Es gibt Menschen, die ich eigentlich gar nicht kenne, aber an die ich mich gerne erinnere. Menschen, die ich jahrelang nicht gesprochen habe, bei deren Fotos ich aber automatisch mitlächeln muss, weil sie so eine unglaublich positive Energie verbreiten. Menschen, mit denen ich sofort wieder ins Gespräch komme. So erging es mir, Doro, mit meiner alten TV-Kollegin Susi. Genauer: Susanne Böhm. Immer wieder bin ich über ihre frischen Posts bei Facebook gestolpert und dachte mir dann: Mensch, es wäre doch super cool, sie für unseren MutterKutter zu interviewen. Gesagt getan. Am Telefon hat es sich dann auch angefühlt, als ob wir uns gestern das letzte Mal gesprochen hätten. Und: Wir wären wohl auch sofort zusammen einen Kaffee trinken gegangen – wären da nicht die Kilometer zwischen Hamburg und Kiel dazwischen gewesen.


Werbung, da Markennennung.

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter

Susi moderiert die RTL-Regionalsendung für Hamburg & Schleswig-Holstein. Susi ist zweifache Mama. Sie ist fröhlich. Positiv. Und Susi ist stark. Die 39-Jährige erzählt in unserem nachgefragt! offen über ihren Schicksalsschlag, den sie und ihr Mann am Ende ihrer ersten Schwangerschaft erleiden mussten. Worte, mit denen sie anderen Familien in ähnlichen Situationen Mut machen und sagen möchte: Ihr seid nicht alleine!

Wir sagen: DANKE, liebe Susi. Für deinen Esprit, deine Kraft und deine Ehrlichkeit. Du hast uns mit deinen Worten sehr berührt!

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter
Credit: Oliver Paul/ RTL Nord

Liebe Susi, als TV-Kolleginnen kennen uns nun schon wie lange…? Hm, bestimmt zehn Jahre – weißt du, was ich nach wie vor cool an dir finde: Du lachst immer, auf jedem Foto. Du siehst einfach glücklich aus und verbreitest eine super positive Energie. Ich bin neugierig: Warst du schon immer so? Und: Hörst du das öfter?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das Lachen und Grinsen fällt mir schwer. Natürlich ist mir das Lachen nicht ins Gesicht getackert, aber wenn ne Kamera auf mich gerichtet ist, dann geht das „Licht“ an ;-) Wahrscheinlich hängt das mit meinem Job als Model zusammen, das bleibt ja dann doch ein wenig hängen.

Vom Gemüt her bin ich aber sicher ein positiver Typ. Mir sind viele tolle Sachen im Leben passiert und diesen Ereignissen begegne ich mit Demut. Missmut mag ich an anderen nicht und den erlaube ich mir selbst auch nicht.

Meine Lehrer sagten mir tatsächlich oft, ich solle nicht so ne „Flunsch“ ziehen, sprich: so maulig sein. Tja, vielleicht war das aber auch ein Pubertätsding ;-).

Was bedeutet für dich Glück?

Oh man, was für eine große Frage. Glück ist für mich Reisen, Atmen, im warmen Regen stehen, ne Zigarette mit meiner Freundin rauchen, die ich nur alle Jahre sehe, meine Kinder in die Luft schmeissen, sie lachen hören, mit ihnen nach der Gutenachtgeschichte kuscheln und dabei selbst einschlafen. Glück ist da und dann ganz schnell wieder weg, Glück ist ein Augenschlag, Glück ist das Wichtigste, aber es lässt sich eben auch nicht erzwingen. Und manchmal muss man auch im Schmerz vergehen, um sich selbst auch von der dunklen Seite her zu spüren. 24 h bestehen ja auch aus Tag und Nacht.

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter Selfie

Du führst ein Leben zwischen zwei Extremen. Du bist zweifache Mama und TV-Moderatorin, bringst morgens deine Kinder in die Kita und triffst danach eine Promiladys wie Barabara Becker oder Ildikó von Kürthy. Wie lassen sich diese zwei Welten vereinbaren?

Naja, also ehrlicherweise bringt mein Mann die Kinder in die Kita, wenn ich ins Büro gehe, das passt zeitlich besser. Aber ansonsten brauch ich beides, den Job und die Kids. Deine eigene Perspektive erweitert sich so dermaßen durch das Mamasein, so dass es für Themen und Interviews einfach nur bereichernd ist statt anzustrengen. Was habe ich mit Barbara Becker oder Ildiko von Kürthy gelacht über die Tücken des Mamaseins. Da spricht man dann mehr über die Gören und muss sich konzentrieren, dann auch sein Interview durchzuführen. Es bringt Frauen, die das Muttersein erleben dürfen, doch noch einmal näher zueinander. Du schaust dich an und weißt: Ja genau. Ich weiß, was du meinst.

Was hat dich damals vor die Kamera gezogen? Und was liebst du heute noch an deinem Job?

Durch das Modeln in sehr frühen Jahren habe ich die Kamera zu schätzen gelernt und herausgefunden, was gut aussieht und was nicht. Das reicht natürlich in meinem Job allein nicht aus, aber es macht vieles einfacher, nimmt Ängste und Hemmungen. Das journalistische Know-how gibt einem dann die nötige Sicherheit und Souveränität. Heute würde ich mir wünschen, noch mehr Live-Events zu moderieren, denn darin sehe ich noch eine weitere Herausforderung für mich.

Gibt es irgendjemanden, den du unbedingt noch einmal treffen möchtest?

Ich würde unheimlich gern Menschen treffen, die in diesen Zeiten von Konflikten, Angst und Krieg dahin gehen, wo es weh tut, wo es dreckig ist und wo sie mit ihrem Tun andere zum Staunen bringen. Ja, die Promis zu interviewen ist aufregend, wunderschön und ich fühle mich geehrt. Doch mittlerweile reizen mich die persönlichen Geschichten derer, die niemand kennt, die aber das tun, was viele berührt. Und einzelne Schicksale so verändern, dass das Leben wieder lebenswert ist.

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter Revolverheld
Susanne Böhm & Revolverheld
Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter Cornelia Porletto
Susanne Böhm & Cornelia Poletto
Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter Howard Carpendale
Susanne Böhm & Howard Carpendale

Wobei findest du nach Job- und Mamafeierabend deine persönliche Ruhe?

Meinen Nachhauseweg lege ich meistens auf dem Fahrrad zurück, eine halbe Stunde nur für mich, entlang der Alster. Dann geht die Sonne unter, dann schlendern die Menschen in ihren Feierabend. Für mich ein guter Zeitpunkt, um den Kopf durchzupusten. Wenn es mehr Tempo braucht, dann schnalle ich die Turnschuhe unter und laufe – das ist mein Ankommen bei mir. Laute Musik inklusive!

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter
Credit: Chris Böhm

Wie sehr hat das Muttersein dein Leben umgekrempelt? Ich habe ja früher den Satz gehasst: „Dann ist alles anders“ – heute muss ich zugeben: „Stimmt. Irgendwie ist nichts wie zuvor. Aber es ist umso schöner.“

Oh man, ich hab immer gedacht, wenn jemand sagt: Ach, hätt ich das doch nur früher schon getan, wäre das geheuchelt. Aber da kann ich jetzt auch zustimmen! Mit Ende dreißig habe ich zwei gesunde Kinder, aber hätte gern noch „4“ mehr. Aber das ist nicht mehr wirklich realistisch ;-)… Aber ich schätze meine lange Nichtmamazeit! Meine Kinder haben mich neue Züge in mir entdecken lassen und sie erinnern mich so sehr an meine Kinderzeit – und die wirkt plötzlich so nah und ich erschrecke mich trotzdem manchmal, wenn ich mir überlege, wie lang das her ist. Der Alltag, klar, ist anders. Du gibst alle Zeit ab und kämpfst ständig für ein paar Minuten Alleinsein – aber Alleinsein möchte ich nie wieder!

Ich hoffe, dass es OK ist, dass ich das anspreche…Ich erinnere mich daran, dass du in deiner ersten Schwangerschaft einen schweren Schicksalsschlag erfahren musstest. Soweit ich informiert bin ist dein Baby ein paar Tage vor der Geburt verstorben. Würdest du uns erzählen, was damals passiert ist?

Unsere erste Tochter sollte im Dezember 2010 auf die Welt kommen. Mein Mann war nicht in Deutschland und plötzlich dachte ich: Da stimmt was nicht, die Kindsbewegungen waren weniger geworden. Mein Arzt schickte mich sofort in die Klinik, viele Untersuchungen später, die alle positiv verliefen, ging ich wieder heim. Einen Tag später sollte ich zur Nachuntersuchung kommen – da schlug das kleine Herzchen nicht mehr. Ich war starr, ich weinte nicht, ich schrie nicht, ich fühlte nur Panik.

Oh nein, nein, nein – meine Eltern waren just in diesem Moment in Hamburg und konnten nicht begreifen, was gerade passiert war. Ich musste meinem Mann am Telefon sagen, dass die Kleine nicht mehr lebte. Er versuchte, den nächsten Flieger aus Südafrika nach Hamburg zu bekommen. 24 Stunden später war er da. Und auch erst dann setzten die Wehen ein, die durch Einleitungsmedikamente herbeigeführt wurden.

Die Geburt verlief im Grunde so, wie ich es mir für mein lebendes Kind gewünscht hatte – fürsorgliche Hebammen, eine ruhige, entspannte Atmosphäre, ein Kind, das ich in den Arm nehmen konnte – nur es lebte nicht, es schrie nicht. Sie war perfekt, sie war wunderschön – nur die himbeerfarbenen Lippen und die weiße Haut  waren Anzeichen für das Unbegreifliche. Erst als ich sie im Arm hatte, konnte ich endlich weinen und die Katastrophe wurde real. Wir durften Stella noch ein paar Tage immer wieder sehen, ich bin unserer Familie und Freunden dankbar, die sie auch kennenlernen wollten. Noch im Krankenhaus haben wir sie taufen lassen und eine wunderschöne Abschiedszeremonie vorbereitet.

Wie habt ihr das als Familie verarbeitet?

Es ist unheimlich schwer – zu Beginn gibst du dir Halt, du verzweifelst, du willst sterben und zermarterst dir das Hirn: Warum? Dann spürt man aber auch, dass jeder Mensch anders mit dem Tod eines Kindes umgeht. Manche flüchten, manche lachen, manche schweigen oder schreien. Alles ist erlaubt, das habe ich gelernt, nichts ist zu bewerten oder zu verurteilen, denn diese Situation ist so außerhalb unserer Vorstellungskraft, dass man nicht erwarten kann oder darf, wie man sich zu verhalten hat.

Geholfen hat uns gemeinsam eine Therapie im Krankenhaus, direkt von einem psychologischen Berater vor Ort.

Ich selbst habe mich dann für eine Gruppe bei den „Verwaisten Eltern und Geschwistern“ entschieden, bei der ich über ein Jahr war.

Immer wieder mit Freunden und Familie sprechen, das Thema nicht tabuisieren, das ist das Beste, was man machen kann. Denn es holt Dich immer wieder ein. Unsere Tochter fragt ganz oft nach ihrer großen Schwestern und das ist gut so. Wenn ich in die Sterne sehe, dann ist sie immer dort.

Rund eineinhalb Jahre später kam eure Tochter Selma dann auf die Welt. Wie hast du die Schwangerschaft erlebt?

Ich war so glücklich, dass sich da wieder ein kleiner Mensch auf den Weg macht. Doch die Schwangerschaft war von Angst durchsetzt, von Sorgen und ständigen Kontrollen beim Arzt. Doch die Schwangerschaft war auch ein Stück weit die Erlösung von unserem Trauma.

Wir projizierten Hoffnung, aber auch unsere Ängste in den kleinen Menschen, der sich da auf seinen Weg machte. Ich war auch ab und an für kurze Aufenthalte im Krankenhaus, alle Parteien waren alarmiert und super vorsichtig. Letztendlich empfahl mir mein Arzt sogar einen Kaiserschnitt, doch damit fühlte ich mich nicht wohl. Dieses Kind sollte auch seinen Weg in die Welt finden, so wie es wollte.

Und mit der Spontangeburt verarbeitete ich sicher auch das Trauma von Stellas Geburt – endlich ein lebendes Kind in Armen halten. Mein Mann meinte noch, sie kam mit einem geballten Fäustchen auf die Welt – so ganz nach dem Motto: „Euch zeig ich es, ich lebe“!

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter

Warum hast du dich damals dafür entschieden, mit deiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen?

Das fiel mir nicht leicht – doch ich habe gemerkt, mit wie vielen Tabus still geborene Kinder und das gesamte Thema Tod belegt sind, und wie das die Eltern schmerzt, dass ihre Kinder, die gelebt haben, wie alle anderen, verschwiegen werden. Das wollte ich für unser Kind nicht, sie gab es, sie lebte in uns. Da ich nun durch meinen Beruf zu einem gewissen Teil in der Öffentlichkeit stehe und auch die Schwangerschaft ein Thema in den Medien war, entschied ich mich, mit dem traurigen Ausgang der Totgeburt offensiv umzugehen. Bis auf vereinzelte Ausnahmen wurde sehr respektvoll damit umgegangen.

Ein Sprung ins Hier und Jetzt: Hast du für Familien, die einen Hamburgbesuch planen, ein paar coole Ausflugstipps?

  1. Der Piratenspielplatz in der Hafencity – Sight Seeing für Mama und Papa, Abenteuer für die Kids.
  2. Der Wasserspielplatz bei Planeten un Blomen.
  3. GoldMarie in der Marktstrasse – superschöne Klamotten für Mama und Kind.
  4. Hai Q in der Hegestrasse – ein Muss für Surfer Dudes und deren Kids.
  5. Hagenbeck, großartig und für Kinder bis 4 Jahre kostenfrei.
  6. Wildpark Schwarze Berge.
  7. Blankeneser Strand an der Kajüte 16.

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter

Und wo gibt es den besten Latte Macchiato der Stadt?

Oh man, die Kinderwagen-Schiebe-Treffen liegen schon eine Weile zurück – aber dann zog es mich immer ins Balzac – vielleicht nicht der beste Kaffee, aber der meiste Platz!

Und unsere nachgefragt!-Frage zum Schluss. Was ist dein schnellstes Lieblingsgericht?

Für mich: Ich liebe Salate in allen Ausführungen. Wenn ich koche: Kartoffeln mit Möhrchengemüse.

Susanne Böhm RTL Nord Moderatorin Mama Zweifachmama Susi trifft Redaktion Hamburg Mamablog Mutter MutterKutter

5 thoughts on “nachgefragt! bei RTL Nord-Moderatorin, Positivdenkerin & Mama Susanne Böhm”

  1. Durch Zufall mal wieder auf deiner Seite gelandet liebe susanne Daumen hoch und alles liebe vielleicht lerne ich mal deine beiden kleinen kennen wäre toll führt dich dein weg mal nach Hannover

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere.