Noch im Kreißsaal – quasi direkt nach Zunähen der frischen Kaiserschnittnarbe – hat ein Arzt zu meinem Mann gesagt: „Na, das 3. wird gleich ein Kaiserschnitt.“ Und ich weiß nicht, wie oft ich entweder gehört habe: „Doro, du möchtest schon gerne noch ein 3, oder? Ihr bekommt noch eins.“ Oder: „Wie sieht es denn mit einem dritten Kind aus?“ Sei es die Hebamme, eine Freundin oder grad neulich erst: ein Bekannter. Nur meine Mutter hat bisher immer vehement abgewiegelt. Gefühlt mit einem: „Neeeeeeeeeeein.“ Ach, neee. Noch jemand: mein Mann. Sie wissen, wie ich jetzt schon manchmal routiere zwischen Alltag, Job, Mamasein, Familie, Ich-Sein. Und wie K.O. ich oft bin.

Drittes Kind? Da ist dieses Gefühl. Immer wieder

Warum ich darüber schreibe? Weil ich im Inneren nicht abgeschlossen habe. Also, nein.drittes Kind Mamablog Eltern Familie schwanger Schwangerschaft Mamasein MutterKutter Anders. Ich weiß schon, dass wir kein drittes Kind mehr bekommen werden. Aber: da ist immer wieder dieses Gefühl. Dieses Gefühl, dass da oben noch jemand wartet. Mal ist es da. Mal auch wieder weg. Mal stärker. Mal schwächer. Kennt ihr das? 

Wenn ich ans Schwanger-Sein denke, dann weiß ich: no. Please. Bitte nicht noch einmal. Aber wenn ich Neugeborene oder kleine Babys sehe, dann denke ich: Diese Zeit. Ich würde sie so gerne noch einmal erleben. Sie ist so so schön. So intensiv. So emotional. Und dann, ja, dann fühle ich mich manchmal ’noch nicht komplett‘.

Neulich hat meine dreijährige Tochter plötzlich zu mir gesagt: „Mama, du musst nicht traurig sein. Du hast  2 Kinder – und du hast Thorsten (mein Mann). Und noch mehr Kinder brauchst du nicht.“ Höh, kann sie Gedanken lesen? May be.

Ich persönlich fühle mich zu alt.

Und, nein. Wenn ich den Zauber, den Wunsch, das Träumen weglasse, dann weiß ich auch: Es geht nicht. Ich bin nicht nur müde. Ich fühle mich zu alt für einen erneuten Neuanfang – also, ich mich ganz persönlich. Ich bin froh, dass ich trotz Endometriose zwei gesunde Mädchen bekommen konnte. Mit 34 habe ich meine erste Tochter bekommen. Mit 36 die zweite. Und nun, mit 38, möchte ich endlich mal wieder schlafen. Und wieder ein bisschen mehr Doro sein. Zeit für mich haben. Und für meine Freundinnen. Und, ehrlich: Ich meckere jetzt schon oft genug und fühle mich zwischen ge- und überfordert im Alltag: Kinder, Familie, Job, Freunde…ICH?

2 Kaiserschnitte. 3. Kind? NEIN!

Dazu kommt: 2 Kaiserschnitte reichen mir. 2 Mal hätte ich gerne natürlich entbunden. 2 Mal hat es nicht geklappt. Und ich würde davon ausgehen, dass das nächste gleich ein geplanter Kaiserschnitt werden würde. Das fühlt sich für mich zu diesem Zeitpunkt, in diesem Leben, nicht gut an.

Ein paar Jahre jünger. Ich glaube, ich hätte es mir ernsthaft überlegt. Sehr ernsthaft. Denn: Das Mamasein ist der wundervollste und anstrengendste Job der Welt zugleich. Klar, dazu gehören immer 2. Und mein Mann will ja nicht…mehr. Aber: wisst ihr was? Ich höre mal auf zu reden, sonst schläft mein Mann noch woanders. Denn der hat damals im Kreißsaal schon gelacht und gesagt: „Noch ein 3.? Neee!“ Aber: träumen…Tue ich gern.


Und, bitte: Das hier sind einzig und allein meine Gedanken, meine Gefühle. Jeder ist anders. Manche Frauen haben erst sehr spät die Chance, überhaupt Mama zu werden. Und dieser Text soll niemanden diskreditieren.


3. Kind? Ein Thema, über das ich auch mit meiner MutterKutter-Frauenärztin Judith gesprochen habe:

Liebe Judith, du kennst meine Geschichte. Und du hast selbst drei leibliche Töchter: Wie sehr kannst du die Sehnsucht nach einem dritten Kind  nachvollziehen? Ich tippe auf sehr!

Ach, Doro, sogar mehr als das. Ich kann es wahnsinnig gut verstehen, ich kann es unheimlich gut nachempfinden. Und ich denke, genau das ist der Punkt: Es ist häufig kein

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MutterKutter-Autorin & Frauenärztin Dr. Judith Bildau.

‚rationaler‘ Wunsch, sondern ein Herzenswunsch, sehr tief emotional verankert.

Ich selbst komme aus einer großen Familie.

Bevor meine dritte Tochter Filippa auf die Welt kam, waren wir eigentlich ‚komplett‘. Aber eben nur eigentlich. Sowohl mein Mann, als auch ich hatten bereits Kinder mit in unsere Ehe gebracht- er zwei Töchter, ich eine Tochter, gemeinsam bekamen wir eine weitere Tochter. Vier Mädchen.

Ich selbst komme aus einer großen Familie, habe vier Schwestern, zu denen ich ein sehr inniges Verhältnis habe. Nach der Geburt von unserer gemeinsamen Tochter Rosa arbeitete ich als Assistenzärztin im Kreißsaal und auf der Wochenbettstation. Nicht selten kam es vor, dass ich nach einer schönen Geburt mit den Eltern vor Freude weinte, bei der Visite schaute ich immer völlig verliebt in die kleinen Bettchen zu den Neugeborenen und mein Herz schlug schneller. Ich spürte den inneren Wunsch nach einem dritten Kind.
Wir bekamen tatsächlich noch ein drittes Kind.
Als ich dann tatsächlich schwanger wurde, war ich zunächst überrascht und habe mich auch das ein oder andere Mal gefragt, ob das denn jetzt alles ‚so richtig‘ sei. Aber für mich und uns und unsere Familie hat es sich als goldrichtig heraus gestellt- auch wenn die äußeren Umstände nicht unbedingt danach ‚geschrien‘ haben. Nach der Geburt von Filippa habe ich dann als Assistenzärztin in einer gynäkologischen Praxis gearbeitet. Ich habe mich über jede schwangere Patientin gefreut, über jedes geborene Kind. Ich habe die Frauen immer gebeten, wenn es irgendwie möglich war, ihr Baby zur Wochenbettkontrolle mit in die Praxis zu bringen, weil ich die kleinen Wunder unbedingt einmal sehen wollte. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich, dass meine Aufgabe war, diese wunderbaren Mädchen, die wir nun hatten, großzuziehen. Der Wunsch, Mutter ‚zu werden‘ war befriedigt, jetzt wollte ich einfach nur noch ‚Mutter sein‘.

Bei mir spielen ja 2 Faktoren bei der Entscheidung ‚Wir sind Komplett‘ eine Rolle: 1. Ich fühle mich zu alt und zu müde. 2. Meine beiden Kaiserschnitte. Konkret zum Kaiserschnitt, wie hoch sind die Risiken bei mir? Ich gehe davon aus, dass nach zwei Kaiserschnitten ein dritter geplant werden würde, oder?

Das ist tatsächlich so. Von einer natürlichen Geburt rate ich dir, aus rein medizinischer Sicht, nach zwei Kaiserschnitten ab. Das Risiko, das es zu, möglicherweise sehr gefährlichen, Komplikationen unter dem Versuch einer natürlichen Geburt kommen könnte, ist zu hoch. Ich weiß, dass viele Frauen über eine solche Aussage sehr enttäuscht sind, dennoch muss ich als Frauenärztin medizinische Entscheidungen wirklich nach bestem Wissen und Gewissen treffen und für mich steht an aller höchster Stelle, dass Mutter und Kind nach der Geburt wohlauf sind.

Ein dritter Kaiserschnitt ist nicht frei von Risiken.
Auch ein dritter Kaiserschnitt ist nicht frei von Risiken. Nun zu deiner Frage, inwieweit eine Re-Re-Sectio (so nennen wir das medizinisch) gefährlich für dich sein könnte. Vorab möchte ich dir sagen, dass es natürlich einige Frauen gibt, die drei (oder sogar noch mehr) Kaiserschnitte hatten. Ich kann dir zunächst nur ganz objektiv die Risiken und möglichen Komplikationen nennen; letztendlich muss jede Frau für sich selbst entscheiden, ob eine
dritte Schwangerschaft nach zwei Kaiserschnitten der Weg ist, den sie gehen möchte, auch wenn es im Zweifel eben vermehrt Risiken gibt. Ich unterstütze meine Patientin, wenn es ihr Wunsch ist, darin auf jeden Fall.
 
Mögliche Probleme: Verwachsungen im Bauchraum oder chirurgische Probleme

Doro, wir Mediziner halten uns bei solchen Fragen ja gerne an ‚Zahlen’, die durch verschiedene Studien oder Untersuchungen erfasst werden können. Zu diesem Thema, mögliche Komplikationen nach mehreren Kaiserschnitten, werteten 2012 zwei Gynäkologinnen und eine Statistikerin der Universität Oregon insgesamt 936 Arbeiten aus. Sie fanden heraus, dass in allen Arbeiten gezeigt wurde, dass es nach mehreren Kaiserschnitten bei den Frauen eine höhere Quote von starken Blutungen, damit verbundenen Bluttransfusionen, Verwachsungen in Bauchraum und auch chirurgische Verletzungen gab. Weiter nahm die Zahl der Gebärmutterentfernungen mit steigender Anzahl von Kaiserschnitten zu. Die Hauptgründe dafür waren eine Lageanomalie des Mutterkuchens, eine fehlende Rückbildung des Gebärmutter nach der Entwicklung des Kindes (‚Uterusatonie‘) und Rupturen und Risse der Gebärmutter.

Mein Tipp: Sucht euch eine erfahre Geburtsklinik.

Das heißt, deine Frage, ob es Risiken bei einer ‚Re-Re-Sectio‘ geben würde, muss ich dir mit ‚ja‘ beantworten. Ich rate meinen Patientinnen in einem solchen Fall gerne, sich eine erfahrene Geburtsklinik auszusuchen, wo Ärzte arbeiten, die geburtshilflich und in diesem Fall auch operativ sehr geschult und versiert sind. Das minimiert mögliche Risiken.

Die Risiken, die du aufzählst, hören sich für mich hoch an. Wozu rätst du mir: Wie kann ich mit diesem Gefühl ‚Da oben wartet noch jemand‘ gut umgehen lernen?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Um es rein medizinisch zusammenzufassen: Ein dritter Kaiserschnitt birgt gewisse Risiken, ist medizinisch aber machbar und wird auch tagtäglich in Deutschland und weltweit durchgeführt. Es gibt Frauen, die ein sehr hohes Sicherheitsdenken haben und sagen: „Ich habe zwei Kinder, ich möchte überhaupt kein Risiko eingehen. Meine Kinder sind gesund, ich bin es, es ist alles gut. Meinem immer wieder aufkeimenden Wunsch kann ich rational entgegen halten.“

Es gibt aber auch Frauen, die sagen: „Mein Wunsch nach einem dritten Kind ist so groß, ich vertraue auf eine gute medizinische Betreuung und darauf, dass alles gut wird.“ Beides ist für mich persönlich absolut verständlich, nachvollziehbar und sind gangbare Wege. Wie oben schon gesagt empfehle ich als behandelnden Frauenärztin bei einem dritten Kaiserschnitt immer gerne erfahrene Geburtshelfer und Operateure.

Ich kann jede Frau, jedes Paar, verstehen, die sagen: „Ja, wir wagen es noch einmal.“

Ich denke, der andere Punkt, den du angesprochen hast, ist auch ein sehr wichtiger, Doro: Fühle ich mich mit zwei Kindern nach zwei Kaiserschnitten (aber selbstverständlich auch
nach natürlichen Geburten) bereit und ’stark’ genug für ein drittes Kind? Möchte ich noch einmal eine Schwangerschaft, eine operative Schnittentbindung/ eine Spontangeburt, das Wochenbett, die Neugeborenenzeit etc.? Das kann nur jede Frau, jedes Paar für sich selbst entscheiden. Da gibt es kein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, da kann ich als Frauenärztin nur zuhören, versuchen, die Frau darin zu unterstützen, sich ‚innerlich zu ordnen‘. Ist das Gefühl, dass ein drittes Kind noch ‚dazu gehört‘ so präsent, ist es irgendwie ‚machbar‘, was die äußerlichen Umstände angeht, dann kann ich jede Frau, jedes Paar, verstehen, die sagen: „Ja, wir wagen es noch einmal.“

Jede Frau sollte bei dieser Entscheidung gerade vor sich selbst stehen, denke ich.

Übrigens auch bei jedem vierten oder fünften Kind (natürlich nur, wenn keine medizinischen Kontraindikationen vorliegen)! Ich kenne aber auch Frauen, die sagen, der Wunsch nach einem dritten Kind ist tendenziell da oder er keimt immer mal wieder auf, dennoch ist das Gefühl, dass die Kraftreserven ausgeschöpft sind oder auch auch andere Prioritäten im Leben gewichtiger sind, größer. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass jede Frau bei dieser Entscheidung, gerade vor sich selbst stehen kann und weiß, warum sie sich sie sich so entschieden hat. Natürlich kann man ‚lernen‘, mit nicht-erfüllten Wünschen umzugehen. Hilfreich ist dabei, sich für sich selbst klar zu sein und sich das auch in zweifelnderen Momenten selbst sagen zu können, warum man diesem Wunsch nicht nach gegangen ist und dass es dafür gute Gründe gab. Und dann kann man auch grundsätzlich seinen persönlichen Frieden damit machen, denke ich.


Ihr braucht Judiths Hilfe? Für allgemeine Fragen könnt ihr sie hier in der Online-Sprechstunde. kontaktieren.


4 thoughts on “Drittes Kind: zwischen Wunsch und Wirklichkeit.”

  1. ich gehöre zur Fraktion 3 Kaiserschnitte und alt. war bei den Geburten 33,5 ; 34,5 und fast 39. hatte aber Traumschwangerschaften und jede Sectio war ein Klacks. zumindest für mich. bei nr3 haben die Ärzte dann schon gesagt dass sehr viel verwachsen war…. jetzt geht nicht mehr, da eine 4. Schwangerschaft ein zu hohes Risiko birgt haben wir vorgesorgt und wir sind auch glücklich. 3 gesunde Kinder, was will man mehr.
    ich würde abet immer zum 3. raten wenn das Gefühl da ist. es ist einfach wunderbar die Geschwister mit dem kleinen zu sehen

    1. Liebe Kathrin, danke dir für deine Worte. Eine wunderschöne Geschichte, finde ich. Und dann seid ihr gefühlt auch „komplett“? Ach, wie schön! Ich schicke dir liebe Grüße und freue mich, dass du den Artikel gelesen hast!

  2. Hallo Doro :)
    Ich bin gerade durch Zufall über diesen Beitrag gestolpert und musste wirklich schmunzeln.
    Ich wohne in Kiel, habe mit 34 meine Tochter, mit 36 meinen Sohn bekommen und leide ebenfalls unter Endometriose.
    Ich habe nach der Geburt meiner Tochter sehr schnell entschieden, dass ich das alles nochmal erleben will und wir haben trotz Hürden durch die Krankheit, einen gesunden Sohn bekommen. Spätestens als ich erfuhr, dass es beim zweiten Mal ein Junge werden würde, war klar dass wir danach „komplett“ sind. Mein Mann hat noch eine Tochter aus erste Ehe mitgebracht- das sollte reichen.
    Witzigerweise fühle ich mich aber noch gar nicht so komplett und habe immer noch das Bedürfnis nach noch einer Schwangerschaft, noch einer Geburt, noch einem Kind. Aber mir gehts wie Dir, ich bin mit Job (29h), Kindern und Haushalt am Limit, ich bin 37 und die letzte Geburt war ziemlich kritisch. Nochmal wäre wirklich eine Herausforderung und ein Risiko. Ich habe in 2 Wochen einen Eingriff vor mir, bei dem mir ein Teilstück vom Darm entfernt wird, andem ein hartnäckiger Endo-Tumor wächst. Die Gebärmutter hängt da wohl auch mit dran, so dass die Ärzte dringend raten, diese gleich mit zu entfernen. Damit wird mir die (Winzige, winzige) Option auf das dritte Kind genommen. Auch wenn ich in der Realität wohl nie eins bekommen werde, kann ich dann nicht mal mehr davon träumen. Davor habe ich wirklich Angst. Ich freue mich aber, dass ich mit diesem Denken gar nicht so alleine bin. Den Blog habe ich gerade erst entdeckt und freue mich auf weitere interessante Geschichten!
    Viele Grüße,
    Alexandra

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