Mamasein

Corona-Krise mit 7 Kindern: „Ich will mein Leben zurück.“

Über den Ausnahmezustand aus Sicht unserer siebenfachen Mama und Hebamme. Autorin: Kerstin Lüking

Ich vermute, dass die Corona-Krise bei mir als Folge schwere Allergien hervorrufen wird.
Allergien gegen das Wort „Mama“ und gegen meinen Vornamen. Als die Klassenlehrerin meiner Tochter vor 5 Wochen ihre erste Mail an uns Eltern schrieb, scherzte sie, dass wir Eltern jetzt einen unbezahlten Zweitberuf und die große Ehre hätten, sie in 24 Deutsch- und 13 Mathestunden zu vertreten. Ich lächelte noch milde und dachte:

„Die Frau hat Humor!“

Crew
Kerstin Lüking, Hebamme und siebenfache Mutter
Foto: Dorothee Dahinden/ MutterKutter

Mittlerweile ist mir das Lachen vergangen. Ich bin müde und verletzlich geworden und fühle mich, wie die verfettete und ergraute Katze unserer Nachbarin, die es vom Sofa zum Fressnapf und von dort gerade mal zum Sessel schafft. Ich zucke nur noch selten mit dem Schwanz, wenn meine Mäuse vor mir tanzen und ständig rufen: „Mama, warum funktioniert das W-Lan nicht mehr?“, „Mama, der Drucker druckt nicht!!“, „Mama, das muss bis heute Abend an meinen Englischlehrer geschickt werden“, „Mama, ich habe Hunggeeeerr. Wann gibt´s was zu essen?“, „Mama, mir ist langweilig. Was kann ich machen?“

 Corona-Krise aus Sicht der siebenfachen Mama:

„Ich heule.“

Ich heule leise und manchmal brülle ich auch laut.  Ich frage mich, ob Väter auch so stark involviert sind, wie wir Mütter! Mein Mann irgendwie nicht. Da scheint es klar zu sein, dass mein Schreibtisch für das Home-Office geräumt und bei Video-Meetings keine Kinderstimmen im Hintergrund zu hören sein werden. Die Besprechungen mit meinen Wöchnerinnen mache ich in der Küche und mindestens 2 Kinder kommen immer dazu, um streitend ihren Unmut über irgendwas zu äußern. Vorzugsweise gegen 16 Uhr bekommen alle 6 Kinder einen „Rappel“ und müssen ihre angestaute Energie loswerden, die sie überwiegend auf dem Trampolin laut grölend entladen.

Corona-Krise: Ich jammere auf hohem Niveau!

Ja, ich weiß! Es ist Jammern auf hohem Niveau! Wir haben ein Dach über dem Kopf. Wir haben genug Essen. Wir sind nicht auf der Flucht. Wir haben genug Laptops, um diesen ganzen Schulkram zu bewältigen etc.pp Trotzdem: es reicht so langsam. Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ singt in einem ihrer Songs so passend, dass sie ihr Leben zurück wolle. Und ich, ja…

ICH WILL AUCH MEIN LEBEN ZURÜCK!

Ich bin ein Gewohnheitstier, was Struktur und Routine braucht. Wenn ich jetzt mitten in der Woche um 9.30 Uhr aufwache, schäme ich mich vor mir selbst. Was für ein Lotterleben, wie tief bin ich gesunken. Ich habe mittlerweile alle Bücher und Fachzeitschriften, die seit 100 Jahren auf meinem Nachttisch lagen, gelesen. Unser Dachboden und Keller ist entrümpelt und aufgeräumt. Die Küche hat eine Grundreinigung bekommen, die Fenster sind alle geputzt, die Steuerunterlagen sortiert.

„Lieber Gott, lass diesen Wahnsinn endlich ein Ende haben“

Jeden Abend mache ich einen langen Spaziergang zu unserer Kirche. Vor dem Portal steht ein Goldfischglas und eine Schüssel mit kleinen blauen Steinen. Mit jedem Stein, den man ins Wasser plumpsen lässt, darf man einen kleinen Wunsch an Gott äußern. Ich habe nur einen Wunsch: „Lieber Gott, lass diesen Wahnsinn endlich ein Ende haben“.

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