Nein, kein Witz: Es ist aktuell eine Art Wickeltischbattle zwischen Anneli und mir. Ich will die Windel wechseln. Sie dreht sich auf den Bauch. Ich drehe sie zurück, schaffe es grad, die Hose auszuziehen. Zack, ist sie schon wieder in Babyliegestützposition und legt dabei noch eine 90-Grad-Drehung zur Feuchttüchterbox hin. Noch finde ich es amüsant.

Ich drehe sie zurück. Sie sich aber wieder um. Hin. Her. Hin. Her. Irgendwann ist dann zwar die Windel aus – herzlichen Glückwunsch – doch das Kind hält mir plötzlich mit nacktem Hintern die Nasensprayverpackung entgegen. Oh Mann, ich habe doch eben nur die volle Windel weggepackt – und Krakenarme sind mir leider noch nicht gewachsen, um gleichzeitig das Baby festzuhalten und den Mülleimer zu öffnen. Mist.

Ansage machen oder lächen? Hm.

Ich bin einerseits super stolz. Sie kann jetzt so viel. Sie entdeckt die Welt. Toll. Aber nach kurzen Nächten kann ich leider 15minütige Wickelepisoden, die sich über den Tag verteilen, nicht mehr ganz so gelassen nehmen. Ich zische dann schon mal ein „Anneli! Mann!“ zwischen meinen Zähnen hervor – und denke: Bitte, lieber Gott, geht das nicht schneller?

Ich frage mich: Ab wann sollte man eigentlich das Wort NEIN einführen? Jetzt schon? Ich versuche es: Und ernte bei meinem ersten NEIN als Mama ein zuckersüßes Lachen. Na gut, vielleicht war es auch eher ein „Nein?“ statt einem „Nein!“ Aber immerhin: meine erste Ansage als Mama habe ich gemacht. Hm, aber: Versteht sie das überhaupt schon? Plötzlich zweifle ich: Kann ich das eigentlich? Grenzen setzen?! Bin ich wirklich so konsequent, wie ich immer dachte?

Nein?!

Ich übe es: Nein, nein, nein. Beim Anziehen zum Beispiel. Dann probt sie manchmal den doppelten Aufstand. Anziehen ist eh doof und drehen darf sie sich auch nicht. Doppelt doof also. Anneli wird sauer. Sie schreit. Plötzlich kippt die Stimmung weiter. Sie weint bitterlich. Ein Protest. Hm. Grenzen setzen. In der Theorie schien mir das als Nichtmama noch pipieinfach. In der Theorie. Willkommen in der Realität. Ich nehme meine Kleine in den Arm und drücke sie. Sie ist ja auch gerade mal 6 Monate alt.

Nur: Was ist eigentlich in zwei Jahren, wenn sie vielleicht an der Supermarktkasse tobt, weil es keinen Kinderriegel gibt? Kann man das Quengelwareregal eigentlich umgehen? Oder was ist, wenn sie, so wie ich, mit 4 Jahren einen Tobsuchtsanfall kriegt, weil die Haare zum Fasching nicht exakt so rot sind wie die von Pipi Langstrumpf? Werde ich wirklich so cool sein können wie meine Mutter damals? Bin ich der GOD Cop oder der BAD Cop? Ich bin gespannt.

Erst einmal battle ich mich ja zum Glück nur am Wickeltisch. Nein? Doch!


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