Endometriose und Kinderwunsch: Mutterkutter steht für starke Geschichten und fundierte Informationen, gepaart mit echten Emotionen. Aber eben auch für Expertenwissen.

Und da wir so viel Resonanz zum Thema Endometriose bekommen haben und ihr uns  weitere Fragen speziell zum Kinderwunsch gestellt habt, möchten wir dieses Thema noch einmal für euch aufgreifen.

Ich, Judith, habe für euch mit einem echten Endometriose-Experten gesprochen und ihm die Fragen gestellt, die ihr mir via Instagram geschickt habt.


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Es handelt sich um meinen Kollegen Dr. Darius Salehin. Er ist Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Evangelischen Krankenhaus Bethesda in Mönchengladbach.


Haben Frauen mit Endometriose denn tatsächlich eine deutlich niedrigere Chance spontan schwanger zu werden? Diesbezüglich habe ich die Frage einer Leserin für dich: ‚Ich habe die Diagnose einer Endometriose erhalten, nachdem bei mir wegen Unterbauchschmerzen eine Bauchspiegelung gemacht wurde. Aktuell habe ich keinen Kinderwunsch, mache mir jetzt aber große Sorgen. Kann ich jemals auf normalem Weg schwanger werden?‘

Endometriose und Kinderwunsch
Foto: Priv.-Doz. Dr. med. Darius Salehin

Das ist eine Frage, die sich pauschal nicht beantworten lässt. Frauen mit Endometriose können durchaus spontan schwanger werden!

Endometriose und Kinderwunsch: „Es kommt auch darauf an, welche Organe befallen sind.“

Es kommt immer auf die Ausdehnung der Endometriose an und ob sie saniert ist. Das ist das Wort was wir Mediziner benutzen, wenn eine Endometriose vollständig entfernt wurde. Außerdem kommt es darauf an, welche Organe befallen sind.

Kannst du uns noch einmal kurz erklären, warum die Chance auf eine spontan eintretende Schwangerschaft niedriger bei Frauen mit Endometriose ist?

Endometriose im kleinen Becken und auch Endometriose der Gebärmutter hat Einfluss auf den Eisprung und die Einnistung der befruchteten Eizelle. Entzündungsreaktionen im weiblichen kleinen Becken spielen auch eine Rolle.

Diagnose Endometriose: Im Schnitt dauert die Diagnose bis zu acht Jahren

Was sagen die Zahlen: Wie viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben eine Endometriose? Diesbezüglich habe ich wieder eine Leserinnen-Frage: ‚Mein Mann und ich versuchen seit ca. 2,5 Jahren schwanger zu werden. Anfangs haben wir beide es sehr gelassen genommen, jetzt mache ich mir Sorgen. Die ersten Untersuchungen bei meinem Frauenarzt waren unauffällig. Auch die Bestimmung meiner Hormone ergab keine Auffälligkeit. Jetzt soll in meinen Bauch geschaut werden. Ich habe keine Beschwerden, habe mich jetzt aber belesen und auf einmal große Angst, dass ich eine Endometriose haben könnte?‘

Es ist schwierig, eine genaue Zahlenangabe zu machen, da die Dunkelziffer sehr hoch ist. Im Durchschnitt dauert es bis zu acht Jahre, bis bei einer Frau eine Endometriose diagnostiziert wird. Häufig gehen die Frauen schon vorher zu ihrem Frauenarzt mit Beschwerden, die darauf hinweisen oder auch mit unerfülltem Kinderwunsch.

Man rechnet bei etwa 30 Prozent aller Kinderwunschpatientinnen mit einer Endometriose. Leider wird es häufig nicht erkannt und die Frauen fühlen sich nicht ernst genommen. Bei 2,5 Jahren unerfüllten Kinderwunsch ist eine weitere Diagnostik auf jeden Fall angemessen!

Endometriose und Kinderwunsch: Eine Endometriose kanna auch vorliegen, obwohl die Patientin beschwerdefrei ist.

Als erstes sollte natürlich die männliche Seite abgeklärt werden. Des Weiteren wird bei einer Bauchspiegelung geguckt, ob die Eileiter durchgängig sind. Und nachgesehen, ob andere Ursachen vorliegen. Wie beispielsweise eine Endometriose, die dann komplett entfernt werden sollte. Eine Endometriose kann auch vorliegen, obwohl die Patientin beschwerdefrei ist.

Was rätst du einer Endometriosepatientin mit Kinderwunsch? Was ist die optimale Therapie, damit es mit einer Schwangerschaft klappen kann?

Am Anfang steht die richtige Dianose. Die Bauchspiegelung ist Goldstandard zur Diagnosesicherung. Die Endometriose sollte komplett saniert sein und danach sollte direkt dem Kinderwunsch nachgegangen werden.

Je länger man nach einer Operation wartet, desto größer das Risiko, dass die Endometriose wieder wachsen könnte. Auch hier ist zu raten, die männliche Seite abzuklären, um nicht weitere Monate später herauszufinden, dass das Spermiogramm des Mannes nicht in Ordnung ist – also die Qualität der Spermien beeinträchtigt ist. Ob eine Vorstellung im Kinderwunschzentrum erfolgt, ist individuell zu entscheiden.

Schwangerschaft als Endometriose-Therapie

Eine Leserin hat mir mit der Frage geschrieben ‚Ich habe gehört, dass eine Schwangerschaft die beste Therapie bei Endometriose sein soll. Warum ist das so?‘, kannst du uns das erklären?

Während einer Schwangerschaft setzt der weibliche Zyklus aus und es findet keine monatliche Blutung statt. Daher unterliegt in dieser Phase die Endometriose auch keinen Hormonschwankungen. Sie wird in eine Art Winterschlaf versetzt. Im besten Fall vertrocknet die Endometriose komplett. In einigen Fällen kommt es auch nach der Schwangerschaft nicht mehr zu Beschwerden.

Und nach einer Schwangerschaft gibt es außer einer hormonellen Therapie keine andere Möglichkeit, die Endometriose zu behandeln? Findet zu diesem Thema medizinische Forschung statt? Wenn ja, welche Ansätze gibt es da bzw. wird es bald andere Therapiemöglichkeiten geben?

Derzeit ist die hormonelle Therapie die Therapie der Wahl, um die Endometriose sozusagen ruhig zu stellen. Es gibt auch die Möglichkeit, eine Hormonspirale einzulegen, deren Hormondosierung so niedrig ist, dass sie nur lokal im Becken wirkt – und nicht systemisch im Körper der Frau. Andere Therapiemöglichkeiten sind derzeit in der Forschung.

Endometriose und Kinderwunsch: „Die operative Therapie ist bei Kinderwunsch definitiv die Therapie der Wahl.“

Lieber Darius, hast du noch etwas, was du Endometriosepatientinnen mit Kinderwunsch mit auf den Weg geben möchtest? Möchtest du ihnen etwas raten?

Die Frauen sollten sich nicht unnötig Sorgen machen, dass sie nicht schwanger werden können. Viele Frauen mit Endometriose werden spontan schwanger. Wenn aber die typischen Symptome einer Endometriose, wie starke Regelschmerzen, auftreten und es nicht innerhalb kurzer Zeit zum Eintreten einer Schwangerschaft kommt – so sollte man immer an eine Endometriose denken und diese dann auch abklären.

Die operative Therapie ist bei Kinderwunsch definitiv die Therapie der Wahl. Hier ist es zu empfehlen, ein Endometriosezentrum aufzusuchen, um ein bestmögliches operatives Ergebnis zu erzielen, was die Chance auf das Eintreten einer Schwangerschaft bekanntermaßen erhöht!


Übrigens: Unsere MutterKutter-Herausgeberin Doro wurde trotz einer Endometriose schwanger (wir haben ihn euch oben schon einmal als Podcast verlinkt). Hier findet ihr den Artikel und hier ein Interview rund um den alternativmedizinischen Weg, für den sie sich entschieden hat.

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