Welches Verhütungsmittel ist das richtige für mich? Es ist gar nicht so leicht, das optimale Verhütungsmittel zu finden! Deshalb solltet ihr ein ausführliches Gespräch zu diesem Thema mit eurem betreuenden Frauenarzt oder eurer Frauenärztin führen.

Es ist nämlich so: Nicht jedes Verhütungsmittel ist für jede Frau geeignet! Ich möchte euch einen kurzen Überblick über die gängigen Verhütungsmittel und deren Sicherheit geben. Dies ersetzt natürlich nicht das Gespräch bei dem Gynäkologen oder der Gynäkologin. Es soll euch aber helfen, vorab schon mal informiert zu sein. Eben darüber, was alles so möglich ist.

Der ‚Pearl-Index‘ ist eine Marker für die Zuverlässigkeit
Verhütungsmittel Inkontinent nach der Geburt Medizin kompakt MutterKutter Dr. Judith Bildau
Foto: Dr. Judith Bildau, Frauenärztin & MutterKutter-Autorin

Eins noch vorab zur Erklärung: Der sogenannte ‚Pearl-Index‘ ist ein Maß für die Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode. Kurz gesagt gibt er an, wie viele sexuell aktive Frauen trotz Verhütungsmethode schwanger werden. Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode.

Diese hormonellen Verhütungsmittel gibt es.
Kombinationspille:

Diese Pille besteht aus einer Kombination von einem Östrogen und einem Gestagen. Es gibt mittlerweile sehr viele unterschiedliche Präparate. Diese unterscheiden sich in der Zusammensetzung und auch in den Konzentrationen. Die Einnahme erfolgt täglich mit einer Pillenpause von einigen Tagen, in der dann die Menstruationsblutung eintritt.

Ein Vorteil dieser Pille ist, dass der Zyklus regelmäßig wird – und die Periode meist weniger stark und weniger schmerzhaft. Nebenwirkungen können Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit etc. sein. Allerdings darf diese Pille nicht grundsätzlich von allen Frauen eingenommen werden. Es gibt Kontraindikationen, da diese Pille das Risiko für Thrombosen, Embolien und auch Schlaganfälle erhöhen kann. Diese (aber längst nicht alle!) sind u.a. Gerinnungsstörungen. Z.n. Thrombose oder Embolie, Rauchen, Übergewicht, Migräne etc.

Bitte gebt deshalb unbedingt eurem behandelnden Frauenarzt oder eurer Frauenärztin Auskunft darüber, ob irgendetwas in dieser Art vorliegt!
Pearl-Index: 0,2-0,6

Gestagenpille:

Diese Pille ist östrogenfrei. Sie ist besonders für Patientinnen geeignet, die eine Kontraindikation (s.o.) für eine Kombinationspille haben bzw. für Stillende. Sie wird ohne Pause eingenommen. Einige Patientinnen haben darunter immer mal wieder Zwischenblutungen. Nebenwirkungen können ansonsten Hautunreinheiten, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, Kopfschmerzen, Übelkeit etc. sein.
Pearl-Index: 0,4

Hormonpflaster:

Dieses besteht auch aus einer Östrogen-Gestagen-Kombination. Sie würd über die Haut aufgenommen. Ein Pflaster wird in der Regel einmal wöchentlich gewechselt. Die Nebenwirkungen entsprechen in etwa denen der Kombinationspille.
Pearl-Index: 0,88

Vaginalring:

Dieser ist ebenfalls östrogen- und gestagenhaltig. Er wird durchgehend für 3 Wochen in die Scheide eingelegt. Ein Vorteil ist, dass kein Wirkungsverlust durch Erbrechen oder Durchfall eintritt. Auch hier sind die möglichen Nebenwirkungen vergleichbar mit einer kombinierten Pille.
Pearl-Index: 0,6

Hormonspritze:

Hierbei wird ein Gestagen alle 3 Monate gespritzt. Das heißt, dass eine tägliche Einnahme entfällt. Auch hier kann es immer wieder zu Zwischenblutungen kommen. Patientinnen berichten vereinzelt außerdem über Akne, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Libidoverlust und Depressionen. Außerdem über eine Verringerung der Knochendichte.
Pearl-Index: 0,3

Hormonimplantat:

Dieses gestagenhaltige Stäbchen wird vom Frauenarzt oder der Frauenärztin unter die Haut gelegt. Es kann dort 3 Jahre verbleiben. Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen sind vergleichbar mit der Hormonspritze.
Pearl-Index: 0,3

Hormonspirale:

Diese wird durch den Frauenarzt oder die Frauenärztin eingelegt. Mittlerweile gibt es Hormonspiralen mit unterschiedlicher Wirkzeit von 3 und von 5 Jahren. Sie sind östrogenfrei. Deshalb sind sie auch für Frauen geeignet, die nicht östrogenhaltig verhüten dürfen und für Stillende. Die Einlage kann kurz schmerzhaft sein. Sie wird aber in der Regel gut toleriert.

Das Gestagen wird direkt an der Gebärmutterschleimhaut abgegeben. Nur eine geringe Hormonkonzentration gelangt in den Körperkreislauf. Durch das Gestagen wird die Gebärmutterschleimhaut flach gehalten. Viele Frauen sind während der Spiralenzeit blutungsfrei. Anfangs kommt es allerdings recht häufig zu Zwischenblutungen.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Akne, Eierstockzsten, Brustspannen etc.
Pearl-Index: 0,14-0,33

Diese Verhütungsmittel sind hormonfrei
Kupferspirale:

Diese Verhütungsmethode ist komplett hormonfrei. Eine Kupferspirale wird vom Frauenarzt/ Frauenärztin für mehrere Jahre gelegt. Eine Nebenwirkung ist eine mögliche längere, stärkere und schmerzhafte Regelblutung. Mittlerweile gibt es auch eine Kupferkette. Diese wird in der Gebärmuttermuskulatur verankert.
Pearl-Index: 0,6

mechanische Verhütungsmittel:
Diaphragma

Pearl-Index: 6

Kondom

Pearl-Index: 2-5

Manchmal muss ein bisschen ausprobiert werden.

Zwar kann ein Frauenarzt oder eine Frauenärztin von vornherein sagen, ob eine Frau zum Beispiel eine Kombinationspille einnehmen darf oder ob es medizinische Kontraindikationen gibt. Letztendlich aber leider nicht, wie die Pille dann vertragen wird. Deshalb ist es manchmal nötig, dass verschiedene Verhütungsmethoden ausprobiert werden müssen, bis das richtige gefunden wird.


In meiner Rubrik „Medizin kompakt – Wissen für dich und deine Familie“ informiere ich dich über medizinische Themen. Leicht und verständlich.

Ich bin Dr. Judith Bildau (Werbung für Homepage*). Frauenärztin & Autorin bei MutterKutter.

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