Baby & Kind

Instinkte: „Dein Kind kann Mensch“, sagt Milka.

Moderatorin Milka Loff Fernandes gibt uns ehrliche Einblicke in ihre Gedankenwelt als Mama. Autorin: Dorothee Dahinden

Instinkte: Ein ehrliches Gespräch mit Milka Loff Fernandes über unsere Rolle als Eltern.

Und die große Frage: Sollten wir unseren Kindern nicht generell mehr zutrauen?


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Instinkte: „Wie soll das Kind Selbstvertrauen lernen, wenn es seine eigenen Grenzen nicht kennt?“

Milka Loff Fernandes, TV-Moderatorin & zweifache Mutter

Liebe Milka, immer wieder gibt es Situationen, die ich beobachte und bei denen ich mich frage: Sollten wir unseren Kindern nicht ein bisschen mehr zutrauen? Klassisches Beispiel: Kind bewegt sich draußen in Winterjacke, hat ein knallrotes Gesicht. Ausgangsbasis: Ist nicht erkältet, total gesund. Das Kind fragt: Darf ich die Jacke ausziehen. Das Elternteil antwortet: „Nein“, es ist kalt. Ich frage mich dann: Sagen wir Erwachsenen aus Prinzip nein, weil uns selbst kalt ist? Haben wir nur „Angst“ vor einer Erkältung? Beschützen wir sie manchmal zu sehr? Was denkst du, wenn du dieses Beispiel und meine inneren Fragen dazu liest? 

Crew Selbstwert Instinkte
Milka Loff Fernandes ,
Credit: Paul Schirnhofer

Also: Wenn ich in den Niederlanden eine Sache gelernt habe, ist es, dass Kinder durchaus im T-Shirt und in kurzen Hosen bei 7 Grad und im Regen eine Runde über’n Hof rennen können, ohne danach mit 40 Fieber im Bett zu enden. Im Kindergarten meiner Kleinen wurde diese „Runde“ (oder zwei) auch gerne mal zelebriert. Schließlich war es die einzige Art und Weise, die Kinder bei Regen und grauer Dunkelheit auch mal raus an die frische Luft zu kriegen. Ohne die Hürde durch stundenlange Anziehorgien künstlich hoch zu halten. Ergebnis: Während meine – im „es-gibt-kein-schlechtes-Wetter-es-gibt-nur-schlechte Kleidung“-Geist sozialisierte Große – im Winter regelmäßig mit einer Bronchitis zu kämpfen hat, läuft bei der Kleinen zwar ständig die Nase, aber auch wenn sie selbst im Winter am liebsten barfuß über den unbeheizten Boden unserer Wohnung düst, ist sie selten wirklich krank.

Wir erziehen über unsere eigenen Instinkte hinweg!

Aber weißt du, wo es mir persönlich immer wieder auffällt, dass wir Eltern Kindern über/ oder besser von ihren eigenen Instinkte weg-erziehen? Beim Essen.

„So, das war jetzt genug Schokolade!“

„Da ist aber noch was auf deinem Teller!“

„Nein! Du isst jetzt! Jetzt ist Essenszeit. Sonst hast du gleich wieder Hunger.“

„Wir sind Vegetarier.“

„…aber Brokkoli ist gesund…“

Während ich einerseits auch so erzogen worden bin und durchaus von dem ein oder anderen Satz gerne mal Gebrauch mache, komme ich mehr und mehr zu dem Punkt, dass ich diese Vorgehensweise hinterfrage. Vor allem, seitdem ich selbst wieder versuche, mich intuitiver zu ernähren. Was heißt das? Ich esse was ich will, wann ich will und so viel wie ich will. Wenn ich nicht mehr essen will, höre ich auf und wenn mir „etwas stinkt“, esse ich es nicht. Klingt einfach? Ist es aber nicht.

Instinkte: Wir sollten unsere Kinder einfach intensiver studieren!

Ich scheitere regelmäßig an den letzten zwei Bissen. Warum? Weil ich gelernt habe!, sie aufzuessen. D.h. solange wir das Kind an der Brust haben, trauen wir ihm zu, seinen Nahrungsbedarf selbst regulieren zu können, sitzt es jedoch am reich gedeckten Tisch, hat es sich unseren Regeln zu fügen. Wir reden wohlgemerkt von Regeln, die sich selbst innerhalb unserer Lebenszeit bereits mehrfach geändert haben. Manchmal denke ich, wir sollten uns unsere Kinder einfach intensiver studieren, dann wären wir in einigen Dingen sehr viel weiter.

Dein Kind kann Mensch. Das war ja unser Titel in unserem Zoom-Call. Das beinhaltet ja auch, dass Kinder teilweise einfach als „klein“ angesehen werden und so, als ob sie erst „Mensch“ werden würden. Was assoziierst du mit dem Satz?

Ja, genau das! Wenn so ein kleiner Mensch auf die Welt kommt, ist ja schon alles an ihm dran und angelegt. So, wie ein Samen, der nur noch in einen Blumentopf gesteckt werden muss und mit Erde, Wasser, Sonne, Luft und Liebe ausgestattet zu einem stattlichen Baum werden kann, der im Somme Früchte trägt. Hat dieser Samen all diese oben genannten Elemente im richtigen Maß, muss schon sehr Vieles schieflaufen, damit das nicht passiert.

Was kann ich tun, um meinen Kindern noch mehr Vertrauen entgegenzubringen?

Bei vielen Eltern (und da schließe ich mich selbst auch mit ein) habe ich jedoch oft den Eindruck, dass sie befürchten, ihr „Bäumchen“ würde nicht gut genug für den Garten der Menschheit, wenn man es nicht vorher noch richtig „in Form bringt“. Und beschneiden es oder verbiegen es, anstatt sich an seiner natürlichen Form zu orientieren. Wie gesagt, ich merke an meiner Kleinen gerade, dass ich scheinbar absolut zu dieser Art von Eltern gehöre und frage mich, was ich tun kann, um das zu verändern.

Ich empfinde Kinder als extrem weise. Wir können oft von ihnen lernen und sie wissen viel über das Leben. Was haben dir deine Töchter beigebracht als Menschen? 

Wie gesagt, merke ich gerade, das ich scheinbar nicht genug zuhöre. Das ist auch schwer. Zuzuhören, ohne das Gehörte zu werten. Bedingungslose Annahme. Selbst, wenn man das Erzählte schon 100 Mal gehört hat und irgendwo im Osten des Zimmers die Email-Notifications Dringlichkeitsgeräusche von sich geben. Ich lerne gerade, wie wichtig es für meine Kinder ist, dass ich mich Ihnen 100% widme. Dafür muss ich meine eigenen Grenzen erkennen und setzen.

Das Fokussieren auf die Zeit mit meiner Tochter hat mich effektiver gemacht.

Wenn sie also meckern oder missmutig werden, weil Ihnen meine Aufmerksamkeit fehlt, (das macht gerade die Kleine (4J) gerne – schließlich kann sie das weder einordnen noch ausdrücken, was gerade schief läuft) dann ist es meine Aufgabe, ihr ganz klar zu machen, dass ich sie höre, und gerne gleich mit ihr spiele, aber noch bis 11:30 arbeiten muss. So lange kann sie noch zwei Puzzle machen. Um 11:30 aber MUSS ich dann am Start sein und mein Handy und mein Rechner sind aus oder auf mute und die Stunde bis zum Mittagessen gehört den Kleinen. Das finde ich wahnsinning schwer.

Doch es ist, denke ich etwas, was ich unbedingt lernen muss(te) und ich merke, wie es mich schon jetzt  insgesamt in meiner Arbeit auch viel effektiver gemacht hat. Selbst in Lockdown und Homeschooling-Zeiten.

Wie wichtig ist Vertrauen für dich in deiner Beziehung zu deinen Töchtern? 

Sehr wichtig. Zum einen natürlich in dem Sinne, dass wir uns vertrauen können, weil wir uns aufeinander verlassen können und ehrlich zueinander sind. Da ist besonders mein Mann ein leuchtendes Beispiel für mich und meine Kids. Aber zum anderen auch im Sinne von: Ich vertraue auf die Fähigkeiten und das Potential meiner Kinder und lasse sie Dinge alleine erledigen.

Instinkte – oder: Vertrauen und lange Leine

Wenn ich zurückdenke an die Zeit, in der ich 8 Jahre alt war. Da bin ich in dem Alter schon eine halbe Stunde hin und zurück jeweils mit Bus und Bahn in Hamburg zur Schule gefahren. Mit anderen Kindern zwar und nicht ganz alleine, aber ohne Mama. Bei Wind und Wetter. Natürlich hätte da alles Mögliche passieren können. Und vielleicht hab ich auch manchmal weinen müssen, weil etwas nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe, aber in Summe ist nur eine Sache wirklich passiert. Ich hab das hingekriegt und war stolz drauf. Ich habe mir das zugetraut und später ganz andere Dinge dann auch.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mein Kind alleine quer durch die Stadt jagen würde, (tatsächlich ist das von der Schule aus erst ab 10 erlaubt) aber ich traue ihm zu, alleine Brot vom Markt mitzubringen, lange Fahrradtouren zu bewältigen, zu entscheiden, wann und wie viel es essen oder trinken will, ob es auf den Zaun klettern kann oder nicht usw. Denn wie soll das Kind Selbstvertrauen lernen, wenn es seine eigenen Grenzen nicht kennt? Und wie soll es seine Grenzen kennenlernen, wenn ich es aus Angst oder Sorge an der kurzen Leine halte. D.h. Vorschussvertrauen von mir führt zu Selbstvertrauen beim Kind – und das führt zu gegenseitigem Vertrauen zueinander. So meine Rechnung.

„Es wird so viel Angst geschürt.“

Was glaubst du: Woher kommt diese Angst, die oft in den Köpfen von Eltern vorherrscht? Eine Erklärung ist für mich: Die Flut an schlechten Nachrichten… 

Oh ja – es wird so viel Angst geschürt. Was ich schon alles gehört habe, wie gefährlich Amsterdam sein soll. Dabei habe ich mich vor Allem Nachts nirgendwo sonst so sicher gefühlt. Es ist ja immer irgendwo das Licht an. Wir Erwachsene werden also auch so viel weniger Abenteuerlustig. Überall muss ein Helm, Knieschoner ein Sicherheitsgurt ran. Wenn das so weitergeht, muss man gar keinen Lockdown mehr verordnen. Dann bleiben wir freiwillig zu Hause. Vor der Tür lauert Gefahr.

Ich springe jeden Tag als Mutter über meinen Schatten!

Gab es auch schonmal Situationen, bei denen du dachtest: UH, da muss ich nun über meinen Schatten springen, aber..JA! Das erlaube ich dir! Wenn ja, welche? 

EVERY FUCKING DAY! Dazu muss man wissen, dass meine Kleine insgesamt etwas wackelig auf den Beinen ist. 1. Weil sie lange Arme und Beine hat. 2. Weil sie 4 ist, sich aber komplett an ihrer doppelt so alten Schwester orientiert und 3. Weil sie mit einer Fußfehlstellung auf die Welt gekommen ist, die zwar perfekt behoben ist, sich aber manchmal beim Laufen noch ausdrückt.

Wenn die also einen Berg runterrennen will, was ihr natürlich total Spaß macht, weil sie dann schnell wird und weil schnell in ihren Augen immer gut ist, dann ist mein erster Reflex: „Halt! Stopp!“ zu schreien. Gerade gestern war das wieder der Fall. Und während ich ihrer großen Schwester noch erkläre, warum sie auch nicht maßregelnd einschreiten soll, liegt das Kind schon mit aufgeschürften Händen und Knien im Schotter. Aber das sind die kleinen Dinge. Reden wir nochmal drüber, wenn sie dann beim Freund übernachten wollen oder ich sie nicht mehr aus dem DM rauskriege, weil sie am Make-Up shoppen sind.

„Bleib menschlich. Das heißt auch, dass du dich verwundbar zeigen kannst.“

Wenn ein*e Leser*in nun denkt: Stimmt, ich könnte auch ein bisschen mehr Vertrauen. Was ist dein Tipp für einen ersten Schritt? 

Babysteps. Wenn Du merkst, dass das mit dem Vertrauen schwierig ist für dich und wo, dann ist das schon mal super. Dann weißt du ja, wo du anfangen kannst. Und dann: Sag, was du meinst und meine, was du sagt. Wenn du etwas nicht erlauben kannst, dann sag es ehrlich und begründe auch warum. Aber bleib bei dir in der Aussage. Also statt: „Du bist noch zu jung für ein eigenes Smartphone.“ Lieber „Ich möchte nicht, dass du ein eigenes Handy hast. Damit fühle ich mich nicht wohl. Ich finde es selbst schon schwer, nicht die ganze Zeit am Phone zu hängen und ich möchte nicht, dass du auch damit zu kämpfen hast.“ Bleib menschlich. Das heißt auch, dass du dich verwundbar zeigen kannst. Damit können die Kids eher was anfangen, als mit mit „…ja weil das schon immer so war…“

Respekt is key! Nimm Dich und Deine Kinder für voll. Spiel manchmal einfach auch auf Risiko. Meine Mutter hat, glaube ich, sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr viel gebetet. Nicht zu vergessen, dass genauso wie deine Kinder von dir lernen… du auch von deinen Kindern lernen kannst.


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