Katrin wollte unbedingt über ihre Wochenbettdepression reden. Das Thema für alle anderen Mamas aus der Tabuzone holen. Sie hat mir, Doro, ein sehr berührendes Interview gegeben. Und ich bin ihr von Herzen dankbar, dass sie diesen Schritt an die Öffentlichkeit gegangen ist.


Werbung, da Verlinkung, unbezahlt*


Vielleicht kann Katrin ja der einen oder anderen von euch weiterhelfen. Am Ende dieses Interviews findet ihr auch Kontaktmöglichkeiten zu meinen Expertinnen an Bord. Und hier geht es zum Artikel rund um das Thema Wochenbettdepression von Mamapsychologin Isabel Huttarsch.


Warum hast du gesagt: Ich möchte gerne über das Thema Wochenbettdepression reden. Ich fand es total toll, dass du dich gemeldet hast und habe es dazu auch als überhaupt nicht selbstverständlich empfunden, dass jemand sagt: „Hey, ich zeige mich. Ich möchte reden. Was war der Grund für dich?“

Weil ich immer noch finde, dass darüber viel zu wenig gesprochen wird. Es gibt viele Bereiche zum Thema Geburt, Schwangerschaft und auch nach der Geburt, die angesprochen werden – das Thema Wochenbettdepression ist auch mehr im Kommen, sag´ ich mal, aber es wird immer noch viel zu wenig besprochen und behandelt.

Ich denke einfach, dass es sehr viele Frauen gibt, die mehr oder weniger ausgeprägt darunter leiden und ich weiß, dass es mir damals wahnsinnig geholfen hat, mit jemandem darüber zu sprechen. Ich habe alles und jeden damit vollgequatscht, egal, ob er es hören wollte oder nicht. Weil es mir gut tat.


Hier könnt ihr euch den Trailer zum Interview „Wochenbettdepression“ mit Katrin angucken:
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden


Musik: Finn Seliger


Wochenbettdepression: Ich möchte mit diesem Interview anderen Mamas helfen!

Ich habe sehr liebe Freundinnen gehabt, die mir – Gott sei Dank – zugehört haben. Und auch mein Mann, der sonst eher in den Bereich „Heul leise, Chantal“ gehört, war da sehr verständnisvoll. Und ich glaube einfach, dass es sehr wichtig ist, dass die Frauen darüber reden und kommunizieren können, was sie brauchen, was sie nicht brauchen.

Wochenbettdepression Wochenbett Depression Geburt Hebamme Mamapsychologie Frauenärztin Schwangerschaft schwanger Mama Mamasein MutterKutter
Mama Katrin Gerle I Foto: MutterKutter

Ich dachte, dass meine Geschichte vielleicht anderen Mamas helfen kann zu erkennen, dass sie doch ein größeres Problem haben als „nur“ den Wochenbettblues und wie wichtig es ist, sich Hilfe zu suchen.

Wann hast du gemerkt: Mit mir stimmt was nicht. Es ist nicht so, wie vielleicht bei allen anderen Müttern – überspitzt formuliert -, die total glücklich sind. Woran hast du gemerkt: Bei mir läuft grad was überhaupt nicht rund?

Ich hole kurz aus. Mein Sohn war ein absolutes Wunschkind. Mein Mann und ich haben geheiratet, wir wollten Kinder haben und das hat auch relativ schnell geklappt. Die Schwangerschaft war mega. Also: Ich fand mich toll. Ich fand, ich sah super aus. Ich habe mich  gut gefühlt. Es war großartig.

Die Geburt war halt auch…Eine Geburt eben, auch schmerzhaft, aber nichts Dramatisches. Es hat alles super geklappt. Und ich war auch total froh, dass er dann da war. Das war total schön und ich habe auch sofort eine tiefe Liebe zu ihm gespürt.. Aber…

Meine Mutter wusste direkt: mit mir stimmt etwas nicht.

Mein Sohn ist morgens um kurz nach vier geboren und wir sind dann um sieben auf das Zimmer rauf. Und meine Mutter sagt heute noch: Sie wusste sofort, dass irgendetwas komisch war, denn die erste Nachricht, die ich ihr geschrieben habe, war irgendwie so nach dem Motto:

„Oh Gott, ich weiß gar nicht, wie ich das alles schaffen soll.“

Und da war noch nichts passiert. Mein Kind lag da und schlief. Ich glaube, dass war so ein bisschen diese anfängliche Überforderung. Die erste Nacht mit ihm im Krankenhaus war auch so…Ich hatte das Gefühl, ich muss auf ihn aufpassen. Ich muss ihn beobachten, wie er schläft, weil er sonst irgenwann aufhört zu atmen.

Ursprung meiner Wochenbettdepression: Ich habe mir von Anfang an Sorgen um mein Kind gemacht.

Ich glaube: Ursprung des Ganzen ist, dass ich mir einfach wahnsinnig Sorgen um ihn gemacht habe. Die ersten Wochen zuhause waren auch OK, wobei ich im Nachhinhein betrachtet glaube, dass ich mir viel zu viel zugemutet habe. Im Sinne von: Besuch der kam,Dinge, die wir unternommen haben etc. Anstatt einfach auf dem Sofa zu liegen und mich auszuruhen.

Das kenne ich auch…

Ich wollte, dass das Haus ordentlich ist und dass wir was Vernünftiges essen. Es war vielleicht ein bisschen dolle. Aber es war alles noch OK.

Wochenbettdepression Wochenbett Depression Geburt Hebamme Mamapsychologie Frauenärztin Schwangerschaft schwanger Mama Mamasein MutterKutter
Mama Katrin Gerle I Foto: Katrin Gerle

Mein Sohn ist im Juli geboren und Anfang/ Mitte November fing es an, dass ich gedacht habe: Irgendwie läuft hier was komisch. Ich habe mich überfordert gefühlt, obwohl eigentlich nichts los war. Mein Sohn ist kein schwieriges Baby gewesen. Ich wusste nicht so…dieser Tag, der sich jeden Morgen vor mir aufbaute…Ich wusste nicht, wie ich den bewältigen soll. Obwohl nichts Großartiges los war.

Ich glaube, ich habe immer das Gefühl gehabt, ich müsste in allen Bereichen mehr sein als ich sein kann.

Was hast du da genau gefühlt?

Ich habe mich gefühlt, als würde ich meinem Kind nicht gerecht werden können. Dabei war der damals einfach klein und wollte nichts von mir. Außer auf mir zu „wohnen“ und trinken und schlafen und kuscheln. Und das war auch total schön.

Aber ich habe so diesen Anspruch an mich gehabt: mein Haus müsse ordentlich sein. Und ich müsse auch meinem Mann weiterhin eine gute Ehepartnerin und Geliebte sein. Und ich müsste auch eine gute Freundin für meine Freundinnen sein. Und ich müsste dieses und jenes und welches.

Ich habe immer das Gefühl gehabt, ich müsste in allen Bereichen mehr sein als ich sein kann. Und das war unheimlich schwierig für mich.

Ich kenne das auch noch, dass ich dachte, es muss alles sauber und ordentlich sein und das alte Leben kann auch auch so weitergehen.

Genau. Ich glaube: das war so der Knackpunkt. Natürlich weißt du: Ich kriege ein Kind, Dinge werden sich ändern. Aber wie sehr sie sich ändern und auch ändern müssen, damit du ordentlich weiter funktionieren kannst und du glücklich bist… Also: für mich war das ein totaler Reality Check. Oh Gott, was ist denn hier los!?

Wochenbettdepression: 5 Monate später ging sie richtig los!

Wenn du nochmal in das Gefühl gehst von damals. Es ist zwar mehr als 5,5 Jahre her… Aber kannst du uns beschreiben, wie das war, in dich hineinfühlen?

Anfang Dezember ging es quasi so richtig los, wo es schlimm wurde. Wenn ich morgens wach geworden bin, also in dieser Aufwachphase, habe ich gemerkt, dass ich innerlich total nervös war. Also, ich habe immer die Füße und Beine aneinander gerieben – ich bin quasi so wach geworden, dass ich schon im Bett so vor mich hingezappelt habe.

Und es war halt so, dass ich unheimliche Magenbeschwerden gekriegt habe. Ich bin jeden Morgen wach geworden und habe mich übergeben. Ich bin jeden Morgen wach geworden und habe Durchfall gehabt. Ist jetzt kein schönes Thema, aber ist so.

Ich konnte morgens nicht richtig funktionieren.

Krass, ich wusste gar nicht, dass das so körperliche Ausmaße annehmen kann.

Doch. Es hat sich bei mir unheimlich auf den Magendarmbereich niedergeschlagen. Was ganz merkwürdig ist, weil ich sonst nicht zu der Sorte Mensch gehöre, die Magenprobleme kriegen. Aber es war für mich ganz schlimm. Ich konnte eigentlich morgens gar nicht richtig funktionieren. Ich war einfach wahnsinnig erschöpft. Ich habe einfach sehr unruhig geschlafen. Und habe deswegen keine richtige Erholung gehabt. Ich war unglaublich müde morgens und habe mich körperlich unwohl gefühlt.

Wochenbettdepression Wochenbett Depression Geburt Hebamme Mamapsychologie Frauenärztin Schwangerschaft schwanger Mama Mamasein MutterKutter
Katrin Gerle mit ihrem Sohn I Foto: Katrin Gerle

Ich war irgendwann nicht mehr wirklich in der Lage, mich morgens um um meinen Sohn zu kümmern. Und mein Mann musste morgens ja zur Arbeit.

Wochenbettdepression: Ich konnte aufstehen, um kotzen zu gehen.

Was heißt das, du warst nicht mehr in der Lage? Wie können wir uns das vorstellen.

Ich konnte einfach nicht mehr aufstehen. Ich konnte aufstehen, um kotzen zu gehen. Und alles andere auf dem Klo zu machen, was aus mir raus wollte. Ich bin danach wieder ins Bett. Ich hatte die Kraft einfach nicht.

 Ich habe mein Kind immer geliebt.

Ich hatte sowohl körperlich als auch emotional nicht die Kraft, mich um mein Kind zu kümmern. Ich konnte nicht. Ich will noch einmal betonen, dass ich in dieser Zeit nie das Gefühl hatte, dass ich ihn nicht wollte. Oder dass ich meinen Sohn nicht geliebt habe. Oder dass er mir zu viel war oder so. Ich war einfach mit mir und meiner Psyche überfordert.

Wahrscheinlich kam dann ja auch ein schlechtes Gewissen hoch. Du konntest einfach nicht und…

Ja, genau. Das war ganz furchtbar für mich. Dass ich mich eben gefühlt habe, als würde ich als Mutter total versagen (Stimme zittert). Und das hat eben mich noch mehr da emotional in die Enge gedrängt quasi. Dass ich mir selber immer gesagt habe:

„Du musst dich doch um dein Kind kümmern können. Reiß dich doch mal am Riemen. Du hast ein tolles Haus. Du hast einen tollen Mann. Du hast ein super gesundes Kind. Du hast so viel, was sich andere wünschen würden. Warum kannst du nicht einfach glücklich sein?“

Wochenbettdepression: Ich konnte nicht mehr mental stark sein.

Und das war ganz schlimm für mich, dass ich mir nicht erklären konnte, warum ich so gefühlt habe. Weil ich eigentlich jemand bin, der gut auch in schwierigen oder in Stresssituationen funktioniert hat. Auch meine Mutter hat gesagt: „Du bist doch sonst so taff und kommst durch alles durch. Du machst einfach. Du musst dich doch irgendwie da raus ziehen können.“ Und ich konnte es einfach nicht. Ich konnte nicht so wie sonst, wenn da etwas war, mental stark sein, weil meine Psyche total im Eimer war. Oder mein Hormonhaushalt.

Hast du denn viel geweint?

Also, natürlich habe ich mal geweint, wenn ich total erschöpft war. Aber ich war nicht dauerhaft am Weinen. Ich habe mich körperlich einfach total unwohl gefühlt. Und schwach gefühlt. Und überfordert.Ich bin morgens wach geworden und konnte nicht. Ich wusste nicht, wie ich diesen ganzen Tag bewältigen soll.

Wie sah denn so ein Tagesablauf bei euch aus? Also: Wie hast du es geschafft, wenn dein Mann arbeiten war? Wie hast du den Tag verbracht quasi?

Es war dann irgendwann so, dass wir tatsächlich gesagt haben: es funktioniert so nicht.  Noch einmal: Ich habe mich immer um meinen Sohn gekümmert, es war nie so, dass er zu irgendeinem Zeitpunkt nicht versorgt war, nicht geliebt war, nicht gekuschelt wurde oder nur in der Ecke lag – das war nie so. Egal, in welchem Zustand ich gewesen wäre, das wäre nie passiert.

„Du musst dir die Zeit nehmen, die du brauchst“, sagte mein Mann.

Aber es war tatsächlich so, dass mein Mann irgendwann gesagt hat:

„Wir müssen uns irgendwas ausdenken, damit du auch die Chance hast, dich zu regenerieren oder dir die Zeit zu nehmen, die du brauchst.“

Er ist nun beruflich sehr eingespannt und es ging nicht, dass er noch weiter zuhause bleibt. Wir haben dann sehr viel Glück gehabt.

Ich hatte eine große Hilfe in meiner Not.

Wir wussten, dass unser Sohn mit einem Jahr zur Tagesmutter kommen soll und wir kannten sie schon, weil sie uns empfohlen wurde. Ich habe ihr erzählt, was los ist und habe sie gefragt, ob sie jemanden kennt, der stundenweise auf ihn aufpassen kann. Und das hat dann tatsächlich ihre Mutter gemacht. Da bin ich ihr auch heute noch sehr dankbar für. Ich hatte absolutes Vertrauen in sie.

Wochenbettdepression Wochenbett Depression Geburt Hebamme Mamapsychologie Frauenärztin Schwangerschaft schwanger Mama Mamasein MutterKutter
Mama Katrin Gerle I Foto: Katrin Gerle

Sie ist dann morgens um halb acht-acht zu uns gekommen und hat sich die ersten drei, vier Stunden des Tages um ihn gekümmert. Und dann ist sie so gegen elf-zwölf gegangen. Und den Rest des Tages waren mein Sohn und ich dann alleine. Und das hat auch funktioniert. Ich konnte mich dann gut um ihn kümmern, ich konnte mit ihm spielen usw. Natürlich ging es mir immer noch nicht gut, aber ich habe halt funktioniert.

Wochenbettdepression. Irgendwann wurde es noch schlimmer.

Du konntest deine Gefühle sozusagen wegdrängen…?

Ich habe das weggesteckt. Genau. Wobei ich aber natürlich irgendwann an einen Punkt gekommen bin, wo ich gesagt habe: Ich kann das nicht mehr wegstecken. Weil ich gemerkt habe: Es wird nicht besser, es wird immer schlimmer.

Körperlich oder seelisch?

Beides.

Das heißt: Du hattest einen Teufelskreis im Kopf, der dir gesagt hat: Du müsstest, du solltest, du könntest.

Genau.

Und dazu ging es dir köperlich schlecht…

Ja.

Deine Wochenbettdepression hat sich über Monate angebahnt. Wie kann ich mir das vorstellen?

Ich glaube, dass mein Körper schon von Anfang an gemerkt hat: Uh, hier ist tierischer Aufruhr, hier passt irgendwas nicht so ganz. Und dass ich das aber mit besagter Willensstärke über ein paar Monate hinweg geschafft habe zu verdrängen und das so laufen zu lassen.

Irgendwann ging das eben einfach nicht mehr.

Ein Therapeut hat mir endlich geholfen!
Wann war der Punkt als ihr wusstet: es geht nicht mehr.

Das war Mitte Dezember.

Du hast dann versucht dir Hilfe zu holen.

Ich bin bei verschiedenen Ärzten und Anlaufstellen gewesen und habe mich aber nicht wirklich verstanden gefühlt. Ich habe nicht die Hilfe bekommen, die ich gebraucht habe.

Ich habe mich dann schließlich entschieden, mir einen Therapeuten zu suchen. Ich habe dann jemanden gefunden, der mir geholfen hat. Ich war dort zu einem Erstgespräch und er hat dann gesagt: Das ist ganz klar eine Wochenbettdepression.

Ich war erst irritiert, ich hatte immer gedacht, eine Wochenbettdepression könne man nur direkt nach der Geburt haben. Und er hat mich dann aufgeklärt und mir gesagt, dass man bis zu zwei Jahre nach der Geburt tatsächlich an postnatalen Depressionen leiden kann. Das wusste ich bis dahin nicht.

Wochenbettderpression: Ich musste auch Medikamente nehmen.

Und er hat auch zu mir gesagt, dass das schon auch erblich bedingt sein kann und dass der Körper bestimmte einschneidende Ereignisse – und das müssen nicht nur traumatische Ereignisse sein, sondern das können eben auch positive Ereignisse sein, wie eine Geburt, die aber sehr einschneidend sind – dann nicht gut verarbeitet. Und dass es eben daraus eine solche Depression entstehen kann.

Wochenbettdepression Wochenbett Depression Geburt Hebamme Mamapsychologie Frauenärztin Schwangerschaft schwanger Mama Mamasein MutterKutter
Mama Katrin Gerle I Foto: MutterKutter

Er hat eine Gesprächstherapie mit mir angefangen und hat dann aber auch gesagt: Sie befinden sich grad in einem Zustand, wo sie sich gar nicht wirklich sich darauf konzentrieren können, diese Therapie zu machen, weil ihr Kopf sich auf Ebenen bewegt, die sie so durcheinanderbringen, dass wir dagegen auch medikamentös was tun müssen.

Mein Mann wusste nicht mehr weiter.

Ich habe schließlich einen Arzt gefunden, der auf Anraten des Psychotherapeuten mir Medikamente verschrieben hat. Und die habe ich dann angefangen zu nehmen. Nun ist es ja so, dass sich so ein Spiegel erst nach drei Wochen ungefähr aufbaut. Das wusste ich auch, ich habe jetzt keine sofortige Besserung erwartet, aber es ging mir zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht gut. An einem Sonntag ging es mir so schlecht, dass ich einfach nicht wusste, wohin mit diesen ganzen Gefühlen und diesen körperlichen Beschwerden auch. Dieses Überfordertsein. Und dieses immer wieder hinterfragen, warum ich nicht so funktionieren kann, wie ich das gerne möchte. Mein Mann hat deshalb im ZIP (Zentrum für Integrative Psychatrie) angerufen und gesagt:

„Ich weiß nicht, wie ich meiner Frau noch helfen soll. Ich mache mir einfach Sorgen.“

Da hat der diensthabende Arzt gesagt: „Kommen sie vorbei mit ihr.“(Stimme zittert). Mein Mann ist dann mit unserem Sohn zuhause geblieben und ich bin dahingefahren.

„Frau Gerle, Kopf ist ein Arschloch.“

Du bist noch wirklich selber gefahren?

Ja, das ging auch. Ich konnte dahin fahren. Ich habe da zwei Stunden mit dem diensthabenden Arzt gesprochen, der mir wirklich geholfen hat und gesagt hat:

„Frau Gerle, Kopf ist ein Arschloch.“

Das hat er wirklich so gesagt (lacht).

„Und ich weiß das und ich weiß, wie schrecklich sie sich fühlen. Ich kann das total nachvollziehen und verstehen. Und sie müssen nicht das Gefühl haben als wären sie an irgendetwas schuld.“

Und das war so ein Schlüsselsatz für mich. Ich habe immer gedacht, ich habe irgendwas verkehrt gemacht. Irgendwas stimmt mit mir nicht. Ich habe immer gedacht: es läge an mir. Und dann hat er gesagt: „Ich kann sie da verstehen und die nächsten zwei Wochen müssen sie einfach noch durchhalten“ – so lange dauerte es noch, bis die Medikamente anschlugen. „Und ich verspreche ihnen, dass es ihnen dann besser gehen wird.“

Nach einem Jahr ging es mir wieder gut.

Als dieser Medikamentenspiegel hoch genug war, ging es mir dann relativ schnell besser. Ich habe dann ein Mal in der Woche diese Gesprächstherapie gemacht, die mir auch sehr geholfen hat. Die Therapie habe ich ungefähr ein Dreivierteljahr gemacht, die Medikamente ein Jahr genommen. Seitdem ging es mir wirklich gut.

Mehr als fünf Jahre danach ist dieses Thema noch so präsent, so bewegend und berührend für dich. Das kann ich total nachvollziehen. Ich weiß ja auch noch, wie mein Wochenbettblues war, wie es mir ging. Glaubst du, dass diese Zeit dich für dein Leben geprägt hat? Wenn ja, inwiefern?

Auf jeden Fall. Ich merke dass es mich unheimlich geprägt hat, auch daran, wie ich jetzt noch mit meinem Sohn umgehe. Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob dass genauso gewesen wäre, wenn ich nicht krank geworden wäre.

Nach der Wochenbettdepression: oft ein schlechtes Gewissen

Ich merke es daran, dass ich im Unterbewusstsein immer noch ein schlechtes Gewissen habe. Obwohl ich mir sage: Er hat es nicht gemerkt, er war immer gut versorgt. Es hat ihm keinen Schaden zugefügt. Das weiß ich, aber trotzdem ist es auf der emotionalen Ebene so, dass ich immer das Gefühl haben werde: Ich konnte in diesen Monaten oder Wochen nicht so für ihn da sein, wie ich wollte.

Und das hat mich, glaube ich, zu einer bedürfnisorientierteren Mutter gemacht, als ich es sonst vielleicht geworden wäre. Ich bin recht konsequent und taff, was den mit weniger Emotionen behafteten Teil der Erziehung angeht, also so Dinge wie Zähneputzen, nochmal Rutschen oder nicht mehr Gummibärchen etc. Aber alles, was sich auf emotionaler Ebene abspielt, wo ich merke, dass beeinträchtigt seine Gefühle, läuft bei mir oberstes Level bedürfnisorientiert. Und das ist für mich auch absolut Okay so.


Liebe Katrin, herzlichen Dank dir für das Erzählen deiner Geschichte hier auf MutterKutter. Und für dein Vertrauen in meine Arbeit!

Und falls ihr Katrin kontaktieren möchtet, dann könnt ihr das via Instagram tun.

Ansonsten, falls ihr den Rat von einer meiner Expertinnen an Bord braucht – bitte meldet euch einfach mal bei ihnen (Werbung wegen Empfehlungen*):

Isabel ist Mamapsychologin und hat eine private Online-Sprechstunde. Sie ist sehr sehr einfühlsam und absoluter Profi für den Bereich „Mama werden – Mama sein“.

♥ Frauenärztin Judith kann euch als Medizinerin zur Seite stehen. Sie hat eine Online-Sprechstunde hier an Bord und dazu auch eine private Sprechstunde (online), in der sie Frauen mit spezielleren Fragen/ spezielleren Bedürfnissen medizinisch fundiert und mit viel Liebe berät.

♥ Meine Hebamme und siebenfache Mutter an Bord, Kerstin Lüking, könnt ihr auch eine Frage für ihre Bordsprechstunde schicken.

♥ Und falls ihr sonstige Fragen, Ideen, Anregungen habt, kontaktiert mich, Doro, doch gerne per Mail.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere.