Elternsein

Genderinklusive Sprache: Nora Imlau über ihre Grundwerte!

Erfolgsautorin Nora Imlau erklärt im Interview, wie sie in ihrem neuen Buch durch ihre Worte mehr als zwei Geschlechter abbildet. Autorin: Dorothee Dahinden

Nora Imlau spricht in diesem Interview über genderinklusive Sprache, ihre Grundwerte und über ihr zehntes Buch: „Mein Familienkompass“.

Wir freuen uns, dass Nora mal wieder bei uns zu Gast ist. Die anderen Artikel mit Nora verlinken wir dir nach dem Interview.


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„Ein wichtiger Grundwert sowohl meiner Arbeit als auch meines eigenen Familienlebens ist Respekt vor der Verschiedenheit von uns Menschen.“

Nora Imlau über ihr Familienleben und genderinklusive Sprache

Liebe Nora, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Buch. Habe ich richtig mitgezählt – ist es dein 9. Werk? Wahnsinn! Was mich nun interessieren würde – wie sieht der Entstehungsprozess deiner Bücher aus, sprich: Hast du eine Idee, die du dann reifen lässt und daraus entsteht ein Buch? Oder hast du quasi schon länger verschiedene Inhalte im Kopf, du nacheinander umsetzt?

genderinklusive Sprache
Foto: Nora Imlau

Es ist tatsächlich schon das zehnte Buch! Und eins, auf das ich besonders stolz bin, denn es fasst letztlich all das zusammen, was ich in den vergangenen knapp 15 Jahren über eine gesunde Balance der Bedürfnisse und ein gelingendes Familienleben gelernt habe.

Familienkompass: „Genau dieses Buch muss ich jetzt schreiben.“

Der Entwicklungsprozess meiner Bücher beginnt immer mit einer Idee eines Buches, das ich selbst gerne lesen würde. Dann spreche ich mit einigen Menschen darüber: mit meinem Mann, meinem Agenten, manchmal auch mit engen Freunden. Ihre Rückmeldungen und Fragen helfen mir dabei, ein Exposé zu erstellen. Dann gehen mein Agent und ich gemeinsam auf die Suche nach einem passenden Verlag.

Und klar, manchmal jongliere ich auch zwei oder drei Ideen gleichzeitig in meinem Kopf und muss dann überlegen, welche ich zuerst umsetzen will. Bei meinem Familienkompass war mir aber klar: Genau dieses Buch muss ich jetzt schreiben. Da gab es gar keinen Plan B.

Der Familienkompass: inwiefern unterscheidet er sich von deinen anderen Büchern? Worum geht es im Kern genau?

‚Mein Familienkompass‘ ist kein Ratgeber, sondern ein Sachbuch für Eltern, die sich den ganz großen Fragen des Familienlebens stellen wollen: Was sind Bedürfnisse, wie erkenne ich sie, und was kann ich tun, wenn sie sich einfach nicht unter einen Hut bekommen lassen? Was ist der Unterschied zwischen gesunden Grenzen und Machtmissbrauch? Wie kann ich mich durchsetzen, ohne zu drohen, zu erpressen und zu strafen? Und woran merke ich, dass mein Kind alles hat, was es von mir braucht?

Ich möchte zum Nachdenken anregen!

Mein Buch ist keine Ansammlung von Tipps, sondern eine Anleitung zum Nachdenken über die eigenen Werte, aber auch über alte Prägungen und Glaubenssätze, die uns beim liebevollen Umgang mit unseren Kindern oft Weg stehen. Es geht ziemlich in die Tiefe, und ist dabei trotzdem leicht zu lesen. Und am Ende haben Eltern ihren ganz persönlichen Nordstern im Blick: Da wollen wir hin, und das ist unser Weg.

Du schreibst, Zitat: „Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen – das ist die Kernbotschaft in meiner Arbeit mit Familien.“ Was bedeutet das für dich konkret im Verhältnis zwischen den Eltern, den Eltern und den Kindern und umgekehrt? Wie sieht die Basis einer Beziehung auf Augenhöhe miteinander aus?

Bei meinen Lesungen und Vorträgen werde ich ganz oft von Eltern gefragt, ob ein bestimmtes Verhalten in einer bestimmten Situation okay sei: Darf ich einem weinenden Baby die Brust verwehren? Ist es okay, mir eine Pause per Tablet zu erkaufen? Kann ich meinen Kindergartenkind zumuten, von Opa ins Bett gebracht zu werden, obwohl es liebe bei mir bleiben will? Auf all diese Fragen gibt es nicht die eine richtige Antwort, sondern viele mögliche gute Antworten – abhängig von der Familie, in der sie sich stellen, den Rahmenbedingungen, unter denen sie lebt, und die Beziehungen, die alle Beteiligten tragen.

Die Frage ist: „Wie wollen wir in unserer Familie miteinander umgehen?“

Wächst ein Kind grundsätzlich mit sicheren Bindungserfahrungen auf, kann es kleine Zumutungen hier und da durchaus wegstecken, wenn sie liebevoll begleitet werden. Ist das Miteinander hingegen ohnehin wenig zugewandt, sind zusätzliche Härten für Kinder kaum zu ertragen. Deshalb präsentiere ich keine Pauschallösungen, sondern plädiere dafür, genau hinzuschauen: Wie wollen wir in unserer Familie miteinander umgehen? Welche Grundwerte geben uns dabei Halt und Sicherheit? Und welches Verhalten passt zu diesen Werten?

Ich erlebe dich als einen sehr umsichtigen Menschen. Ein Herzensthema von dir ist das Thema Inklusion – du hast das Buch „genderinklusiv“ geschrieben. Für alle, für die das Thema noch relativ neu ist. Was bedeutet das genau? Wen sprichst du wie an? Und warum?

Ein wichtiger Grundwert sowohl meiner Arbeit als auch meines eigenen Familienlebens ist Respekt vor der Verschiedenheit von uns Menschen. Ich finde es einfach unglaublich wichtig, sich klar zu machen: mein eigenes Empfinden ist nicht das Maß aller Dinge. Was ich selbst als völlig unproblematisch erlebe, kann einen anderen Menschen trotzdem sehr verletzen. Und der Anstand gebietet es, solche Verletzungen so gut es geht zu vermeiden.

Genderinklusive Sprache: Ich bilde ab, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt!

Darum geht es bei inklusiver Sprache: Worte bewusst so zu wählen, dass sie niemanden ausschließen oder abwerten. Dabei geht es nicht nur um die verschiedenen Geschlechter, sondern beispielsweise auch darum, bestimmte Behinderungen nicht als negative Attribute zu verwenden, also beispielsweise nicht zu sagen, etwas sei ’schizophren‘ oder ‚verrückt‘.

Bei der genderinklusiven Sprache ganz konkret geht es darum, in meiner Wortwahl abzubilden, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, dass bestimmte biologische Merkmale noch lange kein Geschlecht ausmachen und dass es eine große Pluralität der Lebensformen gibt, in der Menschen miteinander Familie leben. Das klingt erstmal kompliziert, ist aber im Grunde genommen eine ganz einfache Sache: ich muss beim Schreiben einfach mitdenken, dass nicht jede Person, die ich mit meinem Buch ansprechen will, automatisch das Geschlecht hat, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde, und dass längst nicht alle Eltern ein Vater und eine Mutter sind.

Genderinklusive Sprache: „Es geht also nicht darum, Geschlechter auszuradieren oder unsichtbar zu machen, sondern präzise zu benennen, von wem gerade die Rede ist.“

Also spreche ich zum Beispiel nicht pauschal von schwangeren Frauen, sondern schlicht von Schwangeren, nicht von stillenden Müttern, sondern von Stillenden, und nicht nur von Müttern und Vätern, sondern ganz allgemein von Eltern. Gleichzeitig werden konkrete Mütter und Väter im Buch selbstverständlich als solche bekannt, und auch ich selbst bezeichne mich natürlich als die Frau und Mutter, die ich bin. Es geht also nicht darum, Geschlechter auszuradieren oder unsichtbar zu machen, sondern präzise zu benennen, von wem gerade die Rede ist. Das mache ich so selbstverständlich und nebenbei, dass es keinem der Menschen, die mein Buch bereits gelesen haben, überhaupt aufgefallen ist. Das Buch liest sich also weder sperrig noch gekünstelt, sondern leicht und flüssig – und zusätzlich ist es eben noch genderinklusiv.

Genderinklusive Sprache im Familienkompass: Ich wollte niemanden ausklammern oder misgendern.

Wie kam es dazu, dass du gesagt hast: ich schreibe genderinklusiv? Welche Geschichten von Menschen hast du mitbekommen, die sich eben nicht inkludiert fühlen? Magst du uns bitte einen Einblick geben?

Tatsächlich hatte ich das Thema bis vor ein paar Jahren noch nicht so auf dem Schirm. Mir war es zwar vom ersten Buch an wichtig, nicht heteronormativ zu schreiben und ganz selbstverständlich auch Frauen- beziehungsweise Männerpaare, die Eltern werden, anzusprechen, doch meine Vorstellungen von Geschlechtern war noch sehr binär: Es gab für mich Männer, und Frauen, und ein paar eher bemitleidenswerte Menschen, die irgendwo dazwischen stehen. Ich wusste zwar, dass es trans Menschen gibt, die in einem anderen Geschlecht als den ihnen bei der Geburt zugewiesenen Zuhause sind, dachte aber nicht, dass diese Thematik im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft eine große Rolle spiele.

Das änderte sich durch persönliche Begegnungen und Gespräche mit trans Menschen und nicht-binären Personen in meinem Umfeld. Ich lernte Eltern kennen, die schwanger waren, geboren und gestillt haben, aber keine Frauen sind. Mütter, die einen Penis haben. Und Familien, die anders sind als der Durchschnitt, und in denen Kinder genauso geborgen und geliebt groß werden wie in anderen Elternhäusern auch. Bei vielen dieser Eltern sitzt der Schmerz tief, in der Literatur zum Thema Elternsein fast immer ausgeklammert oder misgendert zu werden. Das wollte ich anders machen.

Genderinklusive Sprache: „Wenn ich von Müttern rede, schreibe ich natürlich Mütter und inkludiere dabei ganz selbstverständlich trans Mütter.“

Ich kann mir vorstellen, dass das Feedback zur genderinklusiven Sprache verschieden ausfällt – zum einen wahrscheinlich total positiv, zum anderen erreichen dich wahrscheinlich auch Stimmen, die sagen: „Ich bin eine Frau und möchte als Frau benannt werden und nicht als schwangere Person“ – oder so ähnlich…Ist das so oder irre ich mich? Wenn ja, wie gehst du damit um bzw. was antwortest du bei negativer Kritik?

Credit: ULLSTEIN Verlag

Bisher habe ich zur Sprache meines Buches durchgehend nur eine Rückmeldung erhalten: Dass sie sehr angenehm zu lesen sei. Die Genderinklusivität ist wie gesagt niemandem aufgefallen. Es gibt ja so viele Vorurteile gegenüber genderinklusiver Sprache, und das am weitesten verbreitete ist wohl, man dürfe dann nicht mehr von Frauen und Müttern sprechen. Was Quatsch ist: Wenn ich von Müttern rede, schreibe ich natürlich Mütter – und inkludiere dabei ganz selbstverständlich trans Mütter. Und wenn ich von einer meiner eigenen Schwangerschaften spreche oder der einer Freundin, sage ich auch ’schwangere Frau‘. Nur: wenn ich von Schwangeren ganz allgemein spreche, kann ich eben nicht automatisch davon ausgehen, dass diese alle Frauen und Mütter sind. Deshalb schreibe ich das nicht. Damit nehme ich niemandem etwas weg, und jede Person, die mal schwanger war oder es gerade ist, kann sich bei dem Begriff ‚Schwangere‘ doch prima angesprochen fühlen.

„Sprache soll präzise sein, und niemanden diskriminieren.“

Welche Diskussion rund um das Thema „Gender“ wünschst du dir für die Zukunft?

Puh, ich sehe mich gar nicht als Fachfrau für Gender-Fragen, da kennen sich andere viel besser aus. Mein Schwerpunkt sind die Familienthemen, damit kenne ich mich aus, darüber schreibe ich, und dass ich mich dabei um eine genderinklusive Sprache bemühe, ist für mich die logische Folge aus allem, was ich über Geschlechter und Respekt anderen Menschen gegenüber gelernt habe – nicht mehr und nicht weniger. Diese Unaufgeregtheit wünsche ich mir für den Umgang mit dem Thema: Dass Leute nicht an Gender-Sternchen hochgehen, weil sie die vielleicht nicht aus dem Deutschunterricht in der Schule kennen, und dass man sich nicht lustig macht über vielleicht auch manchmal missglückte Versuche, inklusiv zu formulieren. Sondern dass es gesellschaftlicher Konsens wird, zu sagen: Sprache soll präzise sein, und niemanden diskriminieren. Und wenn ich das erreiche, indem ich etwa bin Schwangeren oder Stillenden spreche, bricht doch wirklich niemandem ein Zacken aus der Krone.

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