Ich freue mich, dass diese Frau für eine kleinen Törn auf den MutterKutter aufgesprungen ist. Worum geht es? Um eine entspannte Erziehung. Entspannte Kinder. Und entspannte Eltern.

Steffi ist Mama von vier Mädels. Zwischen Kindergarten und Pubertät. Über sich sagt sie: „Ich bin Mutter aus Leidenschaft und liebe Kinder. Aber mich selbst auch – und meinen Mann.“Kinder Erziehung bedürfnisorientiert bedürfnisorientierte Beziehung Mama Mamasein Mutterglück Familie Familienleben Liebe Mädchenmama Gastartikel Mamablog MutterKutter

Worte, die ich so unterschreiben kann. Denn für mich gilt ganz klar: Ich bin genau die Mama, die ich sein möchte, wenn ich auch an mich selbst und meine Beziehung denke. Wenn mein Mann und ich noch Paar in der Familie sind. Wenn ich mir Zeit einräume für Dinge, die mir Spaß machen, für die ich brenne. So wie Sport. Oder der MutterKutter eben. Geht es euch ähnlich?

So. Zurück zu Steffi (aka @fulltimefamily.de). Sie hat mir bei meiner 40-Tages-nicht-meckern-Challenge – #nomeckermutti – hin und wieder schöne Denkanstöße gegeben. Zum Beispiel zum Thema Verantwortung abgeben: „Denn so lange du sie nicht abgibst, kann sie keiner übernehmen. Liegt allein an dir! Klare Absprachen…“ Stimmt. Wenn ich mal ausschlafen möchte, sollte ich das auch kommunizieren. Yes!

Sich auf Augenhöhe begegnen. Das ist Steffis Credo.

„Ich will meine Kinder eben auch nicht nur anmeckern. Ich mag die ja. zusammen lachen ist doch schöner. Und wenn ich sie bitte, mitzumachen und meine eigenen Grenzen aufzeige, können sie sich entscheiden. Und da meine Mädels mich ja auch total lieb haben, wollen sie doch kooperieren.“

Ich freue mich, dass Steffi bereit war, ihre entspannten Gedanken zu teilen. Was hilft aus dem alltäglichen Dilemma zwischen Müttern und Kindern? Steffis Antwort darauf und wie sie einer anderen Mama geholfen hat…das erfahrt ihr hier:


Vor zwei Tagen stand ich im Kindergarten, um Töchterchen Nr 4 abzuholen. Neben mir war eine Mutter damit beschäftigt, den kleineren ihrer beiden Söhne dazu zu bewegen, beim Umziehen mitzumachen. Aber der saß nur mit verschränkten Armen da und weigerte sich. Es ging nicht vor und nicht zurück, irgendwann kam die Erzieherin zu Hilfe und versuchte mit dem Argument, dass bald keiner mehr zum Spielen da sei, dem Kleinen zumindest die Schuhe anzuziehen. Die Mutter stand mit der Jacke vor ihm und meinte, sie müssten jetzt los und es sei so kalt draußen, er würde sonst krank werden, wenn er nichts anzieht. Der Junge schüttelte aber nur mit dem Kopf und wiederholte, er wolle aber nicht.

Unsere Gedanken kreisen permanent um das Wohl des Kindes.

Diese Situation verdeutlich in vielen Aspekten das alltägliche Dilemma zwischen Müttern und ihren Kindern. Unsere Gedanken kreisen permanent um das Wohl des Kindes, wir haben Sorge, sie könnten sich erkälten, dreckig oder nass werden oder die Kleidung oder die Wohnung könnte dreckig oder nass werden. Wir Mütter reflektieren über alles Mögliche und überschlagen uns bei dem Versuch, es möglichst richtig und besser noch perfekt zu machen.

Unsere Kinder spiegeln unsere Gefühlswelt wider.

Das Schöne an kleinen Kindern ist aber, dass sie für rationale Argumente recht unzugänglich sind. Das bringt uns in die auf den ersten Blick missliche Lage, an bestimmten Punkten nicht weiterzukommen. Da ist es besser, in „Ich-will“-Sätzen zu sprechen. Nicht zu sagen „ich muss jetzt los“, sondern „ich will jetzt los!“ Denn Kinder sind von Natur aus auf eine Kooperation mit uns ausgerichtet. Sie tun das so lange, bis es keinen Sinn mehr macht. Und sie sind sehr sensibel, sie haben ein feines Gespür für ihre Mitmenschen. Insbesondere wenn sie noch klein sind, reagieren sie hauptsächlich auf das, was wir tun und nicht das, was wir sagen. Sie beobachten unser Verhalten, sie lernen daraus. Und sie spiegeln unsere Gefühlswelt wider. Wenn wir unter Druck ins Badezimmer stampfen, um beim Zähneputzen zu helfen, blocken die Kinder ab. Nicht, weil sie nicht Zähneputzen wollen. Sondern weil sie nicht mit uns Zähneputzen wollen, wenn wir so gestresst sind.

Wo bin ich in der Situation?

Es nutzt nichts, wenn wir versuchen, unser Kind mit irgendwelchen Strategien zu erziehen oder dazu zu bringen, etwas zu tun. Wir können ihnen nur das beibringen, was auch in uns ist. Und wenn in uns gerade Stress oder Wut oder Erschöpfung vorherrscht, beeinflussen wir unsere Kinder genau mit diesen Spannungen, die sie dann übernehmen.

Gerade mit kleinen Kindern gibt es häufig Situationen, in denen wir das Gefühl haben, sie verweigern sich. Oder sie sind total aufgedreht, manchmal regelrecht aggressiv, sie hauen oder schubsen andere Kinder oder bleiben stehen oder werfen sich wütend auf den Boden. Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Jede Mutter weiß, worum es geht. Aber bevor ein Kind Schwierigkeiten macht, hat es welche! Es gilt daher ganz genau hinzuschauen: Wo bin ICH in der Situation? Körperlich, gedanklich. Wo war ich in der Zeit davor? Am Telefon, im Gespräch, in Gedanken? Habe ich Streit mit jemandem, Stress im Job? Welche Ausstrahlung geht von mir aus? Wenn wir unsere Kinder ansehen, sehen wir uns im Spiegelbild.

Wir dürfen sogar laut werden!

Wenn wir möchten, dass unsere Kinder Ruhe und Frieden haben, müssen wir dafür sorgen, dass wir selbst Ruhe und Frieden finden. Das bedeutet erfreulicherweise auch, dass wir so sein können, wie wir sind. Es muss keiner die ganze Zeit nur im inneren Yoga-Sitz durch die Gegend laufen, wir dürfen sogar laut werden! Kinder können das ab, sie brauchen authentische Eltern, keine perfekten. Mir persönlich zum Beispiel liegt dieses ganze „Slow-Living“ nicht so sehr. Ich bin voller Energie (meistens), aber ich habe Tage, da ist es mir einfach zu viel. Mittlerweile brülle ich nicht mehr oft, aber manchmal werde ich laut. Dabei achte ich darauf, mich von den Kinder weg zu drehen und zum Beispiel kurz die Wand anzuschreien. Oder mit der Faust dagegen zu trommeln. Meine Kinder merken: „Oh, jetzt ist die Mama richtig sauer, aber es richtet sich nicht gegen mich“. Denn auch meine Emotionen und mein Ärger sind in Ordnung.

Manchmal erwarten wir von Kindern zu viel.

Kinder Erziehung bedürfnisorientiert bedürfnisorientierte Beziehung Mama Mamasein Mutterglück Familie Familienleben Liebe Mädchenmama Gastartikel Mamablog MutterKutterEs ist nicht so, dass nur die Kinder glücklich im Leben werden, die natürlich entbunden, voll gestillt, in Wolle-Seide gehüllt, permanent getragen und während des Montessori-Kindergartens nur zuckerfrei mit Vollkorn ernährt wurden. Und auch wir Mütter müssen nicht immer nur voller Liebe und Verständnis für alles und jeden sein. Nur für uns selbst, denn wir sind gut so, wie wir sind. Das gleiche gilt für unsere Kinder. Wir dürfen sie nicht dafür verantwortlich machen, wenn es zu viel wird. Denn wenn die Kinder der Tropfen sind, der das Fass zum Überlaufen bringt, sollten wir besser das Fass leeren, anstatt es an dem einen Tropfen auszulassen. Denn wer weiß, was die Kinder für einen Tag hatten. Ob sie schon viel einstecken mussten, ob vielleicht Einiges nicht so gelang, wie sie es sich vorgestellt hatten und sie deswegen schon angespannt waren. Nicht mal wir Erwachsenen können das immer genau herleiten, weshalb wir schlechte Laune haben. Aber von unserer Kinder erwarten wir, dass sie es entweder benennen oder sonst bitte abstellen.

Bedürfnisse wahrnehmen!

In der Situation im Kindergarten bin ich daher zu der Mutter rüber gegangen, habe meine Hand vorsichtig auf ihren Rücken gelegt, sie angelächelt und vorgeschlagen, dass sie ihren Sohn einfach ohne Jacke und in Hausschuhen mitnimmt. Auf dem kurzen Weg zum Auto wird er schon nicht umkommen. Sie war sichtlich erleichtert und meinte, sie würde sich immer wie eine Rabenmutter fühlen, wenn ihre Söhne nicht ihre Jacken anziehen wollen. Außerdem sei sie fast immer alleine mit den Beiden. Und während wir Beide redeten, half meine Tochter ihrem Kindergartenfreund in die Jacke, die er nun doch auf einmal anziehen wollte, außerdem bestand er auf seine Mütze. Die Schuhe hatte er selbst angezogen.

Wenn wir Mütter darauf achten und uns gegenseitig unterstützen, unsere Bedürfnisse wahrzunehmen und nicht immer direkt urteilen, kann sich Vieles entspannen. Wir – und damit vor allem auch unsere Kinder!


Vielen Dank, liebe Steffi für diesen schönen Artikel! Ich freue mich über diesen Kontakt zu dir, deine Denkanstöße, deine lustigen Geschichten und die entspannte Stimmung, die du verbreitest.

Übrigens: Meine Challenge #nomeckermutti läuft noch bis zum 5. April.

3 thoughts on “„Kinder brauchen authentische Eltern, keine perfekten.“ Ein Gastartikel von Stefanie Berger-Oymann.”

  1. So ein fantastischer Artikel, liebe Steffi. Ich sollte mir damit die Wände tapezieren! Und nicht nur ein Zimmer! Diese Worte habe ich aufgesogen, und ich war jetzt wohl genauso erleichtert wie Deine Mutti aus dem Kindergarten. Praxisbeispiel diese Woche: Oz hat keinen Bock auf seinen Stuhl zum Abendessen. Und ich bin die Diskussionen und die schlechte Laune und das Generve leid. Also essen wir seit zwei Tagen abends auf der Couch. Darf eigentlich Niemand wissen. Ist ja rabenmütterlich angehaucht – gute Umgangsformen, feste Essenszeiten, Manieren. Blablabla. Wir krümeln, gucken dabei Peppa Wutz und füttern nebenbei auch den Hund, wenn sie Bock drauf hat. Und danach geht Oz ins Bett und schläft durch. Was er seit unserer Wechselmodell-Einführung bei mir jedenfalls nicht mehr gemacht hat….. ich danke Dir so sehr für diese Worte. Ich geh‘ sie direkt nochmal lesen. Bitte noch mehr schreiben und mit uns teilen. Und im Übrigen auch danke für den Fingerzeig zu diesem Blog. :)

    1. liebe antje, dann machst du doch alles richtig: das sofa muss ja auch mehrere funktionen haben und nicht nur zum sitzen sein. wie schön, dass dir der artikel auch ao gut gefallen hat – mir hat er auch so ein lächeln und eine innere ruhe geschenkt. du kennst steffi persönlich, oder? super frau! danke für deine tollen worte! herzliche grüße von doro!

    2. Liebe Antje,
      es heißt ja auch, dass Ausnahmen die Regel bestätigen! Ich saß schon mit meinem Kindern unterm Tisch beim Essen – in einer Höhle natürlich! Und es freut mich, wenn Dir der Artikel geholfen hat, wieder ein Stück näher an Oz ranzurücken. Denn darum geht es doch, dass wir nah an unseren Kindern sind – u an uns selbst! Ich schreib bestimmt nochmal was, tausend Dank für Deine lieben u enthusiastischen Worte!!!! Da geht mein Herz auf!! Umd wchön, dass du so auf den Mutterkutter aufmerksam geworden bist! :-)

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