Das Szenario klingt wie aus dem Mund so mancher Mütter, die einen schon in der Schwangerschaft mit ihren Horrorgeschichten rund ums Thema Geburt, Wochenbett und Baby nerven: Stell dir vor, du wachst nachts auf, weil deine Brust (gefühlt) so groß wie ein Football, so heiß wie eine Biosauna und so rot wie das Etikett einer Colaflasche ist. Dazu zitterst du am ganzen Leib – und du hast Panik. Herzlichen Glückwunsch, du hast eine Brustentzündung. Keine Yucca Palme, sondern leider bittere Realität für mich in meinem Wochenbett. Gleich am Anfang meiner Stillzeit hatte ich eine, doch dann kam es noch schlimmer…

Ich werde diese eine Nacht nicht mehr vergessen. Sechs Wochen nach der Geburt. Ich alleine mit unserer Tochter Zuhause. Großkotzig hatte ich zu meinem Freund gesagt: Na klar kannst du drei Tage surfen fahren. Zugeben wollte ich nicht, dass ich totalen Schiss vor dem Alleinsein hatte: Werde ich auch wirklich aufwachen, wenn die Kleine schreit? Was ist, wenn ich sie drei Tage alleine durch die Wohnung schleppen muss, weil sie das Ablegen in ihr Bettchen mit Gebrüll quittiert – wie soll ich das schaffen? Hilfe, kann ich das alles überhaupt schon?

Tja, ich hatte mich dann so gestresst, dass die eh schon gerötete Brust, die ich über einige Zeit – trotz Warnung meiner Hebamme – stiefmütterlich behandelt hatte, nun Vollgas in Richtung Antibiotikaeinsatz gab. Zugegeben: Sie war schon länger mein Problemkind. Ich hatte versucht, die Rötung zu bekämpfen, was mir dann allerdings zu anstrengend wurde: Erwärmen vor dem Stillen, dann Stillen, kühlen. Nach drei Tagen hatte ich die Schnauze voll, wollte noch was anderes als meine Brust erleben – und habe die Rötung über Tage schlichtweg ignoriert – und bekam die Quittung. Das Gute ist: Ich habe das Problem am Ende ohne Antibiotika in den Griff bekommen. Dank meiner Hebamme, die mir dann wirklich eindringlich den Supergau „Abszess und Operation“ beschrieb (Danke, liebe Meike).

Falls ihr in diese Situation geraten solltet, dann:

  • …bittet eure Hebamme/ eure Frauenärztin sofort um Hilfe, wenn eure Brust auffällig ist. Ich habe von meiner unter anderem Globuli bekommen, die gut gewirkt haben.
  • …gönnt euch viel (Bett-) Ruhe, vermeidet jeglichen Stress (wenn es irgendwie geht).
  • …lasst euer Baby regelmäßig (alle zwei bis drei Stunden) trinken. Die Brust soll, so hat es mir meine Hebamme erklärt, entleert werden. Damit die Milch besser fließt, erwärmt sie vor dem Stillen unter der warmen Dusche oder mit einem Rotlicht. Kühlt sie nach dem Stillen mit Brustwickeln. Zum Beispiel mit Weißkohlblättern (vorher walken) oder mit einer Quark/ Retterspitz-Mischung (50/50). Ich habe sie in Küchenkrepp eingewickelt und mir auf die Brust gelegt).
  • Falls alles nichts hilft und die Symptome innerhalb von 24 Stunden nicht besser werden oder ihr Fieber bekommt, dann sucht bitte schleunigst einen Arzt auf .
  • By the way: Kauft euch am Besten in einem Fachgeschäft einen gut sitzenden Still-BH. Das habe ich viel zu spät getan. Der ist zwar teuer, aber seinen Preis wert. Denn auch zu enge Kleidung kann angeblich zum Milchstau führen.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und weitere Tipps? Schreibt es uns doch gerne!

Haftungsausschluss/ Disclaimer: Die hier beschriebenen Ratschläge basieren lediglich auf meiner persönlichen Erfahrung. Sie ersetzen auf keinen Fall einen ärztlichen Rat. Es handelt sich hierbei auch nicht um heilkundliche oder medizinische Auskünfte. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist ein Arzt zu konsultieren.

4 thoughts on “Brustentzündung: das Unwort der Stillzeit”

  1. Hallo,
    Brustentzündungen sind mies. Davon kann ich auch ein Lied singen.
    Mir hatte damals (vor 15 Jahren) meine Hebamme Retterspitz Äußerlich empfohlen. Entweder ein paar Tropfen direkt in die Stilleinlage geben oder vorher mit etwas Wasser mischen.
    Diese Flüssigkeit kann im Verlaufe des Lebens noch bei so manch andere Erkrankung helfen.
    Meinen Patienten empfehle ich sie auch. Bei zB Halsentzündungen, Bronchitis o.ä.

    Gute Besserung!
    Simone

    1. Liebe Simone, vielen Dank für deinen Tipp. In der Tat habe ich Retterspitz auch von meiner Hebamme empfohlen bekommen und es hat wunderbar geholfen. Hattest du gleich mehrere Entzündungen?
      Oh, Retterspitz scheint ja ein Allheilmittel zu sein. Frage nun: Ich habe vom Tragen Schmerzen in meinem Handgelenk. Meinst du, auch hier könnte ein Verband mit Retterspitz weiterhelfen? Ich habe es bisher mit Pferdesalbe versucht, das war auch ganz gut.
      Ich freue mich auf deine Antwort!
      Liebe Grüße und einen schönen Tag dir,
      Doro

      1. Hallo Doro,
        Retterspitz ist wirklich super! Es gibt auch ein Buch über die Anwendungsgebiete, welches sehr empfehlenswert ist.

        Du könntest in der Tat einen Wickel um dein Handgelenk machen. Und dazu gibt es bei dir im Haushalt sicherlich die entsprechenden „Zutaten“.
        Für einen Handgelenkswickel könntest du zB ein Stofftaschentuch oder ein dünnes Baumwollhalstuch für Kinder benutzen. Dann kommt etwas dickeres aus Wolle drüber: der Schaft einer Wollsocke oder eines Handschuhs…

        Auch macht es Sinn, wenn die Entzündung abgeklungen ist, das Handgelenk von einem Profi einrichten zu lassen. Durch die Belastung haben sich hier evtl. die Handwurzelknochen verschoben.

        Dir gute Besserung und viele Grüße, Simone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.