Elternsein

Zweifelnde Mütter: Gehören Selbstzweifel etwa zum Elternsein 2.0?

Kleinkindpädagogin und Bestsellerautorin Susanne Mierau über den gesellschaftlichen Druck. Mit Entspannungsimpulsen! Autorin: Dorothee Dahinden

Zweifelnde Mütter begegnen uns an jeder Ecke. Auch Susanne Mierau. Von der Kleinkindpädagogin und Bestsellerautorin gibt es jetzt Entspannungstipps.


In diesem Interview erklärt uns die Bloggerin und Influencerin, der weit mehr als 200 000 Menschen auf ihren verschiedenen Social Media-Kanälen folgen, woher diese Ansprüche kommen und wie wir als Eltern Druck rausnehmen und entspannen können. Wir freuen uns, dass wir Susanne zum ersten Mal an Bord begrüßen dürfen!


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Zweifelnde Mütter: „Es steckt sehr viel kulturelle Geschichte in unserem Zweifeln.“

Susanne Mierau, Kleinkindpädagogin & Bestsellerautorin

Liebe Susanne, wie oft begegnen dir Mütter in deinem Berufs- und Susanne-Alltag, die sich fragen: Bin ich eigentlich eine gute Mutter?

Tatsächlich begegnen mir sehr oft Mütter, die sich das fragen. Entweder ganz offen und direkt oder auch verdeckt, indem sie an ihren Kompetenzen zweifeln und sich oder mich fragen, ob sie dieses oder jenes gut machen. Ob sie schon abstillen können, ob sie das Kind tragen müssen, auch wenn sie immer wieder Rückenschmerzen haben, ob das Kind mit im Bett schlafen muss – oder es auch Okay wäre, wenn es woanders schläft. – Hinter all diesen Fragen steht die Sorge darum, etwas am Kind falsch zu machen und damit als Mutter “zu versagen”.

Woher kommt es, dass wir Mütter uns so oft hinterfragen? Mein Eindruck: Wir machen das viel häufiger als Männer bzw. Väter? Woran liegt das?

Wenn wir uns ansehen, dass sehr viele Mütter von diesem Gefühl, nicht “gut genug” zu sein betroffen sind, ist die Frage nach dem verbindenden Element zwischen uns wichtig. Wie kann es eigentlich sein, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe immer wieder an sich zweifelt?

Und mit diesem Blick sind wir auch schon auf dem Weg zu einer Antwort: es steckt sehr viel kulturelle Geschichte in unserem Zweifeln. Das Mutterbild hat sich über Jahrhunderte aufgeladen mit Eigenschaften, die wir als Mütter erfüllen sollen.

Zweifelnde Mütter: Viele Mütter haben das Gefühl, dass sie in besonderer Weise für das “Gelingen” des Nachwuchses zuständig sind.“

Credit: Ronja Jung

Viele Disziplinen haben daran mitgewirkt und die Liste der Eigenschaften und Erwartungen verlängert. Religion, Pädagogik, Psychologie, alle unter der Federführung des Patriarchats, haben den Kritierenkatalog an “gute Mütter” mit angelegt und dabei auch – beispielsweise gerade auch die Psychoanalyse – die möglichen Folgen falschen Mutterverhaltens ausgeführt. Viele Mütter haben das Gefühl, dass sie in besonderer Weise für das “Gelingen” des Nachwuchses zuständig sind und wenn das Kind von der Norm abweicht, sie daran Schuld wären.

Dies wird natürlich noch dadurch verstärkt, dass die Mütter ja auch diejenigen sind, die sich zeitlich mehr um die Kinder kümmern, wenn wir beispielsweise die Inanspruchnahme von Elternzeit und Teilzeiterwerbstätigkeit in den Blick nehmen. Aber auch Aspekte der früheren Erziehung und Sozialisation spielen in die Selbstzweifel heutiger Eltern hinein, insbesondere auch bei Frauen.

Direkt gefragt: Kennst du diese Zweifel auch? Wenn ja, wann hattest du mal welche? Magst du uns das verraten?

Ich kenne diese Zweifel durchaus auch und muss mich auch selber immer wieder davon frei machen, wenn sie mal hochkommen. Glücklicherweise kann ich mir selbst Studien dazu nennen, wie groß beispielsweise auch der Einfluss von Genetik auf kindliches Verhalten ist und ich habe einen Partner, mit dem ich mich bei Zweifeln gut austauschen kann, aber sie kommen dennoch immer mal wieder hoch und flüstern ein leises “Aber vielleicht hast ja doch du…” in mir.

Es hängt eben nicht alles an der Mutter, sagt Susanne Mierau. Und die Forschung gibt ihr recht!

Ich habe vor allem in den ersten beiden Jahren mit meinem ersten Kind sehr gezweifelt. Kümmere ich mich genug? Arbeite ich zu viel? Oh, ich sollte nicht so viel meckern! Mist, die anderen Mütter basteln so viel mehr als ich! Ich habe einfach keinen Bock zu kochen, ist das nun normal als Mama? So oder so ähnlich flogen die Gedanken durch meinen Kopf. Ich konnte mich zum Glück befreien. Was ist dein Tipp an alle Mütter da draußen, die dieses Gedankenkarrussell kennen: Wie lösen wir uns von den Ansprüchen an uns selbst und wie können wir der Erwartungshaltung von außen den Mittelfinger zeigen?

Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Schließlich lesen wir überall davon, wie wichtig gerade die ersten Jahre sind für die Bindung und dass Bindung so viele andere Lebensbereiche auch langfristig beeinflusst. Gleichzeitig sind die Informationen über Bindung aber oft auch unvollständig: Es wird viel von der Nähe zum Kind und kindlichen Bedürfnissen geschrieben, aber die Bindungstheorie umfasst ja noch mehr und gerade auch die moderne Forschung zeigt uns, dass es eben nicht nur die Mutter ist, an der alles hängt, sondern auch Väter wunderbare, gute Bindungsbeziehungen eingehen können.

Gerade auch in Bezug auf die außerfamiliäre Betreuung ist das verwirrend: Hier lesen wir oft pro Kindergarten oder contra Kindergarten (besonders oft contra Krippe), wir lesen aber viel zu selten darüber, welche Rahmenbedingungen Kinder für außerfamiliäre Betreuung brauchen, wo und warum es eigentlich an Qualität mangelt.

Elterliche Fehler können sogar gut sein!

Wir hören auch wenig darüber, dass Fehler nicht vermeidbar sind und Kinder mit den Alltagsproblemen eigentlich sehr gut zurechtkommen, so lange wir insgesamt eine respektvolle, liebende Atmosphäre schaffen. Ja, dass elterliche Fehler sogar gut sein können: Weil das Übersehen von Signalen beispielsweise die Selbstwirksamkeit und Selbstregulation des Kindes herausfordern kann oder dass das Besprechen von Fehlern und das Entschuldigen beim Kind durchaus auch positive Aspekte für die kindliche Entwicklung haben können.

Ich finde es ehrlicherweise schwierig, dass in Social Media an jeder Ecke Erziehungstipps gegeben werden. Ich glaube, dass das auch was mit uns Müttern. macht Zum Beispiel lese ich ständig sowas, wie „warum wir nicht schimpfen sollten“ oder „Nicht schimpfen, Mama!“ Meine Meinung: Wenn wir eh schon gestresst sind, erhöht das den Druck. Wie siehst du das? Und wie begegnest du solchen Posts bzw. wozu würdest du einer Mutter raten, die sagt: „Mich triggert das total, Susanne!“?

Tatsächlich finde ich das auch manchmal problematisch, weil eben oft nur eine einseitige Betrachtung stattfindet. Das mag aber auch daran liegen, dass viel der Profile, die solche Tipps posten, keine umfassende pädagogische Ausbildung haben und sich nicht mit allen Facetten der Bindungstheorie auseinandergesetzt haben.

In Social Media wird oft mit den Ängsten der Eltern gearbeitet!

Es werden dann recht oberflächlich Themen behandelt, Eltern zu einem bestimmten, insgesamt durchaus sinnvollen, Verhalten aufgefordert, oft ja auch in Verbindung damit, ein Online-Coaching bei ihnen zu buchen und es natürlich aus der Sicht als Coaching-Anbieter*in effektiver ist, mit den Ängsten von Eltern zu arbeiten. Wenn man schreibt: “Ihr solltet physische und psychische Gewalt verhindern, aber daneben gibt es viele Fehler, die Okay sind und das Bindungssystem ist auch darauf ausgerichtet, dass wir mal schlechte Phasen haben”, dann lockt das Leute nicht so schnell in einen Kurs, um ein bestimmtes Verhalten zu vermeiden. So sehen wir aber dann nur, was wir eben alles verhindern müssen, was alles falsch ist und das kann natürlich den Druck noch erhöhen.

Zweifelnde Mütter stark machen: „Was entspannend ist, bestimmt jede Familie für sich.“

Was ist dein ultimativer Entspannungstipp im Familienalltag?

Einer meiner Leitsprüche, der schon in meinem Buch “Geborgen wachsen” von 2016 steht, ist: „Jede Familie darf ihren eigenen Weg finden, um gemeinsam zu wachsen.“ – Was entspannend ist, bestimmt jede Familie für sich. Wichtig ist ein Wechsel von Anspannung und Entspannung. Und dieser Spruch bezieht sich auch auf viele andere Themen des Familienalltags: Stillen und/oder Fläschchen, Brei und/oder BLW, Tragen und/oder Kinderwagen, Familienmodelle etc. – wir müssen anerkennen, dass es verschiedene Wege gibt, um die Bedürfnisse von jungen und älteren Menschen zu erfüllen und sollten nicht andere, liebevolle und gesunde Wege abwerten.

Aus aktuellem Anlass – hier geht es zu Susannes Klima-Aktion:

Mehr über Suanne Mierau:

Geborgen Wachsen

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