Verantwortung & Liebe – diese Wörter sind quasi der rote Faden für das Interview mit Verantwortung Interview Dorothee Dahinden MutterKutter meiner MutterKutter-Mamapsychologin Isabel Huttarsch rund um das Thema Kindererziehung. Wir sprechen nicht nur über unsere Rolle als Eltern, sondern auch über Vorurteile und Erwartungen von der Gesellschaft. Wie können wir unsere Kinder stark machen? Warum ist Selbstfürsorge so wichtig? Worin liegt unsere Verantwortung eigentlich genau? Isabels Antworten rund um das Thema Kindererziehung –

jetzt: hier.

Liebe Isabel, in diesen Wochen laufen die Kommentarspalten in den sozialen Medien heiß. Es geht um das Thema Erziehung. Genauer: den richtigen Umgang mit unseren Kindern. An sich finde ich es ja wunderbar, dass wir uns damit auseinandersetzen, wie wir unsere kleinen Wesen am Besten ins und im Leben begleiten, wie unsere Rolle aussieht.. Andererseits frage ich mich so oft: Warum streiten wir uns darüber? Warum „muss“ es so oft Begriffe dafür geben, wie wir erziehen. Wieso fühle ich hier und da eine gewisse Härte, Autorität, die nach Expertenmeinung unbedingt durchgesetzt werden muss? Und warum ist es denn nicht ganz klar, dass wir unsere Kinder so erziehen, wie wir auch behandelt werden möchten: mit Respekt. Und Liebe. Hast du ähnliche Gedanken bzw. Antworten auf meine? Mich würde deine Sicht der Dinge wahnsinnig interessieren.

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Mamapsychologin & MutterKutter-Autorin Isabel Huttarsch II Foto: get_shot.de

Genau in diesen Wochen schießen mir ganz ähnliche Gedanken durch den Kopf. Einige dieser Fragen lassen sich gut beantworten, bei anderen wird es schon schwieriger. Begriffe wollen uns das Leben erleichtern. Und das tun sie tatsächlich. Man kann sagen, dass unser Gehirn in gewisser Weise mit Schubladen arbeitet, um Denkprozesse zu vereinfachen. Wenn wir uns mit etwas beschäftigen, machen wir unbewusst eine gedankliche Schublade auf und schauen hinein, was sich schon darin befindet. Den Inhalt dieser Schublade nutzen wir dann, um das aktuelle Thema damit zu verbinden. Das ermöglicht uns, zu lernen. Begriffe erleichtern uns aber auch ganz konkret das Miteinander mit anderen Menschen in unserem Alltag.

Durch Begriffe können wir uns leichter verständigen. Wir können uns zu bestimmten Dingen zugehörig fühlen oder ganz klar eine Gegenposition beziehen. Und so sind es häufig Begriffe, über die wir einen Zugang zueinander finden.

Wir sollten diese Diskussionen für uns und unsere Kinder führen.

Das Ziel solcher Begriffe sollte aber nie sein, uns dogmatisch von ihnen beherrschen zu lassen, sondern einen Raum für den Austausch zu öffnen. Ich sehe in der aktuellen Diskussion um die Erziehung deswegen nichts, was wir abstellen müssten, im Gegenteil. Aber wir sollten diese Diskussionen für uns und unsere Kinder führen, und nicht dagegen. Denn das, was wir alle wollen, ist das Beste für unsere Kinder.

Dabei finde ich es nicht verwunderlich, dass die Diskussionen um die Erziehung so selten darauf ausgerichtet sind, und stattdessen sehr emotional geführt werden. Denn in dem Moment, in dem wir unsere eigene Erziehung hinterfragen, hinterfragen wir auch einen Teil von uns. In dem Moment, in dem jemand uns und die Erziehung unserer Kinder angreift, greift er auch einen Teil von uns an. Und das beantwortet eigentlich auch schon die Frage danach, warum wir so oft glauben, dass unsere Kinder im Umgang mit uns etwas anderes bräuchten als das, was wir uns für uns wünschen.

Unser natürliches Gespür dafür, was wir selbst brauchen, ist zu einem großen Teil verschüttet unter den prägenden Erfahrungen aus unserer eigenen Kindheit und den  gesellschaftlichen Erwartungen. Das blockiert nicht selten den Zugang zu dem intuitiv in uns angelegten Wissen über den artgerechten Umgang mit unseren Kindern.

Direkte Frage: Wie siehst du die Rolle von uns als Eltern? Wo liegt unsere Verantworung?

Meine Antwort auf diese direkte Frage fällt deswegen wenig romantisch aus. Ich sehe die Rolle von uns Eltern als Verantwortliche. Nicht als Schuldige. Schuld macht uns handlungsunfähig, sie lähmt. Verantwortlichkeit zeigt uns hingegen auf, wie wichtig es ist, ins Tun zu kommen. Denn eines ist unumstritten: Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.

Unsere Verantwortung: Wir sollten uns schlau machen, was unsere Kinder wirklich brauchen.

Es liegt in unserer Verantwortung, nicht unreflektiert das auf unsere Kinder zu übertragen, was uns widerfahren ist oder das, was die Gesellschaft gerne von uns sehen würde. Und so sehe ich es auch in der Verantwortung von uns Eltern, dass wir uns darüber schlau machen, was unsere Kinder eigentlich brauchen und was nicht, damit sie sich zu dem Menschen entwickeln können, der sie ohnehin schon sind. Dabei hatten wir es noch nie so leicht wie heute, an dieses Wissen heran zu kommen.

Es gibt inzwischen eine Reihe unglaublich toller, fachlich fundierter, und gleichermaßen mutmachender Bücher, die uns genau dabei unterstützen können. Respekt, Liebe und Aufrichtigkeit brauchen unseren Mut. Das betrifft Experten und ihre Sicht der Dinge ebenso wie uns und unsere ganz persönliche Herangehensweise. Und leider gehen wir auch hier noch viel zu oft den Weg des geringsten Widerstandes. In einer Gesellschaft, in der wir gerade in den vergangenen Jahrzehnten erfahren haben, dass Gehorsam und Machtmissbrauch legitime Mittel zur Erreichung von Zielen darstellen, sind genau diese als Optionen in unserem Gehirn verfügbar. Und so handeln wir oftmals ganz unbewusst nach diesen inneren Bildern.

Verantwortung übernehmen. Verbinden. Austauschen. Unterstützen.

Aber auch hier wir dürfen die Verantwortung dafür übernehmen. Und wir dürfen uns miteinander verbinden, austauschen und unterstützen. Denn wenn es uns heute an einem fehlt, dann sind es Vorbilder, die uns Mut machen, tatsächlich auf Augenhöhe zu gehen. Die uns zeigen, dass ein von gegenseitigem Vertrauen geprägtes Miteinander mit unseren Kindern keine Tyrannengesellschaft nach sich zieht, sondern, im Gegenteil, der Schlüssel ist für den Frieden auf dieser Welt.

Ich erlebe es so oft: Kinder sind ein Spiegel unserer Selbst. Würdest du das so ebenso unterschreiben? Ich merke: Wenn ich meckere, tun es meine Kinder auch. Wenn ich nervös bin, reagieren meine Kinder gerne mal mit Weinen oder Geschrei. Wenn ich fröhlich bin, tanzen sie mit mir im Haus herum. Wie feinfühlig sind Kinder deiner Erfahrung nach? Wie sehr leben sie unser Leben mit – wie sehr erleben sie unsere Gefühle?

Verantwortung Kindererziehung Interview Mamapsychologin Isabel Huttarsch MutterKutterWenn unsere Kinder geboren werden, dann sind sie so wundervoll offen und bereit für all das, was sie auf der Welt erwartet. Das spiegelt sich auch in der unglaublichen Plastizität ihres Gehirns wieder. Unsere Kinder wollen lernen, wie das Leben geht. Und sie wollen leben. Denn genau dadurch lernen sie.

Das tun sie, besonders ganz zu Beginn, ohne jegliche Filter oder Masken, hinter denen sie sich verstecken. Sie vertrauen uns blind und nehmen uns und all das, was wir ihnen geben, an, saugen es auf wie ein Schwamm. In ihrer Offenheit agieren sie wie kleine Antennen, die alles dafür tun, um auf Empfang zu gehen. Und dabei folgen sie uns nicht selten weit über ihre eigenen Grenzen hinaus.

Kinder sind von Natur aus darauf ausgelegt, mit uns zu kooperieren.

Im Alltag zeigt sich das „auf Empfang gehen“ in genau diesen von dir beschriebenen Situationen – unsere Kinder lachen, wenn wir lachen, sie weinen, wenn wir weinen und sie tanzen, wenn wir tanzen. Sie werden von unseren Gefühlen angesteckt. Warum sie das tun? Weil sie von Natur aus darauf ausgelegt sind, mit uns zu kooperieren. Und gerade in den ersten Jahren tun sie deswegen oft das, was wir tun oder das, was wir von ihnen verlangen. Viel zu oft auch dann, wenn es ihnen eigentlich nicht gut tut. Denn sie wollen angenommen werden. Wer möchte das nicht?

Bekommen unsere Kinder den Raum, um sie selbst zu sein?

Es wäre aber ein Trugschluss, deshalb davon auszugehen, unsere Kinder seien rein reaktive Wesen. Ganz im Gegenteil. Sie bringen so viel mit in diese Welt und sind vollwertige Menschen, von Anfang an. Der Umstand, dass wir diejenigen sind, die tagtäglich die Umgebung, den Tagesablauf und die Inhalte vorgeben und somit den Entfaltungsfreiraum bestimmen, führt dazu, dass unsere Kinder sich manchmal nicht vollkommen zeigen können. Aber immer sind sie da. Mit allem, was zu ihnen gehört. Und auch hier sehe ich es als unsere Verantwortung, öfter einmal hin zu spüren und ehrlich zu hinterfragen, ob unsere Kinder Raum bekommen, um sie selbst zu sein.

Ich merke ja auch hin und wieder, dass ich im ersten Moment bei Kindern, die schlagen, schubsen oder vielleicht aggressiv sind, denke: „Boah, geht ja gar nicht!“ und das Kind ganz klar in die Schublade „Arschloch“ stecke. Unfair, denke ich dann im Nachgang. Denn eigentlich glaube ich daran, dass Kinder „Produkte ihrer Eltern sind“. Wie siehst du das? Und: Es gibt natürlich viele viele Erklärungen, warum sich Kinder extrem verhalten – was wären mögliche für dich?

Es stimmt, der nachhaltigste Lernmechanismus der Erdgeschichte ist das Lernen durch das Vorbild. Er ist hocheffektiv. Ich staune (und schmunzle) immer wieder, wenn mir in manchen Momenten mit meinen Kindern bewusst wird, dass sie mich gerade detailgetreu nachzuahmen versuchen. Egal, ob ich das will oder nicht. Sie tun es einfach. Weil ich es tue. Dabei muss für unsere Kinder nicht unmittelbar ein Sinn erkennbar sein. Aber sie bilden uns dann bevorzugt dann, wenn sie sehen, dass wir mit einem bestimmten Verhalten Erfolg haben oder Anerkennung bekommen.

Die Umwelt prägt hauptsächlich.

Aber von der Tatsache alleine, dass ein Kind sich, wie du beschreibst, als „Arschlochkind“ benimmt, kann man weder darauf schließen, dass das Kind von den eigenen Eltern so behandelt wurde, noch dass das Kind in seinem Wesen tatsächlich ein „Arschloch“ ist. Denn es sind viele Faktoren an der Entstehung des Verhaltens beteiligt. Und nicht nur die, die wir gerade sehen oder sehen möchten.

Auch was die genetische Grundausstattung angeht, können wir nur bedingt sagen, dass Kinder tatsächlich die Produkte ihrer Eltern sind. Denn es ist vor allem die Umwelt, die bestimmt, was aus dem möglichen vorhandenen, genetischen Bausatz, tatsächlich zum Tragen kommt. Epigenetik ist hier das Schlüsselwort. So ergibt sich aus dem Zusammenspiel zahlreicher Umwelt- und situativen Faktoren, unseren bisheriger Erfahrungen und unseren erblichen Anlagen eine Prädisposition, also eine gewisse Neigung, in bestimmten Situationen bevorzugt auf eine bestimmte Art und Weise zu reagieren.

Maria Montessori hat dazu einmal etwas sehr Kluges gesagt:
„Wenn ich sehe, wie die Zahl von unartigen und schwierigen Kindern sich heutzutage vermehrt, so erkenne ich, dass es sich nicht um eine Frage der Moral der Kinder handelt, um etwas schlechtes im Innern individueller Kinder. Es handelt sich um eine Frage, wie die Welt um die Kinder herum sie beeinflusst.“ (Spannungsfeld Kind – Gesellschaft – Welt, Herder Verlag Freiburg 1979.)

Und wie könnten wir Eltern begegnen, deren Kinder sich auffällig verhalten? Ich gehe dann sowohl den Kindern als auch den Eltern aus dem Weg. Aber tief im Inneren glaube ich, dass das falsch ist – denn manchmal ist es vielleicht auch nur ein Schrei nach Hilfe von Außen. Nach Verständnis. Anerkennung und Liebe, oder?

Das ist eine kontrovers diskutierte Frage. Und es gibt schlichtweg nicht die eine, richtige Antwort. Eben, weil es nicht den einen Grund für auffälliges Verhalten gibt. Wenn wir merken, dass andere Eltern Unterstützung brauchen, dann dürfen wir ihnen genau diese anbieten und da sein.

Lasst uns den Kindern zuwenden, ihnen offen begegnen.

Aber bedeutet das auffällige Verhalten der Kinder denn immer, dass die Eltern in Not sind und ihrem Kind nicht das geben können, was es bräuchte, damit es sich unauffällig verhält? Wollen wir, dass sich unsere Kinder immer unauffällig verhalten? Und haben wir das Recht, uns „einzumischen“? Das alles sind keine einfach zu beantwortende Fragen. Es kann sein, dass sich die Mutter des beissenden Kindes am Sandkasten unheimlich darüber freut, wenn wir ihr unsere Unterstützung anbieten. Es kann aber auch sein, dass sie unser Angebot als Angriff versteht und sich gänzlich verschließt.

Wir können aber noch mehr tun, als uns auf die Eltern zu beziehen: Wir können uns dem Kind zuwenden. Wenn uns beispielsweise ein Kind in der Kindergartengarderobe schlägt, dann dürfen wir ihm offen begegnen und wahres Interesse zeigen an seinen echten Bedürfnissen hinter diesem „auffälligen“ Verhalten. Nicht selten versteckt sich dahinter ein Kontaktangebot, das wir gerne annehmen dürfen.

Erst einmal durchatmen!

Grundsätzlich ist es auch nie verkehrt, erst einmal zu tief durchzuatmen, bevor wir uns zum handeln gezwungen sehen. Das hilft uns, nicht aus der Emotion heraus zu reagieren, sondern zu reflektieren, was an der Situation uns gerade triggert und warum. Das ist sehr  hilfreich bei der Auswahl der geeigneten Vorgehensweise.

Es gibt ja zum Beispiel viele viele Bücher zum Thema „Schlafen“. Wann schlafen Kinder richtig. Wie richtig. Was können wir tun. Insgesamt ist der Markt voll mit allen möglichen Ratgebern – vom Babyalter bis hin in die Pubertät. Eine der ersten Fragen war immer an mich: „Und, schläft dein Baby schon durch?“ Gerne auch genommen: „Stillst du noch nachts?“ Das aber vor allem aus der älteren Generation. Wieso haben so viele Menschen eine Meinung zu den Themen, oft, wie ich gemerkt habe, festgefahren. Woher kommt das Denken? Und das Urteilen über andere Familien?

Jeder hat eine Meinung, da es uns alle irgendwie betrifft. Wir alle waren einmal Kinder. Viele von uns haben oder hatten Kinder. Und jeder von uns nimmt für sich in Anspruch, das Beste für sein Kind zu tun bzw. getan zu haben. Das kollidiert mit dem sozialevolutionären Erbe, dass wir einander unterstützen möchten, wenn es um das Sichern des Überlebens unserer Nachkommen geht. Dazu kommen falsche Ideale und der Mangel an echten Vorbildern, gepaart mit dem Unwissen darüber, was unsere Kinder wirklich brauchen. Heraus kommt ein Urteilen und Verurteilen, das niemandem weiter hilft.

Hauptsache es geht uns als Familie gut!

Essen. Schlafen. Gefühle äußern. Was ist denn überhaupt normal? Ab wann müssen wir uns Gedanken um unsere Kinder machen? Kannst du bei so einem komplexen Thema eine Antwort geben?

So viel es ist normal. Die Streuung um den Mittelwert ist es, die uns so bunt und einzigartig macht. Ebenso wie bei den Größen- und Wachstumskurven um U-Heft ist es auch bei den kindlichen Bedürfnissen, Gefühlen und Verhaltensweisen so: Es gibt einen mittleren Wert, dem sehr viele entsprechen. Aber es gibt ebensoviele Kinder mit einem individuell Ausgangspunkt, die eine andere Entwicklungskurve nehmen. Und das ist völlig in Ordnung, so lange es uns als Familie gut damit geht.

Das Gesamtbild sollte betrachtet werden.

Der Nutzen einer Norm sollte immer darin bestehen, frühzeitig mögliche Abweichungen zu erkennen, um Hilfe anbieten zu können. Alleine das Einhalten oder Abweichen von einer Norm ist noch kein hinreichender Grund, manipulativ einzugreifen. Es will immer das Gesamtbild betrachtet werden, wenn wir eine Situation schaffen möchten, mit der es allen Familienmitgliedern gut geht. Und wie diese Situation aussieht, dafür gibt es schlichtweg keine Norm. Ebensowenig wie eine allumfassende Lösung. Wenn wir im Alltag die Wünsche und Bedürfnisse von allen Familienmitgliedern wertschätzen und ernst nehmen möchten, dann erfordert das in erster Linie Folgendes: Gemeinsam getragene Kompromisse, ein offenes Ohr und ein offenes Herz.

Ich glaube, die Frage danach, wann wir uns Gedanken um unsere Kinder machen müssen, brauchen wir uns gar nicht stellen. Denn wir tun es ja ohnehin ständig. Viel wichtiger ist die Frage danach, von welcher Grundhaltung unsere Gedanken getragen werden.

Begegnen wir ihnen mit grundsätzlichem Vertrauen oder Misstrauen? Sehen wir sie als vollwertige Familienmitglieder an? Was ist der „Knackpunkt“, der es gerade so schwierig für uns macht? Und spüren wir den Drang, etwas zu verändern, weil es für unsere Familie wertvoll und wichtig ist oder weil uns die Gesellschaft vorschreibt, wie wir und unsere Kinder zu sein und funktionieren haben?

Wenn wir das einmal für uns durchdenken und in gutem Kontakt mit unseren Kindern und uns selbst stehen, dann werden wir genau spüren, ob es für uns passt oder nicht. Und wenn nicht, dann dürfen wir genau daran arbeiten.

Der elterliche Zweierverband ist eine Mammutaufgabe! Und eine Riesen Verantwortung.
Unser Familienleben hat sich ja sehr verändert. Ich habe manchmal das Gefühl, auf allen Hochzeiten zu tanzen zu müssen. Als Mama, Ehefrau, Freundin, Berufstätige. Und wenn ich dann mal meine Kinder anmaule, dann resultiert das oft aus dem Gefühl heraus, nicht alles geschafft zu haben. Woher kommt dieser unglaubliche Druck? Und wie lange können wir dem noch Stand halten?

Eine Ursache für diesen unglaublichen Druck stellen die zahlreichen Anforderungen und Erwartungen dar, denen wir in unseren vielen Rollen heute gerecht werden möchten und zu einem gewissen Teil auch müssen. Und das alles passiert in einem Kontext, für den wir als Menschen einfach nicht gemacht sind: Es ist eine Mammutaufgabe, im elterlichen Zweierverband oder gar alleine das zu stemmen, was von der Evolution als gemeinsame Lebensaufgabe eines ganzen Clans gedacht ist.

Dazu kommt, dass wir oftmals dem Optimierungsgedanken zu viel Raum in unserer Familie geben. Das Leben ist nicht ausschließlich dazu da, aus allem das Maximum heraus zu holen. Das Leben ist auch dazu da, um miteinander gelebt zu werden. Ein ja zu etwas, das uns im Kern nicht wirklich wichtig ist, zieht immer auch ein nein mit sich für die Dinge, die uns wirklich wichtig sind. Denn nicht nur unsere Zeit, sondern auch unsere Ressourcen sind begrenzt. Und genau deswegen dürfen wir Prioritäten setzen, die für uns als Familie von Bedeutung sind.  Mir selbst hilft es dabei, mich in regelmäßigen Abständen zu fragen, was ich loslassen darf.
Slow Family! Verantwortung für die ganze Familie.

Wie lange wir dem letztendlich Stand halten können, hängt von unserer individuellen Leidensfähigkeit ab. Auf Dauer macht uns dieser starke Druck krank, körperlich und seelisch. Manche Menschen verfolgen dabei die Strategie, ihr Verhalten so azupassen, dass sie in diesem ziellosen Rennen noch etwas länger durchhalten können. Das passiert mit Mitteln, die das Leben über den eigenen Ressourcen erzwingt: Härte, Kälte und Rationalität.

Viel wichtiger als die Frage, wie lange wir dem Druck noch Stand halten können, ist doch die Frage, wie lange wir ihm noch Stand halten möchten. Dazu gehört es auch, uns einzugestehen, dass es schon längst an der Zeit ist, etwas zu verändern. Durchzuatmen. Inne zu halten. Unser eigenes Tempo und das unserer Kinder wieder zu entdecken. Slow Family eben. Dabei müssen wir nicht warten, bis nichts mehr geht. Wir dürfen aktiv für uns und unsere Familie handeln und nicht nur reagieren. Und das bringt uns wieder zum Punkt der Verantwortung.

Stichwort: Verantwortung Selbstfürsorge: Wie fangen wir am Besten damit an?

Am Besten mit der bewussten Entscheidung dafür. Und mit der Frage: Was brauche ich? Was brauche ich wirklich, damit es mir gut geht? Und was brauche ich nicht?

Unsere persönliche Verantwortung: Wir müssen uns um uns selbst kümmern!

Wenn es uns gelingt, uns selbst zu spüren und aufrichtig mit uns zu fühlen, dann kommt selbstfürsorgliches Verhalten meist ganz von alleine. Und diese innere Umarmung des Selbstmitgefühls dürfen wir uns jeden Tag schenken. Denn Bedürfnisorientierung in der Familie schließt die Bedürfnisse von uns allen mit ein. Niemand stellt in Frage, dass wir uns um unsere Kinder kümmern. Damit wir aber genau das aus vollem Herzen tun können, müssen wir uns auch um uns selbst kümmern. Denn daraus ziehen wir immer wieder die Kraft, die es braucht, um die Mama oder der Papa zu sein, die bzw. der wir in Wirklichkeit sind.


Falls ihr Fragen rund um das Thema Verantwortung als Eltern, Elternrolle, Mamasein usw. an Isabel habt, dann könnt ihr uns diese gerne in einer Mail schicken. Mehr Informationen über Isabel findet ihr hier auf ihrer Homepage (Werbung, da Verlinkung*).

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