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Trennungskinder

2 Bäume, 2 Haushalte, 1 Fest: Was brauchen Trennungskinder an Weihnachten?

Tipps von Trennungskinder-Expertin Ute Steffens

von
Dorothee Dahinden

Für Trennungskinder ist Weihnachten oft nicht einfach. Für uns Eltern natürlich auch nicht. Nur: Wie können wir „da sein“, ohne uns über den Schmerz zu verlieren?

Antworten auf diese und weitere Fragen gibt euch jetzt unsere Expertin Ute Steffens. Unsere Erziehungswissenschaftlerin & Expertin für Trennungskinder hat mir, Doro, einige Fragen zum Thema beantwortet. Ich kenne inzwischen einige frisch getrennte Eltern, die mit der Situation hadern – daher ist mir dieses Thema sehr wichtig.

Wir hoffen, dass wir euch mit diesem Gespräch ein Stück Hilfe für die Feiertage an die Hand geben können. Vielleicht feiert ihr ja auch kein Weihnachten und lest diesen Text zu anderen Festlichkeiten. Egal, wie: An dieser Stelle euch allen alles Liebe! ♥

„Gerade Trennungskinder brauchen Eltern, die klar sind.“

Erziehungswissenschaftlerin Ute Steffens über Trennungskinder an Weihnachten

Liebe Ute, wie haben viele deiner Familien, die du in den letzten Jahrzehnten beraten hast, Weihnachten verbracht? Kannst du uns reinholen, wie die Stimmung unter anderem so war?

TrennungsKinder Weihnachten
Ute Steffens, Erziehungswissenschaftlerin & Expertin für Trennungskinder

Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, wo die Eltern in ihrem Trennungsprozess stehen. Am Anfang denken gerade frisch getrennte Eltern oft, sie dürften ihren eigenen Gefühlen keine Beachtung schenken, gerade an Weihnachten dürfte sich für die Kinder gar nichts ändern – ganz so, als sei ein Weihnachten, so wie es immer war, der Garant dafür, dass sich die Kinder behütet fühlen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die ungeliebten eigenen Gefühle beherrschen die Szenerie, graben sich Gänge, führen zu einer Anspannung, die Kinder sehr genau wahrnehmen, die sie verunsichert und überfordert.

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Kinder beschäftigt eine Frage: „Wer bist du, Mama, nun für mich, nachdem du dich von Papa getrennt hast?“ – und umgekehrt.

Bei jüngeren Kindern, die überwiegend im Residenzmodell betreut werden und bei der Mutter ihren Lebensmittelpunkt haben, machen Eltern gute Erfahrungen damit, sich Heiligabend zu teilen. Dann ist das Kind tagesüber beim Vater und mit Einbruch der Dunkelheit bei der Mutter. So können sie die entspannte Aufmerksamkeit von beiden genießen.

Manche Eltern machen die Bescherung gemeinsam und vereinbaren VORHER eine Uhrzeit, wann sich derjenige, der zu Besuch ist, wieder verabschiedet. Auch das löst die Anspannung.

Eltern sollten sich im Fall einer Trennung von sentimentalen Klischees verabschieden.

Besinnlich zu sein, wenn da eigentlich ein Streit oder Differenzen zwischen den Eltern im Haus sind – wie geht das eigentlich? Ist das nicht doch irgendwie utopisch?

Ja. Das ist sehr anstrengend für alle Beteiligten.

Wie sehen wir denn als Eltern die Bedürfnisse unserer Kinder, wenn wir selbst voller Kummer sind, weil die Beziehung zerbrochen ist?

Indem wir uns von den sentimentalen Klischees gerade im Zusammenhang mit Weihnachten verabschieden. Es gibt keine „falsche“ oder „richtige“ Entscheidung. Es gibt nur Entscheidungen, mit denen ich besser und solche, mit denen ich schlechter leben kann.

Wir können das thematisieren, indem wir sagen: „Ist schon ein bisschen ungewohnt, jetzt wo wir gentrennt sind, anders als früher. Aber ich finde unsere Lösung gut: Du verbringst einen Teil von Weihnachten mit mir und einen Teil mit Papa (bzw. Mama) und wenn wir Eltern uns übereinander ärgern, dann vermiest das nicht allen die Stimmung. Mit DIR hat das ja alles sowieso gar nichts zu tun!“

„Kinder brauchen das Gefühl, dass ihre Gefühle für beide Eltern respektiert werden.“

Was sind die klassischen Bedürfnisse von (Klein-)Kindern & Jugendlichen, deren Eltern getrennt sind oder in Trennung leben? Nicht nur an Weihnachten, sondern immer. 

Gerade Trennungskinder brauchen Eltern, die klar sind. Es entlastet Kinder unglaublich, wenn Eltern glaubhaft deutlich machen, dass die Trennung eine Sache zwischen den Erwachsenen ist, und die Erwachsenen sich auch um die Organisation der Folgen kümmern. Kinder müssen immer wieder spüren, dass sie NICHTS mit der Trennung zu tun haben und dass die Eltern es sind, die sich um die Folgen kümmern. Die Eltern treffen die Entscheidungen, das Kind muss sich nicht entscheiden – und schon gar nicht für einen Elternteil.

Kinder brauchen das Gefühl, dass ihre Gefühle für beide Eltern respektiert werden, und dass Wut und Enttäuschung zwischen den Erwachsenen nichts mit ihnen zu tun haben. Kinder dürfen keine Boten zwischen den Eltern sein, und sie dürfen auch nicht als Kummerkasten für die Erwachsenen missbraucht werden oder gar das Gefühl haben, sie müssten sich jetzt um die Erwachsenen kümmern. Das leistet dem Phänomen der sogenannten „Parentifizierung“ Vorschub und macht Kinder krank.

Quelle: Adobe Stock

Je älter die Trennungskinder werden, desto mehr treffen sie ihre Entscheidungen für Weihnachten. 

Wie können wir denn damit umgehen „lernen“, wenn der Teenie sagt „Ich möchte lieber länger an Weihnachten bei Mama (oder der Co-Mama) feiern, da sind coole Menschen“ – oder wenn das Kind Heiligabend bei Papa sein will, weil es da vielleicht – platt gesagt – die besseren Geschenke bekommt? Das tut ja sicherlich weh, wenn das andere Elternteil da nun mehr gesehen wird…

Je älter Kinder werden, desto mehr treffen sie ihre Entscheidungen selbst. Das ist manchmal hart. Doch gleichzeitig ist es ein unglaublicher Beweis für die gelungene Beziehung, denn es gehört gerade bei Trennungskindern viel Vertrauen dazu, Wünsche zu äußern, von denen sie natürlich wissen, dass sie ein Elternteil traurig machen. Hier können Eltern ihre innere Zwickmühle deutlich machen, dass sie natürlich den Wunsch des Kindes respektieren und gleichzeitig auch bedauern, den heiligen Abend nicht mit ihm verbringen zu können. – Und zwar genauso „nicht mit ihm“ und nicht „alleine“. Das ist für Kinder ein riesiger Unterschied.

Im Idealfall kann ein Kind ja gar nicht sicher wissen, was es von den Eltern zu Weihnachten bekommt, so dass dies eigentlich kein Entscheidungskriterium sein kann. Und wenn ein Elternteil im Vorfeld schon lautstark mit grandiosen Geschenken um die Anwesenheit des Kindes zu Weihnachten wirbt, dann läuft da in der Beziehung etwas gewaltig schief.

Eltern können ihren Kindern vertrauen!

Offensichtlich stimmt da was nicht mit dem Vertrauen des Erwachsenen in sich selbst als Elternteil und in die Beziehung zu Kind. Das wiederum ist es aber, was Kinder suchen. Darüber hinaus wissen sie, dass es bei beiden Eltern eine Bescherung geben wird. Ich bin mir sicher, dass das das Kopfkino der Erwachsenen ist. Sie können ihren Kindern ruhig vertrauen.

Welche Gefühle durchleben getrennte Eltern an Weihnachten (und natürlich allen anderen Feiertagen)?

Das hängt, wie bei allen anderen auch, von ihrer jeweiligen Lebenssituation ab. Sind sie glücklich in einer neuen Partnerschaft? Gesund? Haben sie ein stabiles soziales Umfeld, das sie an Weihnachten aufnimmt, wenn sie allein sind?

Trennungskinder an Weihnachten:

Wenn der Traum einer „heilen“ Familie gescheitert ist …

Wie können wir auch als „verlassenes“ Elternteil unseren Gefühlen Raum geben, ohne sie auf das Kind bzw. die Kinder „abzuwälzen“? Gerade dann, wenn der Partner oder die Partnerin vielleicht mit der Neuen/ dem Neuen gemütlich feiert, wir selbst aber alleine, still und heimlich leiden?

Gilt die Traurigkeit denn wirklich dem Ex-Partner oder ist sie nicht vielmehr Ausdruck des Gefühls, nun vermeintlich (denn es betrifft ja beinahe die Hälfte aller Familien) zu einer „Minderheit“ zu gehören, die mit dem Traum einer heilen Familie „gescheitert“ ist.

Wenn ich in meiner Arbeit mit Trennungseltern genauer nachfrage, dann sind sich alle einig: Es geht nicht um DEN Partner, von dem wir schon so lange enttäuscht sind. Es geht um die Vorstellung davon, wie wir es so gerne gehabt hätten, wofür unsere Partnerschaft jedoch letztlich nicht gereicht hat.

Wie sagen wir unseren Kindern, wenn Weihnachten schmerzt? Und ab welchem Alter sollten wir ehrlich sein?

Das müssen wir unseren Kindern nicht sagen, das wissen sie ohnehin. Und um Ehrlichkeit im Sinne von authentisch aus der Verantwortung der Elternrolle heraus zu handeln sollten wir uns mit kleinen Kindern genauso bemühen wie mit großen.

Was ist dein Rat für Eltern, bei denen die Trennung im Raum steht, aber noch nicht vollzogen ist. Was sollten sie ihren Kindern sagen?

Wir können dazu stehen und sagen/ausdrücken: „Ihr wisst ja, dass Papa und Mama (bzw. Mama & Mama oder Papa & Papa) sich in der letzten Zeit nicht mehr so gut verstehen. Das hat überhaupt nichts mit euch zu tun und wir werden Weihnachten so schön wie möglich machen.“

Mehr über die Arbeit von Ute Steffens erfahrt ihr hier: 

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Mit Kindern durch die Trennung – ein therapeutisches Lesebuch

Jakob kann zaubern – ein Bilderbuch für Kinder, die bei der Trennung oder Scheidung ihrer Eltern die Schuld bei sich suchen

Trennungskinder begleiten in den ersten zehn Jahren


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