Nachhaltigkeit – das ist mein Herzensthema. In einem Gespräch mit meinen Schwiegereltern wurde mir klar: sie leben instinktiv nachhaltig. Ich habe mich mit ihnen über Konsum, Billigprodukte und bewusstes Einkaufen unterhalten.

Nachhaltigkeit
Dr. Judith Bildau, Frauenärzin & MutterKutter-Autorin

Als ich in diesem Sommer in unserem Garten in der Toskana saß und für ‚Mutterkutter’ an der Reihe für mehr Nachhaltigkeit im Haushalt gearbeitet habe, saßen meine Schwiegereltern neben mir. Sie haben gelesen, immer wieder aus ihren Büchern hochgeschaut und mich interessiert gefragt, was ich denn da so schreiben würde. So kamen wir ins Gespräch. Über ein Thema, was uns alle bewegt und letztendlich alle betrifft – der Klimawandel. Und ein Leben mit dem Fokus auf mehr Nachhaltigkeit.

„Nachhaltigkeit…“ sagte mein Schwiegervater, „das ist ja jetzt so ein Trend.“ Ich meinte, ein leichtes Kopfschütteln zu sehen. Das erstaunte mich. Doch schon bald stellte ich fest: Wenn Nachhaltigkeit ein Trend ist, sind meine Schwiegereltern die Trendsetter.

Nachhaltigkeit – Ein Gespräch zwischen zwei Generationen

Liebe Ingrid, lieber Robert, Stichwort „Nachhaltigkeit“- was fällt euch dazu ein?

Robert: Nachhaltigkeit sollte bedeuten, dass man die Ressourcen der Menschen schützt, das man sie wiederverwendet und diesen Umstand in seinem täglichen Vorgehen und auch in seine Zukunft mit einbezieht. Dabei geht es nicht nur darum, dass man seinen Kindern und Kindeskindern eine ‚gesunde‘ Umwelt hinterlässt, sondern das man auch für Heute und Jetzt, für sich selbst, darauf achtet, vernünftig und verantwortungsvoll zu handeln.

Ich bin der Meinung, dass wir gar nicht genau wissen, was mit unserer Erde in einigen Jahrhunderten passiert, vieles liegt vielleicht gar nicht in unserer Hand. Dennoch sollten wir Menschen alles, was in unserem Vermögen steht, dafür tun, um diese Welt zu schützen.

Wir haben eine große Verantwortung gegenüber unseren Nachkommen
Nachhaltigkeit
Robert und Ingrid

Ingrid: In unserem Alter müssten wir uns vielleicht gar nicht mehr dafür interessieren, aber ich denke, auch in einem fortgeschrittenen Alter haben wir eine große Verantwortung unseren Nachkommen gegenüber. Ich möchte, dass sie es niemals schlechter haben, als wir selbst. Dass sie auch noch in Jahrzehnten in einer gesunden Umgebung leben können.

War euch eigentlich bewusst, dass ihr, ohne es zu wissen, absolut nachhaltig lebt?

Robert: Nein, das war mir nicht bewusst. Ich bin eher davon ausgegangen, dass es sich bei dieser ganzen „Nachhaltigkeitsdiskussion“ um eine Übertreibung handelt, die ich ja eher mit einem gewissen Lächeln begleitet habe. Aber jetzt habe ich ja erfahren, dass wir uns eigentlich genau in diesem Rahmen bewegen. Das hat mich sehr erstaunt.

Ingrid: Ich habe es auch nicht so empfunden. Als wir in den letzten Tagen darüber gesprochen haben, war auch ich erstaunt, dass wir unbewusst vieles schon sehr richtig machen. Wir handeln so, wie es uns unser gesunder Menschenverstand sagt. Ohne dass es uns jemand genau erklärt oder auferlegt hätte.

Mikroplastik? Hat bei Robert und Ingrid im Bad nichts zu suchen

Zu konkreten Beispielen: Robert, obwohl sämtliche Drogeriemärkte beinahe fußläufig von euch entfernt sind, es an Angeboten gewiss nicht mangelt und du beim Wort ‚Mikroplastik‘ zunächst auch erst einmal, wie so viele von uns, gar nicht so genau wusstest, was dahinter steckt, hast du noch nie etwas anderes zum Duschen benutzt, als Hartseife. Zum Naseputzen nimmst du dein altes Stofftaschentuch und Einweg Ohrenstäbchen hast du in deinem Leben noch nie verwendet. Warum?

Robert: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht.

Ingrid: Du benutzt schon, seitdem ich dich kenne, also seit 60 Jahren, dein Stofftaschentuch.

Robert: Ich habe es einfach so übernommen, weil ich es so gelernt habe. Es erschien mir immer sinnvoll.

Wir kaufen beim Hofbauern!

Ingrid, du kauft automatisch regional ein, hast nie etwas anderes gemacht. Das Fleisch kaufst du beim Metzger, den Spargel beim ansässigen Spargelbauer saisonal. Wieso bist du nicht irgendwann einfach in den Supermarkt gegangen und hast dich von den Niedrigpreisen beeindrucken lassen?

Ingrid: Ja, natürlich ist es beim Hofbauern etwas teurer, es ist aber einfach auch besser. Wir essen nicht täglich Fleisch, deshalb kann man für ein gutes Stück Fleisch auch mal etwas mehr ausgeben. Die Vorstellung, dass Fleisch von einem anderen Kontinent kommen muss, wenn ich es auch aus der Region bekommen kann, erschließt sich mir nicht.

Robert: Da habe ich eine andere Meinung als meine Gattin. Für mich zählt der Geschmack. Ich mag ja so gerne Lammkotelett. Und das schmeckt aus der Region einfach besser, als das zum Beispiel das aus Neuseeland. Ich denke, ich würde aber auch neuseeländisches Fleisch essen, wenn es mir schmecken würden. Genauso verhält es sich mit Fleisch aus Mastbetrieben. Es schmeckt einfach nicht. Das Ibericofleisch aus Spanien mag ich zum Beispiel sehr gerne, obwohl es von weiter her kommt und auch teurer ist.

Als wir beide angefangen haben über Kosmetik zu sprechen, Ingrid, und ich dir gestanden habe, wie viele Jahre ich persönlich überhaupt nicht darauf geachtet habe, welche Inhaltsstoffe, geschweige denn, ob sie biologisch sind, in meinen Produkten enthalten sind, benutzt du seit Jahren Naturkosmetik. Wieso?

Ingrid: Ganz einfach: Ich vertrage Naturkosmetik einfach besser als alle anderen chemischen Produkte. Ich habe eine sehr empfindliche Haut. Auch wenn die natürlichen Produkte etwas teurer sind, fühle ich mich sehr viel wohler mit ihnen.

Fleisch sollte etwas besonderes sein!

Thema Fleischkonsum: Abgesehen davon, dass ihr euer Fleisch mit Bedacht kauft, gibt es bei euch, wie in so vielen deutschen Haushalten mittlerweile, nicht täglich Fleisch. Etwas, was ja aktuell sehr stark diskutiert wird. Es lag ja nicht an finanziellen Mitteln, aber wieso handhabt ihr so?

Robert: Ich denke, bei übermäßigem Fleischkonsum tritt ein „Gewöhnungeffekt“ ein. Irgendwann kann man die Güte und die Schmackhaftigkeit gar nicht mehr als solche erkennen.

Ingrid: Man merkt ja irgendwann gar nicht mehr, dass man etwas Besonderes isst, wenn man es jede Tag ist.

Robert: Gutes Fleisch schmeckt mit einem gewissen zeitlichen Abstand einfach besser.

Weitere Beispiel: Handtücher, die aussortiert werden, werden in der Garage zum Fahrradputzen benutzt, ihr habt selbst lange im Garten kompostiert und es dann als Blumenerde verwendet. Ihr scheint mir weder unglücklich, noch sehr angestrengt. Für euch ist das alles selbstverständlich. Für mich bedeutet das: Nachhaltigkeit ist kein Trend, es ist einfach ein Bezeichnung dafür, was die Generationen vor uns ganz selbstverständlich betrieben haben. Wann hat unsere Generation verlernt, Dinge wiederzuverwenden, sparsamer zu leben, wann sind wir zu einer „Einmal-benutzt-und-dann-wegwerfen-Gesellschaft“ geworden?

Ingrid: Die Wertigkeit hat sich verändert. Früher gab es eine Uhr zur Konfirmation, die wurde jahrzehntelang getragen. Die hatte Qualität. Heute kaufst du eine billige Uhr und wenn sie nicht mehr funktioniert, wird sie nicht zum Uhrmacher gebracht, sondern weggeworfen. Das mag vielleicht daran liegen, dass es den Menschen früher finanziell schlechter ging. Sie haben mehr auf die Dinge geachtet, sie gepflegt und versucht, sie zu erhalten.

Wer billig kauft, kauft teuer!

Robert: Ich denke, das liegt auch an der industriellen Produktion. Sie hat sich in den letzten Jahren Richtung „Massenproduktion“ bewegt. Als Beispiel sind Billigwaren aus Südostasien zu nennen. Das hat dazu geführt, dass früher im Vergleich zu heute, Dinge viel teurer waren.

Heute können sie weitaus günstiger erworben werden. Das schafft den Anreiz, Dinge gleich neukaufen und zu ersetzen, statt auf Nachhaltigkeit zu achten. Oft ist es so, dass langlebige Produkte zu nächst teurer erscheinen. Auf lange Sicht ich, denke, rechnen sie sich aber deutlich mehr, als billige Produkte, die nicht lange halten.

Was möchtet ihr uns mit auf den Weg geben?

Ingrid: Denkt beim Einkaufen nach! Tut es bewusst.

Robert: Daran denken, vielleicht bei jedem 50. Bissen oder einmal in der Woche, dass das, was man gern hat, gehegt und gepflegt werden muss.


Liebe Ingrid, lieber Robert, danke dafür, dass ich dieses Gespräch aufzeichnen durfte.

Was mich, Judith, an diesem Gespräch so bewegt hat, ist das: Oft wird beim Thema „Nachhaltigkeit“ gefürchtet, dass wir uns einschränken müssen, dass wir in Zukunft „unbequem“ leben müssen. Möglicherweise haben viele Menschen deshalb Scheu davor, etwas in ihrem Leben zu ändern oder überhaupt darüber nachzudenken.

Durch die Gespräche mit meinen Schwiegereltern ist mir Folgendes klar geworden: Nein, so ist es nicht. Wir müssen nichts von unserer Bequemlichkeit aufgeben. Wir müssen einfach innehalten, nachdenken und Dingen wieder Wert verleihen. An Langlebigkeit glauben. Tempo rausnehmen. Und vertrauen.


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One thought on “Nachhaltigkeit: Ein Gespräch zwischen 2 Generationen.”

  1. Genau diese Werte haben schon meine Eltern und vorgelebt und ich versuche es weitestgehend auch. Einiges verführt ja dazu günstig zu kaufen, aber es lohnt wirklich nicht.
    Ich finde es schön das unsere Kinder zum größten Teil auch versuchen nachhaltig zu leben und es unseren Enkeln auch schon mit auf den Weg geben.
    Im kleinen müssen wir anfangen,damit uns allen noch lange unsere tolle Welt erhalten bleibt.
    Danke für deinen Bericht….

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