich denke, dass die Jugendlichen sich respektieren, weil vielleicht die Lehrer*innen ihnen das bereits auf den Weg gegeben haben, ihr müsst einander respektieren. Das ist ein schöner und guter Anfang.

Niemand ist besser oder wichtiger! Auch wenn die Kinder manchmal den Eindruck erwecken, als würden sie das nicht verstehen – sie nehmen das trotzdem wahr. Und sie sind dankbar, wenn es sich um gute Botschaften handelt.

„Wenn ich ein*e Lehrer*in bin, habe ich eine Verantwortung den Kindern gegenüber.“

Natürlich gibt es auch Kinder, von denen die Eltern echte oder unbewusste Rassisten sind. Auch diese Kinder haben in der Schule die Chance zu lernen, dass das wirkliche Leben so nicht funktionieren kann. Das geht nur wenn man Vorbilder schafft, die zu sehen sind. Das ist ja das Thema, dass man auch öffentlich eine gewisse Bildungsarbeit macht und auch die Lehrer*innen dürfen natürlich nicht rassistisch unterwegs sein und mit vielleicht unbewusstem Vorbehalt unterrichten. Im besten Fall nutzen die Lehrer*innen ihre Verantwortung und geben den Kindern etwas Positives mit. Wenn ich ein*e Lehrer*in bin, habe ich eine Verantwortung den Kindern gegenüber.

Wenn du auf der Straße bist, z.B. in der Hamburger Fußgängerzone, und du bekommst eine Szene mit, wo vielleicht einfach eine Beschimpfung stattfindet von einer schwarzen Frau, was würdest du tun?

Uhhh! Das habe ich bislang Gott sei Dank noch nicht erleben müssen. Sicherlich würde ich meine Stimme erheben, wenn ich sehe dass dies ein Weg ist zu helfen. Wenn ich allerdings absehen könnte, dass es gewalttätig werden kann, rufe ich lieber sofort die Polizei. Ich möchte in jedem Fall jede Form von körperlicher Auseinandersetzung zwischen Menschen verhindern. Ich möchte natürlich ebenfalls nicht verletzt werden. Ich lebe gern und habe eine Familie, für die ich Verantwortung trage.

Aber wenn ich sehe, dass ich da was tun kann, bin ich die Erste, die versucht das Opfer aus der Situation zu ziehen. Denn so verrückte Angreifer haben natürlich ihre Probleme. Ich würde eher versuchen die Frau zu beruhigen und zu sagen: „ Ignoriere das!“, weil ich das manchmal auch in meinem Fall tue, wenn ich beschimpft oder beleidigt werde. Es gibt Situationen, in denen es besser ist, es nicht eskalieren zu lassen.

„Geh mal lieber, das ist es nicht wert.“

In der Regel sind es leider Männer, die mich dann beleidigen oder beschimpfen. Ich bin da ehrlich. Ich gehe davon aus: ich bin schwächer. Ein Mann könnte mich schlagen und mich auf diese Weise körperlich schädigen und das will ich nicht. Ich versuche dann einfach der Sache aus dem Weg zu gehen, wegzugehen oder die Polizei zu rufen. Das würde ich auch bei anderen so machen. Eher gucken und zu sagen: „Geh mal lieber, das ist es nicht wert.“

Du hast so ein tolles Buch geschrieben „Odo und der Beginn einer großen Reise.“ Erzähl doch mal ein wenig darüber, es ist ja schon dein zweites Kinderbuch.

Ja, es ist die Fortsetzung. Odo lebt mit ihrer Mutter in Ghana, die einen Brief von ihrem Vater aus Deutschland erhält. Er war vor langer Zeit dorthin gegangen, um dort zu studieren. Nun lädt er Odo und ihre Mutter nach Deutschland ein, um dort mit ihm zu leben. Was für sie ein „No-Go“ ist, da sie dann ihre Freunde in Ghana zurücklassen muss.

Sie hat große Angst. Sie hat in Ghana eine englische Freundin, die sie motiviert. Odos größte Angst ist, dass sie in Deutschland keine Freunde finden könnte. Sie begegnet dem Stammesältesten, der sie wieder aufbaut und ihr sagt, dass sie alles schaffen kann. Ich wollte damit das Thema Angst vor der neuen Schule und natürlich auch vor der Veränderung im Allgemeinen thematisieren.

„Wenn ich nett behandelt werden möchte, dann versuche ich auch die Menschen um mich herum nett zu behandeln“, sagt Dayan Kodua.

Also ist es ein Buch, das Mut macht? Egal, wo du bist: Du lernst immer neue Leute kennen…

Ja, es geht zunächst um den Mut zur neuen Situation JA zu sagen. Das Kennenlernen neuer Menschen ist das, was dann als Thema des dritten Buches kommt. Ihre Erfahrung als schwarzes Mädchen in der Schule.

Hast du noch eine Botschaft, die dir wichtig ist?

Botschaft? Da gibt es dieses Zitat: „Be the Change you want to see“ von Gandhi und das ist es, was ich versuche zu leben. Wenn ich nett behandelt werden möchte, dann versuche ich auch die Menschen um mich herum nett zu behandeln. Manchmal bin ich total wütend über Dinge, die andere Menschen versuchen mit mir zu machen und dann sagte mein Mann: „Mit Wut erreichst du aber nichts damit.“ Man muss sich nochmal daran erinnern. Okay, was mache ich dann? Du musst mega freundlich und clever sein. Auch wenn man innerlich schreit. Bleib immer freundlich und klug. Deswegen: „Be the change you want to see.“

Mehr von Dayan Kodua erfährst du hier:

Website von Dayan Kodua

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Produkte:

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