HEY! Schön, dass du da bist. ❤️

Trennungskinder

Trennung bewältigen: Wie entlasten Eltern ihre Kinder?

10 Fragen, 10 Antworten mit Trennungskinder-Expertin Ute Steffens.

von
Dorothee Dahinden

Wie können Kinder und Jugendliche eigentlich eine Trennung bewältigen? Geht das überhaupt? Antworten gibt Trennungskinder-Expertin Ute Steffens.

Trennung bewältigen:

„Offener Streit ist nicht schlimmer als eine angespannte Atmosphäre, in der es unterschwellig brodelt.“

Erziehungswissenschaftlerin Ute Steffens

Liebe Ute, wie „überraschend „kommt für Kinder und Jugendliche in der Regel eine Trennung? 

Trennung bewältigen TrennungsKinder Weihnachten gelungene Trennung
Ute Steffens, Erziehungswissenschaftlerin & Expertin für Trennungskinder

Das kommt ganz darauf an, wie offen Eltern im Vorfeld mit ihren Konflikten umgegangen sind. Wenn Kinder wissen, dass es ihren Eltern nicht gut miteinander geht und ihre Eltern es ihnen glaubhaft versichern konnten, dass die Kinder damit überhaupt nichts zu tun haben, weil solche Dinge nur die beteiligten Erwachsenen betrifft, dann kommt eine Trennung nicht überraschend.

Kinder können sich mit dieser Möglichkeit auseinandersetzen. Sie können beobachten, wie es anderen Kindern geht, deren Eltern sich getrennt haben und Fragen stellen, die sie bewegen. Das schafft und festigt das Vertrauen in ihre Eltern, und das ist letztlich das, was entscheidend ist.

Wie einschneidend verändert sich denn das Familien-Leben für die Kinder in der Regel?

LOVE YOURSELF, MAMA! - unser 2. Buch (Affiliate Link*// Amazon)

Auch das hängt davon ab, wie stark das Vertrauen in die Beziehung zu ihren beiden Eltern ist. Wenn es gut läuft, müssen sie sich letztlich „nur“ darauf einstellen, dass die selbstverständliche räumliche Nähe beider Eltern nicht mehr 24/7  möglich ist. 

Wie die Trennung bewältigen?

„Es ist klar, dass Kinder eine Trennung um so besser verarbeiten, wenn ihre Beziehung zu den Eltern bis dahin vertrauensvoll war.“

Was hat eine Trennung eigentlich mit dem Urvertrauen zu tun? Inwiefern kann es ins Wanken geraten?

Urvertrauen im entwicklungspsychologischen, fachlichen Sinne bezeichnet das grundsätzliche Vertrauen in sich selbst und die Welt, das sich während des ersten Lebensjahres entwickelt. Je nachdem, wie regelmäßig und zuverlässig Babys ihre Versorgung während dieser Zeit erleben, entwickeln sie mehr oder weniger Vertrauen in die Welt und in sich selbst. Diese erste Erfahrung brennt sich in die Körpererinnerung ein wie eine Zelle, die sich im Laufe unseres Lebens  immer wieder teilt und nie ganz verloren geht.

Auch die Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche mit der Trennung ihrer Eltern machen, fallen auf den Boden dieser ersten Information über sich selbst. Je nachdem, wie zuverlässig und vertrauenswürdig sie ihre Eltern bis dahin erlebt haben, erleichtert das die Integration dieser neuen Erfahrung.

Einfacher ausgedrückt: Es ist klar, dass Kinder eine Trennung um so besser verarbeiten, wenn ihre Beziehung zu den Eltern bis dahin vertrauensvoll war. Darüber hinaus gilt: Je authentischer ihre Eltern ihnen begegnen und die Verantwortung für die Konflikte auf der Paarebene übernehmen, desto besser gelingt die Verarbeitung. Doch Achtung: Authentizität bedeutet nicht „auf Augenhöhe“, sie bezieht sich vielmehr auf die Gefühle der Erwachsenen. Wenn sie ihre Unsicherheit angesichts der Situation, ihren Ärger auf den anderen benennen, dann bestätigen sie die Wahrnehmung ihrer Kinder, die das alles ohnehin spüren.

Sie entlasten ihre Kinder gleichzeitig, indem sie sagen: „Ja, das ist schwierig im Moment, doch mit dir hat das überhaupt nichts zu tun. So etwas passiert Erwachsenen, und wir werden eine Lösung finden.“

„Die Probleme sind da und werden von den Kindern registriert.“

Was macht ständiger offener Streit der Eltern mit den Kindern?

Offener Streit ist nicht schlimmer als eine angespannte Atmosphäre, in der es unterschwellig brodelt. Es besteht die Gefahr, dass Kinder diese Konflikte auf sich beziehen. Deshalb gilt auch hier: Klarstellen, dass die Atmosphäre einzig und allein etwas mit den Eltern zu tun hat – und dass die sich um eine Lösung bemühen.

Und wie wichtig ist es, Probleme von den Kindern fernzuhalten? 

Gar nicht. Die Probleme sind da und werden von den Kindern registriert. In dem Maße, wie es Eltern gelingt, dazu zu stehen und deutlich zu machen, dass sie sich um eine Lösung bemühen, entlastet das die Kinder und stärkt ihr Vertrauen in ihre Eltern – und das ist es, worauf es ankommt.

Inwiefern spüren die Kinder, dass etwas nicht stimmt, wenn sich die Eltern nicht offen streiten? 

Kinder sind von ihren Eltern auch psychisch und emotional abhängig. Deshalb ist ihre Wahrnehmung mit allen Antennen auf sie gerichtet. Das gilt um so mehr, je jünger Kinder sind, doch selbst bei uns Erwachsenen ist es noch so, dass wir, es sofort spüren, wenn wir einen Raum betreten, in dem dicke Luft zwischen den Anwesenden herrscht.

Wann sollten wir die Trennungsproblematik mit den Kindern besprechen? Und wie am besten?

Möglichst von Anfang an. Trennung ist ein Prozess, der sich in Phasen vollzieht. Während der ersten Phase haben Eltern noch keine Entscheidung für eine Trennung getroffen. Schon da ist es gut, die Konflikte nicht zu leugnen, sondern dazu zu stehen, es ihnen leid tut, weil es mit Mama und Papa gerade nicht rundläuft. Wenn Kinder erleben, dass Eltern zu den Konflikten stehen und die Verantwortung dafür übernehmen, ohne Kinder mit Details aus der Erwachsenenbeziehung zu überfordern, dann ist das für Kinder eine unglaubliche Entlastung.

Diese Tools können Eltern Kindern an die Hand geben, damit sie die Trennung bewältigen.

Inwiefern sollten wir vielleicht sogar in den Prozess einbeziehen?

Das hängt vom Alter der Kinder ab. 16Jährige wollen mit Sicherheit Einfluss auf das Betreuungsmodell, den Wohnsitz nehmen.

Wie sorgen wir dafür, dass unsere Kinder gut durch die Trennung kommen und die Trennung bewältigen?

Um es noch einmal zusammenzufassen: Authentizität aus der Verantwortung der Elternrolle heraus und kindgerechte/altersgerechte Kommunikation. Nicht auf Augenhöhe, sondern „gleichwürdig“, wie J. Juul es nennt.

Welche Tools sollten wir unseren Kindern an die Hand geben?

Da gibt es ein paar sinnvolle Regeln, die innerhalb der Familie abgestimmt und respektiert werden sollten. Eine sehr wichtige lautet: „Kinder sind keine Boten!“ Eltern müssen direkt miteinander kommunizieren. Das entlastet Kinder genauso wie ein „STOPP“ angesichts von Streit am Familientisch.

Und, ganz wichtig am Ende – Ute Steffens sagt:

Nur, weil sich Eltern trennen, heißt das noch lange nicht, dass dies Kinder in ihrer gesunden Entwicklung beeinträchtigt! Wenn es gut läuft, dann ist eine Trennung für die Kinder eine Veränderung, und die kann auch als  Erleichterung und als eine Chance auf eine vertiefte Beziehung zu beiden Eltern erlebt werden.

Mehr über die Arbeit von Ute Steffens erfahrt ihr hier: 

Website

Blog

Instagram

Utes Bücher kannst du hier bestellen (Affiliate Links/ Amazon*):

Mit Kindern durch die Trennung – ein therapeutisches Lesebuch

Jakob kann zaubern – ein Bilderbuch für Kinder, die bei der Trennung oder Scheidung ihrer Eltern die Schuld bei sich suchen

Trennungskinder begleiten in den ersten zehn Jahren


Und hier bleibst du bei uns auf dem Laufenden!

Du möchtest erfahren, wenn neue MutterKutter-Artikel online gehen? Dann folge uns doch in den sozialen Medien. MutterKutter findest du auf Instagram.

Auf YouTube gibt es immer wieder Filme zu verschiedenen Themen.

Oder möchtest du mehr über uns erfahren? Dann lies gerne unter Crew weiter.

DER SURVIVAL GUIDE FÜR MAMAS - unser 1. Buch (Affiliate Link*// Amazon)

Content ist Queen – unsere Kooperationen

(TV-)Reporterin Dorothee Dahinden ist eine der Hosts des Podcasts “HEY Familie” von dm glückskind.

dm glückskind

Werbekooperation(en) auf MutterKutter. Dazu Produktion von Filmen für die Social Media-Kanäle der Marke.

Rotho Babydesign

Im Auftrag der Leben & erziehen hat Dorothee Dahinden Artikel geschrieben.

Leben & erziehen

Die MutterKutter-Bücher „Der Survival-Guide für Mamas“ (2020) und „Love Yourself, Mama“ (2021) sind bei humboldt erschienen.

humboldt Verlag

Dorothee Dahinden hat das Hörbuch „Do it!: Vom Denken ins Machen“ (2022) als eine der Autorinnen bei storytel veröffentlicht. Außerdem ist dort das MutterKutter-Buch „Love Yourself, Mama“ gelistet.

storytel

Im Auftrag von Visana haben wir Artikel zum Thema „Geburt & Wochenbett“ für den Blog der Schweizer Versicherung geschrieben.

Visana

MutterKutter war von 2020 – 2023 das Expertinnen-Team von tausendkind. Wir haben regelmäßig Content in Form von Artikeln, YouTube-Filmen oder auch Instagram-Lives zugeliefert.

tausendkind

Körperhygiene ausgegrenzt

Wir kooperieren seit 2025 mit KALEIO. Ihr findet Reels von Dorothee Dahinden & Dr. med. Judith Bildau auf Instagram & YouTube.

KALEIO

Back to top button