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Es ist Krieg, aber … darf ich trotzdem glücklich sein? Der Psychologinnen-Talk.

Ein Gespräch zwischen unserer MutterKutter-Autorin Annika Rötters und ihrer Kollegin Nina Grimm.

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Es ist Krieg in der Ukraine. Und wir sind über Social Media schnell mittendrin. Auch unsere Kinder bekommen oft mehr mit, als wir vielleicht möchten – und in den letzten Tagen gibt es zunehmend mehr Input darüber, wie wir mit Kindern über den Krieg sprechen (Kinderfragen sind wichtiger als Elternfragen) und welche Gefühle dabei wichtig sind (Kindern das Gefühl von Sicherheit vermitteln – ja, es ist Krieg in der Ukraine. Du darfst trotzdem auf dem Spielplatz in der Sonne spielen und mit deinen Freunden lachen – das ist sogar gut.)

Es ist Krieg: Darf ich Urlaub buchen und mich auf etwas freuen?

Krieg
Annika Rötters, Diplom-Psychologin// Credit: Michelle Rötters

Und immer öfter höre und lese ich von Menschen, die sich fragen: „Darf ich meinen Urlaub gerade genießen?“ oder „Darf ich Urlaub buchen, und mich auf etwas freuen, wenn gerade so viel schreckliche Dinge in der Welt passieren“ – oder auch „Ich fühle mich im Alltag überlastet, aber darf ich mich überhaupt beschweren als privilegierte cis-Frau – wenn es doch so vielen anderen mit Sicherheit schlechter geht?“

… und vermutlich merkst du beim Lesen selbst: Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Leid ist immer subjektiv UND wenn ein Mensch in negative Gedankenspiralen versinkt, ist das weder für ihn selbst noch für sein Umfeld hilfreich, geschweige denn auf weltpolitischer Ebene eine „gesunde Entwicklung“.

Gleichzeitig ist das Wissen noch einmal etwas anderes als das „LEBEN“ – und weil sie als Psychotherapeutin i.A. noch einmal eine ganz anders fundierte Expertise mitbringt, gebe ich die folgenden Fragen heute an meine liebe Kollegin Nina Grimm weiter. Sie ist Psychologin (M.Sc.), Bestsellerautorin und lebt beruflich die Philosophie “Lebe Familie, wie du es dir wirklich wirklich wünschst.” Sie beantwortet mir jetzt auch die Frage, wie wir auf unverhoffte Fragen unserer Kinder antworten können.

Psychologin & Bestsellerautorin Nina Grimm //
Credit: Justin Bockey

“Die Frage ist, ob es den Betroffenen hilft, dass du dieses Eis nun NICHT mehr genießt.”

Psychologin Nina Grimm im Interview

Dass wir genießen dürfen – das wissen wir … und dennoch fühlt es sich für viele „falsch“ an. Was können wir da tun?

Wichtig ist, dass wir den schweren, negativen Gefühlen bewusst Raum geben. Setze dir eine bestimmte Zeit mit einem festen Ritual. Zum Beispiel: 20 Uhr, Nachrichten schauen. Im Anschluss: Kerze anzünden und 10 Minuten Raum für das, das durch die Nachrichten in dir ausgelöst wird: Wut? Angst? Hilflosigkeit? Sei damit! Werde still damit. Fühl es. Oder mal es. Oder schreib es. Tanz es. Hauptsache, du erlaubst dem da zu sein. Denn dann können wir es leichter schließen.

Diese Technik aus der Traumatherapie hilft super!

Für das Abschließen gibt es eine tolle Technik aus der Traumatherapie: Richte dir eine Kiste her und schreibe deine Gedanken und Gefühle nach deinen 10 Minuten auf eine Karteikarte. Und dann mach die Kiste ganz absichtsvoll zu. Verstau sie an einem für dich passenden Ort: sichtbar. Und doch geschlossen.

Das erleichtert aufkommende Gefühle und Gedanken im Alltag an den Krieg zu platzieren: schreib sie auf. Pack sie in die Kiste. Und erlaube es dir deinen Alltag zu leben.

Wenn es sich falsch anfühlt, zu lachen, Eis essen zu gehen, Spaß zu haben – dann erlaube es dir kurz inne zu halten. Und den Stich zu fühlen. Ihn gedanklich in die Kiste zu packen und dir vor Augen zu führen, dass dieser Stich eigentlich eine gute Erinnerung daran ist, wie kostbar deine Freude gerade ist. Und dass du sie genießen darfst und solltest!

Deshalb sollten wir jetzt unsere Werte leben!

Wie leben wir gerade jetzt das Leben als Familie, das wir uns wünschen statt “hätte, müsste, sollte” zu sagen… und was machen wir mit unserem Gewissen?

Der Krieg in der Ukranie schockt so viele, weil wir uns in Europa so sicher gefühlt haben. Und plötzlich steht alles Kopf. Plötzlich steht ein Dritter Weltkrieg im Raum. Das zeigt wie zerbrechlich alles ist. Morgen kann schon alles anders sein kann. Das galt immer schon – wird uns aber jetzt durch den Krieg radikal vor Augen geführt. Das kann Angst machen. Oder uns einladen nicht mehr darauf zu warten, das zu leben, wonach es uns ALLE sehnt: Frieden. Sicherheit. Liebe und Glück. Und das beginnt bei uns, in unserer Familie. Daher ist es eine ziemlich gute Idee, genau das jetzt zu leben und es in die Welt zu tragen.

“Wir können uns öffnen für das Leid. Und wir können und dürfen weiterhin glücklich sein.”

Und, ja – da kommen wir wieder in einen Konflikt: Denn die ukrainische Familie wird auf der Flucht zerrissen, während ich hier ein Eis genießen soll? Die Frage ist, ob es den Betroffenen hilft, dass du dieses Eis nun NICHT mehr genießt. Oder ob es nicht eigentlich eine ziemlich gute Idee ist, wenn du jetzt gut auf deine Ressourcen schaust, um aus dieser Kraft heraus aktiv zu werden und WIRKLICH zu helfen.

Beides geht: wir können uns öffnen für das Leid. Und wir können und dürfen weiterhin glücklich sein.

Wenn ein*e Freund*in über ihren Alltag jammert und ich mir das nicht anhören kann oder möchte, weil ich mich durch die Pandemie, den Krieg, persönliche Betroffenheit oder etwas, was ich vielleicht auch gar nicht Preis geben möchte schon bis an meine Grenzen belastet fühle – wie kann ich ihr liebevoll meine Grenze aufzeigen und ihre Gefühle gleichzeitig validieren?

Hier finde ich es wichtig, sich wirklich authentisch zu zeigen, ohne mit dem Finger auf die andere zu zeigen. Bspw. so: „Ich höre, dass das alles gerade ziemlich schwer ist für dich. Ich will ganz ehrlich sein: ich bin grade wegen ganz anderen Themen selbst am Limit und kann dir grade nicht die Zuhörerin sein, die ich gerne wäre. Können wir über etwas anderes sprechen?“

Mit Kindern über Krieg reden: “Kinder fühlen, wenn wir etwas verheimlichen.”

Und was kann ich ganz konkret tun, wenn es mir zu viel wird, ich aber nicht einfach aus der Situation hinaus gehen kann? Wir wollen unsere Kinder schützen – und gleichzeitig können wir uns nicht auf alle Fragen, die sie haben, vollumfänglich vorbereiten… Hast du einen praktischen Tipp, wie wir mit unerwarteten Fragen zum Thema Krieg umgehen können? Was rätst du, wenn wir eine Frage nicht beantworten können?

Auch hier, ganz klar: ehrlich sein! Ich weiß, dass ich diesen Krieg in seiner ganzen Komplexität nicht erfassen kann. Ich bin hilflos. Ich bin ratlos. Und genau das kann ich meinen Kindern auch sagen. Wichtig: gefasst und kindgerecht. Wenn mich das Ganze stark berührt, ist das Okay. Dann sollte ich Räume dafür schaffen, wie oben beschrieben, ggf. auch mit professioneller Begleitung. Wichtig ist, dass wir unseren Kindern signalisieren: ich BIN betroffen. Und ich bin dafür in der Verantwortung. Nicht du.

Kinder fühlen, wenn wir etwas verheimlichen. Und DAS ist irritierend und potentiell belastend. Daher: ehrlich sein. Kindgerechte Formulierungen finden, dem Kind die Verantwortung abnehmen und ganz klar dazu einladen: Auch wenn es mich gerade sehr trifft: du darfst spielen! Du darfst dein Leben genießen. Du darfst Kind sein, mein Schatz.

Mehr über Nina Grimm findest du hier:

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