Es war zuletzt die Bikramyoga-Stunde, die mir ganz klar vor Augen geführt hat: mit dem Muttersein habe ich mich verändert. Krass. Ich stresse mich nicht mehr so. Ich akzeptiere ja mich und meine Grenzen. Wahnsinn. Ich vergleiche mich ja gar nicht mehr mit anderen Frauen. Toll. Ein schönes Gefühl. Erleichternd. Kraft gebend. Entspannend.

  Druck. Stress. Selbstzweifel.

Das war vor meiner Schwangerschaft anders. Damals habe ich auf die anderen Körper geschielt und mich gefragt: Warum bin ich nicht so durchtrainiert? Damals habe ich auf die „Yoga-Profis“ geguckt und gedacht: Mist, warum kann ich das nicht so gut? Das Ende vom Lied: Schwirrende Gedanken. Druck. Stress. Ich wollte in vielen Dingen perfekt sein. Nur: Dass niemand perfekt ist, auch andere Röllchen haben, dass andere manche Dinge auch nicht so gut können und jeder anders ist…Solche Dinge hat mein Gehirn perfekt ausgeblendet!

Umprogrammierung als Mama.

Mein Gehirn – das wurde als Mama, mit dem Muttersein, umprogrammiert. Mir ist plötzlich klar: Das Muttersein hat mich verändert. Meine Tochter hat mich verändert. Sie hat mich stark gemacht. Sie hat mir sämtliche Zweifel und Ängste genommen. Und in dem Moment, in dem ich das hier schreibe, schießen mir tatsächlich Glückstränen in die Augen. Heute frage ich mich: Warum habe ich mich früher eigentlich so oft gestresst? Wieso habe ich geglaubt, perfekt sein zu müssen? Wie konnte es dazu kommen, dass ich vor dem Spiegel stand und mich angezweifelt habe? Und warum habe ich mich vor der Schwangerschaft eigentlich nie so akzeptiert, wie ich war?

Bin ich denn bekloppt?

Heute, im Rückblick, erschreckt es mich, wie oft ich mich habe von Selbstzweifeln leiten lassen. Wie oft ich vor dem Spiegel stand und meine Röllchen angefasst habe. Wie oft ich dachte: Ich wäre aber gerne so oder so. Und: Wie oft habe ich zu meinen wunderbaren Freundinnen gesagt: „Du hast echt einen Verzerrspiegel Zuhause!“ Dass ich aber selbst verschwommen sehen könnte – das kam mir nicht in den Sinn. Die wunderbaren Komplimente meines Mannes – die habe ich geflissentlich überhört. Warum? Das weiß ich nicht so genau. Vermutlich war es eine Art Muster. Soll er doch reden! Das war wohl einfacher als klar zu sehen und sich dann einzugestehen: Du spinnst doch, Doro!

Danke Anneli!

Heute bin ich anders. Ich fühle anders. Ich sehe anders. Mit den Augen meiner Tochter. Ich bin für sie einfach Mama. Anneli lacht, wenn sie mich sieht und will in meinen Arm, wenn sie müde ist. Sie guckt mich voller Liebe an. Meine Tochter liebt mich – genau so wie ich bin. Dank ihr habe ich Zweifel und Ängste verloren. Ich bin für sie stark. Ich gucke auf die Welt mit Kinderaugen. Hier geht es nicht um Vergleiche. Perfektionismus oder Wertungen gibt es nicht. Hier wird erkundet, gelacht, gestaunt. Und ich habe gelernt zu sagen: „Es ist grad unordentlich, du hast Flecken auf dem Oberteil, du hast XY nicht geschafft…egal, ich lass das jetzt so.'“

Dank Anneli bin ich wieder bei mir. Wir gucken gemeinsam in den Spiegel und strahlen uns gegenseitig an. Wir lachen aus vollem Herzen über die kleinen und großen Dinge des Lebens. Ja, wir leben einfach. Dank Anneli bleibe ich nun auch beim Yoga bei mir (auf meiner Matte). Ich gucke nicht mehr auf die anderen. Ich akzeptiere mich und meine Grenzen. Und auch die letzten Hüftröllchen. Wie sagt mein Mann immer: „Du hast ein Kind bekommen! Sei stolz. Du  bist toll so, wie du bist!“ Heute erhöre ich ihn. Und das ist plötzlich ganz einfach!

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