Falls ihr diese oder ähnliche Aussagen von euren Freunden, Bekannten, Hebammen & Co. schon einmal gehört und euch daraufhin am Kopf gekratzt habt, weil ihr bisher mit dem Thema Kinderosteopathie nicht so richtig was anfangen konntet, dann seid ihr hier genau richtig:

„Dein Kind schreit so oft?! Echt? Oh  ha! Dann mach doch mal besser noch einen Termin beim Osteopathen. Das Geld ist es echt wert.“

„Dein Baby k***t nicht,?! Dann versuch es doch einmal bei meiner Osteopathin – die kann echt was. In ihren Händen war mein Sohn Butter.“

„Oh, das ist ja krass. Deine Tochter schläft immer noch schlecht? Ich kann dir gerne mal die Nummer meiner Kinderosteopathin geben. So eine Behandlung könnte euch weiterbringen!“

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Osteopathin Kerstin Kemper bei der Behandlung von Anneli

Wir möchten unsere Erfahrungen mit euch teilen und haben dazu für euch noch ein Interview mit der Kieler Osteopathin Kerstin Kemper. Sie ist Spezialistin für Säuglinge und Kinder.

Denn auch wir haben uns mal gefragt, was Experten wie Kerstin wohl bei unseren Minimenschen so ausrichten können, was sie da überhaupt machen und ob die Kinderosteopathie denn nun wirklich so eine Art „Modeerscheinung“ ist, wie eine Kinderärztin uns gegenüber fragend in den Raum warf. Sie sagte damals so etwas, wie: „Viele Hebammen schicken die Babys heute einfach so – auf Verdacht – zum Osteopathen…“ Und guckte dazu etwas skeptisch.

Einige von uns waren jedenfalls mit unseren Kindern da und können deshalb heute sagen: Im Gegenteil. Wir waren verdammt beeindruckt von den Behandlungen…


So wie Mama Kerstin. Sie hat sich bereit erklärt, euch von ihren Erfahrungen bei ihrer Kinderosteopathin zu erzählen. Vielen Dank dir dafür, liebe Kerstin!

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Kerstin mit ihrem Sohn Felix

Felix kam knapp zwei Wochen zu früh, aber gesund auf die Welt. Er hatte lange gebraucht, bis er sein Geburtsgewicht wieder erreicht hatte und hat erst mit fast 4 Wochen zugenommen. Sonst hat er sich gut enwickelt. Doch auch Felix hat viel geschrien, wollte nie abgelegt werden und als Erstlingsmutter hat man viele Fragen im Kopf.

Man will ja nur das Beste für sein Kind und von allen Seiten kommen Tipps und Ratschläge, auch eine Chiropraktikerin wurde uns heiß empfohlen. Soweit es uns möglich war, haben wir auch Termine wahrgenommen, sodass ich selbst schon an irgendwelche Blockaden geglaubt habe.

Irgendwann, als Felix zwei Monate alt war, hat man uns eine gute Osteopathin am Rande von Kiel empfohlen. Es war unser erster Besuch und unsere erste Erfahrung mit der Osteopathie. Eigentlich waren wir wegen einer anderen Sache dort. Doch die Osteopathin hat sich sehr viel Zeit genommen und es herrschte absolute Ruhe im Raum, die man schon fast „fühlen“ konnte. Ich selbst musste auch erst einmal runterkommen.

Auch das Thema schlafen/einschlafen/durchschlafen (sofern man in dem Alter schon davon reden kann) kam auf den Tisch. Sie hat uns viele Tipps gegeben, aber ich denke jedes Kind ist anders und einzigartig. Deswegen ist es schwierig allgemeine Ratschläge zu geben. Außerdem hat sie uns erzählt, was Felix jetzt schon für Eigenschaften hat und wie sich sein Charakter entwickeln könnte.

Witzigerweise haben sich schon viele Eigenschaften bestätigt. Zum Beispiel sagte die Osteopathin uns damals, dass Felix ein Seitenschläfer wird. Genau das ist er jetzt auch.

Den zweiten Teil der Sitzung hat die Osteopathin Felix untersucht. Ich könnte bis heute nicht sagen, was sie genau gemacht hat. Sie hat mit ihren Händen gearbeitet, aber nicht mit Druck. Das klingt jetzt etwas seltsam, aber in diesem Moment dort hätte ich ihr alles abgenommen.

Felix lag ganz still auf der Liege, er war wach und hat auch nicht den Ansatz von Unruhe gezeigt, obwohl es eigentlich von der Uhrzeit seine „Schreizeit“ war. Irgendwann war die Osteopahtin fertig und wir sind mit einem entspannten Baby nach Hause gefahren.

Ab diesem Tag hatte Felix durchgeschlafen und keine Probleme mehr beim Einschlafen. Es war nicht mein persönliches Ziel nach diesem Besuch, wie gesagt, wir waren ja eigentlich wegen einer anderen Sache dort. Aber es hat das Leben ab diesem Zeitpunkt um einiges erleichtert. Ich weiß nicht, wie es ohne die Osteopathin verlaufen wäre, doch ich würde immer wieder zu ihr gehen.

Viele sagen, warte erstmal ab bis die Zähne kommen, dann ist es vorbei mit der Nachtruhe. Felix hat mittlerweile fast sechs Zähne und er schläft immer noch seine 13-14 Stunden am Stück. Ab diesem Tag war ich nie mehr länger als 10 Minuten nachts wach.

Uns hat dieser Besuch auch persönlich viel gebracht. Ich bin seitdem viel ruhiger geworden und das wird sich bestimmt auch auf mein Kind übertragen haben.


Kinderosteopathie: Wie funktioniert das denn überhaupt?

Diese und andere Fragen habe wir Kerstin Kemper gestellt, aber: Lest selbst.

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Was kannst du behandeln und ab wann sollte ich mit meinem Kind zu dir kommen?

Wenn es überhaupt keine Sorgen gibt, dann soll die kleine Familie erst einmal in Ruhe zu Hause ankommen und die ersten vier Wochen zusammenwachsen. Und dann kann man einmal schauen, ob alles da sitzt, wo es sitzen soll. Ob es irgendwelche Nachwirkungen von der Geburt gibt, die vielleicht zu schnell oder zu kräftig oder zu lange war.

Und dann gibt es bestimmte Problemstellungen, mit denen Eltern mit ihren Kinder herkommen. Zum Beispiel: Weinen, Bauchschmerzen, Schlafprobleme oder Schluckprobleme.

Und je nach Fragestellung schaue ich mir dann den ganzen Körper an und schaue: Sitzen die oberen Kopfgelenke richtig? Was macht der Darm? Arbeitet er schon richtig oder gibt es noch Blähungen? Ist das Kind überhaupt schon angekommen auf der Welt oder muss es das erst noch? Das sind dann oft die Kinder, die unruhig sind und nicht gut in den Schlaf kommen können.

Wie lang braucht denn ein Kind, um hier „anzukommen“?

Das ist unterschiedlich: Einige Kinder sind gleich angekommen, andere brauchen erst einmal etwa drei Monate, bis sie sich umgestellt haben und sagen: Gut, ich komme auf dieser Welt an, wo alles so anders ist, wo es hell ist, wo es nicht mehr so warm ist. Wo es nicht mehr so geschützt ist…

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Was kann Osteopathie, was der Kinderarzt nicht kann?

Der Kinderarzt schaut erstmal, ob alle Systeme richtig funktionieren und hat eine schematische Darstellung. Er schaut sich aber nicht das Nervensystem an oder das Blutsystem und guckt, wie das Kind insgesamt funktioniert. Da ist eine andere Fragestellung im Raum. Da gibt es einen Katalog, der angeschaut wird – ab wann kann das Kind was. Ist es in der Norm oder ist es nicht in der Norm?

Und die Norm ist hier erstmal nicht so wichtig. Jedes Kind ist ein bisschen anders – auch in seinem Tempo. Ich gehe gern ein bisschen mehr auf das eigene Tempo ein.

Wie behandelst du, sprich: Wie funktioniert das bei Kindern?

Das Schöne ist gerade bei sehr kleinen Kindern, bei Säuglingen, dass sie einem sehr direkt zeigen, was ihnen gut tut und was nicht. Hält man sich daran, kann man nichts verkehrt machen.

Ich arbeite bei Kindern und Säuglingen ganz viel mit den Flüssigkeiten, da ist der größte Teil des Körpers noch ganz flüssig. Man schaut eher gar nicht nach den Knochen, guckt nicht, wo sitzt welcher Knochen, sondern ich schaue eher – ist alles gut im Fluss? Und so arbeite ich mit unterschiedlichen Ballons – so kann man das fast bezeichnen. Mit dem großen Ballon Bauch, einmal mit dem Kopf und einmal mit dem ganzen System, was an Flüssigkeiten da ist.

Das heißt, wie behandelst du denn mit deinen Händen – fühlst du da was?

Ich fühle, wo ist es fester, wo ist es weicher. Ich stürze mich nicht auf die Bereiche, die fester sind. Sondern ich schaue eher, wie kann das Kind das integrieren. Und gibt es irgendwo Bereiche, wo es das nicht mehr integrieren kann.

Am einfachsten ist es erst einmal, wenn Kinder eine Fehlhaltung einnehmen. Zum Beispiel nehmen sie so eine Sichelhaltung ein. Das heißt, sie können sich nicht gut zur anderen Seite drehen. Da kann man als Außenstehender schon mal deutlich sehen, die eine Seite geht gut, die andere nicht.

Jetzt ist nicht immer der Bereich betroffen, der nicht so gut geht. Wenn ein Kind den Kopf nicht zur einen Seite drehen kann, heißt das nicht, dass der Kopf betroffen ist. Manchmal gibt es noch eine Drehbewegung im Körper, die noch von der Geburt kommt. Kinder liegen eigentlich in einer Spiralbewegung im Bauch und sie drehen sich auch über eine Spiralbewegung aus dem Körper raus.  Manchmal haben sie diese Bewegung noch im Körper drin und dann nehmen sie oftmals so eine Haltung ein. Dann schaue ich erst einmal, wo fängt diese Spirale an. Das zeigen einem Kinder sehr deutlich, weil sie diese Bewegung gerne mitmachen und sie sich dann aus der Spirale rausbewegen.

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Angenommen bei einem Kind steht ein Wirbel schief – wie sorgst du dafür, dass der wieder reinkommt?

Man legt die Hände unter die Wirbelsäule oder unter den Brustkorb. Bei den Kindern ist das alles noch so klein, dass heißt es reichen zwei Finger aus. Du setzt einen Finger über den betroffenen Wirbel, den anderen unten der Wirbel legen und lässt die Kinder ganz tief atmen. Man nennt das Traktion: Man bewegt die Finger ganz leicht auseinander, so dass der Wirbel sich wieder ein bisschen zurückroutieren kann. Ohne dass man es zurecht rückt oder irgendwo zerrt oder zieht. Eigentlich machen die Kinder das durch eigene Bewegungen.

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Das heißt, Eltern brauchen keine Angst zu haben?

Eltern müssen überhaupt keine Angst haben und Eltern sind auch immer mit dabei. Das ist mir ganz wichtig, dass die immer mit schauen können. Und die Kinder geben die Grenzen vor. Wenn ihnen irgendwas überhaupt nicht angenehm ist, dann quittieren sie das sofort, äußern sich sofort und sagen „weg da“, wischen einen auch oft mit der Hand weg, wenn sie das nicht haben wollen und sind da sehr deutlich. Und das berücksichtige ich sehr.

Wie ist das mit Schreikindern, kann da Osteopathie helfen?

Ja, da schaue ich auch ersteinmal nach der Ursache. Schreien ist nicht immer gleich schreien. Man schaut und geht einmal die Systeme entlang. Sitzt irgendetwas verkehrt? Ist das Kind noch im Mutterleib und ist noch mit etwas anderem beschäftigt? Braucht es Ruhe? Braucht es ganz viel Nähe?

Und dann ist es ganz wichtig, dass man die Eltern mit anleitet. Wie sieht die Situation zu Hause aus – gibt es da Ruhe, gibt es keine? Braucht das Kind Nähe, braucht es eher Distanz? Es gibt auch Kinder, die brauchen ihren eigenen Raum.

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Welche Probleme kannst du bei Schwangeren oder auch Müttern behandeln?

Was so ganz klassisch in der Schwangerschaft ist, sind Ischiasprobleme oder alle möglichen Beckenprobleme. Oder heftige Probleme: Wenn der Beckenring gestört ist, man nennt das Symphysensprengung. Aber auch Rückenschmerzen oder Nackenschmerzen. Auch geht es manchmal darum, erst einmal zu akzeptieren, dass man schwanger ist. Das fällt auch der einen oder anderen schwer. Da muss man beide zusammenbringen und schauen, wie Kind und Mutter zusammenwachsen.

Dann gibt es auch zum Beispiel noch Beschwerden mit den Flüssigkeiten in der Schwangerschaft. Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen, in den Händen, was zu Kapaltunnelsyndrom oder einschlafenden Händen nachts führen kann. Da kann man entstauend arbeiten im ganzen Halsbereich, Handbereich, Armbereich.

Thema: Zahnen – was kannst du da machen?

Etliche Knochen sind am Kiefer beteiligt und am ganzen Gesicht. Schaut man sich ein bisschen das Zusammenspiel der unterschiedlichen Knochen an, kann man die Kinder ganz gut entspannen bei der Zahnentwicklung.

Was auch immer interessant ist: Ab dem Zeitpunkt der Zahnung entwickelt sich der Kiefer in eine andere Richtung, das heißt man schaut sich auch den ganzen Verlauf der Wirbelsäule an und von den ganzen Systemen, die vorne am Mund runterziehen und sieht zu, dass man sie ein bisschen entspannen kann. Das Thema Zähne ist ein schmerzhaftes Thema, aber nicht für alle Kinder. Es ist immer gut, wenn die Kinder etwas zum Draufbeißen haben, damit sie Gegendruck erzeugen können.

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Und wie ihr auf den Bildern seht, habe auch ich (Doro) meine Tochter bei Kirsten behandeln lassen. Beim ersten Mal war sie erst wenige Wochen alt. Es schien alles gut soweit, nur bei der Verdauung hat es eine gewisse Zeit – sagen wir – geharkt.. Eine Behandlung hat damals ausgereicht – und alles war wieder tiptop im Fluß.

Dieses Mal sollte sich Kerstin Anni mal anschauen, weil sie unruhig war, sprich: tagsüber, vor dem Schlafengehen, nachts.

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Bei der Behandlung hat meine Tochter erst total still gehalten und dann wurde deutlich, dass sie sie sogar richtig gut fand, was sie uns mit einem freudigen „Wippen“ von einem aufs andere Bein gezeigt hat. Offenbar hatte sie sich am Hintern irgendetwas eingeklemmt (um es mal in meinen Worten auszudrücken).

Sensationell: Auch danach blieb sie so entspannt, die Unruhe war weg. Ich würde jederzeit wieder hingehen und kann euch auch nur empfehlen: Falls es irgendwo bei euren Süßen „harkt“, dann probiert die Kinderosteopathie doch einfach mal aus!


Lieben Dank dir für das Interview, Kerstin!

 

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