persönliche Gedanken

Zukunftsforscherin über mögliche After-Corona-Szenarien.

Darum sollten wir als Gesellschaft aus Corona lernen! Anne-Luise Kitzerow im Interview. Autorin: Dorothee Dahinden

Zukunftsforscherin Alu erklärt dir, welche Szenarien nach Corona für sie wünschenswert wären – und welche nicht.


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Liebe Alu, du bist Zukunftsforscherin, erklär uns das doch mal bitte: Was heißt das genau? Kannst du die Zukunft auf irgendeine Art prognostizieren? Wenn ja, wie geht das?

Zukunftsforscherin Anne-Luise Kitzerow –  Foto: Konstantin Manthey

Zukunftsforscher sind keine Hellseher. Wir arbeiten weder mit Glaskugel noch mit einem Wetterfrosch. Eigentlich beobachtet und erforscht man in der Zukunftsforschung die Gegenwart und nimmt diese als Ausgangspunkt. Dann versucht man, mit Hilfe verschiedener Methodiken (wie Superforecasting, Szenarien, Delphistudien und Befragungen) die möglichen Zukünfte (das sind immer viele Zukunftsmöglichkeiten) zu untersuchen und zu erläutern.

Wichtig an dem Berufsbilder der Zukunftsforscher ist vor allem, dass man sich überhaupt Gedanken über die Zukunft macht. Was könnte alles in unseren Zukünften passieren? Und können wir den Verlauf durch unser jetziges und zukünftiges Handeln lenken oder beeinflussen?

Als Zukunftsforscherin interessiert mich auch der Bereich der Angst.

Wenn du die Zukunft kennst, wirst du dir auch die Vergangenheit anschauen müssen, oder? Blicken wir mal auf die Corona-Krise: Wann hatten wir das letzte Mal so einen Ausnahmezustand und wäre dieser irgendwie vorhersehbar gewesen?

Es ist richtig. Als Zukunftsforscherin sehe ich die Geschichtswissenschaft als wesentlichen Ausgangspunkt. Ich kann mich, dank dieser tollen Forschung, sogar explizit mit Medizingeschichte oder Politikgeschichte auseinandersetzen und daraus auch Modelle oder Szenarien ableiten.

Für mich persönlich ist der derzeitige Zustand mit dem Umbruch 1989 vergleichbar. In beiden Fällen ging und geht es für eine große Gruppe an Gesellschaft um Unsicherheit. Diese machte sich damals, wie heute, in monetärer, struktureller und auch gesellschaftlicher Unsicherheit deutlich. Und Unsicherheit, also das NICHT WISSEN, das macht einem sehr großen Anteil an Menschen eine sehr große Angst. Als Zukunftsforscherin interessiert mich aber dieser Bereich ganz besonders. Denn was wissen wir eigentlich alles noch nicht und können wir nicht bestimmen?

Folgende gesellschaftliche Szenarien sind für die Zukunftsforscherin möglich:

Wie wird die Zeit nach Corona aussehen? Wie verändert sich unsere Gesellschaft durch Corona?

Es gibt dazu inzwischen sehr viele Szenarien. Und ich kann auch wirklich die #CoronaFutures dazu empfehlen oder auch das Projekt Futuresprobes von jungen Zukunftsforscherinnen auf Instagram. Ich kann dir also auf diese Frage keine eindeutige Antwort geben. Aber ich kann dir erzählen, welche Optionen mir bis dato bekannt sind.

Wünschenswert wäre:

  • Gruppen, die bis dato keine Lobby hatten, erhalten durch Corona stärkeren Zuspruch. Und können sich Lobbys und Aktivisten aufbauen und dadurch langfristig Veränderungen bewirken (dazu zähle ich Familie, Pflegekräfte, Erzieher oder Kassiererinnen).
  • Die Digitalisierung in den Kindergärten und Schulen erhält endlich Aufwind und alle Familien gehen gestärkt aus dieser Krise.

Nicht wünschenswert wäre (aus meiner Perspektive):

  • Der Konsum nimmt nach Corona sehr, sehr stark an Fahrtwind auf, um alle verpassten Konsumgüter zu kompensieren. Und das Rad der Wirtschaft und Produktion dreht sich noch schneller und gnadenloser als zuvor.
  • Die Autoindustrie und die Luftfahrt erhalten die meisten Gelder und müssen keinerlei Verpflichtungen nachkommen. Und der Abbau von Krankenhäusern schreitet voran. Das Haben siegt also über das Sein.

Welche Szenarien sind denn künftig in Bezug auf unseren Lebensstil möglich? Ich stelle mir im Hinblick auf unsere Erde und unser Leben grad zwei Möglichkeiten vor, so hat es auch unsere Frauenärztin Judith auf Instagram geschrieben: Entweder wir lernen daraus und machen alle gemeinsam langsamer – mit Blick auf die Nachhaltigkeit. Oder wir geben danach Vollgas mit dem Motto: „Jetzt erst recht!“ Variante 2 macht mir Sorge. Was denkst du?

Diese beiden Szenarien sind starke Optionen und vielleicht werden wir genau in der Mitte liegen. Die Erde könnte sich jetzt erholen, wenn wir den Corona-Stopp beibehalten. Keine Flüge mehr, weniger Autos und der Schnellimbiss zwischendurch.

Wir sollten daraus lernen und einen Gang zurückschalten!

ABER: Was bedeuten diese Veränderungen dann für eine große Anzahl an Menschen? Was macht das mit ihrem Leben? Ihrem Einkommen? Ihren Familien? Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Aspekt von Klimapolitik (die ich persönlich sehr unterstütze), sondern auch von Nachhaltigkeit in Bezug auf Bildung, Entwicklung und vielem mehr. Wünschenswert wäre auch hier: Wir lernen daraus und schalten alle gemeinsam einen Gang zurück.

Die Beobachtung der derzeitigen Öffnungsszenarien lässt mich allerdings eher vermuten, dass wir gerade noch mit angezogener Handbremse fahren, aber die Wirtschaft unbedingt wieder Gas geben will.

Wir gestalten jeden Tag unsere Zukunft!

Wie können wir unsere Zukunft jetzt gestalten – auch mit Blick auf unsere Kinder?
Unsere Kinder werden aus dieser Phase sehr viele Dinge mitnehmen.

Sie werden vielleicht merken, wie gebunden oder ungebunden sie an ihre Eltern sind. Sie verstehen vielleicht, wie Rücksichtnahme funktioniert, auch das sind tolle Zukunftsskills.

Unsere Zukünfte gestalten wir allerdings jeden Tag, auch ohne Corona. Und wer sich als
Eltern Gedanken um die Erhaltung unseres Lebensraums macht, der wird seinen Kindern
sicherlich beibringen, dass die ganze Welt ein Gefüge ist, was zusammenhängt und dass nichts funktioniert ohne das andere. Konkret heißt das für mich und meine Kinder: weniger ist mehr. Regional ist zu bevorzugen und Kleidertausch ist wie ein Einkauf.

♥ Für Kinder habe ich übrigens das Jobprofil der Zukunftsforscherinnen mal bei Kindersache erläutert.

Lieben Dank für das Interview, Alu!

Alu ist nicht nur Zukunftsforscherin, sondern auch Bloggerin @grossekoepfe. Du findest sie hier:

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