Promi & Politik

Serpil Midyatli: „Ich bin davon überzeugt, dass man tun sollte, was Spaß macht.“

SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli über Vereinbarkeit von Job und Familie und Mut, den eigenen Weg zu gehen. Autorin: Dorothee Dahinden

Serpil Midyatli, SPD-Landesvorsitzende, erklärt im Gespräch, wie sie Karriere, Familie und ME-Time vereinbart.


Wir freuen uns, die 45-jährige Schleswig-Holsteinerin auf MutterKutter begrüßen zu dürfen. Serpil Midyatli ist Mutter von zwei Kindern und Vorsitzende der SPD Schleswig-Holstein, also – eine Frau mit einer Stimme. Sie arbeitet, ihr Mann schmeißt den Haushalt. In diesem Interview erzählt sie, was ihr Geheimrezept für eine glückliche Familie und gleichzeitig Erfolg im Job ist.


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Serpil Midyatli:

„Dass ich mal Spitzenpolitikerin werde, war nicht mein Plan.“

Liebe Serpil, darf ich dich das mal so direkt fragen – wie sieht die Familienorganisation bei dir zuhause aus? Ich kann mir vorstellen, dass du in deinem Job als Vorsitzende der SPD Schleswig-Holstein ziemlich viel arbeitest. Wie teilst du dir die Kinderbetreuung, Haushalt und Co. auf?

Serpil Midyatli
Credit: Thomas Eisenkrätzer

Wir haben inzwischen eine ganz klassische Rollenverteilung – nur anders herum. Das heißt, mein Mann Atilla ist Zuhause und kümmert sich hauptsächlich um unsere zwei Jungs. Nur wenn es ums Autofahren geht, bin ich unverzichtbar, Ich habe nämlich als einzige bei uns einen Führerschein.

Bevor ich 2017 Landesvorsitzende wurde, haben wir uns die Familienarbeit noch stärker aufteilt. Bis ich 2009 in den Landtag kam, hatten wir einen gemeinsamen Kultur- und Veranstaltungsservice. Dadurch haben wir beruflich und Zuhause sowie fast alles zusammen gemacht.

Du bist eine Frau mit einer Stimme. Wie war das bei dir: Hattest du eine Vision, wo du hinmöchtest? Wenn ja, wie sah die aus und wann war dir klar, dass du deine Stimme nutzen möchten?

Dass ich mal Spitzenpolitikerin werde, war nicht mein Plan. Ich habe aber sehr früh die Erfahrung gemacht, dass man für das eigene Recht einstehen musste. Als Kinder von Migrant*innen sollten wir damals alle auf die Sonderschule gehen.

Ich habe früh angefangen, meine Stimme zu nutzen!

Der erste Sieg von meinem Vater war, dass ich auf die Realschule gehen konnte. Auch danach mussten meine Geschwister und ich viel gegen Diskriminierung kämpfen. Das hat mich geprägt. Die Politik kam dann eher durch den Einsatz in meinem Stadtteil Gaarden hinzu. Dass ich meine Stimme nutzen muss, habe ich aber schon vorher in der Schule gelernt.

Die letzten Jahre hat sich ja schon zum Glück viel getan – Frauen und Mütter gehen verstärkt ihre Wege, werden mehr und mehr wahrgenommen und haben beruflich Erfolg. Ich erlebe es trotzdem heute immer noch oft, dass gerade Mütter beruflich zweifeln. Das eine ist das Thema Kinderbetreuung, das andere sind aber Gedanken, wie: „Schaffe ich das überhaupt? Kann ich das?“, „Werde ich denn ernst genommen?“ Was kannst du Frauen, die eben solche Zweifel haben, mit auf den Weg geben?

Erstmal muss ich sagen, dass diese Zweifel vollkommen normal und in Ordnung sind. Das geht mir ja genauso. Ich glaube aber auch, dass man am Ende deutlich mehr schaffen kann, als man zunächst denkt. Wichtig ist, Prioritäten zu setzen. In meiner ersten Zeit als Landtagsabgeordnete habe ich noch nebenbei in unserem Geschäft gearbeitet. Irgendwann ging das nicht mehr.

Serpil Midyatli: „Viel wichtiger ist mir, dass meine Jungs wissen, sie stehen ganz oben.“

Serpil Midyatli
Credit: Thomas Eisenkrätzer

Ich achte auch jetzt darauf, mir bewusst Freiräume zu nehmen. Das wichtigste ist aber, man wird es nie schaffen, allen alles recht zu machen, daher ist es wichtig immer zu schauen, wie passt es gerade bei mir und meiner Familie. Und ganz ehrlich, dann ist es eben nicht der perfekte Kuchen zur Kitafeier, na und? Wer erinnert sich denn in ein paar Jahren daran?

Viel wichtiger ist mir, dass meine Jungs wissen, sie stehen ganz oben. Wenn ich meinen Ältesten nachts von der Disco abholen muss, dann fällt eben mal eine Telefonschalte am nächsten Morgen weg. Mir ist aber auch klar, dass sich nicht jeder diese Freiheiten nehmen kann. Deshalb kämpfe ich dafür, dass wir eine hochwertige, umfassende und kostenfreie Kinderbetreuung bekommen.

Wozu rätst du, wenn ein*e Leser*in merkt: Ich stecke beruflich fest und möchte weiterkommen – wie können die ersten Schritte aussehen?

Am wichtigsten ist, sich mit anderen dazu auszutauschen. Ich selbst habe seit diesem Jahr einen weiblichen Coach. In dem geschützten Rahmen kann ich Führungsaufgaben reflektieren und mögliche Schritte durchdenken. Es reicht aber auch schon oft mit einer Freundin oder einem Freund darüber zu sprechen.

Mein Tipp: Habt Mut, den nächsten Schritt zu gehen!

Wo stehe ich? Und wo will ich hin? Am Ende muss man den Mut haben, den nächsten Schritt zu gehen. So war es bei mir auch, als ich mich entschied, für die SPD als Landesvorsitzende zu kandidieren.

Was denkst du: Wie finden wir denn überhaupt den Job, der wirklich Spaß macht? Dürfen wir hier eher auf den Bauch oder den Kopf hören?

Grundsätzlich bin ich eher ein Bauch-Mensch. Ich habe mir zum Beispiel nie große Gedanken um meine Karriere gemacht, sondern immer einen Schritt nach dem anderen gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass man tun sollte, was Spaß macht. Allerdings, wenn Sie Kinder haben, dann ist diese Freiheit oft nicht gegeben, denn irgendwie muss das Geld ja auch reichen.

Und für diesen familiären Fall würde ich sogar der Bundeskanzlerin absagen…

Wie gelingt die Kombination „Erfolg im Job“ und Familie so, dass alle Familienmitglieder zufrieden sind? Was sind deine drei Tipps?

1. Wertschätzung für den anderen haben. In einer Familie ist erstmal alles gleich wichtig. Wenn man mit Hierarchien anfängt, wird das schnell konfliktreich.

2. Sich gegenseitig Vertrauen. Ich bin in der Regel sechs Tage in der Woche unterwegs und mindestens eine Nacht in Berlin. Wenn mein Mann mir nicht absolut vertrauen würde, wäre dieses Modell nicht denkbar.

3. Im Zweifel geht Familie vor. Wenn ich wirklich gebraucht werde, bin ich da. Meine Söhne wissen: Wenn die mir sagen: „Ich brauche dich heute Zuhause.“ Dann würde ich auch der Bundeskanzlerin absagen.

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