Es gibt sie. Diese Minuten, diese Stunden, diese Tage. Heute hatte ich einen halben davon. Ich war voll genervt. Ich hatte das Gefühl, in einem Tunnel zu stecken. So eine Art Mama-Tunnel, um genauer zu sein.

Mama genervt Mamablog MutterKutter ich sehe Schwarz

Ich genervt. Kind genervt. Ich gemotzt. Kind gemotzt. Eine Situation, aus der ich erst einmal nicht herauskam. Ich steckte fest. Wie ein bockiges Pferd. Wie ein sturer Esel – mit einer Portion Selbstmitleid.

Morgens ist noch alles in bester Butter.

Dabei war ich morgens noch super gut gelaunt, sehr guter Dinge. Das Nörgeln meiner Tochter, das schon gleich nach dem Aufstehen begann, das habe ich erst einmal so hingenommen und sie stattdessen abgelenkt oder zum Lachen gebracht. Mit Kind auf dem Arm oder Klötzchen stapelnd – dabei das Telefon in der Hand – habe ich noch mit sämtlichen To Do´s jongliert. Job, Privatleben & Co. Geht doch – auch als Mutter. Zack.

Ich war stolz wie Bolle. Ein Gefühl von: Du schaffst das alles! Dingdingding. Läuft.

Nur: Das Motzen meiner Tochter – das wollte nicht nur nicht aufhören, es wurde schlimmer. Kein Wunder, denn: Schlafen wollte sie nicht. Weder morgens noch am frühen Nachmittag. Stattdessen hat sie sich entweder stehend an meinem Bein festgeklammert und geweint, sobald ich den Raum verlassen oder ich sie auf den Boden gesetzt habe.

Schub-Zeit. Alles ist anders-Zeit. Die anstrengendere Zeit.

Und dann kam der Moment. Mein Tunnel-Moment. Meine Laune schlug um. Die lockere Mama, die noch sagte: „Jeder Mensch ist anders, auch mein Kind hat mal einen schlechten Tag!“ – die war nicht mehr auffindbar. Ich war plötzlich mega ungeduldig. Total genervt. Vom Genörgel. Vom Gemotze – und davon, dass ich plötzlich das Gefühl hatte, keinen Freiraum, keine fünf Minuten für mich zu bekommen, in denen ich einfach mal kurz durchatmen konnte.

Rückblickend finde ich mein Verhalten schon bescheuert. Rückblickend mache ich mir Vorwürfe, weil ich meine Tochter angeraunzt habe (z.B. „Es reicht jetzt aber mal!“, „Bitte, Anni, das nervt mich!“ oder „Boah, lass mich bitte fünf Minuten in Ruhe.“ – Dinge, die ich nie sagen wollte) oder einfach mal entnervt aus dem Raum gegangen bin, sie sitzengelassen habe, obwohl ich doch wusste, dass sie mich braucht, offenbar Angst bekommt, wenn ich gehe. Ich durfte mich nicht entfernen. Dann: Tränen. Geschrei. Und das hat mich total gestresst.

Hallo Selbstmitleid!

Plötzlich habe ich mich bemitleidet. Und diejenigen beneidet, die tun und lassen können, was sie wann wollen. Ich habe mir kurz gewünscht, mich für 48 Stunden alleine mit meinem Surfbrett nach Sri Lanka beamen zu können. Das Ende vom Lied: Kind geweint, ich geweint – weil ich mit mir PingPong aus Genervt-Sein und Vorwürfen bezüglich des Genervt-Seins gespielt habe. Ich dann meinen Mann noch angemotzt. Die Emo-Achterbahn. Warum genau? Ich weiß es nicht. Vielleicht waren es die Hormone. Vielleicht war ich einfach kurz überfordert. Damit, dass ich oft versuche, alles unter einen Hut zu bringen (Mamasein, Wohnung, berufliche Zukunft, Ehefrau, Freunde, Sport, ich) anstatt die Dinge einfach mal so zu nehmen, wie sie sind. Die Wohnung ungeputzt, ich nicht beim Sport – stattdessen ungeduscht, manche Dinge noch nicht erledigt. Ich habe mir Sorgen gemacht. Über die Zukunft, über die Welt, über alles. Den Ausgang aus dem Mama-Tunnel, den habe ich erst nach ein paar Stunden gefunden.

Ich bin kein Roboter.

Meine Tränen haben dann meine doofen Gefühle in Luft aufgelöst. Plötzlich wurde mir klar: Du übertreibst. Relax. Mein Vater sagte dann zu mir: „Sie war neun Monate in deinem Bauch, natürlich spürt sie dann auch jede Schwingung.“ Stimmt. Wir haben uns gegenseitig befeuert. Ich motzig. Sie motzig. Darf ich als Mama eigentlich auch mal genervt sein? Ja, denke ich.

Denn auch ich bin nur ein Mensch.

Tränen helfen mir. Sie helfen mir raus aus der Situation, raus aus dem Mama-Tunnel. Ich habe mir vorgenommen, beim nächsten Mal durchzuatmen, mit meiner Tochter rauszugehen oder – wenn mein Mann da ist – einmal um den Block zu gehen. Zu entspannen. Mir zu sagen, dass ich da nur entspannt rauskomme oder gar nicht erst drin verschwinde, wenn ich entspannt bleibe.

Übrigens habe ich mich bei meiner Tochter für mein Verhalten entschuldigt und ihr gesagt, wie lieb ich sie habe. Sie hat dann tatsächlich meine Hand gedrückt, was mir wiederum Tränen in die Augen getrieben hat. Ich liebe das Mamasein. Ganz klar. Es gibt keine schönere Rolle. Und vielleicht sollte ich einfach akzeptieren, dass die „genervten Momente“ dazugehören.


Kennt ihr solche oder ähnliche Situationen?

3 thoughts on “Hallo, ich bin eine Mama. Und ich bin schwer genervt.”

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Danke für die offenen Worte. Sie hab nicht nur meinen Tag beschrieben, sondern mir auch die Tränen in die Augen getrieben

  2. Ich habe jetzt auch Tränen in den Augen – du sprichst mir aus der Seele und es tut gut zu lesen dass ich nicht alleine so denke !
    Glg Andrea

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