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Psychologie

„Smiling Depression“: über die hochfunktionale Depression!

Unsere Diplom-Psychologin Annika Rötters klärt auf!

von
Dorothee Dahinden

Du hast dich schonmal gefragt, was eine „hochfunktionale Depression“ genau ist? Hier bekommst du Antworten.

Hochfunktionale Depression:

„Betroffene beschreiben häufig das Gefühl „nur noch zu funktionieren“.

Diplom-Psychologin Annika Rötters

Liebe Annika, mir ist der Begriff „Hochfunktionale Depression“ nun öfter über den Weg gelaufen. Was ist das genau? Welche Symptome bringt sie mit sich?

Liebe Doro, danke dass du diesem Thema Raum gibst! In der ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) 11 ist die „hochfunktionale Depression“ kein eigenständiger Begriff. Betroffene wirken nach außen „atypisch“ funktional: während für die meisten depressiven Störungen Interessenverlust und Rückzug zu den typischen Symptomen gehören, „funktionieren“ Betroffene hier im Beruf und nicht selten auch im sozialen Umfeld „scheinbar weiter“.

Zu den Symptomen zählen auch hier Freudlosigkeit, innere Leere, Schlaf- und Konzentrationsbeschwerden, die Fassade des Funktionierens führt gleichzeitig dazu, dass die Erkrankung von außen nicht oder nur sehr schwer wahrnehmbar ist, so wird sie im englischen Sprachraum auch als „smiling depression“ (lächelnde Depression) bezeichnet. Der maskierte emotionale Schmerz wird hinter einem Lächeln versteckt.

Hochfunktionale Depression Krieg Rotzlöffel
Annika Rötters, Diplom-Psychologin// Credit: Michelle Rötters

Expert*innen nennen als weitere charakteristische Symptome ein übermäßiges Schlafbedürfnis, gesteigerten Appetit, körperliche Beschwerden (Kopfschmerzen und Verdauungsprobleme) sowie ein anhaltendes Schweregefühl in Armen und / oder Beinen.

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Die Hochfunktionale Depression passt nicht zum „typischen“ Bild einer Depression

Warum kann man denn gleichzeitig „leisten“ und „furchtbare emotionale Täler“ durchlaufen?

Der Leistungsdruck, der hinter einer Fassade der Hochfunktionalität liegt, passt vielleicht auf den ersten Blick nicht zum „typischen“ Bild einer Depression – einer schweren Depressiven Episode mit tiefer Antriebslosigkeit, Verlust der Freude an alltäglichen Aktivitäten und extremem sozialen Rückzug – und: wenn Menschen schon früh gelernt haben, dass ihr Selbstwert an Leistung geknüpft ist und ihre eigenen Bedürfnisse nachrangig sind, kann es ein bewährter Weg geworden sein, negativen Gefühlen mit einem „mehr“ an Leistung, Terminen und Verpflichtungen zu begegnen.

Diese können die Stimmung auch kurzfristig positiv beeinflussen – gleichzeitig sind auch sehr volle Kalender bei einer hochfunktionalen Depression oft begleitet von Gefühlen der Leere, Sinnlosigkeit und manchmal sogar dem Gefühl, eine Art „Doppelleben“ zu führen.

Wie sehr leiden die Menschen, die es betrifft? Und wie äußern sich diese Leiden?

Jede Form einer Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung und bedarf fachkundiger professioneller Hilfe und Unterstützung.  Auch eine hochfunktionelle Depression kann im Zusammenbruch enden. Besonders tückisch ist hier, dass über die Fassade der Funktionalität das (Selbst)Bild der inneren Stärke lange aufrecht erhalten werden kann und der Punkt, an dem Hilfe gesucht wird, weiter nach hinten geschoben wird. Dabei wissen wir heute längst: Depression ist keine Schwäche, sondern eine Erkrankung.

Das Leiden äußert sich meist auf der inneren Gefühlsebene der Betroffenen, nach außen manchmal in Reizbarkeit: Betroffene wirken gestresst oder überlastet. Wichtig ist hier eine genaue und professionelle differenzialdiagnostische Analyse.

„Die Gedankenwelt kann schwanken zwischen „das schaff ich auch noch“ und „ich schaffe gar nichts mehr“.

Welche Gefühls- und Gedankenwelten durchschreiten Betroffene? Und inwiefern schlägt die „hochfunktionale Depression“ auf den Körper?

Betroffene beschreiben häufig das Gefühl „nur noch zu funktionieren“. Körperlich werden die psychischen Symptome manchmal von Schweregefühlen in Armen und Beinen begleitet – in extremen Fällen kann es sogar zum Ausfall der Motorik in Armen oder Beinen kommen: Betroffene können dann scheinbar plötzlich einen oder beide Arme nicht mehr bewegen oder auch nicht mehr laufen. Da derartige Symptome jedoch viele Ursachen haben können, ist eine professionelle Abklärung hier sehr wichtig. Also: auch wenn gerade das Stresslevel hoch ist: wenn plötzlich ein Arm ausfällt, bitte nicht abwarten, sondern lieber früher als später einmal ärztlich abklären lassen.

Die Gedankenwelt kann schwanken zwischen „das schaff ich auch noch“ und „ich schaffe gar nichts mehr“ – der hohe Druck, keine Schwäche nach außen zu zeigen kann sich in einem stark schwankenden gefühlten Energielevel zeigen: wenn Leistung erbracht wird, dann geben Betroffene „200 %“, fallen anschließend jedoch in zunehmend länger andauernde Phasen der Erschöpfung oder fühlen sich permanent ausgebrannt und leer. Die Abgrenzung zu einer Erschöpfungsdepression oder einem Burnout benötigt fachkundige Diagnostik.

Hochfunktionale Depression: Kopf- und Magenschmerzen, sowie Verdauungsprobleme

Körperlich kann sich eine hochfunktionale Depression außerdem durch Kopfschmerzen oder Magenschmerzen und Verdauungsprobleme ohne erkennbare körperliche Ursachen zeigen – auch hier ist eine Diagnostik wichtig und sinnvoll, denn Schmerzen können verschiedene Ursachen haben und auf verschiedene Erkrankungen hindeuten.

Alle diese Symptome sollten bei Auftreten zeitnah ärztlich untersucht werden.

Welche Charaktere neigen dazu?

In der aktuellen klinischen Psychologie wird davon ausgegangen, dass die Entstehung einer Depression durch verschiedene Faktoren begünstigt wird. Sowohl genetische Faktoren als auch früh erlernte Verhaltensmuster und belastende Lebensereignisse zählen zu den Risikofaktoren, genauso wie chronischer Stress, traumatische Erfahrungen und belastende, ungelöste innere Konflikte. Grundsätzlich zählen depressive Erkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen der Psyche. Laut der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. sowie Zahlen der Deutschen Depressionshilfe erkranken jedes Jahr rund 8 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland an einer Depression und im Lebenslauf ist jeder 5. Bis 6. Erwachsene einmal betroffen. Frauen sind laut Statistik doppelt so häufig betroffen wie Männer – zumindest erhalten sie häufiger die Diagnose.

Depressionen (auch hoch funktionale) können jeden treffen – deswegen richtet sich gerade Prävention im Bereich mentale Gesundheit auch an alle gesunden Menschen. Es gibt sowohl Programme für Kinder (oft in Schulen und Kindergärten) als auch für Erwachsene (Informationen finden Versicherte auf den Seiten ihrer Krankenversicherung).

„Manchmal liegt der erkennbare Grundstein in der Kindheit, dies ist gleichzeitig nicht immer der Fall.“

Woher kommt deiner Erfahrung nach dieser Perfektionismus-Anspruch und diese massive Selbstkritik?

Ich würde jetzt gerne schreiben, dass es eine klar erkennbare Ursache gibt – in der Praxis sind es jedoch oft verschiedene Faktoren, die das Entstehen eines hohen Leistungsanspruchs an sich selbst und eine starke innere kritische Stimme fördern. Manchmal liegt der erkennbare Grundstein in der Kindheit, dies ist gleichzeitig nicht immer der Fall.

Ich möchte Menschen, die unter starken selbstkritischen Gedanken und einem überhöhten Anspruch an sich selbst leiden gleichzeitig auf den Weg geben, dass bei Leidensdruck immer professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden darf und sollte.

Woran merke ich, ob ich darunter leide?

Wenn du dich in mehreren Punkten wiedererkannt hast, vielleicht schon Symptome bei dir beobachtest oder sogar im Alltag in letzter Zeit zunehmend häufig das Gefühl hast „nur noch zu funktionieren“ ist jetzt der richtige Zeitpunkt, dir Hilfe zu suchen. Grundsätzlich kann man sagen: je früher sich ein Mensch, der leidet, Hilfe sucht, um so niedrigschwelliger kann die Hilfe aussehen.

Hochfunktionale Depression: Hier bekommt ihr Hilfe!

Und wie bekomme ich jetzt Hilfe?

♥ Der erste Schritt ist oft der Schwerste – bei Leidensdruck ist gleichzeitig eine zeitnahe professionelle und umfassende Diagnostik wichtig. Viele der Symptome können auch andere Ursachen haben – ein erster Schritt könnte also der Gesundheitscheck bei Hausärzt*innen sein.

♦ Weitere erste Ansprechpersonen können Fach-Ärzt*innen des Vertrauens sein.

♥ Viele Krankenversicherungen bieten auf ihren Portalen niedrigschwellige Präventions-Angebote, die sich an gesunde Versicherte richten, und den Erhalt auch von mentaler Gesundheit fördern. (Hier bin ich als Kursanbieterin auch im Katalog mit einem 10-Wochen-Programm zum multimodalen Stress- und Ressourcenmanagement.)

♦ Wenn bereits eine Diagnose vorliegt kann die 116117 bei der Therapieplatzsuche unterstützen.

♥ In akuten Krisen-Situationen unterstützt die Telefonseelsorge (auch im Chat), anonym und kostenfrei.

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