Ich habe mich gestern auf frischer Tat ertappt. Ich wurde plötzlich nervös, war dazu leicht genervt und in mir ratterte es: „Oh, Scheiße, nun wird es aber spät. Du musst noch die Fotos bearbeiten, diese Email schreiben, was posten, die Küche aufräumen, die Waschmaschine ausleeren. Hmpf, so komme ich heute also wieder nicht früh ins Bett.“

 

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Herzlich Willkommen in meinem Mutterhirn. Das Ganze schoss mir durch den Kopf während meine Tocher noch kichernd, vom Tag erzählend und völligen Blödsinn machend neben mir lag, sich an mich kuschelte und verzweifelt versuchte, die Schlafenszeit noch weiter hinauszuschieben. Und ich? Ich habe mich tierisch erschrocken, weil mir schlagartig klar wurde: Ich füttere mein Hirn tierisch oft mit to Do´s, manchmal auch mit mehr oder weniger unnützem Zeug – und das oft in Momenten, in denen das so gar nicht angebracht ist. Wie genau diesem gestern. Statt den Moment zu leben, ihn zu genießen, beherrsche ich es perfekt, mich auf das zu fokussieren, was in diesem Moment wirklich unwichtig ist.

Ständig glaube ich, dass ich dies und das tun „muss“. Dass das jetzt sein muss und echt nicht warten kann. Dass ich innerlich nur Ordnung habe, wenn auch außen Ordnung ist. Und dass ich schon entspannen werde, wenn dies und das erledigt ist. Und meine Tochter? Die lebt einfach im Hier und Jetzt. Sie genießt den Moment. Sie genießt das Leben. To Do-Listen kennt sie nicht. Stattdessen stiftet sie Unordnung und läuft dabei lachend durch die Wohnung. Und das ist verdammt gut so.

Zeit ist Liebe. Und Leben.

Unbeschwert leben. Etwas, was unsere Kinder können. Ein Talent, das wir Erwachsene oft verloren haben. Das bemerke ich auch bei vielen meiner Freunde. Klar, denn wir sind in gewissen Zwängen gefangen, wir haben gewisse Verhaltensmuster erlernt und wir bewegen eben auf unsere erwachsene (gewachsene) Art durch die Welt. Mir ist klar geworden: Ich lerne, wenn ich meine Tochter einfach nur beobachte. Ich wachse, wenn ich sehe, wie sie das Leben genießt. Und ich genieße auch. Viel mehr als früher.  Meine Definition des Wortes Zeit hat sie förmlich aus dem Duden gerissen und neu zusammengesetzt. Ich wundere mich manchmal selbst, wie selbstverständlich es für mich  geworden ist, dass ich mal nicht mehr „eben schnell“ was tun kann, sondern die Dinge eben dauern. Kinder haben ihre eigene Definition von Zeit. Zeit ist nicht Geld. Sie ist wertvoll. Zeit ist Liebe. Und Leben.

Leben – das ist für meine Tochter auch: Sich an Ameisen erfreuen, über Fruchtliegen staunen, die Möwen mit einem Freudenschrei begrüßen. Es sind die (für mich) oft  vermeintlich kleinen Dinge, die sie glücklich machen. Und die mich auch inne halten lassen, weil ich mich frage: Wann habe ich eigentlich vergessen, wie schön die Welt ist? Wann habe ich aufgehört zu lächeln, wenn ein neuer Tag beginnt? Dank ihr habe ich damit wieder angefangen. Danke, Anni!

Leben und leben lassen.

„Leben und leben lassen“ – für uns Erwachsene (vielleicht) eine Art Formel, an die wir uns (wenn wir es schaffen) halten. Zumindest kann ich von mir sagen, dass ich andere Menschen oft beurteilt habe, gerne mal mit meinen Vorurteilen nach draußen gegangen bin oder es nicht verstanden habe, wenn meine Freunde in einer schwierigen Situation nach Plan C gehandelt haben, wenn ich ihnen doch A & B vorgeschlagen habe. Spätestens seitdem ich bewusst miterlebe, wie Kinder auf andere Kinder zugehen, unabhängig vom Aussehen, Verhalten Sprache – ohne Wertung – ist mir klar geworden, wie oft ich vorgefertigte Bilder im Kopf habe, die sich am Ende so gar nicht bewahrheiten. Ich übe mich darin, sie loszulassen. Und ich muss sagen: Es klappt erstaunlich gut. Nicht immer. Aber immer öfter.

Den Moment genießen, die Welt bestaunen, im Hier und Jetzt sein, leben  lassen – während wir das oft wieder lernen müssen, beherrschen unsere Kinder das aus dem FF. Wir müssen sie nur beobachten, um zu begreifen, dass das Einzige, was im Leben zählt, folgendes ist:  zu leben.

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