Diese Frau hat Power. Jede Menge. Und sie ist ein Mensch, dem man einfach gerne zuhört. Sie inspiriert andere – nicht nur durch ihre sympathische Art, sondern auch durch ihre Ideen, die nur so aus ihr heraussprudeln. Günes Seyfarth ist ein Kreativkopf, Dreifachmama & Businesslady.  Zwei Jobs, die sie – so unser Eindruck – mit einer gewissen Leichtigkeit unter einen Hut bringt. Ihre drei Jungs sind ihr Ansporn, Quell ihrer Inspiration, ihr Leben, sagt sie.

In unserem Interview spricht Günes mit uns nicht nur über ihre Rolle als Mama, über unser Schulsystem und ihre Träume – die Münchnerin verrät uns auch, warum es gut ist, dass sie ihren Job als Chefin des Mamikreisel aufgeben musste. Genau in dieser Funktion wollten wir sie eigentlich interviewen – doch dann kam alles anders. Aber lest selbst.


Günes Seyfahrt Mamaikreise Mama Mutter Dreifachmama München Kiel Mamablog MutterKutter Mamablogger Kreativkopf

Liebe Günes, eigentlich wollten wir dich auch rund um deine Arbeit als Chefin des Mamikreisels interviewen. Doch nun ist alles anders gekommen in deinem Leben. Kannst du uns sagen, was passiert ist?

Das Headquarter „Vinted“ hat sich entschieden die Portale wie Mamikreisel und Kleiderkreisel zentral zu verwalten. Deswegen wurden die lokalen Büros geschlossen. Unser Team ist nun auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

Ich war Miss Mamikreisel.

Was hat dieser Job dir bedeutet?

Eine Zeit lang war es mein Leben. Er hat mich definiert. Ich war Miss Mamikreisel. Doch im letzten Jahr hatte ich die Möglichkeit mich emotional zu lösen. Meine Verantwortungsbereiche verschoben sich – ich agierte global – und meine Entscheidungsbereiche lokal wurden kleiner. Daher war das abrupte Ende nun nicht schmerzhaft, sondern erlösend.

Und wie hast du die Nachricht aufgenommen? Was hast du in dem Moment gedacht als du gehört hast: Du darfst dir als 3fach-Mama nun eine neue Herausforderung suchen?

Ehrlicherweise war ich sehr gefasst. Und erst 2 Stunden später begriff ich: das ist erlösend. Ich saß im Auto, machte die Musik laut und die Sonne schien. Es fühlte sich an wie eine neue Freiheit. Ich war verwirrt. Ich musste doch entsetzt sein, traurig, wütend. Aber das war ich nicht. Ich war bereit für was Neues.

Günes Seyfahrt Mamaikreise Mama Mutter Dreifachmama München Kiel Mamablog MutterKutter Mamablogger Kreativkopf
Günes mit ihren 3 Jungs – Malik, Mael & Mateo (von links).

Wie ich dich nach unserem Telefonat einschätze wirst du jetzt neu durchstarten…Liege ich da richtig?

Ich sage es mal so. Ich war noch nie so beschäftigt wie grade eben. Ich berate verschiedene Projekte und Unternehmen hinsichtlich Geschäftsfähigkeit ihrer Idee und wie man aus der Idee eine Marke macht. Außerdem hab ich ein paar Nebenprojekte wie eine Farb- und Stilberatungs-App 247runway und die Kaffeekarte München. Man sagt Rentnern doch immer nach, dass sie nie Zeit hätten. So geht es mir grade auch.

Man braucht Mut, sich Dinge (anders) vorzustellen.

Ich habe bei unserem Telefonat gedacht: Cool, diese Frau hat ja 1000 Ideen. Mein Eindruck ist: Die müssen auch sofort raus und möglichst bald in die Tat umgesetzt werden. Irre ich mich da oder hast du in der Tat eine Art Gedankenspringbrunnen im Kopf?

Ich bin vielseitig interessiert. Das war ich schon immer. Über die Jahre begann es in mir zu arbeiten und ich mache unbewusst und bewusst viel Transferleistung. Ich übertrage Erfahrungen und Beobachtungen aus einem Bereich auf einen im ersten Moment ganz anderen Bereich. Was ich an meinen Kindern sehe und von ihnen lerne, setze ich in der Führung von Mitarbeitern um . Was ich in einer Nachricht über Umweltschutz lese, kann ich mir in unserem bayerischen Schulsystem vorstellen, was meine Emotionen aus mir machen, reflektiert für mich häufig das Verhalten von Menschen in verschiedenen Situationen.

Ich mag Vielfalt. Ich mag mich mit Neuem und Unbekannten beschäftigen, es zu begreifen und es zu entwickeln, so „wie man es nicht macht“. Ohne Grenzen im Kopf. Ich glaube fest daran, dass der Gedanke die gefährlichste Waffe der Welt ist. Man braucht Mut, sich Dinge (anders) vorzustellen. Denn es kann Realität werden. Das heißt: eine Veränderung kommt. Das muss man sich trauen. Außerdem bin ich Praktikerin, Umsetzerin – oder wie manche mich nennen – MacGyver. Da ist ein Problem. Ich finde eine Lösung. Vielleicht eine, die anders ist. Aber sie löst es.

Günes Seyfahrt Mamaikreise Mama Mutter Dreifachmama München Kiel Mamablog MutterKutter Mamablogger Kreativkopf

Inwiefern sind deine Kinder Quell deiner Inspiration?

Meine Kinder zeigen mir, wie aufregend das Leben sein kann, wenn man sich dem, was man tut, hingibt – mit 100%. Nicht mit angezogener Handbremse wie wir Erwachsenen das tun, weil wir ja ach so erfahren sind und ach so viele Konsequenzen verstehen. Das hindert uns häufiger als dass es uns beflügelt. Mein Ziel ist es meine Kinder so wenig wie möglich in ihrer Grenzenlosigkeit einzuschränken. Ich liebe zu sehen wie sie Herausforderungen angehen und welche Logiken sie dabei einsetzen. Da lerne ich wie ich es machen kann. Ich werde ihnen wahrscheinlich nie klar machen können, wie sehr sie mein Leben jeden Tag durch ihr Vorbild lenken.

Wieviele deiner Ideen hast du schon in die Tat umgesetzt?

In den letzten Jahren mehr. Ich habe mehr Selbstvertrauen gewonnen mit jeder Idee, die ich auf meine Weise umgesetzt habe. Ich schaffe es durch meine vergangenen Erfolge Menschen für Neues zu begeistern. Die Kita (Anmerkung von uns: Günes hat eine Kita gegründet) ist ein Herzensprojekt. Die Gründung der Schule ein anderes, was noch in der Mache ist. Die Kaffeekarte war ein Spontanprojekt, das mit viel Genuss und dem Spaß an gutem Handwerk und gutem Kaffee Menschen verbindet. Mein Heiligabendessen, das ich mit vielen Helfern für diejenigen ausrichte, die an Heiligabend nicht alleine feiern wollen, ist ein anderes Lieblingsprojekt. Und die Farb- und Stilberatungs-App 247runway.de, das mehr Jahre gebraucht hat als mein ältester Sohn alt ist, bis es Wirklichkeit wurde, ein anderes.

Mein Bruder hat das Down-Syndrom. Mich hat er zu der Person gemacht, die ich bin.

Wir haben lange über das Thema Schule und so manche Ungerechtigkeit im System gesprochen. Woran störst du dich bei unserem aktuellen Schulsystem? Was können wir besser machen?

Am meisten störe ich mich daran, dass wir versuchen mit unserem Schulsystem die Kinder zu Arbeitern einer Gesellschaft zu machen, die veraltet ist und die es so nicht mehr gibt. Man nimmt nicht die Begeisterungsfähigkeit, den Wissenshunger der Kinder auf, negiert ihre Individualität indem man über alle eine Lernschablone – den Lehrplan, der jedes Jahr nach vorgeschriebenem Plan erbracht werden muss. Man füttert durch das Notensystem das Gefühl zu versagen, die sich nach dieser veralteten Lernschablone richten und nicht nach den individuellen Interessen und Potentialen der Kinder. Was dabei rauskommt sind Menschen, die sich an das Scheitern gewöhnt haben, Angst davor haben Neues auszuprobieren und mangelndes Selbstvertrauen haben, weil sie gar nicht wissen, was sie können und was sie wollen im Leben.

Ich plädiere dafür runter zu steigen von unserem arroganten Ross und nicht vorzugeben, was wir meinen, was Kinder lernen müssen, sondern aufzugreifen, dass jedes Kinder smart ist – auf seine Weise. Das bedeutet sich auf jedes Kind einzulassen, einzutauchen in seine Welt. Es zu respektieren und wertzuschätzen. Weil ich die Welt des andere nicht verstehe, ist dieser Mensch nicht doof. Er ist anders. Genauso wertvoll wie ich. Nur weil sich das Kind nicht in die Entwicklungsschemen von Schulen passt, sollten wir es nicht auf Haupt- und Mittelschulen „abstellen“, sondern fordern und fördern, indem wir es in unsere Gesellschaft und die Herausforderungen wie Altersarmut, Klimawandel, Zuwanderung und schrumpfende Mittelschicht sowie Digitalisierung unserer Arbeits- und Privatwelt einbeziehen. Wir wären überrascht, welche Lösungen unsere Kinder jeglichen Alters für diese Probleme hätten, die uns bisher oft eher starr als aktiv machen.

Mein Bruder hat das Down-Syndrom. Viele haben ihn belächelt. Mich hat er zu der Person gemacht, die ich bin. Eine Person, die die Grautöne unserer Gesellschaft erkennt und nicht versucht in Schwarz und Weiß einzusortieren, damit die Komplexität einfacher zu verstehen ist. Er hat mir gezeigt jedem Menschen unvoreingenommen entgegen zu treten. Ihn dafür zu schätzen, was er ist. Nicht, was ich meine, wie der andere Mensch sein sollte. Im Unterschied die Gemeinsamkeit zu sehen. Und die Bereicherung für einen selbst, dass man Vielfalt erleben darf.

Inwiefern engagierst du dich bei dem Thema Schule?

Ich engagiere mich in dem Verein Eine Schule Für Alle e.V. Wir wollen Gemeinschaftschulen in Bayern umsetzen. Ein schwieriges politisches Unterfangen. In dem Rahmen sprechen wir auch mit führenden Politikern, um mehr und mehr zu begreifen, was wir wie politisch beeinflussen können, damit alle Kinder von der Veränderung profitieren können.

Parallel versuche ich eine eigene Schule zu gründen, in der die Werte, von denen ich überzeugt bin, leben. Ich versuche immer in die Umsetzung zu gehen. Ich will wissen, ob es in der Realität funktioniert. Das theoretische Konstrukt ist die Basis dafür. Doch die Theorie befriedigt mich nicht. Ich will wissen, wie es dann in der Realität aussieht.

Günes Seyfahrt Mamaikreise Mama Mutter Dreifachmama München Kiel Mamablog MutterKutter Mamablogger Kreativkopf

Du bist Dreifachmama, „kämpfst“ privat für deine Themen und gibst beruflich offenbar auch Gas. Wie machst du das alles?

Ich werde unterstützt durch meinen Mann und ich bin keine Übermutter. Das heißt meine Kinder lernen, dass Mama nicht alles begleitet. Dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen müssen. Sie wissen, dass mein Mann und ich sie bedingungslos lieben. Sie müssen uns nicht gefallen. Sie sollen unsere Wertvorstellungen lernen. Höflichkeit und Umgangsformen. Dazu habe ich ein tolles Netzwerk, was auch immer wieder einspringt, wenn Not an Betreuung ist. Und dieses Netzwerk unterstützt mich auch bei meinen Projekten.

Bleibt da eigentlich noch Zeit für dich persönlich?

Ich mache keine Trennung zwischen mir persönlich und dem, wer ich bin, wenn ich Mama bin oder in beruflichen Projekten arbeite. Daher ist mein ganzer Tag so wie er mir persönlich gut tut. Das heißt nicht, dass ich nicht auch herausgefordert bin oder dass ich zeitlich und organisatorisch manchmal enger plane als manchmal realisierbar ist. Doch ich schaffe mir Auszeiten in meinem Tag. Und ich habe gelernt Schlaf zu lieben. Jahrelang hab ich den Schlaf als unnötig angesehen. Als Mama habe ich gemerkt, dass ich mit ausreichend Schlaf ein besseres Nervenkostüm habe. Deswegen gönne ich mir manchmal eine Viertelstunde am Tag.
Ansonsten koche ich gerne. Ich bin Lebensmittelretterin über foodsharing. Dort rette ich mehrfach die Woche Lebensmittel von Betrieben und verteile die entweder weiter oder/und esse sie mit meiner Familie. Diese Vielfalt an frischem Gemüse und Obst zuhause zu haben inspiriert mich immer wieder für neue Kreationen. Beim Kochen kann ich sehr gut entspannen und zu mir finden.

Wie tankst du Kraft?

Ich freue mich immer auf das Resultat meiner Projekte. Das gibt mir viel Power und Durchhaltevermögen.

Welche Träume hast du? Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Es gibt viele Träume. Ich wünsche mir eine Gesellschaft zu erleben, die nicht nach den Wirtschaftsprinzipien lebt, sondern wo man sich Zeit füreinander nimmt. Das bedingungsloses Grundeinkommen ist ein wichtiger Schritt dorthin.
Persönlich wünsche ich mir, dass es meiner Familie und Freunden gut geht und dass wir viele schöne Momente miteinander erleben. Und ich will neue Länder, Kulturen und deren Menschen kennenlernen.

Umgib dich mit Menschen, die es gut mit dir meinen.

Und was kannst du anderen Frauen mit auf den Weg geben, die in einer schwierigen beruflichen oder privaten Situation stecken. Hast du vielleicht eine Art „Lebenstipp“ für sie?

Das Wichtigste: Umgib dich mit Menschen, die es gut mit dir meinen. Ich habe erlebt, dass viele Menschen sich Kontakte oder Partner suchen, die nicht unterstützen, sondern immer kritisieren, was man tut. Ich empfehle sich von diesen Menschen zu lösen. Es wird immer Menschen geben, die das was man tut nicht gut finden. Das ist OK. Denn es gibt mindestens genauso viele, die es gut finden. Und da jeder seine eigene Wahrheit hat, kann man sich mit denen umgeben, die einen unterstützen und stärken, wenn man mal unsicher auf seinem Weg ist.
Und ich empfehle keinen perfekten Plan für etwas zu entwickeln, was man umsetzen will. Sondern mit der Idee erstmal zu starten. Sich mit anderen austauschen. Das kann der Partner sein, jemand aus einem ähnlichen beruflichen Umfeld oder einem anderen Bereich. Hauptsache aktiv werden. Nicht in Planungsstarre verfallen. Aus sowas kommt man schwer wieder raus.

Günes Seyfahrt Mamaikreise Mama Mutter Dreifachmama München Kiel Mamablog MutterKutter Mamablogger Kreativkopf

Und unsere nachgefragt!-Frage zum Schluss: Was ist dein schnellstes Lieblingsgericht?

2 weichgekochte Eier. Das sättigst und nimmt grad an Tagen mit wenig Schlaf das ständige Hungergefühl. Und als Nachtisch einen Granatapfel entkernen und die Kerne essen. Das ist nicht besonders schnell, aber entspannend.


Herzlichen Dank für das Interview, liebe Günes!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere.