Stillhütchen. Ich habe sie in der Klinik verpasst bekommen. Wie viele meiner Freundinnen auch. Warum? Das weiß keine von uns heute mehr so genau. Da war was mit ,die Brustwarzen seien nicht optimal` oder ,so fällt deinem Baby das Saugen leichter, es ist noch zu schwach´.

Und mal vorweg: Ich hätte sie nicht gebraucht. Ich glaube: Es war wohl die einfachste und zugleich schnellste Lösung. Denn Zeit für eine Stillberatung hatte im Krankenhaus leider niemand.

Stillhütchen sind einerseits praktisch. Manche Babys haben grad am Anfang wenig Kraft – mit Hütchen fällt das Saugen leichter. Dazu bleiben die Brustwarzen heil und es tut weniger weh. Andererseits stehen sie im Verruf, die Milchproduktion einzudämmen oder Keime im Säuglingsmund zu verursachen. Diese Probleme hatte ich nicht. Ich fand es einfach mega umständlich: Wie oft hat meine Tochter mir das Hütchen mit ihren kleinen Händchen zufällig abgerissen, weil ich es nicht anständig rangepappt hatte und es ihr nicht schnell genug ging. Wie oft saß ich schweißgebadet in der Öffentlichkeit. Stillen vor Fremden fand ich eh nicht angenehm, aber mit Hütchen dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis sie angedockt war. Wie oft dachte ich: Scheißteil.

Über Wochen, ja Monate, habe ich dann versucht, meiner Tochter das Hütchen abzugewöhnen. Jedes X. Mal hat sie ohne getrunken. Klar war: Sie kann es ohne. Nur: Sie wollte nicht. In 90 Prozent der Fälle endete der Versuch des ‚normalen’ Stillens in Brüll-, Wein- oder Heulattacken. Bis wir beide am Ende waren, mein Herz raste und  ich das Hütchen schnell wieder aufsetzte. Ich war gestresst. Und den Druck hat sie wohl gemerkt.

Ich habe alles versucht: Erst ohne anlegen, dann mit. Erst mit Hütchen trinken lassen, es dann schnell abgenommen. Ich habe sie mir auch nackt auf die Brust gelegt, um sie zum Trinken zu animieren. Keine Chance. Meine Geduld war am Ende. Oder war ich zu ungeduldig? Ich dachte schon: es geht einfach nicht. Doch: Plötzlich, mit dem Schub in der 12. Woche, trank sie ohne. So als ob nie was gewesen wäre. Es war quasi mein letzter Versuch. Ich hatte das Hütchen inzwischen akzeptiert, mich nicht mehr gestresst und es einfach mal weggelassen. Und dann für immer. Keine einzige Baby- oder Mamaträne floss mehr. Drei Monate mit Hütchen: Es geht. Aber: Schön fand ich es nicht. Ich fühlte mich ohne total befreit. Wir raten euch: Falls ihr es ohne versuchen wollt: Habt Geduld und: Versucht es einfach immer wieder.

Gute Tipps rund um das Thema findet ihr auch auf der Seite Stillkinder.

Übrigens: Meine Tochter und auch die Babys meiner Freundinnen haben irgendwann komplett – und dann für immer – ohne Hütchen getrunken. Das, was uns allen in der Klinik gesagt wurde, war zumindest in unseren Fällen Quatsch. Deshalb raten ich: Falls ihr stillen wollt/könnt und genau so unerfahren seid wie wir, dann löchert eure Ansprechpartner im Krankenhaus mit euren Fragen. Ihr könnt auch vor der Geburt schon einfach eure Hebammen um Rat fragen – sie können euch Tipps für das erste Anlegen im Krankenhaus mit auf den Weg geben.

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit Stillhütchen gemacht?

10 thoughts on “Stillhütchen: Ein Fluch nach dem Segen”

  1. Hallo ihr Lieben,

    auch ich habe im Krankenhaus Stillhütchen bekommen und war ehrlich gesagt froh darüber. So konnten wir uns beide besser an das Stillen gewöhnen. Und abgewöhnt haben wir sie uns nach und nach – ein schleichender Prozess. Irgendwann brauchten wir sie nur noch in stressigen Situationen oder nachts und irgendwann gar nicht mehr. Mit 12 Wochen war auch bei uns der Spuk vorbei. Ich verteufel die Hütchen also auf keinen Fall. Individuelle Gefühlssache – wie immer :-)
    Liebe Grüße Katja

    1. Liebe Katja, guten Morgen!
      Das ist doch super, wenn du gut mit ihnen zurecht gekommen bist und sie dich nicht gestresst haben bzw. dir sogar geholfen haben. Ich freue mich, dass du mir deine Sicht der Dinge geschickt hast. Und, lustig. Gibt es denn da auch eine Art „magische Dreimonatsgrenze“?
      Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag!
      Herzliche Grüße von Doro

  2. Ich muss sagen, dass sie mir in der ersten Zeit beim Tandemstillen eine echte Hilfe waren – zumal ich zwei echte Raudies an der Brust hatte. Mit den Hütchen musste ich nicht so aufpassen und hatte halt nicht solche Schmerzen. Irgendwann hat es mich aber auch genervt, sie überall dabei haben zu müssen. Pepe hat es schnell akzeptiert – Hauptsache Nahrung! Mads hat erstmal den Aufstand geprobt, bis in der 17. Woche das Teil einmal abgeflogen ist und er zu ungeduldig zum Warten war und einfach weitergesüppelt hat – seitdem läuft es und ich finde stillen noch praktischer. In dem anthroposophischen KH, in dem ich war, waren die Dinger allerdings total verpönt …

    1. Gute Morgen liebe Juli,
      oh, also gut, äh: Ich würde Stillhütchen dann auch ‚angegessenen‘ Brustwarzen vorziehen. Autsch. Und das Ganze Mal 2. Ich bewundere dich immer noch. Der Wahnsinn. Irgendwann würde ich gerne mal ein Foto sehen, wie gleich zwei Rabauken angedockt werden.
      Ich freue mich, dass du mir geschrieben hast.
      Bis bald, meine Liebe!
      Herzliche Grüße von Doro

  3. Ich kann das gut nachvollziehen. Wir empfehlen ein Stillhütchen immer erst nach Rücksprache mit der Hebamme einzusetzen, da das Stillhütchen einfach perfekt auf Mutter & Kind abgestimmt sein muss. Ein Stillhütchen sollte aber immer nur eine kurzfristige Lösung sein – gerade bei gereizten und entzündeten Brustwarzen. LG, Evi von http://www.stillhuetchen.de

    1. Liebe Evi, das ist ein guter Ansatz. Den hätte ich mir damasl gewünscht! Vor allem, weil es bei dem 2. Kind gleich – ohne Probleme – funktioniert hat. Manchmal hilft auch ein bisschen Zeit und Ruhe – aber die gute Beratung ist am Ende das A und O. Vielen Dank für deinen Kommentar. Viele Grüße, Doro

  4. Ich kann nur sagen, dass sie für mich ein Segen waren. Nach den ersten sieben schmerzhaften Tagen mit blutigen Brustwarzen, war ich froh Stillhütchen zu haben. es gab auch keinerlei Probleme mit dem Stillen – natürlich war es etwas umständlich, aber der Schmerz war erträglicher. Und Kommentare wie: du musst sie anders anlegen, konnten mir auch nicht mehr helfen. Meine Brustwarzen waren schließlich schon kaputt. Vielleicht weil es mir niemand richtig gezeigt hat oder sie einfach etwas empfindlicher sind. Ich werde es beim zweiten Kind wissen.
    Am Ende brauchte ich die Stillhütchen nur ca zwei Wochen. Meine Tochter hat gar nicht gemerkt, ob ich mit oder ohne gestillt habe. (In den zwei Wochen habe ich eine Seite mit und die andere ohne Stillhütchen gestillt, da der Schmerz dort zu ertragen war). Ich hatte immer genug Milch und die Brust wurde auch trotz Hütchen immer „leer“ getrunken. Ich hoffe beim nächsten mal diese natürlich nicht zu brauchen, aber falls doch, werde ich ganz entspannt an die Sache rangehen, da ich damit keinerlei Probleme hatte und sie mir sehr geholfen haben. LG, Anne

    1. Liebe Anne, herzlichen Dank für deinen ehrlichen Kommentar! Das ist ja super, dass die Hütchen bei dir so sehr geholfen haben. Dafür sind sie doch auch da. Ich habe inzwischen meine 2. Tochter bekommen und weiß nun, dass bei mir am Anfang auch viel Unsicherheit bzw. in der Klinik nicht die richtige Hilfe an meiner Seite war. Denn beim 2. Mal hat es sofort mit dem Stillen geklappt. Darüber war ich dann auch sehr froh.
      Blessuren kenne ich nur aus Erzählungen! Arghs. Das hört sich echt nach Schmerzen an.
      Herzliche Grüße von Doro

  5. Ursprünglich wurden die Stillhütchen ja entwickelt, um Frauen mit Hohlwarzen, Schlupfwarzen oder unelastischem Brustgewebe ein Hilfsmittel an die Hand zu geben und den Stillvorgang doch möglich zu machen. Der inflationäre Einsatz scheint tatsächlich fragwürdig. Häufig forcieren große Kliniken den Einsatz auch einfach nur, um eine zügige Abwicklung aller Geburten zu gewährleisten. Also es gibt schon einige Nachteile (wie aber auch Vorteile), denen man sich schon bewusst sein sollte. Bspw. wird der natürliche Prozess des Stillens eingedämmt wird, das Baby saugt durch die ergonomische Form nur oberflächlich und bei vielen Frauen versiegt deshalb der Milchfluss rund eine Woche nach der Entbindung. VG Andree

    1. Lieber Andree, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich hatte damals den Eindruck, dass den Hebammen einfach die Zeit fehlte. KLiniksituationsbedingt. Und beim zweiten Kind waren sie völlig überflüssig von Anfang an. Danke meiner Beleghebamme und meiner Erfahrung. Viele Grüße, Doro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere.