Eierstockkrebs: Das Leben schreibt Geschichten. Oftmals sehr schöne, manchmal aber auch tragische, für uns unverständliche. Patricia ist 29 Jahre alt und möchte mit uns ihre Geschichte teilen. Sie ist an Eierstockkrebs erkrankt.


03.07. 2019: Patricia ist von uns gegangen. Unsere Gedanken sind bei ihr und ihrer Familie. Unser tiefstes Beileid!


Unheilbar. Aber mit einem Herzen voller Träume und Wünsche. Und die lässt sie sich nicht nehmen. Erst recht nicht von ihrer Erkrankung. Ich, Judith, bin sehr berührt von diesem Interview.

Liebe Patricia, ich danke dir von Herzen, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Wir kennen uns nun schon einige Jahre. Für unsere Leser/innen, die dich noch nicht kennen: Bitte erzähle uns einmal von Anfang an: An welcher Krankheit bist du erkrankt? Uns seit wann?

Eierstockkrebs Interview Frauenärztin Dr. Judith Bildau MutterKutter
Foto: Patricia Deines

Ich war 20 Jahre alt, es war 2010, als ich immer wieder Bauschmerzen hatte. Deshalb ging ich irgendwann zu meiner Frauenärztin. Sie sah im Ultraschall eine Zyste. Nach weiteren Kontrollen, sollte mir die Zyste schließlich in einer Operation entfernt werden. In der Klinik stellte man fest, dass es Eierstockkrebs ist und bereits gestreut hat.

Eierstockkrebs: Ich bin auf der Intensivstation aufgewacht. Beatmet.

Das Bauchfell war befallen, außerdem die Lymphknoten, die Milz, die Leber, die Lunge und Teile des Darms. Ich wurde daraufhin 14 Stunden lang operiert. Die Ärzte entfernten mir die Gebärmutter, die Eierstöcke, Teile der Leber und der Lunge, des Bauchfells, des Zwerchfells, Lymphknoten und Darmabschnitte.

Schon während der OP wurde mir in den Bauchraum eine Chemotherapie gegeben. Meine Harnleiter wurden geschient, sodass der Urin aus den Nieren ablaufen konnte. Ich wachte beatmet auf der Intensivstation auf und hatte einen künstlichen Darmausgang. Dazu hatte  ich einen Bauchschnitt, der vom Brustbein bis zum Schambei reichte.

Welche Therapien hast du bislang durchgeführt?

Zahlreiche. Nach dieser großen Operation immer wieder erneute Operationen. Außerdem Chemotherapien und Antikörpertherapien.

Eierstockkrebs Interview Frauenärztin Dr. Judith Bildau MutterKutter
Foto: Patricia Deines
Schlimm waren die Wechseljahresbeschwerden.

Hast du zwischendurch ans Aufgeben gedacht?

Ja, immer wieder. Nach der großen Operation lag ich zum Beispiel 10 Tage auf der Intensivstation. Geplant waren nur 3 Tage, aber ich bekam eine Lungenentzündung. Ganz schlimm waren die Wechseljahrsbeschwerden, die ich bekam, weil mir beide Eierstöcke entfernt wurden. Das war die Hölle. Ich lag insgesamt 6 Wochen in der Klinik, hatte in dieser Zeit schon 10 kg Gewicht verloren. Irgendwann konnte ich nervlich nicht mehr.

Ich musste mich mühsam ins Leben zurückkämpfen.
Eierstockkrebs Interview Frauenärztin Dr. Judith Bildau MutterKutter
Foto: Patricia Deines

Ich durfte nach Hause, nach einer Woche musste ich aber wieder mit dem Krankenwagen in die Klinik. Dann bekam ich eine Chemotherapie. Es war eine schwere Zeit. Ich war absolut kraftlos, hatte keinen Appetit, musste mich ständig übergeben, saß im Rollstuhl und kam mit dem künstlichen Darmausgang nicht klar. Er tat höllisch weh und war ständig entzündet. Alle 3 Monate wurden die Harnleiterschienen in Narkose gewechselt. Nach Beendigung der Chemotherapie konnte mir zum Glück der künstliche Darmausgang zurück verlegt werden. Ich kämpfte mich dann mühsam wieder ins Leben zurück.

Ich brauchte bald keinen Rollstuhl mehr, meine Haare wuchsen wieder. 2014 bekam ich wieder so ein blödes Gefühl. Schnell zeigte sich, dass der Tumormarker wieder viel zu hoch war. Es folgten eine Reihe von Untersuchungen und die Gewissheit: Der Krebs ist wieder da. Eine Operation war nicht mehr möglich. Es wurde eine erneute Chemotherapie gegeben. Irgendwann kam noch eine Antikörpertherapie hinzu. Zwischendurch musste ich die Chemotherapie abbrechen, weil meine Blutwerte zu schlecht waren.

2018: der Krebs ist weiter fortgeschritten

2018 erfuhr ich dann, dass der Krebs weiter fortgeschritten ist. Ich bekam zwei Magenstents, damit die Nahrung ungehindert im Magen ankommen kann, mittlerweile habe ich eine PEG, das ist ein Schlauch durch die Bauchdecke in den Magen, über die ich Nahrung bekomme. Leider ist der PEG-Eingang immer wieder entzündet. Wenn die Entzündung endlich abgeheilt ist, hoffe ich auf eine weitere Chemotherpie. Aktuell bekomme ich künstliche Nahrung und immer mal wieder Bluttransfusionen.

Nun warst du ja sehr, sehr jung, als du die Diagnose bekommen hast. Was waren deine ersten Gedanken, als du erfahren hast, dass du Krebs hast?

Ich habe mich sofort gefragt, wie es nun weiter geht. Ob ich sterben werde. Und ob jetzt alle meine Träume, die ich für mein Leben hatte, platzen würden.

Wie geht deine Familie mit deiner Erkrankung um?

Meine Familie geht sehr unterschiedlich damit um – meine Mama redet viel darüber. Sie spricht auch viel mit anderen darüber, tauscht sich aus, erleichtert sich. Mein Papa verschließt sich. Und mein Mann verhält sich ähnlich. Er spricht nicht viel darüber. Er ist einfach bedingungslos für mich da.

Mein Mann ist für mich da!

Du hast ja von Anfang an einen ganz wunderbaren Mann an deiner Seite. Ich war und bin immer wieder schwer beeindruckt, wie ihr beide das zusammen meistert. Wie geht dein Mann mit deiner Krankheit um? Ist sie immer Thema oder habt ihr auch Phasen, wo ihr sie ‚vergessen‘ könnt?

 Interview Frauenärztin Dr. Judith Bildau MutterKutter
Foto: Patricia Deines

Viktor war von Anfang an an meiner Seite. Nach 6 Jahren Beziehung haben wir im Juni 2015 zunächst standesamtlich, 2016 dann kirchlich geheiratet. Er ist meine große Liebe. Leider ist die Krankheit jeden Tag präsent. Sie ist jeden Tag Thema. Viktor sagt nicht viel, er ist da, kümmert sich, unterstützt mich. Aber ich merke natürlich, dass ihm das alles sehr zusetzt.

Das Leben ist einfach zu schön, um zu sterben.

Du hast dir immer wieder großartige Wünsche erfüllt, zum Beispiel vor Kurzem eine Reise nach New York, auf die du sehr lange warten musstest. Woher nimmst du diese Kraft? Und hast du noch weitere Wünsche, die du unbedingt wahr werden lassen möchtest?

 Interview Frauenärztin Dr. Judith Bildau MutterKutter
Foto: Patricia Deines

Oh ja, das war eine tolle Reise. Sie wird für mich für immer unvergessen bleibe. Ehrlich gesagt frage ich mich selbst manchmal, woher ich die Kraft nehme. Ich weiß es nicht. Ich glaube, es ist einfach der Wille, am Leben bleiben zu wollen. Das Leben ist einfach zu schön, um zu sterben. Ich habe noch so viele Träume – ich möchte reisen. Ich möchte einmal ins Disneyland und in den Loro Park auf Teneriffa.

Wenn man so schwer erkrankt ist, beschäftigt man sich zwangsläufig mit dem Thema ‚Tod‘. Wie geht du damit um? Hast du Angst?

Ja, ich habe Angst. Ich habe gehört, der Tod soll friedlich sein. Darauf hoffe ich einfach.


Wer Patricia unterstützen möchte, darf dies sehr, sehr gerne tun! Sie freut sich sehr!

Patricia Deines, Danziger Straße 6, 34628 Willingshausen

Konto: Patricia Deines, IBAN: DE19 5001 0517 5421 3763 16. BIC: INGDDEFFXXX

Ihr findet Patricia hier auf auf Facebook (Werbung wegen der Verlinkung*).


Medizinischer Hintergrund:
Was ist Eierstockkrebs genau?
Eierstockkrebs Verhütungsmittel Inkontinent nach der Geburt Medizin kompakt MutterKutter Dr. Judith Bildau
Foto: Dr. Judith Bildau, Frauenärztin & MutterKutter-Autorin

Kurz gesagt ist es eine bösartige Erkrankung der Eierstöcke. Meist wird diese recht spät entdeckt, da zu Beginn der Erkrankung häufig spezifische Symptome fehlen. In Deutschland erkranken etwas 9.600 Frauen pro Jahr an Eierstockkrebs, auch Ovarialkarzinom genannt (1). 70% der Erkrankungen werden erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt (2). Die Symptome reichen von Bauchschmerzen über Veränderungen der Stuhlgewohnheiten zu unklarem Gewichstverlust und einer Zunahme des Bauchumfangs.

Junge Frauen sind selten betroffen.

Es sind mittlerweile genetische Risikofaktoren für die Entstehung eines Eierstockkrebses bekannt. Das mittlere Erkrankungsalter liegt übrigens bei 70 Jahren und bis zum 85.Lebensjahr steigen die Erkrankungsraten kontinuierlich an (3). In sehr selten Fällen können auch junge Frauen an einem Ovarialkarzinom erkranken.

Quellen:
1. Krebs in Deutschland 20013- 2004. Häufigkeiten und Trends. 6th revisided edition. Robert-Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und Deutschland e.V., Berlin 2008.
2. Heinz AP. et al. Carcinoma of the ovary. FIGO 6th annual report on the result of treatment in gynecological cancer. Int. J. Gyaecol. Obstet., 2006.
3. Krebsgesellschaft Deutschland. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis- informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs/definition-und- haeufigkeit.html

2 Kommentare zum Thema “Eierstockkrebs: „Das Leben ist zu schön, um zu sterben.“”

  1. Ich bin sehr gerührt. Ich wünschte ich könnte Patricia in den Arm nehmen und irgend etwas tröstendes sagen . Meine Mutter und meine Schwester sind an Eierstockkrebs gestorben . Bei mir werden am 27.5. die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt. Das Risiko ist einfach zu hoch,das ich auch daran erkranken könnte. Meine Mutter starb mit 44 Jahren ,meine Schwester 62. Ich bin jetzt 53 Jahre alt und hoffe das ich meine Enkelkinder aufwachsen sehe. Ich hoffe Patricias Träume gehen alle in Erfüllung. Ich wünsche ihr und ihre Familie viel Kraft

    1. Liebe Christina, ich danke dir für deinen Kommentar und deine lieben Worte. Und ich wünsche dir von Herzen alles Liebe für deine OP. Viel Kraft, Gesundheit und alles, was du brauchst. Falls du über diesen Schritt hier auf MutterKutter sprechen möchtest – gib uns gerne Bescheid! Herzliche Grüße von Doro

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