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1 Mama, 2 Papas, 1 Baby: unser Weg zum Wunschkind!

Mama Alixa Klemm erzählt uns ihre Familiengeschichte! Plus: Unsere Frauenärztin Dr. Judith Bildau über Regenbogenfamilien in ihrem Berufsalltag.

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Diese 3 halten ihr Wunschkind endlich im Arm. Mama Alixa, Papi Thomas und Papa Sven. Eine berührende Familiengeschichte!


Ich, Doro, freue mich sehr, dass ich durch einen Zufall bei einer unserer Podcastaufnahmen von der 33-jährigen Alixa und ihrer Geschichte zum Wunschkind erfahren habe. Ihr Bruder hat Kerstin und mir von ihrer spannenden Familiengeschichte erzählt. Ich: Wow! Meinst du, Alixa würde uns einen Einblick in ihr Leben geben? Und tatsächlich: die Journalistin & TV-Redakteurin hat JA gesagt. Und diesen Beitrag aus dem Wochenbett geschrieben. Über ihre Familie und die Liebe.


Der Weg zum Wunschkind:

Am Ende des Regenbogens liegt ein Schatz

Ein Text von Alixa Klemm

Foto: Alixa Klemm, Journalistin & TV-Redakteurin

Ich wollte immer schon ganz früh Mama werden. Im besten Fall von einer ganzen Horde Rabauk*innen. Vier Kinder sollten es schon sein. Mit Anfang dreißig musste ich mir dann eingestehen, dass ich den „Junge Mama-Zug“ wohl verpasst hatte. Warum? Tja, ich hab leider ein gutes Händchen darin, mir Partner*innen rauszusuchen, bei denen die gemeinsame Begegnung früher oder später recht dramatisch endet. Ich habe einen Hang zum Drama. Und zu guten Geschichten. Darum habe ich beschlossen, aus meiner eigenen eine richtig gute zu machen. Eine, auf die ich gerne und stolz zurückblicken kann.

Und dieser Moment sollte mein Leben grundlegend verändern!

Vor zweieinhalb Jahren saß ich mit ein paar Freund*innen im Eiscafé Paradiso in Oberammergau. Ich wusste es noch nicht, aber dieser Moment sollte mein Leben grundlegend verändern. Mein Kumpel Thomas erzählte mir, dass er und sein Verlobter Sven sich schon seit einer Weile darüber informierten, welche Optionen es für sie gibt, Väter zu werden. Eine Adoption sei schwierig, ein Pflegekind mit gewissen Risiken verbunden, eine Leihmutterschaft in Deutschland verboten und in anderen Ländern sehr teuer. In den USA zahlt man aktuell zwischen 110.000 und 170.000 US-Dollar.

Zwischen uns saß Maren, eine langjährige Freundin, die von meinem Wunsch, Mama zu werden, wusste. Sie zeigte zuerst auf Thomas, dann auf mich und sagte trocken: „Redet halt mal miteinander“. Das taten wir. Denn urplötzlich lag ein verrückter Gedanke in der Luft: Der Gedanke, gemeinsam eine Familie zu gründen. Aber was das bedeutet, wie wir das umsetzen wollen, und auch, ob das bloß eine fixe Idee ist – all das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber bei einem war ich mir sicher:

Das war die schönste Idee die mir jemals untergekommen war. Und irgendwie hatte das Eis im Paradiso noch nie so gut geschmeckt.

Wunschkind: wir wollten tatsächlich unsere Familie gründen!

Zahlreiche Gespräche und What`s App-Nachrichten später, fand ich mich in meinem geliebten Gebrauchtwagen Manila auf dem Weg von Berlin nach Augsburg wieder. Den Kofferraum voll mit meinem alten Leben, den Kopf voller Vorfreude auf ein Neues. Wir hatten doch tatsächlich beschlossen gemeinsam Eltern zu werden und eine Regenbogenfamilie zu gründen. Als die Wohnung direkt neben Thomas und Sven frei wurde, fühlte es sich an, wie ein Wink des Schicksals. Damit hatte sich das Problem mit der Logistik in Luft aufgelöst: Wir konnten ab jetzt Tür an Tür wohnen! Ohne groß zu überlegen ergriff ich diese Chance und folgte meinem Bauchgefühl nach Bayern.

Wunschkind
Die standesamtliche Hochzeit von Sven (links) und Thomas (rechts). Meine nordische Seele musste eins sofort lernen: In Bayern trägt Frau zu feierlichen Anlässen Dirndl.
Credit: Alixa Klemm

Nachdem ich mich in Augsburg gesettelt hatte, legten wir los mit der Produktion, wie wir es nannten. Wir hatten uns zuvor für die Becherspende entschieden. Hierbei wird das Sperma des Mannes in einem kleinen Becher aufgefangen, dann mit einer sterilen, stumpfen Einmalspritze aufgezogen und möglichst zeitnah bei der Frau eingeführt. Wenn mein Eisprung nahte, bekam ich ein bis zweimal täglich eine Lieferung, die ich mir umgehend einführte. Dafür machte ich es mir gemütlich und lagerte mein Becken für eine knappe Stunde leicht erhöht, damit die kleinen Schwimmer*innen nicht gegen die Schwerkraft ankämpfen mussten.

Schon beim zweiten Versuch: JACKPOT!

Sieht lustig aus, scheint aber sehr effektiv zu sein.
Credit: Alixa Klemm

Eigentlich wollten wir das Sperma der beiden Papas mischen. Davon riet mir mein Frauenarzt allerdings ab. Er sagte mir, dass sich das Sperma von verschiedenen Männern unterschiedlich zusammensetzt und sich dadurch eventuell gegenseitig hemmen könnte. Darum mischten wir nicht, sondern wechselten täglich den Spender und schon beim zweiten Versuch hatten wir den Jackpot geknackt: Ich war schwanger! Ein irres Gefühl.

Unser Traum von einer gemeinsamen Familie sollte schon in neun Monaten Wirklichkeit werden. Wir waren ganz aus dem Häuschen.

Unser Leben mit dem Wunschkind:

“Wie machen wir das mit der Vaterschaftsanerkennung, oder dem Sorgerecht?”

Zu Beginn der Schwangerschaft hatte ich stark mit der Hormonumstellung zu kämpfen und hing mehrmals täglich über der Kloschüssel. Erst nach vier Monaten ging es bergauf und so langsam verabschiedete sich die Übelkeit und machte Platz für ganz viel Vorfreude. Wir nutzten die Zeit, um uns mit der anfallenden Orga zu beschäftigen.

Eine Geburt bedeutet schon für eine Familie in klassischer Form einiges an Papierkram, von Elterngeld über Kindergeld bis hin zur Kita-Anmeldung. Für uns wurde es jetzt aber noch komplizierter: Wie machen wir das mit der Vaterschaftsanerkennung, oder dem Sorgerecht? Wer von uns hat überhaupt Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld? Rechtlich gesehen gibt es in Deutschland nämlich nach wie vor maximal zwei Elternteile. Die Mehrelternschaft ist zwar eine in der Praxis immer öfter gelebte Familienkonstellation, aber eine in der Theorie leider noch nicht anerkannte.

“Bis die Mehrelternschaft in Deutschland anerkannt ist, werden wir als Familie oft von Einzelfallentscheidungen der Ämter abhängig sein.”

Wir entschieden uns dazu, eine Beratung durch das Regenbogenfamilienzentrum München in Anspruch zu nehmen und darüber hinaus eine Familienrechtsanwältin hinzuzuziehen, die sich auf besondere Familienmodelle spezialisiert hatte. Das führte dazu, dass wir Sven offiziell als Vater eintrugen, aber darüber hinaus die Rechte und die Verantwortung von Thomas in zusätzlichen Vereinbarungen festhielten. Bis die Mehrelternschaft in Deutschland anerkannt ist, werden wir als Familie oft von Einzelfallentscheidungen der Ämter abhängig sein.

Wir gingen den Weg der Schwangerschaft gemeinsam, besuchten einen Geburtsvorbereitungskurs, gingen gemeinsam zum Frauenarzt und auch bei der Geburt waren beide Papas an meiner Seite. Die Reaktionen der Menschen, die uns auf diesem Weg begegneten waren meist positiv, und fast immer wurde neugierig nachgefragt. Unsere Familien und Freund*innen gaben uns zusätzlich Rückenwind. Meine Mutter hisste sogar eine Regenbogenflagge in ihrem Garten. ♥

“Nach knapp 29 Stunden Wehen kam unser kleines Wunder dann endlich auf die Welt.”

Der Endrun wurde für uns zur Geduldsprobe: Wir warteten noch bis zur 42. Schwangerschaftswoche auf unser kleines großes Wunder.
Credit: Alixa Klemm

Für die Geburt suchten wir uns eine kleine, gemütliche Klinik außerhalb der Stadt. Wir wollten uns geborgen fühlen und nicht in Erklärungsnot geraten, warum es bei uns zwei anwesende Väter gibt. In Bobingen wurden wir fündig. Schnell kannte dort jede Hebamme unsere Geschichte. Ich war über die sich daraus ergebende Form der persönlichen, herzlichen Betreuung wirklich dankbar, da ich eine lange und anstrengende Geburt hatte.

Nach knapp 29 Stunden Wehen kam unser kleines Wunder dann endlich auf die Welt: Helene wurde an Weihnachten geboren. Unser Christkind war 52 cm lang, 3270 Gramm schwer und kerngesund. Den Moment, als sie mir auf die Brust gelegt wurde, werde ich nie vergessen. Ich war erfüllt von tiefer Glückseligkeit und bedingungsloser Liebe.

Seit neun Wochen ist Helene nun schon Teil unserer Familie. Ein Begriff, den wir für uns neu definiert haben.

Leben mit unserem Wunschkind:

“Wir haben (…) dreimal Zeit, dreimal Geld und dreimal Liebe zu verschenken.”

Jeder Tag mit unserer Tochter ist etwas besonderes und wir werden alles dafür tun, damit sie zufrieden und geborgen aufwächst. Ich glaube, das wird schon schief gehen – wir haben schließlich dreimal Zeit, dreimal Geld und dreimal Liebe zu verschenken. Das klingt für mich nach einer richtig tollen Voraussetzung für eine glückliche Kindheit. Was genau das Leben für uns vier noch so in petto hat, das wissen wir natürlich nicht, aber wir blicken voller Zuversicht und mit einer gesunden Prise Mut in unsere gemeinsame Zukunft.

Wunschkind
Das größte Abenteuer meines Lebens, endlich geht es los!
Credit: Alixa Klemm

♥ Danke, Alixa, Thomas und Sven für euer Vertrauen! Und alles alles Liebe für euch 4! ♥

Aus dem Leben mit ihrem Wunschkind bloggen die beiden Väter übrigens auch auf Instagram:

Thomas Richter

Sven Richter

♥ Und hier geht es zu einem aktuellen TV-Beitrag beim SRF, in dem die Vier ihre Geschichte erzählen. Total berührend!


Familien in allen Farben – die Regenbogenfamilien

von unserer Frauenärztin Dr. Judith Bildau

Free Bleeding Corona & Misstände in der Medizin
Dr. Judith Bildau, Frauenärztin – lebt und arbeitet in Italien

Unter Regenbogenfamilien versteht man Familien, die nicht mehr dem „klassischen“ Bild der Familie entsprechen. Häufig setzen sie sich aus gleichgeschlechtlichen Partner*innen zusammen, die ein oder mehrere Kinder haben und gemeinsam aufziehen, natürlich kann aber auch ein*e Partner*in zum Beispiel trans oder queer sein. Der Begriff stammt von der Regenbogenflagge ab, die als Symbol der LGTBQ+- Community gilt.

Für Regenbogenfamilien gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten, gemeinsam eine Familie zu gründen und gemeinsam Kinder zu haben. Eine davon ist die, für die sich Thomas, Sven und Alixa entschieden haben. Die drei haben quasi auf relativ natürliche Weise, der „Bechermethode“, gemeinsam ein Kind gezeugt. Für diese Methode, die auch häufig „Eigen-Insemination“ genannt wird, braucht es keinerlei ärztliche Unterstützung. Hier kümmern sich nun zwei Väter und eine Mama gemeinsam um das Kind.

Wunschkind: Ich erlebe recht häufig, dass jeweils zwei lesbische Frauen und zwei homosexuelle Männer sich den Traum eines Kindes erfüllen!

Natürlich können aber auch mehr als drei Personen eine Familie zusammen gründen. So erlebe ich recht häufig, dass sich jeweils zwei lesbische Frauen und zwei homosexuelle Männer den Traum eines Kindes gemeinsam erfüllen.

Lesbische Paare (oder Paare, in der ein*e Partner*in eine Gebärmutter hat) haben unter anderem die Möglichkeit, eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Hier kann das Sperma eines Freundes oder Bekannten verwendet werden oder das einer Samenbank.

Regenbogenfamilien können außerdem ein Kind adoptieren oder ein Pflegekind bei sich aufnehmen.

Eine Studie zeigt: Kinder aus Regenbogenfailien haben deutlich bessere Schulleistungen

Weltweite Studien haben gezeigt, dass Kinder aus Regenbogenfamilien Kindern aus „klassischen“ Familien weder in ihrer emotionalen, noch ihrer sozialen oder intellektuellen Entwicklung in irgendeiner Weise nachstehen. Ganz im Gegenteil! Eine im September 2020 veröffentlichte niederländische Studie* zeigte sogar, dass Kinder aus Regenbogenfamilien deutlich bessere Schulleistungen haben. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass diese Kinder eine sehr große und breite elterliche Unterstützung erfahren, weil die Eltern häufig einige Hürden und Schwierigkeiten bewältigen mussten, bevor sich der Traum Ihres absoluten Wunschkindes erfüllen konnte.

Glücklicherweise ist mittlerweile die Akzeptanz gegenüber den verschiedensten und bunten Familienmodellen deutlich größer, als noch vor einigen Jahren! Ich persönlich liebe es, Menschen aus bunten Partnerschaften und Familien als Frauenärztin während der Schwangerschaft zu begleiten. Es ist meist eine lang ersehnte und sehr glückliche, gemeinsame Reise, auf die wir gemeinsam gehen dürfen.

In Deutschland leben laut offiziellen Angaben schätzungsweise 10.000 Regenbogenfamilien (Stand: 2020)

* Link zur Studie: https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0003122420957249


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