Geburtsgeschichten: Jede von uns hat eine andere. Und doch haben sie alle etwas gemeinsam: sie sind einzigartig. Jede einzelne. Und voller Gefühle: Freude, Glück – und auch Wehmut, Traurigkeit oder Ängste gehören dazu. Unter #meinKaiserschnitt erzählen euch Mamas, wie sie ihre Kaisergeburt erlebt haben. Kaierschnitt Themenwoche mein Kaiserschnitt Hebamme Kerstin Lüking Berlin Kaiserschlüpfer Hamburg Julia Steinbach Daniela Westberg-Heuer Mamablog Mutterkutter Mamablogger GeburtEhrlich. Offen. Gefühlvoll. Geburtsgeschichten, die unter die Haut gehen. Warum dieser Themenschwerpunkt? Weil ich, Doro, meine Kaiserschnitte selbst erst einmal verarbeiten musste. Ich wollte darüber sprechen, wie ich mich gefühlt habe. Das pure Glück und das gleichzeitige Gefühl, versagt zu haben, haben sich die Klinke in die Hand gegeben.

Meine Geschichte und viele andere findet ihr in diesem eBuch vom Mai 2018. Ich hatte euch letztes Jahr bei Instagram und Facebook gefragt, ob ihr eure Gerburtsgeschichte erzählen möchtet. Das Feedback und eure Bereitwilligkeit waren überwältigend. Deshalb mache ich nun weiter. Mit Teil 2 eurer Geburtsgeschichten.


Ich habe einige Verlinkungen im Text: unbezahlte & unbeauftragte Werbung.


#meinKaiserschnitt

Außerdem findet ihr ganz unten einen medizinischen Text zum Thema Geburtsgeschichten rund um das Thema Kaiserschnitt von MutterKutter-Frauenärztin Dr. Judith Bildau: „Warum auch Kaiserschnittfrauen gebären.“

Übrigens: Das hier kann eine abendfüllende Lektüre werden. Nehmt euch gerne die Zeit oder kommt einfach mal wieder. Wir freuen uns über euch!


„Ich kann eine natürliche Geburt nicht beurteilen, aber ich weiß für mich, dass ich damit nichts verpasst habe. „

Mama Stephanie Lehmann errklärt, warum sie ihre Kaiserschnitte nicht bereut.

Liebe Stephie, würdest du dich bitte kurz unseren Leserinnen vorstellen?

Geburtsgeschichten mein Kaiserschnitt Mama zwei Kaiserschnitte MutterKutter
Foto: Stephanie Lehmann

Ich bin Stephanie Lehmann, 44 Jahre alt, zzt. noch in Elternzeit und Mama von 2 Mä dels im Alter von 8 und 5 Jahren. Ich bin in Kiel geboren und auch aufgewachsen. Jetzt wohnen wir in Dänischenhagen. Ich gebe ehrenamtlich 1x die Woche Schwimmunterricht und organisiere 2 x im Jahr mit einigen anderen Müttern unsere Kinder- und Spielzeugbörse hier in Dänischenhagen. Abschalten tue ich sehr gut, wenn ich an der Nähmaschine sitze, einfach nur mal im Strandkorb im Garten die Seele baumeln lassen kann oder eine Runde walken gehe.

Warum hast Du gesagt: Ja über meine Kaiserschnitte möchte ich reden?

Aus Erzählungen weiß ich, dass viele Frauen Probleme mit diesem Schritt haben und danach in ein Loch fallen, wenn es mit der natürlichen Geburt nicht geklappt hat und der Kaiserschnitt gemacht werden musste. Auch wird man häufig noch in der heutigen Gesellschaft mitleidig angeguckt, dass man die Erfahrung der natürlichen Geburt nicht gemacht hat. Was ich persönlich überhaupt nicht schlimm finde.

Geburtsgeschichten: Es hat sich zum Glück ein Kaiserschnitt ergeben.

Ich kann eine natürliche Geburt nicht beurteilen, aber ich weiß für mich, dass ich damit nichts verpasst habe. Für mich stand aber auch schon immer fest, dass ich nur Kinder bekomme, wenn ich wählen kann ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt. Der Film im Biologieunterricht ist Schuld *lach*.

Ich war während der 1. Schwangerschaft so gestresst, dass ich eine natürliche Geburt machen sollte, weil keine medizinische Notwendigkeit vorlag für einen Kaiserschnitt. Dass hat mich echt fertig gemacht, weil ich es ja nicht wollte. Es hat sich dann aber doch
– für mich zum Glück – anders ergeben. Ich möchte einfach zeigen, dass es auch anders geht und man auch mit einem Kaiserschnitt zufrieden und eine glückliche Mutter sein kann.

Du hattest 2 Stück: Wieso waren sie bei dir jeweils nötig?

Bei meiner ersten Tochter ist nachts die Fruchtblase geplatzt und wir waren dann
in die Klinik gefahren. Es war noch keine Wehentätigkeit vorhanden. Diese setzte dann erst im Laufe des Vormittages ein und später ließ ich mir eine PDA setzen. Das endete damit, dass die Wehen wieder nachließen und sich mehrere Stunden auch nichts tat. Da
es ein Freitag war und das OP-Team ins Wochenende ging, unsere Tochter seit über 14 h nur noch mit geringem Fruchtwasser in der Gebärmutter lag und die Wehen einfach zu langsam wieder kamen, haben wir uns am frühen Abend für einen Kaiserschnitt entschieden.

Loch in der Gebärmutterwand. Der 2. Kaiserschnitt war geplant.

Es war für mich eine Erleichterung. Der 2. Kaiserschnitt war dann geplant. Ich hatte zwischen den beiden Kindern eine Fehlgeburt und beim Ausschaben wurde versehentlich ein Loch in die Gebärmutterwand geschabt. Dies musste genäht werden und
damit war klar, dass eine natürliche Geburt danach nicht mehr in Frage kam. Ich fand es total klasse, weil wir alles Planen konnten. Der Termin stand fest, die Oma hat sich um unsere Große gekümmert und wir sind morgens entspannt in die Klinik gefahren, weil eben alles geregelt war.

Wie hast du dich nach den Kaiserschnitten gefühlt, körperlich und
seelisch?

Ich habe beide Kaiserschnitte körperlich gut weggesteckt und lief auch schon am nächsten Tag aufrecht durch die Gänge. Die Schmerzen waren erträglich und auch die Verheilung der Narbe verlief bei beiden OPs sehr gut. Auch habe ich schnell die Bauchmuskeln wieder da gehabt, wo sie sein sollten. Seelisch hat mich der Gedanke an die natürliche Geburt mehr belastet als die beiden Kaiserschnitte. Ich habe bis heute auch keine Probleme damit, dass es bei beiden Kindern so gelaufen ist und bereue die Entscheidungen auch nicht.

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„Auch heute noch beschleicht mich das Gefühl, dass unser Start ins gemeinsame Leben so holprig war auf Grund des Kaiserschnittes und, dass wir einfach viel verpasst haben.“

 Lea H. über ihre Gefühlswelt nach dem Kaiserschnitt.

Geburtsgeschichten mein Kaiserschnitt Mama zwei Kaiserschnitte MutterKutter
Foto: Lea H.

Ich bin Lea, 23 Jahre alt, komme aus der Nähe von Stuttgart und bin seit dem 24.10.2017 Mama meines Sohnes Maximilian Elias. Wir sind seit dem 5. Schwangerschaftsmonat ohne Papa und kämpfen und kuscheln uns als Mutter-Sohn-Gespann durchs Leben.

Geburtsgeschichten: Ich hatte eine turbulente Schwangerschaft.

Abgesehen vom Kaiserschnitt denke ich sehr gerne an die Geburt meines Sohnes zurück. Der Kaiserschnitt war sekundär, wurde also erst durchgeführt als eine Geburt auf natürlichem Wege nicht mehr möglich erschien.

Ich hatte eine sehr turbulente Schwangerschaft mit Trennung vom Partner, Umzug, Komplikationen, … lauter Dinge, die man sich nicht wünscht. Als die Wehen dann endlich begannen und ich im Krankenhaus ankam, überkam mich mit jeder weiteren Stunde eine tiefere Ruhe und Zufriedenheit. Und vor allem unendlich große Vorfreude auf mein Baby. Meine Mama begleitete mich die ganze Zeit (und das waren immerhin 48 Stunden von der Ankunft im Krankenhaus bis zur Geburt meines Sohnes). Wir haben in den Pausen zwischen den Wehen zusammen gelacht vor Freude und geweint vor lauter Glück. Diese Stunden werden für immer in unser beider Herzen bleiben.

Kaiserschnitt: sonst hätten wir wohl nicht überlebt.

Zum Kaiserschnitt kam es letztendlich auf Grund von einem Geburtsstillstand in der Eröffnungsphase und damit verbundenen Komplikationen. Ich hatte große große Angst vor einem Kaiserschnitt, hatte ich doch in zwei Praktika im Kreißsaal mehrere miterleben dürfen. Es war mir einfach unheimlich. Zum Schluss war aber dann auch ich so am Ende meiner Kräfte, dass sogar ich einsehen musste, dass es wohl keinen anderen Weg mehr gibt. Im Nachhinein weiß ich, dass ich und mein Sohn ohne Kaiserschnitt wohl nicht überlebt hätten.

Intensivstation: Mein Sohn atmete nicht richtig.

Unglücklich bin ich vor allem über den Eingriff an sich und die Tage danach. Ich hatte zuvor eine PDA gelegt bekommen, welche für den Kaiserschnitt nur „aufgespritzt“ wurde. Ich bekam also keine Spinalanästhesie wie sonst üblich. Leider hat diese PDA nicht ausreichend gewirkt, sodass ich den Großteil des Eingriffes ungefiltert spüren musste. Nachdem mein Sohn geboren war, nahm ihn die Hebamme wie besprochen zunächst mit um ihn abzutrocknen und ihn einmal zu betrachten. Wenige Minuten später kam sie ohne Kind wieder und teilte mir und meiner Mama mit, dass Maximilian nicht atme und daher der Kinderarzt kommen müsse.

Da lag ich also nun auf dem OP-Tisch, bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung und hatte plötzlich auch noch Angst, dass ich mein Baby niemals lebend kennen lernen darf. Kurze Zeit später kam die Hebamme erneut und erklärte, mein Sohn müsse direkt auf die Intensivstation. Er atme zwar aber immer noch nicht richtig. Meine Mama hörte ihn wohl irgendwann schreien und teilte mir das auch mit, aber ich war so gefangen in meinem Schmerz und der Angst um Maximilian, dass ich das nicht registriert habe. Das erste Mal meinen Sohn sehen konnte ich zwei Stunden später. Das erste Mal ihn selbst halten durfte ich ihn 8 Stunden nach Entbindung, nachdem ich mich vom Schmerzmittelperfusor freiwillig getrennt habe, um endlich bei meinem Sohn sein zu können.

Die Angst vor dem Versagen war mein ständiger Begleiter.

Die ersten Tage im Krankenhaus waren dementsprechend schwer. Ich war total entkräftet. Die Strapazen einer fast natürlichen Geburt plus Kaiserschnitt hatten mich doppelt geschlaucht und ohne Kind bei mir aber mit leerem Bauch war ich einfach nur unglücklich. Als dann Maximilian nach drei Tagen überraschend doch schon zu mir ins Zimmer verlegt werden konnte, ging es aber steil bergauf.

Die ersten drei Monate mit meinem Sohn waren ebenfalls sehr aufreibend. Die Situation mit seinem Papa, meine Immobilität und Einsamkeit, die Angst vor Versagen und vor allem der mangelnde Schlaf und immenser Hunger waren meine ständigen Begleiter. Hinzu kam, dass Maximilian anfangs ebenfalls viel Aufmerksamkeit benötigte, weil er kaum schlief und dafür umso mehr schrie.

Oft und auch heute noch beschleicht mich das Gefühl, dass unser Start ins gemeinsame Leben so holprig war auf Grund des Kaiserschnittes und, dass wir einfach viel verpasst haben. Dieser anfängliche Zauber, den ich mir so herbei gesehnt hatte, war getrübt.

Daheim haben wir Gott sei dank vieles nachholen können und auch heute, mit fast vier Monaten, nutzen wir jedes Baden zum erneuten Bonden und wann immer Maximilian Lust hat, kuscheln wir uns durch den Tag. Ich bin zur absolut überzeugten Still- und Tragemama geworden und versuche so, das verpasste auf meine Art nachzuholen.

Ich habe keine richtige Beziehung zur Narbe.

Meine Narbe ist übrigens sehr gut verheilt – sagen zumindest sowohl die Hebammen als auch die Ärzte die sie bisher zu Gesicht bekamen. Eine wirkliche Beziehung zu ihr habe ich jedoch nicht. Vielleicht sollte ich mir dafür irgendwann einmal noch Zeit nehmen. Aber zunächst hat mein Sohn erste Priorität.

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„Ich hatte ganz lange ein Problem das Wort „Geburt“ für die Ankunft meines Sohnes auf der Welt zu benutzen.“

Merle-Marie K. über die Schmerzen danach und das Gefühl des Kontrollverlustes.

Liebe Marie, könntest du dich unseren Leserinnen bitte ganz kurz vorstellen?
Ich bin Merle-Marie, 26 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines 2 Jahre alten Sohnes.

Geburtsgeschichten mein Kaiserschnitt Mama zwei Kaiserschnitte MutterKutter
Foto: Merle-Marie K.
Ich bin ein Familienmensch, sehr harmoniebedürftig, oft ziemlich chaotisch und furchtbar vergesslich.
Neid und Traurigkeit waren meine Begleiter.
Du hast uns geschrieben, dass du deinen Kaiserschnitt jetzt, ein Jahr danach, anfängst zu verarbeiten. Magst du uns ein bisschen von den Gedanken erzählen, die du hast? Mit welchem Gefühl denkst du zurück? Und was glaubst du: Warum ist das Thema jetzt so präsent?

Es tat lange Zeit einfach zu sehr weh um diese Gedanken zu vertiefen. Ich konnte nicht über das Thema` natürliche Geburt `sprechen, lesen oder die Geburtserlebnisse anderer Mütter anhören, weil ich so unendlich traurig über meine Erfahrung war. Unbewusst und ungewollt kamen immer etwas Neid und Traurigkeit mit hoch und das wollte ich nicht fühlen. Das Verständnis Außenstehender hielt sich zudem sehr in Grenzen.

„Hauptsache dem Kind geht ́s gut!“,

wird ja gern dahingesagt. Ein Satz, der mich jedes Mal sehr getroffen hat. Ganz ohne Frage ist das das Wichtigste! Aber gleichzeitig werden die Gefühle der Mutter damit als unwichtig abgetan. Natürlich gibt es auch Mütter, die durch ganz andere, schreckliche Erfahrungen durch mussten und wiederum andere, denen ein Kaiserschnitt überhaupt nichts ausmacht.

Ich hatte mir immer eine ambulante Spontangeburt gewünscht.

Man sollte daran aber nicht die Gefühle der Frauen im Allgemeinen bemessen. Das Empfinden der jeweiligen Situation ist sehr individuell. Ich denke mittlerweile, dass der Kaiserschnitt für mich so schlimm war, weil ich mir immer schon eine ambulante Spontangeburt gewünscht hatte. So wie es damals meine Mutter bei meiner Geburt erfahren durfte.

Meine Schwangerschaft war leider schon sehr anstrengend. Ich hatte drei stationäre Aufenthalte in zwei verschiedenen Kliniken aufgrund vorzeitiger Wehen in der 27. Woche und später einer vermuteten Präeklampsie sowie dauerhaft viel zu hohem Blutdruck. Das Gefühl, dass mein Körper dann nicht mal in der Lage sein durfte das Baby, welches er monatelang hat wachsen lassen, auf die Welt zu bringen obwohl ich es mir so sehr gewünscht hatte, war schrecklich. Nachdem ich diese Gedanken lange verdrängt habe, kann ich mich – mit gut  zwei Jahren Abstand – sehr gut damit befassen, habe schon viel dazu gelesen und recherchiert.

Ich weiß, dass heutzutage viel zu viele Kaiserschnitte ohne medizinische Notwendigkeit gemacht werden. Ich wurde damals nicht gefragt, was ich möchte oder wie es mir damit geht.

Das Gefühl am Tag des Kaiserschnitts beschert mir noch immer Gänsehaut.

Zuerst mussten wir 4 Stunden länger warten als geplant, dann ging es plötzlich sehr schnell. Ich sollte den OP-Kittel anziehen und mit in den OP komme, mein Mann wurde in eine Umkleide geschickt.

Ich kam in einen OP-Saal, in dem etwa 15 Ärtze, Schwestern, Hebammen und (ohne mich vorher zu informieren) Studenten standen. Ein Arzt hievte mich auf den OP-Tisch. Ich fing an unkontrolliert zu zittern. So sehr, dass mir der Zugang nicht ordentlich gelegt werden konnte und mein Blut den Schlauch hochstieg, während sich auf meiner Hand eine riesige Beule bildete. Dann gab es die Spinalanästhesie. Mein OP-Kittel wurde mir weggenommen und ich hingelegt.

Geburtsgeschichten: Ich fühlte mich wie Vieh auf der Schlachtbank.

Und da lag ich dann. Nackt mit Babybauch, Arme und Beine rechts und links vom Körper weggestreckt, festgeschnallt. Ich fühlte mich wie Vieh auf der Schlachtbank. Ich hatte einen Kloß im Hals und fragte mich, wo mein Mann sei. Leider wurde kaum mit mir geredet und das, was gesagt wurde, gab mir kein besseres Gefühl.

Dann wurde mir der Blasenkatheter gelegt und das Tuch hinter meiner Brust aufgespannt und endlich durfte auch mein Mann zu mir und sich an mein Kopfende setzen. Nur etwa fünf Minuten und extremes ruckeln und reißen und dem Gefühl von fremden Händen im
offenen Bauch später war unser perfekter kleiner Sohn da und wurde mir nach ein paar Minuten auf die Brust gelegt. Ich war wie benebelt und kann mich nicht mehr richtig daran erinnern, aber mein Mann weinte und ich war froh, dass es geschafft war und weinte ebenfalls. Realisieren konnte ich es nicht.

Unsere Anfangszeit war nicht leicht.

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass mein Sohn gesund zur Welt gekommen und auch dafür, dass es keine großartigen Komplikationen gab und ich seinen ersten Schrei zumindest hören konnte. Er entwickelt sich toll und ich bin jeden Tag so stolz, seine Mama sein zu dürfen. Aber unsere Anfangszeit war nicht leicht und das lag größtenteils an meinem Kaiserschnitt.

Ich hatte ganz lange ein Problem das Wort „Geburt“ für die Ankunft meines Sohnes auf der Welt zu benutzen. Stattdessen sagte ich „der Tag, an dem er kam“ oder „am Tag seiner Ankunft“. Nach wie vor ist es für mich keine richtige Geburt gewesen. Es war eine OP und dementsprechend fehlte mir lange dieses Gefühl. Es ist nicht das gleiche wie eine spontane – egal, ob mit oder ohne Komplikationen – Geburt.

Ich weiß, dass viele das anders sehen. Man sagt: Am Tag der Geburt wird nicht nur ein Kind geboren, sondern auch eine Mutter. Und dieser einige Stunden andauernde Prozess vom Mutter werden fehlte irgendwie. Ich hatte vorher keine Wehen, keinen Blasensprung , keine Spannung, wann er kommt – nichts, was sich nach „jetzt geht es los“ anfühlt.
Wahrscheinlich ist das mein Problem. Und das schlechte Gewissen, dass ich meinen Sohn nicht wenigstens habe entscheiden lassen, wann er bereit ist, macht mich immer noch traurig.

Der Kaiserschnitt hat bei mir das Gefühl eines funktionierenden Körpers zerstört.

Was hat der Kaiserschnitt mit dir „gemacht“? Wie hast du dich danach gefühlt?

Der Kaiserschnitt hat, so dramatisch es klingt, bei mir das Gefühl eines funktionierenden Körpers zerstört. Ich war immer recht sportlich, habe 18 Jahre Ballett getanzt und hatte eine gute Verbindung zu meinem Körper.

Der Schmerz war von allem, was ich bisher kannte.

Nach dem Kaiserschnitt hatte ich das Gefühl, dass ich keine Beziehung mehr zu meinem eigenen Körper habe. Irgendwie fühlte ich mich zerteilt. Es war und ist ganz merkwürdig. Und ich muss sagen, dass ich mir so etwas niemals hätte vorstellen können. Am schlimmsten war aber für mich, dass ich wegen unglaublicher Schmerzen die ersten Tage überhaupt nicht für meinen kleinen Sohn da sein konnte. Aufgrund verschiedener Erzählungen hatte ich nicht mit solch extremen Schmerzen gerechnet. Ich bin wirklich nicht besonders schmerzempfindlich, aber das war jenseits von Allem, was ich vorher
kannte.

Wickeln, tragen, anziehen meines Babys – ich konnte nur zusehen.

Ich bekam sehr wenig Schmerzmittel. Ich wollte ja unbedingt stillen! Beim ersten Aufstehen am Abend brach ich weinend und vor Schmerzen nach Luft schnappend zusammen. Ein paar Schritte schaffte ich erst am nächsten Tag und musste auf den zwei Metern zum Bad gestützt werden. Ohne meinen Mann hätte ich das nicht geschafft. Er kümmerte sich um den Kleinen, half mir beim Duschen, weil ich mich nicht bewegen konnte und sprach mir Mut zu. So gern wollte ich mein Baby tragen, wickeln und anziehen, aber ich konnte nur vom Bett aus dabei zusehen ,wie der Papa das alles zum ersten Mal machte. Im Beistellbett in der Klinik lag er nicht neben mir, wie ursprünglich geplant, sondern neben meinem Mann. Da ich mich nicht einmal zur Seite drehen und ihn aus dem Bettchen heben konnte.

Mütter machen es sich mit einem Kaiserschnitt nicht leicht.

Vermutlich auch deshalb konnte ich später meinen Sohn die ersten Monate kaum aus dem Arm geben und musste ihn immer im Blick haben. Im Endeffekt glaube ich aber, dass ich aus dieser Erfahrung viel gelernt habe.Vor ein paar Jahren dachte ich noch, dass es sich Mütter mit einem Kaiserschnitt sehr leicht machen. Doch jetzt weiß ich, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Ich hoffe sehr darauf, dass ich beim nächsten Kind die Erfahrung einer Spontangeburt machen darf und den Vergleich habe. Ich bin demütiger geworden, hinterfrage aber auch wesentlich mehr als damals und vertraue nicht einfach.

Warum war er bei dir nötig?

Ich bekam einen Kaiserschnitt, da mein Sohn in Beckenendlage im Bauch „saß“ und sich trotz angestrengter Versuche meinerseits (moxen, indische Brücke, Lichtwende, äußere Wendung) einfach nicht drehen wollte. Die Ärzte fragten mich, als ich sagte, dass ich es trotzdem gern auf natürlichem Weg versuchen würde, ob ich die Gesundheit meines Kindes für eine normale Geburt riskieren will.

Ich saß oft weinend zu Hause.

Also stimmte ich natürlich dem Kaiserschnitt zu. Es war schließlich mein erstes Kind. Ich dachte, dass die Klinik nur das Beste für uns wollte und natürlich wollte ich nur, dass es meinem Baby gut ginge. Jede Mutter möchte das – oder etwa nicht?! Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dachte, dass ich egoistisch wäre, weil ich mir eine natürliche Geburt wünschte. Wie viele Abende ich am Ende der Schwangerschaft verzweifelt weinend zu Hause saß…

Was verbindest du mit deiner Narbe? Was fühlst du, wenn du sie anschaust/ anfässt?

Wenn ich die Narbe ansehe, denke ich an einen Tag im Januar 2017, der zugleich der schönste und schlimmste meines bisherigen Lebens war. Und der es komplett veränderte. Ich lese immer mal wieder von Kaiserschnittmüttern, die ihre Narbe mit Stolz betrachten. Ich arbeite daran, das auch zu können.

Ich fasse meine Narbe noch nicht gerne an.

Ich verbinde mit der Narbe momentan noch sehr viele schlechte Erinnerungen. Die Unfähigkeit für mich und mein Kind zu entscheiden, den Kontrollverlust und die traurige erste Zeit, in der ich mich nicht um mein Baby kümmern konnte. Weil es mir zu schlecht ging. Ich fasse sie nicht gerne an und vermeide Berührung an der Stelle. Die Haut von dort bis zum Bauchnabel ist noch immer taub. Eigentlich sollte man wirklich stolz darauf sein. Ich habe schließlich etwas durchgestanden, was für mich wahrlich nicht schön war, aber ich schaffte es aus Liebe zu meinem Kind und im Notfall, ja, da würde ich es jederzeit wieder tun. Denn wir Mamas sind stark und es gibt nichts, was wir für unsere Kinder nicht tun würden, oder?

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„Meine Schwangerschaft war von vornherein nicht einfach. Schon in der frühen SSW hatte ich immer wieder Blutungen, die Zeit war auch ein emotionionales auf und ab für mich.“

Mama Steffi über den Kaiserschnitt in der 35. Woche.

Liebe Stefanie, könntest du dich bitte ganz kurz unseren Leserinnen vorstellen?

Geburtsgeschichten mein Kaiserschnitt Mama zwei Kaiserschnitte MutterKutter
Foto: Stefanie Heller

Ich bin Steffi, 39 Jahre alt, Ergotherapeutin und Mama einer bezaubernden kleinen Tochter. Perfekt macht unser kleines Team mein Kater Max. Ansonsten versuche ich die Welt immer wieder neu zu entdecken und mir den kleinen Dingen im Alltag bewusst zu werden und Kraft daraus zu ziehen. Seit der Geburt meiner Tochter gelingt mir das auch immer besser.

Ich bekam Augenflimmern.

Du hast uns geschrieben, dass du in der 35. SSW einen Kaiserschnitt hattest: Was war los bei dir? Wieso musste deine Tochter geholt werden?

Meine Schwangerschaft war von vornherein nicht einfach. Schon in der frühen SSW hatte ich immer wieder Blutungen, die Zeit war auch ein emotionionales auf und ab für mich. Dann wurde es besser, ich galt aber aufgrund meines Alters (38) als Risikoschwangere und wurde vielleicht engmaschiger als andere kontrolliert.

Meine Frauenärztin war besorgt als sich mein Eiweißwert erhöhte, und neben Wassereinlagerungen auch mein Blutdruck anstieg, alles Anzeichen einer Präeklampsie. Ich nahm das ganze zu dem Zeitpunkt nicht ernst. Mein Ziel war es, noch einmal vor der Geburt an meine geliebte Ostsee zu fahren. Das schaffte ich auch noch und genoss meine letzten Tage in Freiheit (nur wusste ich das noch nicht). Doch schon auf den Rückweg bekam ich Augenflimmern. Am nächsten Tag hatte ich wieder einen FA Termin, bei dem mich meine Ärztin noch einmal zur Feinsonographie überwies. Diese Ärztin redete mir ins Gewissen, mich selbst ins Krankenhaus einzuweisen und nicht länger zu warten.

Das Schlimmste für mich war, dass sich meine Tochter nicht mehr richtig entwickelte.

Das tat ich dann auch, immer noch im festen Glauben, dass sie mich vielleicht auf Medikamente einstellen und ich nach ein paar Tagen wieder entlassen werde. Das schaffte ich leider nicht mehr. Trotz steter Überwachung und Medikamenten fiel meine Blutdruck nicht mehr unter 160/100 und die Eiweißwerte stiegen stetig weiter. Das Schlimmste für mich war jedoch der Umstand, dass sich meine Tochter nicht mehr richtig entwickelte. In der Zeit ging es mir psychisch sehr schlecht.

Ich sah meine Mitpatienten kommen und wieder gehen, ich selber durfte nicht groß raus und hatte Lagerkoller, dazu die Sorgen um mein Kind. Am 07.08.17 kam dann der Chefarzt zu mir und sagte, dass er keine weiteren Experimente verantworten könne und dass ich mich darauf vorbereiten solle, am 08.08. Mutter zu werden. Aufgrund des hohen Blutdruckes und des Stresses, kam für ihn leider nur ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose in Frage.

Geburtsgeschichten: Vollnarkose.

Wie war es für dich als feststand: Ich werde nicht natürlich entbinden?

Ich bin ehrlich, ich war hin und her gerissen bei der Vorstellung einen Kaiserschnitt zu bekommen, hatte ich doch noch nicht einmal eine Übungswehe und so oder so keine Vorstellung, was auf mich zukommt. Am Geburtsvorbereitungskurs habe ich nur zwei mal teilnehmen können. Ich war schlichtweg überfordert.

Wie hast du den Kaiserschnitt erlebt? Wie hast du dich während der OP gefühlt?

Da ich eine Vollnarkose hatte, kann ich über den Zeitpunkt der Geburt meiner Tochter nichts sagen.

Der erste Moment mit deiner Tochter – unbeschreiblich, oder? Beschreib ihn doch gerne mal für uns alle.

Meine Mutter saß vor dem OP und war die Erste, die mein kleines Mädchen in Empfang nahm. Sie kam mit 44 cm und 1905 g auf die Welt. Aufgrund der wirklich guten Betreuung vor und nach der Geburt, hatte meine Maus einen guten Start, brauchte weder Sauerstoff, noch eine Magensonde.

Meine Tochter war perfekt. #bedingungslose Liebe

Als ich wieder halbwegs bei mir war, fuhr mich eine Hebamme auf dem Weg zurück in mein Zimmer an der Neonatalogie vorbei und hielt an. Das war nicht selbstverständlich, auch nicht, dass ich meine Kleine für ein paar Minuten halten durfte. Eine andere Mama machte dort das erste Bild von uns. Ich war völlig überwältigt und fühlte nur noch bedingungslose Liebe. Meine Tochter war perfekt und ich wusste, dass ich alles für sie tun würde. Ich bin selber adoptiert und hatte immer Probleme mit Bindungen und war mir vor der Schwangerschaft insgeheim nie sicher, was ich fühlen würde, aber dass ist eine andere Geschichte.

Geburtsgeschichten: Die Narbe ist der sichtbare Beweis für einen Kampf, den wir gewonnen haben.

Was fühlst du, wenn du deine Narbe anguckst?

Ich habe eine Weile gebraucht mit dem Ende der Schwangerschaft klarzukommen. Ich fühlte mich um die fehlenden Wochen betrogen und hätte gerne mehr Zeit mit meinem Bauchkind verbracht. Und auch die Erfahrungen von Wehen (wenigstens Übungswehen) hätte ich gerne gehabt. Unser Krankenhaus bietet Lachgas an, wie das wohl gewesen wäre? Heute liebe ich meine Narbe, denn sie ist für mich ein sichtbarer Beweis für einen Kampf, den wir gewonnen haben. Mit Happy End und ohne weiteren Komplikationen.

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Illustration: Rena von Rundfux. www.rundfux.com

„Warum auch Kaiserschnittfrauen gebären.“

Ein Text von Frauenärztin Dr. Judith Bildau.

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Frauenärztin und MutterKutter-Autorin Dr. Judith Bilda. Foto: Dorothee Dahinden/ MutterKutter

Die Szene spielte sich in meinem letzten Rückbildungskurs nach der Geburt meiner Tochter Pippa ab. Es gab eine kurze Vorstellungsrunde, die frischgebackenen Mütter stellten sich einander vor, nannten ihren Namen und den Namen ihres Säuglings, manche auch ihr Alter und ihren Wohnort. Irgendwann, es war vielleicht die zweite oder dritte Frau, die an der Reihe war, wurde auch der Geburtsmodus benannt, mit dem das Baby zur Welt gebracht wurde. Zunächst berichteten die Frauen nacheinander von einer ‚Spontangeburt‘. Schließlich kam die letzte Mama vor mir zu Wort, nach sämtlichen Eckdaten flüsterte sie beinahe, dass ihre Tochter ‚leider per Kaiserschnitt auf die Welt‘ hätte geholt werden müssen. Beinah betreten schaute sie dabei zu Boden.

Geburtsgeschichten: Als Frauenärztin habe ich verschiedene Szenen erlebt.

Ich horchte auf. Schaute in die Runde und blieb dann bei der Mutter, die von der operativen Entbindung berichtet hatte, mit meinem Blick hängen. War da etwa eine Spur von Scham in ihrem Ausdruck zu erkennen? Vielleicht auch Traurigkeit? Und die anderen Mütter, schauten einige von ihnen mitleidig oder gar verständnislos? Mir erschienen verschiedene Szenen, die ich durch meine Arbeit als Frauenärztin erlebt habe, vor meinem inneren Auge. Frauen, die den innigsten Wunsch hatten, eine ganz natürliche Geburt zu erleben, deren Kinder aber schließlich in einem Operationssaal zur Welt kamen. Frauen, die darüber bitter enttäuscht waren, Probleme damit hatten, dieses ‚Gefühl der Insuffizienz‘ nicht wieder los wurden.

Alle wollen doch nur das Beste für das Kind!

Und dann fielen mir die Patientinnen ein, die mit dem ausdrücklichen Wunsch nach einem geplanten Kaiserschnitt zu mir kamen. Die erzählten, dass sie einfach kein Vertrauen in sich und in ihren Körper hätten, dass sie sich nicht zutrauen würden, diese Art der Schmerzen aushalten zu können. Andere wiederum baten um einen Kaiserschnitt, weil sie sich Planungssicherheit wünschten. Weil die eigenen Eltern nicht in der Nähe wohnten, das ältere Kind aber noch nicht bei Bekannten bleiben, geschweige denn dort gar übernachten würde. So viele Frauen, so viele Wünsche und Vorstellungen, gepaart mit Unsicherheit und Ängsten. Allen gemeinsam, dass sie im Grunde nur das beste für das Kind, die Familie und auch sich wollten.

Es gibt sie, die medizinischen Indikationen für einen geplanten Kaiserschnitt.

Als Frauenärztin kann und muss ich ich die Dinge aus einer professionellen Distanz sehen. Dabei darf ich natürlich auch nicht die individuellen Bedürfnisse der Schwangeren außer Acht lassen. Und trotzdem: Es gibt sie, die medizinischen Indikationen für einen geplanten Kaiserschnitt. Manche Indikationen ergeben sich dann auch erst im Kreißsaal. Selbst dann, wenn die Schwangerschaft bislang völlig problemlos verlaufen ist. Darüber muss ich die Frauen aufklären. Und in diesen Momenten muss ich erklären, dass ich die Wünsche und die Gefühle der werdenden Mama verstehe, dass ich aber als ihre behandelnde Ärztin einen kühlen Kopf bewahren und das beste für Mutter und Kind entscheiden muss. Natürlich immer in Absprache, aber manchmal auch etwas bestimmter. Dazu gehört auch, den Frauen zu erklären, was ein Kaiserschnitt überhaupt ist und wie genau er durchgeführt wird.

Das Wort ‚Kaiserschnitt‘, auf lateinisch Sectio cesarea, rührt wohl daher, dass Caesar aus dem Bauch seiner Mutter geschnitten wurde. Heutzutage erfolgt diese Art der Operation mittels Pfannenstielquerschnitt oberhalb des Schambeins, weniger häufig, zum Beispiel bei erheblicher Frühgeburt, als Längsschnitt vom Bauchnabel zum Schambein.

Unterschied: primärer Kaiserschnitt und sekundäre Sectio

Unterschieden wird zwischen primärem Kaiserschnitt, dem geplanten Kaiserschnitt, bei dem die eigentliche Geburt noch gar nicht begonnen hat, und dem sekundärem Kaiserschnitt, der durchgeführt wird, wenn bereits die Fruchtblase gesprungen ist oder muttermundwirksame Wehen eingetreten sind. Gründe für eine primäre Sectio können die regelwidrige Lage des Kindes sein, wie zum Beispiel eine Querlage; mittlerweile werden auch meistens Kinder in Beckenendlage mittels Schnittentbindung zur Welt gebracht, da immer weniger Geburtshelfer ausreichend Erfahrung im Bereich des vaginalen Geburtsmodus bei Beckenendlage haben. Weitere Gründe sind mütterliche Indikationen wie etwa eine schwere Grunderkrankung, ein HELLP-Syndrom, aber auch der ausgeprägte Wunsch nach einem Kaiserschnitt. Dazu kommen vorausgegangene Schnittentbindungen, Missverhältnisse zwischen Kind und mütterlichem Becken sowie kindliche Grunderkrankungen oder Fehlbildungen.

Eine sekundäre Sectio erfolgt bei mütterlichen oder kindlichen Indikationen, die unter der laufenden Geburt auftreten und einer gefahrlosen Fortführung der spontanen Geburt entgegenstehen. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen Geburtsstillstand oder dem Abfall der kindlichen Herztöne handeln. Manchmal geht es aber auch um wirkliche Notfallsituationen, wie einem Riss der Gebärmutter oder der Lösung des Mutterkuchens. Dann spricht man von einer Notsectio. Die Anästhesie während des Eingriffs erfolgt mittels rückenmarksnaher Betäubung, wie der Spinal- und Periduralanästhesie, seltener unter Vollnarkose.

Die Kaiserschnittrate ist gestiegen. Warum?

Fakt ist: Die Kaiserschnittrate ist in den letzten Jahren deutschlandweit gestiegen. Die Gründe dafür werden allerorts diskutiert. Einerseits kann nicht belegt werden, dass es einfach nur an einer steigenden Rate von Wunschkaiserschnitten liegt. Andererseits lässt sich die steigende Zahl auch nicht nur durch die medizinische Notwendigkeit erklären. Vielmehr sind die Gründe dafür weitaus diffiziler: Einerseits scheint die steigenden Angst der Geburtshelfer mit eventuell anfallenden immensen Kosten eine wichtige Rolle zu spielen. Auch die immer defizitärer werdende Ausbildung der Ärzte mag in dieses Problemfeld mit hinein spielen. Das Verfahren des Kaiserschnitts ist, aus rein technischer Sicht, relativ zügig erlernbar.

Vaginale Geburtshilfe bedarf in der Regel jahrelange Erfahrung, Geduld und auch häufig ein ‚breites Kreuz‘. Dies ist in der heutigen medizinischen Gesellschaft vergleichsweise wenig gefragt. Vielmehr geht es, gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Privatisierung der Medizin, um Sicherheit, Effizienz und Rentabilität. Zudem wird eine Erhöhung des durchschnittlichen Geburtsgewichts in den Industriestaaten beobachtet und damit eine Zunahme der Empfehlung zur operativen Schnittentbindung. Auch das steigenden Alter der werdenden Mütter und die damit verbundenen Risiken scheinen eine Rolle zu spielen.

Viele Kaiserschnitte ohne eindeutige medizinische Indikation.

Laut ‚Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.‘ (AWMF) werden mittlerweile viele Kaiserschnitte ‚ohne eindeutige medizinische Indikation durchgeführt‘. Deshalb wird zur Zeit an einer aktuellen Leitlinie zum Thema Kaiserschnitt gearbeitet, die im Sommer 2019 veröffentlicht werden soll. Dies soll bewirken, dass es, auf Grundlagen von wissenschaftlichen Untersuchungen und Erkenntnissen, eindeutige Standards zu diesem Thema geben wird, nach denen sich Geburtshelfer richten können. Zu hoffen bleibt, dass sich auf längere Sicht gesehen die Kreißsäle an dieser Leitlinie orientieren werden und auch die Ausbildung der Geburtshelfer darauf ausgerichtet wird.

Ich habe beide Geburtsvorgänge erlebt!

Aus ganz persönlicher Sicht kann ich berichten, dass ich beide Geburtsvorgänge erlebt habe. Nach zwei völlig unkomplizierten Spntangeburten, unterstützt durch eine PDA, wurde meine jüngste Tochter per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Sie lag bis zum Schluss in Beckenendlage, jeder Versuch, sie zu wenden, scheiterte. Meine gewünschte Geburtsklinik, in der ich damals auch arbeitete, durfte aus versicherungstechnischer Sicht keine spontane Entbindung aus Beckenendlage durchführen, die Klinik, die es hätte tun können, war mir gefühlsmäßig zu weit entfernt von unserem Wohnort und die Vorstellung auf der Autobahn im Feierabendverkehr mit Wehentätigkeit zu stehen, trieb mir damals den Angstschweiß auf die Stirn.

So blieb für mich eben der Kaiserschnitt von meiner Lieblingsoberärztin. Vielleicht bin ich zu pragmatisch veranlagt, vielleicht kann ich das auch nur sagen, weil ich bereits zwei Kinder auf ‚normalem‘ Weg entbunden habe- aber ich habe damit nicht gehadert. Es war für mich die richtige Entscheidung, die ich auch heute noch sehr gut nachvollziehen kann und ich bin so froh und dankbar über unsere gesunde Tochter, ebenso wie über unsere beiden großen gesunden Töchter.

Geburtsgeschichten: Jede Geschichte ist anders und deswegen nicht weniger normal.

Ich denke, es geht im Grunde wie immer im Leben, um das Verständnis für einander. Jede Frau und werdenden Mutter hat ihre eigene Geschichte, ihre ureigenen Wünsche und Bedürfnisse. Von außen betrachtet kann man sie vielleicht manchmal nicht auf den ersten Blick nachvollziehen, muss man aber auch nicht. Ich halte es für unheimlich wichtig, dass dieser Druck, den wir uns oft gegenseitig aufbauen, gar nicht erst entsteht. Die perfekte Schwangerschaft, die perfekte Geburt, die perfekte Wöchnerin… so etwas gibt es überhaupt nicht.

Jede Geschichte ist anders und deswegen nicht weniger normal. Eine Frau, die sich immer gewünscht hat, ein Kind auf ‚normalem‘ Weg zu entbinden und die dies auch erleben kann, die ist von Herzen zu beglückwünschen. Die Frau, die sich das sehnlichst gewünscht hat und der es vergönnt geblieben ist, die sollten wir in den Arm nehmen, ihr zuhören, ihre Traurigkeit verstehen und ihr niemals das Gefühl geben, dass sie ‚sie irgendetwas nicht geschafft‘ hätte.

Wir sollten dankbar sein, dass wir das Glück des Mamaseins erleben dürfen.

Und der Frau, die aus ganz eigenem Wunsch heraus entscheidet, warum auch immer, ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt holen zu lassen, der sollten wir das Gefühl geben, dass ihre Entscheidung absolut zu respektieren ist und vielleicht sollten wir ihr auch gratulieren, dass sie zu ihrem Bedürfnis gestanden hat. Bei keiner meiner Patientin hatte ich jemals das Gefühl, dass ‚too posh to push‘ (‚zu fein um zu pressen‘) der, oft hinter vorgehaltener Hand vorgeworfene, Grund für ihre Entscheidung war.

Und am Ende, da sollten wir einfach froh und dankbar dafür sein, dass wir, gemeinsam und jede auf ihre Art und Weise, das Glück des Mamaseins erleben dürfen.


Geburtsgeschichten – wir hoffen, dass wir euch mit diesen Interviews, Texten, Geschichten erreicht haben. Und falls ihr Fragen rund um diese Geburtsgeschichten habt, dann meldet euch doch gerne bei uns per Mail.

Und falls es euch nicht um Geburtsgeschichten, sondern eine medizinische Frage gibt. Hier, in Judiths Onlinesprechstunde, findet ihr Antworten – oder könnt sogar eure Frage stellen.

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