Siebenfache Mama, Hebamme, Gründerin der Wochenbettbox, Energie bis zum Mond und zurück. Diese Frau hat was zu erzählen, dachte ich mir, als ich bei Instagram über sie gestolpert bin. Interview angefragt, zack, online schon vereinbart, dann telefoniert. Ich war ziemlich beeindruckt von Kerstin Lüking. Also, mal im Ernst: Sieben Kinder, dann noch den Job, viele Ideen…Wie geht das? So viel vorweg: Kerstin Lüking ist eine beeindruckende Frau! Viel Spaß beim Lesen!


https://www.instagram.com/wochenbettbox/

Liebe Kerstin, du bist Mama von sieben Kindern. Wahnsinn. Toll. Sorry, wenn ich gleich mit der Tür ins Haus falle, aber: Wie kam es dazu, dass ihr euch gleich sieben Mal für ein kleines großes Wunder entschieden habt? War es für euch klar, dass ihr viele Kinder haben wollt oder wusstet ihr erst nach der jeweiligen Geburt: Wir sind noch nicht komplett? Äh, und so nebenbei: Wie oft werden dir genau diese Fragen gestellt?

Also, deine erste Frage wird mir gefühlte 3x am Tag gestellt, danach kommt gleich die Frage nach der Religionszugehörigkeit: „Sind Sie katholisch?“ Viele Leute können sich einfach nicht vorstellen, dass man sich ganz bewusst für eine so große Familie entschieden hat und immer erst dann, wenn ich den Leuten scherzend antworte, dass ich erstens nicht katholisch bin und auch sonst keiner Sekte angehöre und außerdem noch Hebamme bin, fangen die Augen an zu strahlen.

„Ach, Sie haben aber einen schönen Beruf und so viele Kinder, na da haben Sie aber richtig viel Erfahrung“.

Peng! Und ich bin wieder gesellschaftlich integriert. Insgesamt finde ich das sehr schade, dass die Akzeptanz gegenüber Eltern mit vielen Kinder sehr niedrig ist. Man wird in eine Schublade gesteckt und erst mal beobachtet und von oben nach unten gescannt, bevor einem positiv gegenübergetreten wird.

Ich selbst bin als Einzelkind aufgewachsen und hatte nur Freundinnen mit 3-4 Schwestern. Da war immer was los und bei mir gab es immer nur: Mutter, Vater, Oma, Opa. Also, wohl behütet und stets war der Fokus auf mich gerichtet. Das war so ätzend! Und ich habe schon früh beschlossen, dass ich viele Kinder mit einem netten Mann haben wollte. Den hatte ich dann auch irgendwann gefunden und ich hatte tatsächlich erst nach Kind Nr.7 das Gefühl, dass wir komplett sind und ich dieses Thema auch emotional für mich abschließen konnte.

Wie alt sind deine Kinder heute? Wie lebt ihr? Und wie strukturiert ihr euren Alltag (z.B. auch das Thema Aufgabenverteilung). Das würde mich sehr interessieren.

Mittlerweile sind unsere Kinder 5,6,10,11,13,14 und 23 Jahre alt. Die älteste Tochter wohnt nicht mehr bei uns, kommt aber immer wieder gerne zu Besuch und genießt den Trubel und auch ihren Status als große Schwester.

Unser Alltag ist fest durchgetaktet und strukturiert. Anders geht das auch nicht bei einer so großen Truppe, sonst ersäuft man im Chaos. Da mein Mann die ganze Woche über in einem anderen Bundesland arbeitet, wissen hier alle: „Mama ist die Chefin“. Unsere Kinder müssen sich schon viel mit einbringen und Pflichten mit übernehmen. Ich finde das überhaupt nicht schlimm und ich denke, wir sind deswegen keine schlechteren Eltern.
Im Gegenteil, wir machen unsere Kinder eigentlich dadurch fit fürs Leben.

Auch wenn bei uns Struktur angesagt ist, haben unsere Kinder aber auch viele Freiheiten in einem festgesteckten Rahmen. Von einigen Müttern höre ich immer den Vorwurf, dass unsere Kinder soviel dürften. Na und! Ich sehe meine Erziehungsauftrag nicht im Hinterherräumen und in permanenter Hausaufgabenbetreuung, sondern im Stärken der Persönlichkeit unserer Rasselbande. Abgesehen davon wissen unsere Kinder immer, dass sie sich auf uns verlassen können. Und ich weiß auch, dass unsere Absprachen sehr gut funktionieren und ich auf meine Brut vertrauen kann.

Ich hatte nach der Geburt meiner 2. Tochter immer wieder das Gefühl, keinem richtig gerecht zu werden. Kennst du das auch? Ich kann mir vorstellen, dass es bei sieben Kids noch viel schwieriger ist, immer für alle Familienmitglieder „da“ zu sein. Oder hast du da vielleicht einen ganz anderen Denkansatz als ich? Ich glaube nämlich auch, dass ich manchmal zu hohe Erwartungen an mich als Mutter habe.

Natürlich gibt es auch Tage, die sind echt bescheiden, weil alle wieder völlig hormongesteuert ( einschließlich mir selbst) durch die Gegend keifen und sich kabbeln. Aber das ist ja auch normal unter Geschwistern und es wäre bedenklich, wenn es nicht so wäre.

Je älter ich werde, desto weniger Erwartungen habe ich an mich als Mutter. Ich fahre damit ganz gut, weil ich mich damit immer nur selbst unter Druck gesetzt habe. Als ich das mal abgestellt habe, war es für alle in der Familie besser.

Ich brauche heute niemandem mehr etwas zu beweisen. Ich weiß, was ich kann und wo ich meine Baustellen habe. Unsere Kinder wissen, dass ich mich nicht zerteilen kann und wir eine Rangfolge im Erfüllen der Bedürfnisse haben. Das Kind, was gerade ein Problem hat, sich nicht gut fühlt oder einfach mal mehr Aufmerksamkeit braucht, steht an oberster Stelle. Und wenn diese Phase vorbei ist oder das Problem beseitigt wurde, ist ein anderes Kind dran. Wichtig ist doch, dass unsere Kinder wissen, dass sie auf uns als „feste Säule“ zählen können.

Vieles klären die Kinder auch unter sich als Geschwister. Da ist eigentlich immer jemand da, der zuhört oder auch mal Lust auf eine Runde Kuscheln hat. Als Eltern wünschen wir uns, dass dieses enge „Geschwisterband“ ein ganzes leben lang hält und sich nicht irgendwann im Streit die „Wege“ trennen.

Kerstin Lüking mit ihren Töchtern Lea (23, links) & Johanna (15)

Wie hat sich deine Rolle als Mama mit den Geburten verändert? Ich kann mir vorstellen, dass jedes Kind noch einmal eine ganz andere Perspektive mit sich gebracht hat.

Meine Rolle als Mutter hat sich insofern verändert, als dass ich lernen musste, mit sieben völlig unterschiedlichen Charakteren klar zukommen. Wir haben wirklich alle Facetten dabei. Unsere Kinder ähneln sich Null. Alle haben unterschiedliche Interessenschwerpunkte und Begabungen und die versuchen wir zu unterstützen und zu fördern, ohne unsere eigenen Wünsche und Ansprüche hineinzuprojizieren.

Ich habe oft diese Momente, in denen ich denke: Mein Gott, ich hätte gerne das Haus ordentlicher, die Woche besser geplant, mehr für den Blog geschafft und dazu noch mehr mit meinen Kindern gespielt. Wo ich es aufschreibe, merke ich schon selber: läuft nicht alles zusammen. Klar. Wie machst du es?

Ich bin leider ein absoluter Ordnungspädant . Unordnung kann ich nicht haben, da bin ich echt oberspiessig. Sortiertes Chaos habe ich eigentlich nur in meinem Büro, da türmt sich alles. Aber das brauche ich auch, um meine Kreativität auszuleben. Unsere Kinder wissen da um meine Macke und wer keinen „ Zoff mit Muttern“ haben möchte, räumt seinen Kram halt gleich richtig weg.

Hast du denn Zeit für dich? Was machst du dann, wie entspannst du?

Zeit für mich habe ich eigentlich selten. Mein Tag beginnt um 6 Uhr und endet in der Regel nicht vor 23.30 Uhr. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass mir großartig etwas fehlt. Natürlich gibt es Tage, an denen ich total genervt bin und ich motzig durch die Gegend renne. Aber im Großen und Ganzen passt alles. Ich wollte das ja auch alles so haben. Es war meine Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen, meinen Mann zu heiraten und so viele Kinder zu bekommen.

Entspannen kann ich mich gut beim Lesen, Schreiben oder Autofahren mit lauter Musik.
Aber auch die Zeit am Wochenende mit meinem Mann ist wertvoll und wichtig für uns. Wir haben unsere festen „Kinderauszeiten“, da sind wir dann Kerstin und Holger und gerade mal nicht Mama und Papa.

Kerstin Lüking (44) mit ihrem Mann Holger (47).

Du bist Hebamme. Ein Beruf mit Berufung. Wann wusstest du: Das ist es, was ich machen will?

Mein Beruf ist wirklich meine Berufung. Auch das wusste ich eigentlich schon sehr früh, dass ich Hebamme werden wollte. Trotzdem habe ich nach dem Abitur erst noch den Umweg über ein Jura- und Psychologie-Studium gemacht. Ich bin heute sehr froh, dass ich mich doch noch mal umentschieden habe und heute nicht als Anwältin in einem verstaubten Büro sitze.

Inwiefern hilft deine Erfahrung als siebenfache Mama in deinem Job? Wahrscheinlich kannst du aus deinem Wissensschatz ja schon beim Thema Geburt starten, oder?

Meine eigenen Erfahrungen als Mutter finde ich sehr wertvoll in meinem Beruf. Die Frauen haben sehr viel Vertrauen in mich und ich habe sehr viel Verständnis für meine Frauen, weil ich diese ganzen Situationen alle nur zu gut kenne. Für mich steht die Mutter in meiner „Arbeitsphilosophie“ immer an oberster Stelle. Danach kommt erst das Kind! Geht es meiner Frau gut, klappt auch der Rest und ich versuche sie dabei zu unterstützen, egal für welchen Weg sie sich entscheidet.

Du bist Gründerin der Wochenbettbox. Was ist das genau? Und wie bist du auf die Idee gekommen?

Auf die Idee mit der Wochenbettbox bin ich eigentlich mit Anfang vierzig gekommen. Ich wußte, da geht noch was, ich will noch mehr, was Neues. Ich wollte eine sinnvolle Sammlung von schönen, guten und vor allem nützlichen Dingen haben, die die Mütter im Wochenbett benutzen können. Viele Frauen haben heute keine Hebamme mehr, die sie im Wochenbett begleiten und unterstützen kann. Das ist eine totale Katastrophe und die kann mit unserem Boxen-Inhalt absolut in Grenzen gehalten werden. Ich habe ein Buch geschrieben, in dem alles steht, was man für die erste Zeit wissen muss und für alle Eventualitäten gibt es verschiedene Produkte, die einem das Leben leichter machen. Von der Brustwarzen- bis zur Po-Pflege ist alles dabei.

Wir haben ein kleine Manufaktur, die angedockt ist an eine Apotheke. Damit ist auch die hochwertige Qualität unserer Produkte gewährleistet. Großartig unterstützt werde ich dabei von meiner Apotheker- Freundin und „Wochenbettbox-Schwester“ Friederike, die mir bei der Produktentwicklung und Umsetzung der Ideen als gleichberechtigte Partnerin zur Seite steht. Unser Projekt nimmt gerade „große Fahrt“ auf und ich freue mich wahnsinnig über die tollen und zum Teil sehr emotionalen Rückmeldungen der Frauen, denen wir eine echte Hilfe waren.

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Stillstand gibt es bei dir nicht, so mein Eindruck. Ich freue mich riesig darüber, dass du als Hebamme auf dem MutterKutter mit dabei bist. Worauf dürfen sich unsere Leserinnen freuen?

Stillstand ist ein Zustand, den es bei mir nicht gibt. Aber das macht mein Leben ja auch so spannend und ich will das ja auch so. Also, freuen können sich unsere Mütter über ganz viel Inhalt.

Ihr habt ein Problem, ich habe die Lösung !

Also, schreibt uns Fragen in Hülle und Fülle. Ich werde als Mamaexpertin hier auf dem MutterKutter regelmäßig eine Bord-Sprechstunde machen, in der ich die Fragen unserer LeserInnen beantworte und ich werde unter der Rubrik Hebammenwissen regelmäßig Artikel zu Themen schreiben, die mir gerade im Hebammen-Alltag über den Weg gelaufen sind.


Übrigens findet ihr Kerstin Lüking auch auf Facebook.

Ich freue mich riesig über unsere Zusammenarbeit, liebe Kerstin!

 

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