Wer RTL „Explosiv“ kennt, der kennt Janine Steeger. Sie war als Moderatorin so etwas wie die Instanz der Sendung. Doch dann hat die Mutter eines 4-jährigen Sohnes letztes Jahr eine Entscheidung getroffen, vor der wir den Hut ziehen. Sie hat ihren Job an den Nagel gehängt und sich für die Selbständigkeit entschieden. Ein Job, der für viele Menschen wohl so etwas wie ein Sechser im Lotto wäre. Ein Job, der für sie und ihre Familie so etwas wie eine Einkommensbank war. Wir haben uns gefragt: Warum hat Jenny das eigentlich genau getan? Und wir freuen uns, dass sie bereit war, uns diese und andere Fragen zu beantworten. So viel vorweg: Janine hat ihren Traum verwirklicht – und der heißt:

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Janine Steeger MutterKutter Moderatorin Mamablog
Credit: Jörg Strehlau Oberteil: Lanius, Hose: Sey Jeans

Liebe Jenny, könntest du dich bitte einmal ganz kurz unseren Leserinnen vorstellen, die dich noch nicht kennen.

Mein Name ist Janine Steeger, ich bin ausgebildete Journalistin und Moderatorin. Mein bisheriges Berufsleben habe ich dem Boulevard gewidmet und war zuletzt 7 Jahre das Gesicht der Sendung Explosiv bei RTL. Seit meinem Weggang dort arbeite ich als freie Journalistin, Moderatorin und Medientrainerin.

Du hast letztes Jahr den Job als Moderatorin bei RTL „Explosiv“ an den Nagel gehängt. Warum bist du diesen Schritt gegangen?

Explosiv zu moderieren war schon zu Beginn meines Berufsweges mein absoluter Traum. Als ich den erreicht hatte, habe ich jahrelang mit großer Leidenschaft diese Sendung mit gestaltet und präsentiert. Und dann ist mir die Leidenschaft abhanden gekommen und ich habe mich gefragt warum. Nach vielen Gesprächen mit mir selbst, der Familie und guten Freunden wurde klar: Andere Themen, nämlich der Umweltschutz, die Nachhaltigkeit, ein bewusstes Leben sind so wichtig für mich geworden, dass ich mich darum auch hauptberuflich kümmern will. Und ich muss erst mit einer Sache abschließen um etwas Neues zu beginnen. Deshalb habe ich gekündigt.

Wie waren die Reaktionen darauf? Ich kann mir vorstellen, dass manche Menschen mit dem Kopf geschüttelt haben, weil du die vermeintlich „sichere Basis“ verlassen und einen Schritt in eine etwas „ungewissere Zukunft“ gegangen bist.

Klar, von Beifall, über Respekt bis eben hin zu Unverständnis war alles dabei. Aber ich war mir gemeinsam mit meinen Liebsten meiner Sache so sicher, dass auch verhaltene Reaktionen mich nicht aus der Bahn geworfen haben. Und die meisten Kommentare waren sehr unterstützend und treibend.

Was machst du heute? Womit verdienst du dein Geld?

Ich bin zu Green Janine geworden und arbeite immer noch als Journalistin und Moderatorin und vielleicht kommt irgendwann auch Buchautorin dazu. Das würde ich mir wünschen. Ich konzentriere mich bei meiner Arbeit vor allem auf das Thema Grün Gründen. Ich bin ja selbst eine Grüne Gründerin. In meinem blog beschreibe ich meinen eigenen Weg und reichere diese Schilderungen mit Informationen von Experten an.

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Und ich trete auch selbst als Expertin auf. Mein grünes Medientraining richtet sich an Unternehmenssprecher. Ich trainiere Interviews mit den Teilnehmern und wenn gewünscht auch Moderationen. Beim Interviewtraining habe ich natürlich den Vorteil, dass ich weiß, wie Journalisten arbeiten.
Green Fashion ist auch zu einem wichtigen Thema für mich geworden, weil ich jahrelang nach nachhaltiger Businessmode gesucht und nicht gefunden habe. Daraufhin habe ich mit einem Kölner Label selbst eine Linie entwickelt – Lanius Essentials – die im August 2016 auf den Markt kommt.
Und als Green Janine bin ich natürlich die perfekte Besetzung für Veranstaltungsmoderationen im grünen Bereich. Durch meine Leidenschaft für den grünen Lifestyle und meine eigene bewusste Lebensweise buchen die Veranstalter von grünen Events mit mir eine authentische und glaubwürdige Moderatorin.

Janine Steeger MutterKutter Moderatorin Mamablog
Credit: Jörg Strehlau
Oberteil: Lanius, Hose: Sey Jeans

Wie sehr unterscheidet sich dein Leben heute von dem früher?

Ich habe sehr viel mehr Zeit für meinen Sohn, das gesamte Familienleben und auch für mich. Und das tut mir gut. Ich habe nach meinem Schulabschluss unentwegt auf der Überholspur gelebt im Berufsleben. Ich bin ständig umgezogen, habe ständig gearbeitet, am Wochenende, nachts, zu viele Stunden am Stück. Manchmal war ich so viel unterwegs, dass ich keine Möglichkeit hatte auf die Toilette zu gehen und dann habe ich aus „Sicherheitsgründen“ nichts getrunken, obwohl ich echt empfindliche Nieren habe. Ich habe einfach null auf mich geachtet.
Als unser Sohn auf die Welt kam, bin ich nach acht Wochen wieder arbeiten gegangen und nach vier Monaten das erste Mal zu Dreharbeiten nach Amerika gereist. Ich habe mir diesen Druck selbst aufgebaut, die Sorge, vergessen werden zu können. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich habe meinem Körper zu viel zugemutet.

Deshalb ist mein Leben jetzt ganz bewusst ruhiger und in Folge meiner Entscheidung auch bescheidener. Wir haben viele Kosten zurück gefahren. Manchmal vermisse ich die Sorglosigkeit, die mit einem guten und regelmäßigen Gehalt einhergeht, aber das Gefühl, auch mal durchatmen zu können und viel mehr Zeit füreinander und für sich selbst zu haben, ist wichtiger.

Welchen Traum hast du dir erfüllt?

Den Traum zuzugeben, dass Bedürfnisse und Ziele sich verändern im Leben und dass man dem nachgeben darf.

„Green Janine“ – das hört sich nicht nur nach einer Marke, sondern auch nach einer Vision an. Wo soll es hingehen?

Ich möchte erreichen, dass Deutschland bei grünem Lifestyle automatisch an Green Janine denkt. Green Janine ist in einigen Teilbereichen der Nachhaltigkeit auch Expertin, vor allem aber Vorangeherin, Motivatorin, Treiberin. Ich weiß, das ist ein großes Ziel, aber in der Beschäftigung mit mir selbst habe ich gelernt, dass ich Ziele brauche (wer braucht die nicht) und diese visualisieren muss.

Wie grün ist dein Privatleben?

Ich glaube, ich bin schon ganz gut im grün sein. Wir haben kein Auto mehr, fahren Fahrrad und nutzen bei schlechtem Wetter Car-Sharing. Wenn ich reisen muss, fahre ich fast ausschließlich mit der Bahn. Ich beziehe grünen Strom (wirklich grün, einige Anbieter betreiben fieses Green Washing). Ich habe Konten bei Fairen Banken. Ich kaufe Green Fashion, habe auch meinen Mann überzeugt das zu tun und für unseren Sohn kaufen wir ebenfalls nachhaltige Klamotten und ganz viel für die Kinder tauschen meine Schwester und ich hin und her.

Lebensmittel sind bei mir nahezu ausschließlich bio und / oder regional, und ich trage sie in mitgebrachten Einkaufsbeuteln nach Hause. Ich verwende gut abbaubare Wasch- und Putzmittel und ich verwende Naturkosmetik. Ich konsumiere einfach insgesamt sehr viel bewusster und weniger als früher.

Janine Steeger MutterKutter Moderatorin Mamablog
Credit: Jörg Strehlau
Pullover: Armed Angels, Hose: goodsociety

Wann oder wodurch wurde dir klar: Ich möchte einen Beitrag zum Wohlergehen der Erde, Menschen und Tiere leisten?

Richtig stark wurde dieses Gefühl mit der Geburt unseres Sohnes. Das geht vielen Menschen so, die sich für die Thematik einsetzen. Automatisch stellst Du Dir ja als Mutter die Frage: Was ist das für eine Welt, in der Du gerade ein Kind hinein gebärst. Und in meinem Fall war eben schnell der Gedanke da: Na ja, wenn die Welt lebenswert bleiben soll, dann müssen wir alle schnell und umfassend handeln. Und dann kannst Du ja nur selbst anfangen das zu tun, was Dir möglich ist. Auf große Entscheidungen zu warten erschien mir wie eine dumme Ausrede. Also habe ich angefangen vieles zu ändern.

Wo können wir Mamas mit dem Umweltschutz anfangen?

Indem wir den Kindern ein bewusstes Handeln und einen umsichtigen Umgang mit der Welt vorleben. Als Kind lernt man am besten, das wissen wir alle, seien es Fremdsprachen, Fahrradfahren oder eben Umwelt schützen. Das passiert nebenbei und gräbt sich tief ein. Wenn wir den Kindern beibringen, worauf es zu achten gilt, ist das der beste Schutz für die Erde.

Wozu rätst du Frauen, die vor einer ähnlichen Entscheidung stehen wie du vor einem Jahr: Bleiben oder Neuanfang.

Ich rate zur kritischen Selbstanalyse – was gefällt mir gerade nicht an meinem Leben, wie kann ich es ändern, wie stark ist mein Bedürfnis nach Veränderung und was bin ich für ein Typ, was kann ich gut und wo verliere ich mich eher. Erst mit dem Wissen um die eigenen Gefühle und Eigenschaften kann man eine wohl überlegte Entscheidung treffen, die dann auch schwierigen Zeiten stand hält.

Ich kenne zum Beispiel auch Menschen, die sich in der Selbstständigkeit verlaufen würden. Ob ich das wuppe, wird sich auch erst noch zeigen. Aber ich halte mich für ausreichend organisiert und fokussiert, um es schaffen zu können. Und ich habe mir durch Erspartes die Luft verschafft, die man gerade am Anfang vermutlich braucht. Aber viele schaffen es auch ohne Geld auf dem Sparkonto. In so einem Fall ist vielleicht der sanfte Übergang besser. Erst mal den Hauptjob reduzieren und parallel mit der neuen Geschäftsidee anfangen. Für mich persönlich ist so was aber ausgeschlossen. Ich bin ein Entweder-Oder-Mensch.

Janine Steeger MutterKutter Moderatorin Mamablog
Credit: Jörg Strehlau
Jacke: Lanius, Hose: Wunderwerk, Sonnenbrille: Kerbholz, Wasserflasche: Klean Kakteen, Fahrrad: Urban arrow

Und unsere nachgefragt!-Frage am Schluss: Was ist dein schnellstes schnelles Gericht?

Hier möchtet Ihr sicher was kindertaugliches lesen… Ich musste vor ein paar Tagen sehr lachen. Mein Sohn und seine beiden Cousins wollten Spaghetti. Ich hab die gekocht, zu lang drin gelassen (waren also weich), anschließend hab ich ein Stück Butter eingerührt, ungewürzte, passierte Tomaten (ohne zusätzlichen Zucker) drauf geschüttet, ein bisschen Salz zugegeben und Parmesan gerieben. Die Kinder waren begeistert. Mein Neffe sagte: Also Frauen können auch gut kochen. Das ist mir auch schon mal bei Mama aufgefallen. Kinder sind also sehr leicht und schnell glücklich zu machen.


Vielen Dank für das Interview, liebe Jenny. Ich habe mich sehr gefreut, mal wieder mit dir zu sprechen. Weiterhin viel Erfolg auf deinem grünen Weg!

Für euch zur Info: Ich (Doro) habe jahrelang als Reporterin für „Explosiv“ gearbeitet und hatte dadurch oft Kontakt mit Janine Steeger.

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