Es war mein Dauerbrenner beim Googeln bevor unser Kind kam:

„Baby Feier, Baby auf Feier, Hochzeit mit Baby, geht das?“

Mein Freund hatte mir noch in der Schwangerschaft einen Heiratsantrag gemacht und wir wollten nicht zu lange mit der Hochzeit warten. Also entschieden wir uns, im Herbst zu heiraten. Unser Kind würde dann etwa 6 Monate alt sein. Und noch bevor Titus auf der Welt war, fing ich an, mich zu fragen, ob das eine gute Idee war. Tausend unbeantwortete Fragen standen im Raum:

  • Wo soll der Kleine schlafen? Nicht zu nah an der Feier, damit es nicht laut ist, aber auch nicht zu weit weg, sonst brauchen wir so lange bis wir bei ihm sind.
  • Kann er überhaupt in einer fremden Umgebung schlafen?
  • Wer soll sich um ihn kümmern, wenn er sich nicht beruhigt? Alle Verwandten und engen Freunde sind ja selber Gäste auf der Hochzeit, da kann ich schlecht jemanden als Fulltime-Babysitter einsetzen.
  • Muss ich noch stillen und wie komme ich schnell aus dem Brautkleid?

In Gedanken spielte ich diesen Abend tausend mal durch, doch jedesmal blieb ein fader Beigeschmack. Ich hatte das Gefühl, ich würde entweder der Hochzeitsgesellschaft oder meinem Kind nicht gerecht werden. Was, wenn ich mitten bei einer Darbietung oder einer Rede zu meinem Kind musste?

Jetzt muss ich dazu sagen, dass wir Titus von Anfang an immer viel mitgenommen haben, er schlief im Sommer oft im Kinderwagen, wenn wir bei Freunden waren oder einfach auf einer Decke am Boden. Da war er im Grunde unkompliziert. Aber sobald er älter wurde, kam die Neugier und das mit dem Schlafen immer und überall relativierte sich.

Dazu kam noch, dass er wenige Wochen vor der Hochzeit anfing, die Flasche abzulehnen. Er war ein Stillkind, hatte aber von seinem Papa immer mal die Flasche mit Muttermilch genommen, wenn ich mal unterwegs war. Das war nun auch vorbei. Wir probierten es wochenlang, aber da war nix zu machen. Also musste ich stillen. Im Grunde kein Ding, aber auf der eigenen Hochzeit nicht anzustoßen, kam mir wie ein fauler Kompromiss vor.

Was soll ich sagen, die ganzen Sorgen waren völlig umsonst.

Am Tag der Hochzeit lief alles anders, als gedacht. Aber im positiven Sinn!

Tagsüber wurde Titus bei unserer riesigen Hochzeitsgesellschaft von Arm zu Arm gereicht und fand es super. Ich konnte ihn nach der Trauung in Ruhe stillen und dann wurde er wieder bespaßt.

Am Abend brachte ihn sein Onkel einfach so ins Bett, ich konnte gar nicht so schnell gucken, plötzlich sagte er zu mir: dein Sohn schläft. Wir hatten ihm zwei Räume weiter seinen Kinderwagen hingestellt, die Spieluhr rein und fertig. Offenbar haben die Eindrücke des Tages ihn völlig müde gemacht.

Und auch nachts ging das so weiter. Er wurde zwar regelmäßig wach (da er bis dahin noch nicht durchschlief), aber immer schnappte sich jemand aus unserem Freundeskreis das Babyphone und beruhigte ihn. Dabei war ich vorher der Meinung, dass das nur mir gelingen kann. Falsch gedacht… Ich wurde tatsächlich nur zum Stillen geholt und das waren dann 10 Minuten mit meinem Kind, die ich wahnsinnig genossen habe und in denen ich Zeit hatte, den aufregenden Tag gebührend wahrzunehmen.

Ich war voller Adrenalin!

Und zum Thema Alkohol: Ich kam nicht mal dazu, einen Sekt zu trinken und ich hätte ihn auch nicht „gebraucht“. Ich war so voller Adrenalin und so glücklich, dass unser Sohn die Feier so gut mitmacht, dass ich ausgelassen bis morgens um 5 Uhr getanzt habe!

Kind und Feier – in unserem Falle ein echter Erfolg. Ich habe bei der ganzen Suche im Internet vorher übrigens was sehr Interessantes von einer Italienerin gelesen. Die schrieb, dass dieses „Problem“ typisch deutsch sei, in Italien sind die Kinder und Babys ganz selbstverständlich auf jeder Feier dabei, denn sie sind Teil der Familie.

Ich kann das nur unterstützen. Wenn wir eingeladen sind, versuchen wir Titus mitzunehmen, am liebsten im Tragetuch, dann ist der Abend für ihn meist völlig problemlos. Bei Stimmengewirr und Gelächter schläft er am besten. Wenn wir merken, dass es laute Musik gibt, legen wir ihn natürlich in ein anderes Zimmer. Und selbst da schläft er (immer noch zu meiner Überraschung) meist schneller ein als Zuhause.

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