Elternsein

Pubertät: „Die Hormone tanzen ein bisschen.“

So geht Pubertät entspannt. Influencerin & Sechsfachmama Valeska @mother_of_six_dragons und unsere Bordärztin Dr. Judith Bildau über die große Etappe. Autorin: Dorothee Dahinden

Pubertät: Sind das nicht die Jahre, in denen unsere Kids vermeintlich verrückt spielen? Nein. Wir können Entwarnung geben. Nicht immer ist die Pubertät gleichzusetzen mit Krawall & Remmidemmi. Aus dem Nähkästchen plaudert für euch Influencerin & Sechsfachmama Valeska @mother_of_six_dragons. Und von unserer Bord-Ärztin Judith bekommt ihr eine schöne medizinische Perspektive.


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Pubertät: „Es ist die Zeit, wo irgendwie nichts zusammenpasst.“
Dr. Judith Bildau, fünffache (Patchwork)-Mama & Frauenärztin

Pubertät – ein Mysterium. Obwohl ich damit seit Jahren privat und beruflich zu tun habe und die entwicklungsphysiologischen Vorgänge verstehe, ist diese Phase in einem Menschenleben für mich wie ein Labyrinth.

„Unter Pubertät (von lat. pubertas „Geschlechtsreife“) versteht man etwa seit dem 16. Jahrhundert den Teil der Adoleszenz, in welchem der entwicklungsphysiologische Verlauf der Geschlechtsreifung die Geschlechtsreife im Sinne von Fortpflanzungsfähigkeit, unter anderem durch funktionsfähige Fortpflanzungsorgane, erreicht und im weiteren Verlauf auch durch Wachstum und Körperformveränderungen auch zu einem ausgewachsenen Körper führt“, sagt Wikipedia.

Pubertät
Judith mit ihrer Tochter Leni. Foto: Dr. Judith Bildau

Ich sage: Es ist die Zeit, wo irgendwie nichts zusammenpasst. Wo Körper und Geist ein Eigenleben führen, oft kilometerweit voneinander entfernt. Mal ist der Körper schneller und der Geist hinkt hinterher, mal ist es genau andersrum.

In der Praxis sitzen manchmal körperlich voll entwickelte Mädchen vor mir, mit einer fast ausgereiften weiblichen Figur, die mich mit Kinderaugen anschauen und die ich am liebsten erst einmal fest in den Arm nehmen möchte.

Manchmal sitzen dort aber auch Mädchen, im Kopf reif, gedanklich sehr gefestigt, die immer noch in der Kinderabteilung Klamotten kaufen, noch längst keinen BH brauchen und regelmäßig vom Busfahrer gefragt werden, ob sie schon älter als 12 Jahre sind. Das eine Mädchen fühlt sich ebenso unsicher, wie das andere. Fragt sich, ob das denn alles so in Ordnung ist, vergleicht sich, zweifelt, hadert.

Pubertät: Die Hormone sorgen für das innere Wirrwarr.

Dazu kommt das tägliche Auf und Ab der Hormone. „Die Hormone spielen verrückt“ sagt man in Deutschland. In Italien „Gli ormoni ballano un po’“ („Die Hormone tanzen ein bisschen“). Egal, welche Beschreibung man besser findet, beide beschreiben das innere Wirrwarr.

Für mich ist die Pubertät also privat und beruflich die Zeitspanne mit der größten körperlichen, aber auch geistigen Umstellung. Alles ändert sich. Dadurch wird aber auch alles in Frage gestellt. Was über ein Jahrzehnt Gültigkeit hatte, was Schutz und Sicherheit vermittelt hat, ist nun anders. Fragen tauchen auf. Existentielle Fragen. „Wer bin ich?“, „Wer will ich sein?“, „Bin ich in Ordnung, so wie ich bin?“oder „Werde ich mal wie meine Eltern?“

Pubertät – auch die Medien spielen eine zentrale Rolle!

Und ganz nebenbei wirken dann auch tausend Eindrücke von außen ein. Auf diese vulnerablen Seelen. Familie, Lehrer/innen, Freunde, (soziale) Medien. Jed(r) gibt vor, zu wissen, wie man sein soll. Die Eltern haben eine gewisse Vorstellung, was denn aus ihrem Kind bitteschön werden soll. Die (Fach-) lehrer wünschen sich, je nach eigener Expertise, ein Crack in Mathe, Deutsch oder meinetwegen Biologie. Die Freunde zeigen durch Cliquenbildung, wer dazu gehört und wer nicht. Und die Medien, ja, die geben zu guter Letzt noch Schönheitsideale, Klamottenmarken und „Places to be“ vor. Der helle Wahnsinn.

Ich weiß, ich bin uncool als Mama.

Und all das führe ich mir vor mein inneres Auge, wenn morgens eines unserer Mädchen in dieser Phase kein anständiges „Guten Morgen“ heraus bekommt oder ich auf ganz allgemein gehaltene Fragestellungen ein deutliches Augenverdrehen erhalte. Wenn sie mir ganz deutlich signalisieren, dass ich total „uncool“ bin, nur weil ich sie in Anwesenheit ihrer Freundinnen daran erinnere, heute auch mal ein bisschen Obst zu essen. Oder sie wirklich ein Sozialverhalten an den Tag legen, das an Kasper Hauser erinnert. Natürlich frage ich mich in solchen Momenten auch mal, was genau ich falsch gemacht habe, zweifele an meinen mütterlichen Qualitäten und wünsche mir die Zeiten zurück, in denen ich die größte für sie war, der sichere Hafen und zwischen uns kein Blatt gepasst hat. Werde melancholisch. Denn, ja, auch für „Pubertätseltern“ ändert sich einiges.

Pubertät: die Zeit hat auch etwas Magisches.

Doch dann versuche ich mich daran zu erinnern, wer es im Augenblick schwerer von uns beiden hat. Und das ist ja im Grunde ganz klar. Insgeheim bin ich dann froh, dass ich es nicht bin, die so dermaßen den Halt unter den Füßen verliert, sondern diejenige sein kann, die einfach da ist. Mal aktiv und mal passiv. Ruhig und wissend. Der Fels in der Brandung. Emotional stabil und nicht eingeschnappt, wenn ich wegen einer Kleinigkeit angefaucht und eine halbe Stunde wieder fest in den Arm genommen werde.

Unsere Kinder müssen sich in dieser Zeit mit uns messen, sie suchen unsere Nähe, um uns dann wieder wegzustoßen, brechen aus, um dann wieder zurückzukehren. All das ist gut und wichtig. Denn nur so können sie ihren ureigenen Weg finden. Das sage ich allen verzweifelten Müttern während ich arbeite und das sage ich mir, wenn ich müde oder traurig bin, weil ich doch einfach nur alles schön zu Hause haben möchte.

Ich mag übrigens die Beschreibung „Die Hormone tanzen ein bisschen“ mehr. Ich finde nämlich, dass diese Zeit auch etwas sehr Schönes, beinah Magisches hat. Die Pubertät hat auch etwas mit Aufbruch zu tun. Und ist es nicht wunderbar, dass wir unsere Kinder dabei begleiten dürfen?


„Ich nehme sie so, wie sie sind.“
Influencerin & Sechsfachmama Valeska @mother_of_six_dragons im Interview.

Liebe Valeska, Stichwort Pubertät. Ohne groß nachzudenken, ganz schnell: Welche Assoziationen weckt das Wort bei dir? 

Pubertät
Credit: Valeska @mother_of_six_dragons

Jetzt müsste ich sagen, dass hier die Türen knallen, meine Jungs immer pampig auf Ansagen von uns reagieren, ihre Launen nicht unter Kontrolle haben. Aber, es tut mir wirklich sehr leid, bisher durchlaufen wir dreifach echt entspannte Zeiten der Pubertät.

Du hast ja 6 Kinder, vielleicht magst du mal kurz erzählen – für alle, die dich noch nicht kennen: Wieviele Kids hast du von deinen 6 schon durch die Pubertät „geschleust“? 

Die Großen mit 17, 15 und 13 stecken ja mitten in dieser verrückten Phase drin. Es gibt mal fünf Minuten, in denen man denkt: „Geht es noch?“ Das sind unsere berühmten ‚fünf Minuten‘, ansonsten haben sie ihre Hormonschwankungen gut im Griff. Kann aber auch daran liegen, dass sie alle ihre Energie auf dem Sportplatz lassen.

Pubertät bei uns: auf Augenhöhe

Und wie hast du die Pubertät als Mama erlebt – wo war es einfach, welche Knackpunkte gab es? Wie hast du/ habt ihr du pubertäre Situationen, vielleicht auch Konflikte, gelöst?

Pubertät
Credit: Valeska @mother_of_six_dragons

Ich muss nicht wirklich etwas lösen. Ich nehme sie so, wie sie sind. Und es läuft hier meist auf Augenhöhe ganz entspannt ab.

Puh, wenn ich an mich zurückdenke: Ich war in der Pubertät echt richtig ätzend zu meiner Mutter. Ich habe die Straßenseite gewechselt als meine Mutter mir entgegen gekommen ist und habe so getan, als ob ich sie nicht sehe. Warum auch immer, denn ich liebe sie sehr, sie war immer relativ entspannt und wir haben bis heute ein enges Verhältnis. Ich erinnere mich auch, dass ich meine Mutter gebeten habe, 100 Meter von der Dorfdisko entfernt zu parken, damit niemand sieht, dass ich  abgeholt werde. Erinnerst du dich an solche Momente?

Ne! Meine Mutter war ziemlich entspannt und cool. Ich mochte sie als Teenager. Wir haben uns tatsächlich nie besser verstanden als damals. Außerdem hatte ich einen ziemlich angesagten großen Bruder mit noch cooleren Freunden. Mit dem Freundeskreis war ich dann unterwegs. Und ich war tatsächlich entspannt und angepasst in dem Alter.

Einfach mal chillen!

Welchen Rat hast du für andere Mamas, die vielleicht grad denken: „Hilfe, die Pubertät. Ich kann nicht mehr, wie kommen wir da durch?“ Was hat dir geholfen?

Einfach mal chillen! Ist, wenn es mal anstrengend wird, auch nur eine Phase! Vielleicht denken unsere Kinder ja auch: „Hilfe! Was will diese Mutter schon wieder von mir?“

Pubertät
Foto: Valeska @mother_of_six_dragons

Wer weiß, das dicke Ende kann hier ja noch kommen, drei Kinder werden diese Zeit noch durchlaufen…


Herzlichen Dank für das ehrliche und schöne Interview, liebe Valeska. Valeska ist übrigens schon zum zweiten Mal bei uns an Bord – hier geht zum Gespräch mit unserer siebenfachen Mama und Hebamme Kerstin über das Leben als Großfamilienmamas.

Auf Instagram findet ihr Influencerin Valeska hier.


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