Plötzlich Teenie-Mama: Jessica wurde mit 16 das erste Mal schwanger und hatte mit vielen vielen Vorurteilen zu kämpfen. Wie das damals war und wie es ihr heute geht – das erzählt die 28-Jährige uns hier. Hautnah, berührend und auch zum Nachdenken:


„Heute bin ich auch fest davon überzeugt, dass es Schicksal war.“
Mama Jessica über ihre erste Schwangerschaft als Teenagerin

Das erste Mal schwanger wurde ich mit 16. Mit 17 kam dann mein Sohn auf die Welt. Als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr, war es zunächst ein Schock. Denn es war nicht geplant. Dazu kommt, dass ich aus einer altmodischen traditionellen Familie komme (kein Freund, solange minderjährig, kein Geschlechtsverkehr vor der Ehe, von einem unehrlichen Kind gar nicht zu reden…).

Teenie-Mama: „Mein Partner machte mir Mut.“

Teenie-MamaIch hatte wirklich Angst, meinen Eltern davon zu erzählen. Denn zuvor hatten sie mir schon mit dem Internat im Ausland gedroht, sowie meinen Partner anzuzeigen, weil ich 14 war, als ich ihn kennenlernte und er fast 18. Aber mein Partner machte mir Mut. Er war die erste große Liebe und es war Liebe auf dem ersten Blick. Wir lernten uns auf einer Hochzeit kennen und noch in der selben Nacht wurden wir ein Paar. Ich war total verliebt (so wie es Teenies nunmal sind) und deshalb vertraute ich ihm. Wir waren zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft bereits fast 3 Jahre zusammen.

Genau 3 Jahre nach unserem erste Date kam unser Sohn auf die Welt!

Um es meinen Eltern zu erzählen, habe ich die Hilfe von einer Psychologin genutzt. Und heute denke ich: es war richtig so. Auch wenn meine Mutter noch der Meinung war, eine Abtreibung sei aufgrund meines Alters das Richtige – so entschied ich mich für dieses Kind. Weil ich es von Anfang an liebte. Heute bin ich auch fest davon überzeugt, dass es Schicksal war. Denn mein Sohn kam genau an dem Tag, an dem ich mit dem Papa zusammen kam. 3 Jahre später. Mein Mann hatte beim Frauenarzt noch gescherzt, ob er sich den ET aussuchen könnte und so kam es auch, dass der Arzt „unser“ Datum aufschrieb und mein Sohn auch genau an diesem Tag spontan auf die Welt kam. Es muss einfach Schicksal gewesen sein.

Was die Schwangerschaft betrifft, so war es eine wunderschöne Schwangerschaft ohne jegliche Nebenwirkungen, wie ich es immer so gerne nenne. Ich hatte keinerlei Beschwerden. Meine Eltern wollten zunächst noch meinen Partner und mich in getrennten Zimmern schlafen lassen, bis eine Verwandte meinte: Jetzt sei es doch eh zu spät, es könne doch nichts mehr passieren. Aber letztendlich durfte der Papa dann, als ich hochschwanger war, bei mir übernachten.

Teenie-Mama & Vorurteile: in der Schule wurde es schwer

Da er  – und das muss ich dazu auch sagen – etwa eine Stunde von mir entfernt wohnte. In diesem Sinne war am Ende alles soweit Okay mit der Familie und der Schwangerschaft.

Wo ich die ersten Vorurteile zu spüren bekam, war in der Schule. Ich besuchte gerade die zehnte Klasse auf dem Gymnasium. Und auch von meiner Familie her musste ich zunächst die Schwangerschaft verstecken. Doch obwohl ich es am liebsten bis zum Ende in der Schule  geheim gehalten hätte, erzählte es meine damalige Klassenlehrerin eines Tages während meiner Abwesenheit meinen Mitschülern. Weil sie meinte, es wäre wichtig, dass sie Rücksicht nehmen. Ich war davon nicht begeistert, weil: Die einen taten plötzlich so, als ob sie Freundinnen wären, um mehr zu erfahren. Andere wiederum gingen das Lästern an. Am Ende war ich froh, als ich die zehnte Klasse beendet hatte. Und da mein Sohn im September auf die Welt kam, pausierte ich für ein Jahr die Schule (ich bat um Elternzeit beim Schulamt).

Als Teenie-Mama war ich selbstbewusster als je zuvor.

Natürlich war das eine Umstellung, denn man hatte plötzlich Verantwortung zu tragen. Aber ich glaube, so wie es überall ist, man wächst in die neuen Aufgaben hinein. Und genau das taten wir auch als Familie. Als ich Volljährig wurde, heirateten der Papa und ich und zogen in unsere erste gemeinsame Wohnung. Kurz darauf fing auch die Schule wieder für mich an und ich kann sagen: Ich war stärker und selbstbewusster als je zuvor, was man auch an den Noten erkannte. Ich wusste, dass ich es nicht nur für mich tue, sondern auch für meine kleine Familie. Für mein Kind. Zwar drängte die Familie, ich sollte eine Ausbildung machen, aber ich wollte unbedingt mein Abitur machen, was ich auch tat.

In den Jahren als Mama auf der Schule erkannte ich auch die nächsten Vorurteile, denn als ich einer Mitschülerin Nachhilfe bei mir zu Hause gab und sie in die Tür herein trat, war sie total erstarrt. Ich fragte sie natürlich, was los sei und sie entgegnete mir, sie hätte nicht erwartet, dass ich so leben würde. Natürlich fragte ich sie direkt, was sie denn erwartet hätte oder eben nicht erwartet hötte. Ihre Antwort:

„Ich hätte gedacht, deine Wohnung sieht zusammengewürfelt aus und wild so wie im Fernsehen immer bei den Teenie-Müttern und nicht so wie bei dir. So luxuriös und schön und teuer.“

Damit war mir klar – und ich fand es tatsächlich sehr schade – welches schlechte Bild alleine die Medien von uns Teenie.Mamas der Welt präsentieren. Ich dachte mir nur: Wieso wird nicht mal gezeigt, dass es auch anders sein kann?

Es war schwer für mich, Gleichgesinnte zu finden!

Die darauf folgende Zeit merkte ich auch gerade im Kindergarten meines Sohnes, dass man für die anderen Mütter zu jung und naiv war. Während man für Gleichaltrige aufgrund dessen, dass man jetzt Mama war auch nicht mehr dazugehörte. Zusammen gefasst lässt sich sagen, dass man plötzlich als Teenie-Mama nirgendswo mehr dazu gehörte…

Heute bin ich 28 Jahre alt, mit dem Papa über 14 Jahre zusammen, 10 Jahre verheiratet und wir haben gemeinsam drei wunderbare Jungs (11, 4 und 1). Wir sind als Familie glücklich. Aber ich glaube, Vorurteile werden niemals nachlassen, denn jetzt ist es das Stichwort: Großfamilie. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Heute studiere ich!

Stark gemacht haben mich tatsächlich meine Kinder und ihre Liebe. Die Stärke geben sie mir auch heute noch jeden Tag. Ich kann nur jeder Tennie-Mama raten, keine Angst zu haben. Wenn man etwas von Herzen möchte, so schafft man es auch. Ich wollte mein Abitur machen und habe es durchgezogen. Wollte immer studieren und jetzt studiere ich in Teilzeit neben meinen Kindern. Das Einzige, was ich mir vielleicht gewünscht hätte, wäre es gewesen, Gleichgesinnte zu finden. Sei es auch einfach nur um sich auszuquatschen. Allerdings war damals das Internet noch nicht so ein Hingucker für mich wie heute, wo man sich eventuell hätte kennenlernen können.

Egal, ob Teenie-Mama oder nicht: Wir alle wollen doch nur eins für unsere Kinder.

Und zu der Frage, wie ich zu den Menschen stehe, die dagegen waren (oder so viele Vorurteile haben)… Ich denke mir immer, dass es absolut schade ist, weil viele darunter leiden, sich zurückziehen und vielleicht genau deswegen nicht in ihrem „neuen“ Leben aufblühen können, weil sie Angst haben. Und ich werde nicht leugnen, dass es mir heute nicht manchmal auch noch schwer fällt.

Es sollte einfach vielleicht auch medial gezeigt werden, wie schön es auch sein und klappen kann und nicht vermehrt die etwas … – ich sage mal nicht schlechtere Seite, weil ich selber nicht gerne urteilen mag, denn das Recht habe ich nicht und ich bin der Meinung, dass jeder seine Gründe für sein Verhalten hat – … also „andere“ Seite. Aber vor allem Herzblutmamas wollen am Ende alle dasselbe: das Beste für ihre Kinder…

Liebe Jessica, herzlichen Dank für deine Geschichte über dich damals als Teenie-Mama und den persönlichen Einblick in dein Leben! Wir freuen uns sehr, dass du sie uns erzählt hast. Und ihr findet Jessica auf Instagram, falls ihr noch Fragen an sie habt oder ihr gerne folgen möchtet. Hier geht es zu ihrem Profil. (Werbung wegen Verlinkung*)


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