Regelschmerzen: Schmerzen während der Periode. Für viele Frauen und Mädchen ein leidiges Thema. Jeden Monat dasselbe Spiel. Die selben Schmerzen. Derselbe Frust. Meist sind die ersten beiden Tage die schlimmsten. Dann wird es besser, aber an diesen beiden Tagen geht für viele Frauen gar nichts.

Doch warum kann die Menstruation eigentlich so weh tun? Was passiert währenddessen im Körper?

Ich möchte dir gerne die medizinischen Hintergründe dazu erklären. Manchmal ist der erste Schritt, die Dinge einfach verstehen und nachvollziehen zu können. Der zweite Schritt dann, eine passende und individuelle Lösung zu finden.

Regelschmerzen nennt man auch ‚Dysmenorrhoe‘
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Foto: Dr. Judith Bildau, Frauenärztin & MutterKutter-Autorin

‚Dysmenorrhoe‘- so nennen wir Ärzte das Beschwerdebild. Übersetzt heißt das in etwa ‚schmerzhafte und schwierige Menstruation‘. Wir unterscheiden zwischen einer primären Dysmneorrhoe und einer sekundären Dysmenorrhoe.

Bei der primären Dysmenorrhoe handelt es sich um Beschwerden, die eigentlich schon mit dem Beginn der Menarche, also dem Einsetzen der Regelblutung beginnt. Bei der sekundären Dysmenorrhoe kommt es erst im Verlauf der Jahre zu Beschwerden während der Menstruation. Dies kann unter anderem bedingt sein durch Myome, Zysten oder auch Endometriose. Die Häufigkeitsangaben bezüglich der Dysmenorrhoe sind sehr schwammig. Man spricht von 50-90% aller Frauen, die Regelschmerzen haben.

Bei der sekundären Dysmenorrhoe gibt es also körperliche Ursachen, die die Schmerzen auslösen. Und da kommen wir zu einem sehr wichtigen Punkt: Zunächst ist es wichtig, dass eine organische Ursache für die starken Schmerzen ausgeschlossen wird. Dies kann der Frauenarzt/ die Frauenärztin mit Hilfe einer ausführlichen Anamnese und einer darauf folgenden Untersuchung tun.

Eventuell wird er oder sie auch eine weitere Diagnostik anstreben. Zum Beispiel eine MRT-Untersuchung oder eine diagnostische Bauchspiegelung.

Regelschmerzen werden durch Botenstoffe ausgelöst

Doch wie entstehen starke Regelschmerzen, wenn es keine organische Ursache gibt? Dies ist bei den meisten jungen Mädchen ja der Fall. Die Gebärmutterschleimhaut bildet im Verlaufe des Zyklus’ sogenannte Prostaglandine. Das sind Botenstoffe, die die Gebärmuskulatur aktivieren, sich zu kontrahieren, um somit die Gebärmutterschleimhaut abstoßen zu können.

Durch das Abstoßen der Schleimhaut kommt es zur Regelblutung. Prostaglandine sind einerseits also Aktivatoren der Muskulatur, andererseits aber auch Botenstoffe der Schmerzentstehung- und der empfindung. Liegt eine sehr hohe Konzentration an Prostaglandinen vor, kommt es zu übermäßigen Kontraktionen der Gebärmutter sowie zu einer deutlichen Schmerzsymptomatik. Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen mit Dysmenorrhoe sowohl im Blut als auch im Menstrualblut hohe Prostaglandinkonzentrationen haben.

Warum dies so ist, weiß man bislang aber noch nicht (1) (2). Man weiß aber mittlerweile, dass es eine familiäre Häufung der primären Dysmenorrhoe gibt. Und, vielleicht für viele Mädchen ein Trost, die Beschwerden nehmen in der Regel mit zunehmendem Alter und nach Geburten ab.

Und das hilft wirklich!

Doch was kann man dagegen tun? Wie kann der Schmerz durchbrochen werden? Bei der sekundären Dysmenorrhoe ist die Therapie der Wahl natürlich die Beseitigung der Ursache. Das ist klar. Bei der primären Dysmenorrhoe verhält es sich ein bisschen anders. Natürlich kann an den sehr schmerzhaften Tagen während der Periode ein Schmerzmittel eingenommen werden. Die zur Verfügung stehenden Medikamente sind häufig Prostaglandinhemmer und wirken durch den Eingriff in den Prostglandinstoffwechsel.

Es gibt aber auch noch weitere Hilfsmittel, die ich dir gerne nennen würde:

Das könnte dir helfen:

♥ Entspannung: Tatsächlich können Regelschmerzen durch Stress verschlimmert werden. Bewusste Pausen und Entspannungseinheiten wirken oftmals Wunder. Wer mag, kann sich auch eine Massage gönnen. Es gilt: Gut ist, was gut tut.

♥ Wärme: Wärme wirkt krampflösend und entspannend. Ein warmes Bad oder eine Wärmflasche können helfen.

♥ Leichter Sport: Sport wirkt schmerzstillend. Er lockert die Muskulatur und entspannt. Es geht nicht darum, während der Menstruation eine neue Bestzeit beim Laufen zu erreichen. Aber ein Spaziergang, Walken, Yoga oder Pilates können wirklich gut tun.

♥ Entspannende Öle: Kamille, Pfefferminz, Teebaum, Zypresse.

Akupressur, Mönchspfeffer, die Pille oder Vitamine.

♥ Akupressur: Es gibt verschiedene Akupressurpunkte, deren leichtes Drücken nachweislich bei einer akuten Schmerzsymptomatik lindernd wirken kann. Gegen Krämpfe hilft zum Beispiel, mit dem Daumen und dem Zeigefinger den Punkt an der Unterschenkel-Innenseite, eine Hand breit unter dem Knie, mehrere Minuten und mehrmals täglich zu stimulieren.

♥ Mönchspfeffer (Agnes castus): Auch der Mönchspfeffer kann regulierend auf Regelschmerzen wirken. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die Einnahme meist über mehrere Monate erfolgen muss, bis sich eine Besserung der Symptomatik zeigt.

♥ Pille: Eine weitere, wenn auch hormonelle, Möglichkeit ist die Einnahme eines Kontrazeptivums. Eine Kombinationspille wirkt nachweislich bei primärer Dysmenorrhoe (3). Manchmal ist es auch empfehlenswert eine Pille im Langzeitzyklus, das heißt ohne Pillenpause und die damit verbundene Abbruchsblutung, einzunehmen.

♥ Vitamine und Mineralstoffe: Es gibt Vitamine und Mineralstoffe, die nachweislich und wissenschaftlich belegt gegen Regelschmerzen helfen. Ein sehr wichtiger Mineralstoff ist zum Beispiel Magnesium. Und darauf möchte ich ein bisschen genauer eingehen. Magnesium wirkt unter anderem auch bei einer vorzeitigen Wehentätigkeit während der Schwangerschaft, Es führt nämlich über eine gewisse Kaskade zur Entspannung der Muskulatur. Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Magnesium über einen längeren Zeitraum von etwa 6 Monaten eine deutliche Verbesserung der Schmerzsymptomatik während der Periode bewirkt. Belegt wurde, neben den rein subjektiven Angaben der Patientinnen, auch ein Rückgang der Prostaglandinkonzentration im Menstrualblut (4). Aber auch eine kurzzeitigere Einnahme mit Beginn kurz vor der Menstruation zeigte eine verminderte Schmerzsymptomatik (5). Magnesiumhaltige Lebensmittel sind unter anderem Nüsse, Avocados, Wassermelone, Haferflocken und auch Zartbitterschokolade.

Dysmenorrhoe: Darauf solltest du bei deiner Ernährung achten!

Auch Omega-3-Fettsäuren können dem Regelschmerz entgegenwirken. Sie wirken regulierend auf die Prostaglandinsynthese und wirken so schmerzlindernd (6). Omega-3-Fettsäurenhaltige Lebensmittel sind unter anderem Fisch, Rapsöl, Wallnussöl, Rosenkohl, Spinat, Bohnen, Avocado, Nüsse und Soja.

Ich empfehle meinen Patientinnen deshalb bei einer Dysmenorrhoe, auf eine magnesium- und Omega-3-Fettsäurenreiche Ernährung zu achten oder diese auch zusätzlich zu supplementieren.

Quellen:

(1) Bydgeman M. et al. Effects of the prostaglandins on the uterus. Acta Obst. Gynecol. Scandinavica, 1979.

(2) Rees M. et al. Prostaglandins in menstrual fluid in menorrhagia and dysmenorrhoea. Int. Journ. Obstet. Gynecol., 1984.

(3) Wong C.L. et al. Oral contraceptive pill for primary dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst.Rev., 2009.

(4) Seifert B. et al. Magnesium- eine therapeutische Alternative bei der primären Dysmenorrhoe. Zentral.Gynäkol., 1989.

(5) Fontana-Klaiber H. et al. Therapeutic effects of magnesium in dysmenorrhea. Schweiz.Runsch.Med.Prax., 1990.

(6) Rahbar N. et al. Effect of omega-3 fatty acids on intensity of primary dysmenorrhoea. Int.J.Gynaecol.Obstet., 2012.


Medizin kompakt:

In meiner Rubrik „Medizin kompakt – Wissen für dich und deine Familie“ informiere ich dich über medizinische Themen. Leicht und verständlich.

Ich bin Dr. Judith Bildau (Werbung für Homepage*). Frauenärztin & Autorin bei MutterKutter.

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