Wie fühlen sich Wehen wirklich an? Wie weh wird es tun? Kommt mein Kind heil aus mir heraus? Was ist, wenn ich tagelang im Kreißsaal liege oder gar eingeleitet werden muss? Werde ich die Geburt überhaupt überleben?

Ich habe mir 1000 Fragen gestellt. Nachts wach gelegen und gegrübelt. Und alle Beruhigungsversuche meiner Ärztin, Hebamme oder Mutter halfen nicht. Klar, kann man sich sagen: Die Menschheit hat bis heute überlebt – wir Frauen sind dafür gemacht. Oder: Guck mal, wer das alles geschafft hat. Gebracht haben diese Weisheiten mir nichts, denn ich hatte ganz einfach Geburtsangst. Angst vor dem Ungewissen. Vor großen Schmerzen. Vor diesem – für mich bis dato – großen Mysterium.

Gruselig, was mir alles erzählt wurde!

Jeder erzählt von seiner Geburt eine andere Geschichte. Geschichten, die, so wie ich sie gehört habe, selten schön sind, sondern es oft derbe in sich haben. Regelrechte Schauermärchen. Oft werden die unschönen Momente noch ein bisschen ausgeschmückt. Manchmal bekommt man Dinge zu hören, die man gar nicht hören will: Ärzte, die sich angeblich auf die Schwangeren „schmeißen“, um das Baby mit aller Kraft herauszudrücken. Fiese Schnitte von „hinten nach vorne“, damit das Kind irgendwie durch passt. Frauen, die beim Kaiserschnitt regelrecht an den OP-Tisch „festgekettet“ werden. Horror, dachte ich immer. Und: Wie soll ich das nur schaffen? Ich habe mir versucht zu sagen: „Sie kommt schon irgendwie raus“ – gleichzeitig aber „Dammschnitt“ oder „Saugglocke“ gegoogelt, um mich irgendwie für den Kreißsaal zu wappnen. Und das, obwohl meine Frauenärztin mir (Hypochonder) Google-Verbot erteilt hatte. By the way: Guckt euch bloß keine Foren an. Oft der Inbegriff eines Hollywoodthrillers.

Googlen macht oft Panik

Rückblickend muss ich gestehen: Gebracht hat mir das alles nichts. Außer Panik. Denn wahr ist: Jede Geburt ist anders. Selbst bei uns vier MutterKutter-Mädels gleicht keine der anderen. Ich zum Beispiel lag 19 Stunden in den Wehen. Kati hingegen war grad mal 1,5 Stunden im Kreißsaal. Ich hätte gerne normal entbunden. Ohne PDA. Stattdessen: PDA und ein ungeplanter Kaiserschnitt. Das musste ich schon erst einmal verdauen. Ich hatte das Gefühl, körperlich versagt zu haben. Heute weiß und fühle ich: das ist Blödsinn. Ich musste aber erst lernen, die Narbe zu akzeptieren und das Gefühl, durchgeschnitten zu sein, hinter mir lassen. Mir hat es geholfen mit meinem Freund, meiner Hebamme oder Freundinnen darüber zu sprechen – und zu lernen: eine Geburt ist nicht wirklich planbar und ob natürlich oder nicht: Mama ist und bleibt Mama. Und die Geburt ist kein Wettkampf gegen sich selbst, der mit oder ohne Kaiserschnitt endet. Die weibliche Natur regelt alles – und im Ernstfall sind zum Glück helfende Hände zur Stelle.

Der große Glücksmoment im OP!

Rückblickend kann ich sagen: Die Wehen (soweit ich sie erlebt habe) sind natürlich kein Spaziergang barfuß im Park, aber aushaltbar – Atmen und Tönen haben mir geholfen. Der Kaiserschnitt an sich war schon irgendwie freakig – wann sonst liegt dein unterer Teil des Körpers nackt verdeckt auf einem OP-Tisch, während dir am Kopfende Märchen erzählt werden? Und klar, es ruckelt und zuckelt – aber Schmerzen oder ein richtiges Unbehagen hatte ich während der OP nicht. Es war alles viel zu aufregend und der erste Babyschrei einfach nur überwältigend. Und es stimmt: Danach ist alles vergessen.

Habt Vertrauen in euch!

Falls ihr einen Kaiserschnitt bekommen solltet, dann rate ich euch: Atmet tief durch beim ersten Aufstehen. Und falls ihr könnt und dürft: Bewegt euch so viel und normal wie möglich. Mit jedem Schritt ging es mir besser. Geholfen hat mir im Wochenbett auch der Besuch einer Osteopathin – sie hat mir u.a. gezeigt, wie man die Narbe massiert, damit sie geschmeidig wird.

Aber am Wichtigsten: Egal, auf welchem Weg ihr gebären werdet: Habt Vertrauen in euch! Ihr schafft das. Kati sagte neulich: Am Besten ist es vor der Geburt entspannt zu bleiben und alles auf sich zukommen zu lassen. Und da hat sie Recht. Denn manche Schauermärchenerzähler vergessen manchmal anzumerken, dass eine Geburt zwar ein krasses Erlebnis ist – aber nicht im negativen, sondern im positiven Sinne. Es ist, finde ich, das Schönste, was mir in meinem bisherigen Leben passiert ist!

Falls ihr solche Gefühle kennt, Fragen an mich habt oder ich euch im Fall von Geburtsangst einfach nur ein bisschen Mut machen kann, dann schreibt mir gerne!

5 thoughts on “Geburtsangst: Stoppt die Schauermärchen!”

  1. Interessantes Thema, zu dem wirklich jede Mutter etwas zu sagen hat. (logisch!)
    Meine Hebamme hat uns im Geburtsvorbereitungskurs gewarnt, uns keine Geburtsgeschichten anderer Mütter erzählen zu lassen. Das würde nur Angst machen und am Ende ist es eh bei jeder Frau verschieden, wie die Geburt abläuft.
    Ich glaube, zu diesem Thema könnte ich demnächst auch mal einen Blogeintrag schreiben. Denn natürlich fallen mir zum Thema Geburt auch gleich hunderte Gedanken ein. Aber ich finde es immer wieder interessant, von anderen Mamas zu hören, wie die Geburten ihrer Kinder waren.
    LG Anke

    1. Liebe Anke, herzlichen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, dazu wurde mir auch geraten. Und ich denke im Rückblick auch: Ich hätte einfach STOP sagen müssen. Aber es war mit diesen Geschichten so wie mit einem spannenden Film. Ich kann ihn nicht aus machen, wenn er erst einmal am Laufen ist – dann möchte ich nämlich auch das Ende sehen. Naja, nun weiß ich es besser!
      Ja, schreib´ doch mal über deine Geburt. Ich finde es toll, wenn wir mit unseren Erfahrungen vielleicht der einen oder anderen Schwangeren ein bisschen Mut machen können. Und: Sag mir doch gerne Bescheid, wenn dein Artikel online ist – ich bin neugierig! Herzliche Grüße von Doro

  2. Vor gut zwei Monaten habe ich mein erstes Kind im KH Eckernförder in der Geburtswanne spontan zur Welt gebracht. Ich war drei Stunden im Krankenhaus, nach ca. 5 Presswehen war die Kleine schon da. Kein Dammriss oder -schnitt. Es war (fast) genau so, wie ich es mir gewünscht hatte und all die Monate vorher vorgestellt hatte.
    Ich hatte keine Angst vor der Geburt, sondern habe mich drauf gefreut.
    Damit mein Wunsch nach einer schönen, schnellen, spontanen Geburt besser in Erfüllung gehen konnte, habe ich einen HypnoBirthing Kurs gemacht.
    Ganz kurz gesagt: Bei dem Kurs lernt man, alte, negative Gedanken über die Geburt abzulegen, spezielle Entspannungstechniken (z. B. um in den Wehenpausen Kraft zu tanken) und natürlich Atmung, um dem Körper und dem Baby das Gebären zu erleichtern. Man lernt, sich positiv und zuversichtlich auf die Geburt einzustimmen. Allerdings muss man zu Hause auch üben und der Geburtsbegleiter (der ja meist der Partner ist) muss für die Techniken im Kurs (z. B. Gedankenreisen, leichte Hypnose) offen sein.
    Wer von vornherein Angst hat, verkrampft bei der Geburt. Das verursacht natürlich (stärkere) Schmerzen. Und wenn eine Frau schon vorher negative Gedanken hat, kann der Geburtsvorgang ja nicht zum positiven Ereignis werden (und endet ggf., weil die Frau erschöpft ist – weil sie die Wehenpausen nicht zum Auftanken nutzen kann- mit Saugglocke, PDA, im Kaiserschnitt, etc.)
    Ich kann allen Frauen, die Angst haben oder auch schon mal eine negative Geburt erlebt haben, zu so einem Kurs nur raten!
    Auch wenn es nicht gerade günstig ist: das sollte euch eure Geburt und euer Kind (welches ja auch Geburtsstress mitbekommt) wert sein! Denn eine Geburt ist ein großes, wichtiges Ereignis, welche in schöner Erinnerung bleiben sollte!

    1. Liebe Judith, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich finde: Er macht einfach Mut! Ganz toll! Vom HypnoBirthing haben wir zwar schon gehört, sind aber noch nicht weiter in die ,Materie‘ eingestiegen. Wir haben es auf unsere Blog-Agenda gepackt. Wir wollen darüber berichten. Wo hast du denn den Kurs gemacht?
      Herzliche Grüße von Doro

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