Erziehung

Friedliche Kommunikation: durch Sprache zum Miteinander!

Pädagogin & Gast-Autorin Inke Hummel mit ihren Tipps für ein friedliches familiäres Miteinander.

Friedliche Kommunikation?! Was kann das ganz genau funktionieren? Pädagogin und Gastautorin Inke Hummel mit praktischen Eltern-Tipps.


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Crew gewaltfreie Kommunikation
Foto: Jens Unglaube

Kommunikation in der Eltern-Kind-Beziehung wird immer stärker beachtet. Spätestens seit Katja Seide und Danielle Graf vom Gewünschtesten Wunschkind im Bestseller „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ (Affiliate Link* – mehr erfährst du dazu am Ende des Artikels) die Grundzüge von Gewaltfreier Kommunikation (GfK) sowie im Geschwisterbuch (Affiliate Link*) das Aktive Zuhören nach Gordon erläutert und an zahlreichen Beispielen erklärt haben, kennen auch viele Menschen diese Ansätze, die sich noch sehr wenig mit Erziehung und besonders der Rolle der Kommunikation beschäftigt haben. Unser jüngster Sohn hat das Thema Gewaltfreie Kommunikation (GfK) gerade erst im Unterricht der 6. Klasse durchgenommen. Das ist eine tolle Entwicklung!

Friedliche Kommunikation: Wie kann das bei uns zu Hause gelingen?

Aber wie sieht es ganz aktuell bei uns allen zu Hause aus? Friedliche Kommunikation – wie kann die gelingen?

Es ist Weihnachtszeit, es sind Ferien, die Coronapolitik braucht uns im Lockdown, viele sitzen sogar in Quarantäne – die meisten Familien hocken also quasi aufeinander, und natürlich können so etliche ungute Kommunikationssituation entstehen.

Ablehnbare Angebote:

Mir fällt vor allem eine ein: Eltern wollen etwas von ihren Kindern. Oft wird das ohne weiteres Nachdenken formuliert und ist dabei sogar höflich:

♥ „Kannst du bitte den Müll mit rausnehmen?“

„Möchtest du die Möhren schälen?“

„Würdest du bitte das Brettspiel aufräumen?“

„Putzt du dir bitte jetzt die Zähne?“

Wie reagierst du?

Gut? Naja. Das sind irgendwie doch alles Angebote, Bitte, Fragen. Wie reagierst du auf Angebote, Bitten, Fragen – von den Kindern, dem/der Partner*in, Freund*innen oder den eigenen Eltern? Sagst du immer „Ja!“? Sicher nicht.

„Papa, spielst du mit mir Kaufmannsladen?“

„Mama, kannst du mir Zöpfe flechten?“

„Gehst du mit mir eine Runde joggen?“

„Räumst du den Keller auf?“

„Hilfst du mir heute, meine Versicherungsunterlagen zu sortieren?“

Es ist oft ein Lust-Thema:

Denn das ist ja im Grunde auch oft ein Lust-Thema. Du als Erwachsene*r hast im Blick, was dranhängt, wenn du aus Unlust ein Angebot, eine Bitte, eine Frage ablehnst. Wie fühlt sich der andere? Wie wichtig ist ihm das? Ist es nur als Frage formuliert, aber eigentlich ein unbedingter Wille?

Egozentrik als Basis für die friedliche Kommunikation erkennen:

Deine Motivation, etwas Unangenehmes zu erledigen, fußt auf einer breiteren Basis als die unserer Kinder. Besonders Kinder im Kindergartenalter und auch Teenager*innen stecken in Autonomiephasen und sind rein kognitiv, also vom Denkvermögen her, sehr egozentrisch unterwegs: Sie sehen sich und dann erstmal lange nichts, ziemlich oft. Das ist keine negative Aussage, sondern eine wertfreie Feststellung, um die Eltern wissen müssen. Lustgewinn und Vermeiden von Unlust ist da eine fette Motivation! Das meinen sie nicht böse.

Es steckt in ihnen. Sie müssen das konsequente Weiten ihres Blickes noch lernen: Was bedeutet es, wenn ich ein (scheinbares) Angebot ablehne? Was zieht es nach sich, wenn ich eine (scheinbar) offen gestellte Frage nach meiner Laune beantworte?

(Und Hand aufs Herz: Schaffst du das immer?)

Motivation? Das ist der Unterschied zwischen Erwachsen und Kindern

Noch etwas ist anders: die intrinsische Motivation, also das Schubsen, das in einem selbst steckt. Wir Großen haben im Grunde nämlich bei vielem keine Alternative: Wenn unser Kind den Müll nicht mitrausnimmt, die Möhren nicht schält, das Spiel nicht aufräumt, die Zähne nicht putzt, die Krümel nicht wegmacht, wenn niemand die Wäsche wäscht, dann kommt keine gute Fee, kein Dienstbote, keine Mami, kein Opi, kein Kumpel und erledigt das für uns. Das ist unsere Schubkraft, es am Ende doch zu machen, wenn es uns stört. Selbst wenn Sofa, Handy oder sonst was locken!

Unsere Kinder brauchen uns als Back-up!

Unsere Kinder haben das nicht. Noch nicht. Sie werden es spätestens spüren, wenn sie allein wohnen, aber jetzt haben sie ein Back-up: uns.

Wir können ihnen ein Thema vor den Latz knallen, sie auflaufen lassen nachdem auf unser „Möchtest du die Möhren schälen?“ ein „Nein, keinen Bock!“ folgte. Doch das ist nicht das gleiche. Im Endeffekt können sie dennoch entscheiden, diese Kriegserklärung mit Wut aufzufassen (im Grunde zu Recht) und bei ihrem Nein zu bleiben. Und dann können wir aufrüsten, die Fronten weiter hochziehen. Verbote aussprechen, Strafen überlegen, nur für uns allein kochen…

Klingt nach keinem guten Plan.

Friedliche Kommunikation – ein wichtiger Baustein: Sag, was du meinst!

Ich rate dazu, an den Anfang zurückzukehren und bei dir selbst zu starten:

♥ Ist dein Anliegen ein Angebot, eine Bitte oder offene Frage? Dann muss es okay sein, wenn es abgelehnt werden darf. Macht ein „Nein!“ dich an der Stelle sauer, ist das ein Thema in dir und nicht im Kind.

♥ Ist es unabdingbar? Dein Wille? Brauchst du die Unterstützung? Dann formuliere es auch so! Sag eindeutig, was du brauchst, und erkläre zusätzlich, warum es dir wichtig ist. Damit gehst du in Beziehung, machst deinen Willen greifbarer und klarer. Mach zusätzlich ein Angebot, lass Spielraum.

♥ „Der Müll muss noch raus. Alles andere ist schon gemacht und ich schaff das jetzt nicht mehr, daher ist das heute dein Part. Bis mittags muss der hier weg sein, aber schau wann du es heute Vormittag schaffst. Danke.“

♥ „Wir können alle was zum Essen beitragen und ich schaff das auch zeitlich nicht alles allein. Die Möhren müssen geschält werden. Oder du kannst den Tisch decken, aber deine Arbeitskraft wird gebraucht.“

Keine Haarspalterei, sondern Konfliktvermeidung!

Klingt nach Haarspalterei? So wird es aber besser von deinem Kind verstanden und bringt euch tendenziell in weniger Konflikte. Natürlich bleibt auch hier die Möglichkeit, dass dein Kind nicht nickt und sofort losrennt. Aber die erste Aussage war klarer, du hast dein Bedürfnis nach Hilfe deutlicher gemacht. Wenn dein Kind nicht helfen kann oder will, kann es konkret auf deine Aussagen eingehen und sich erklären, und ihr könnt schauen, wo das Thema liegt.

♥ „Kannst du bitte den Müll mit rausnehmen?“ – „Nein.“ – Und du spürst gleich den Groll in dir?!

♥ „Der Müll muss noch raus. Alles andere ist schon gemacht und ich schaff das jetzt nicht mehr, daher ist das heute dein Part. Bis mittags muss der hier weg sein, aber schau wann du es heute Vormittag schaffst. Danke.“ – „Warum bis heute mittag? Ich könnte das Altpapier gut nach 14 Uhr kleinmachen, denn vorher wollte meine Freundin anrufen.“ – „Um 12 Uhr muss der Nachbar los und nimmt es mit zum Container. Dann mach es doch bitte jetzt direkt oder leih dire meine Kopfhörer und telefonier dabei.“

Ihr geratet leichter ins Miteinander. Und ins Lösen.

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auf MutterKutter: Inke Hummel plädiert: Liebe statt Strafen – auch in der Pubertät oder Selbstfürsorge? „#stayathome fühlte sich an wie ein High Need Baby!“


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