„Pass auf, dass du nicht umfällst“

„Uhhh Vorsicht, das ist gefährlich, geh da bitte nicht dran.“

„Er kann noch nicht so gut alleine laufen, oh je, ich sehe schon wie er sich gleich wehtut.“

positiv mit Kindern sprechen, Mutterkutter, Mamablog

Habt ihr diese Sätze schon einmal gehört? Womöglich aus dem eigenen Mund? Ich muss gestehen, ja, ich habe sie noch bis vor kurzem so oder so ähnlich zu meinem Sohn gesagt.

Und wenn er dann tatsächlich gefallen ist, kam sofort:

„Hab ich doch gesagt!“

Ich wollte ihm damit helfen, keine Frage. Denn ich habe gesehen, dass er noch sehr wackelig steht, dass irgendetwas gefährlich ist und so weiter.

Doch was ich in Wahrheit damit tue, ist absolut keine Hilfe! Im Gegenteil!

Es ist eine negative, keine positive Motivation. Ich sage meinem Kind, was es NICHT tun soll.

Damit können Menschen schon grundsätzlich nichts anfangen, Kinder umso weniger. Das Gehirn funktioniert so einfach nicht, man kann sich nicht etwas NICHT vorstellen.

Oder einfacher ausgedrückt (der Klassiker):

Denke nicht an einen rosa Elefanten!

Was für ein Bild produziert dein Gehirn denn nun? Natürlich das eines rosa Elefanten. Manch einer streicht den dann vielleicht in Gedanken durch, um dem Befehl zu folgen, aber selbst dann ist das Bild noch da. Unser Gehirn produziert andauernd Bilder, ob es das will oder nicht. Das was wir sagen, oder das was andere Menschen uns sagen, wird innerhalb einer Millisekunde in ein Bild umgewandelt.

Bei dem Satz – „Mach bitte nicht so eine Sauerei beim essen“-  denke ich unwillkürlich an Spaghetti Bolognese, die wild auf dem Tisch, in den Haaren des Kindes und auf dem Boden verteilt sind. Nicht wirklich schön. Wenn das Ganze positiv formuliert ist, also z.B. „Iss bitte ordentlich!“ verändern sich schlagartig auch die Bilder in meinem Kopf, jetzt bleibt sogar der Pullover vom Kind sauber. Ob das Bild jetzt mehr Spaß macht, darf jeder selber entscheiden, alternativ kann man natürlich auch „Benutz bitte deinen Löffel“  sagen oder was auch immer „keine Schweinerei“ bedeutet.

Gerade kleine Kinder können mit abstrakten Anweisungen wie „sei nicht frech bei Oma“ nichts anfangen, da dürfen wir also positiv UND ganz konkret formulieren, was wir wollen.

Was bedeutet das alles für unsere Kinder?

Sie hören das, was wir sagen und wenn das hauptsächlich negative Sätze sind, dann werden die im Geiste abgerufen. So pflanzen wir schon bei ganz kleinen Kindern ungewollt negative Glaubenssätze, also negative Überzeugungen, wie zum Beispiel „Du kannst das (noch) nicht“.

Mein Sohn ist jetzt 8 Monate alt und als mir das vor Kurzem bewusste wurde, habe ich mal meinen Wortschatz überprüft.

Uiii, was soll ich sagen? Erwischt! Ich habe häufiger Sätze gesagt. wie:

„Nein, mein Schatz, jetzt füttert dich Mama, du kannst noch nicht alleine essen“ oder

„Du musst dich noch festhalten, du kannst noch nicht alleine laufen“

Auch hier gilt schon das Prinzip: positiv statt negativ formulieren. Ich sage seitdem ganz oft

„Das wirst du schon bald können.“

„Das machst du schon sehr gut.“

Ich muss zugeben, das fühlt sich am Anfang komisch an, weil ich diese negativen Befehle so verinnerlicht hatte, aber es wird von Tag zu Tag besser.

Trotz allem lernt mein Sohn, ein klares Nein zu verstehen, wenn er an bestimmte Sachen oder Bereiche nicht dran darf. Es ist also nicht so, dass ich jegliche Verneinung aus meinem Wortschatz gestrichen habe und das ist absolut nicht das Ziel (nur dass hier keine Missverständnisse aufkommen). Es geht darum, die Kinder mit positiven Formulierungen zu bestärken. Das Ganze funktioniert übrigens auch hervorragend bei Erwachsenen und in der Kommunikation mit sich selber. (Einfach mal ausprobieren.)

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht in der Kommunikation mit euren Kindern? Was habt ihr schon auf Spielplätzen gehört?


Und hier geht es zu Teil 2: Wie ich mein Kind sprachlich motiviere, das zu tun, was ich möchte.

4 thoughts on “Positiv mit Kindern sprechen #Teil 1”

  1. Schöner Artikel! Ich las darüber schon vor vielen Jahren und fing es sofort an, in den Alltag und die Kommunikation mit meinem ersten Kind (fast 10J.) zu übernehmen. Irgendwann geht es auch in Fleisch und Blut über! Was ich leider oft und immer noch höre, sind beim Zahn-/Arzt, sogar im Kinderkrankenhaus, diese Sätze:“ Du musst keine Angst haben! Das tut nicht weh! Das ist gar nicht schlimm!“ Hallooo?! Ich habe Jahre lang im medizinischen Bereich auch mit Kindern gearbeitet und kann nur sagen, dass solche Sätze, auch aus dem Mund der Eltern/Vertrauensperson einfach katastrophal sind und auch Behandlungen scheitern lassen. Kinder “ hören“ aus diesen Sätzen nämlich die Wörter: Angst, Weh, schlimm.

    1. Hallo liebe Steffi, diese Sätze höre ich auch allzu oft. Da darf man wirklich trainieren, umzuformulieren. Toll, dass du das mittlerweile so routiniert machst.
      Liebe Grüße von Claudia vom MutterKutter

  2. Hallo!
    Danke für den tollen Beitrag! Meine Tochter is 14 Monate und es klappt wirklich super mit der positiven Kommunikation! Manchmal muss ich dann aber doch über meine stolprigen Formulierungen lachen, wenn man erst kurz vor dem NICHT anfängt zu schalten und dann noch schnell die Kurve ins positive kratzt 🙂 Bei zwei Situationen komme ich aber noch an meine Grenzen, und zwar wie ich “ Nicht den Hund/die Katze/den Käfer anfassen und „nicht die Blume abreißen“ kurz und verständlich, positiv formulieren kann. Gibts da vielleicht eine Idee vom Profi 🙂 ?
    Liebe Grüße!
    Maria

    1. Hallo liebe Maria wie schön dass du die positive Kommunikation so gut umsetzen kannst. Ich kenne das mit den holprigen Formulierungen. Und in solchen Situation gibt es auch mal ein klares Nein von mir und dann gibt es eine Alternative Handlung, zB sage ich „zu den Blumen immer lieb sein“. Als mein Sohn noch ganz klein war, haben wir dann auch Ei gemacht bei den Blumen. Und bei Hunden etc. ist es das gleiche. Oder ich sage „nur gucken“ o.ä.
      Dir weiterhin viel Erfolg.
      Liebe Grüße
      Claudia

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