Filterblase Instagram: Wisst ihr, ich habe viel darüber nachgedacht, was Instagram mit mir macht. Mit meinem Umfeld und mit anderen Menschen. Ich habe mich oft gefragt, warum auch ich so abhängig bin von Instagram. Von Followerzahlen. Warum auch ich so oft in dieser App abhänge, meinen Status checke und latent panisch werde, wenn ich User verliere. Warum hat Social Media so einen Einfluss auf mich und mein Leben? Meine Antwort:

Filterblase Instagram: Willkommen auf der Show-Bühne

Instagram ist so etwas wie eine riesige Show-Bühne. Jeder darf mal rauf. Jeder darf sich mal präsentieren. Und wird entweder abgefeiert und geht ab wie Schmitzkatze, gewinnt Follower über Follower. Oder er wird ausgebuht. Beschimpft. Mit Hass übersäht. Und verliert sein virtuelles Publikum wieder.

Ein Publikum, das wie im Theater, auch oft im Dunkeln bleibt. Anonym ist. Sich verstecken kann.

Ein Publikum, das halt entweder applaudiert und im Zweifel jeden Preis für diese Show bezahlen würde oder eben diejenigen auf der Bühne mit Pfiffen abstraft, wenn die erwartete Leistung nicht erbracht wird. Mit dem großen Unterschied, dass dieser daily Konsum umsonst ist.

Filterblase Instagram

Menschen. Keine Schauspieler.

Nur: Auf der Instagram-Bühne sind keine Schauspieler, die irgendein Stück aufführen. Auf dieser Bühne sind Menschen. Wie du und ich. Menschen, die sich präsentieren. Die Ausschnitte aus ihrem Leben zeigen. Von denen wir meinen, ein Bild zu haben. Die wir vielleicht sogar meinen zu kennen. Eben, weil sie sich so hautnah präsentieren – und dafür Beifall bekommen wollen. So wie ich eben auch.

Und da bin ich an dem Punkt: Ja, auch ich bin getrieben von Anerkennung. Auch ich möchte, dass meine Stimme gehört wird – ansonsten wäre ich nicht TV-Reporterin geworden oder hätte MutterKutter über all die Jahre so akribisch aufgebaut. Und wenn der Algorithmus dann bremst, die Fotos nicht die vielen Herzchen bekommen, die sie eigentlich im Hinblick auf die Followerzahl bekommen müssten, dann kann ich auch echt schlecht drauf sein. Denn, natürlich: Follower bedeuten Reichweite. Reichweite bedeutet Klicks auf MutterKutter. Und wenn MutterKutter und meine Leistung gesehen werden, dann habe ich auch Kunden. Einfache Rechnung. Geht nur nicht immer auf.

Ich bin keine Showkönigin!

In letzter Zeit ist mir aber noch einmal mehr klar geworden. Ich kann nicht Herzen, um Herzen zu bekommen. Oder stundenlang auf fremden Accounts kommentieren, um „gesehen zu werden“. Ich bin keine Showkönigign. Und nicht nur so manche Show, sondern auch viele Reaktionen auf die Shows anderer – pardon – kotzen mich manchmal regelrecht an.

#instagramverbindet – das stimmt. Ich habe so so tolle Menschen über Instagram kennengelernt. Tolle Mamas, meine Crew hier und so viele Interviewpartner. Aber die letzten Wochen denke ich immer wieder: #instagramentzweit auch. Warum? Weil für mich manchmal die Kluft extrem groß wird zwischen dem Instagrammer und dem Follower.

Filterblase: Influencer bleiben unter sich?

Ich denke da zum Beispiel an Influencerparties. Parties, nach denen viele viele Fotos durch meinen Feed strömen. Parties, auf denen die Teilnehmer bestimmt viel Spaß hatten und sich durch Verlinkungen Follower zuschanzen. Ist ja auch völlig legitim. Und ein kluges Mittel. Aber trotzdem: Für mich haben sie manchmal einen üblen Beigeschmack, denn: Wo sind eigentlich oft die, die Influencer groß gemacht haben? Die Follower. Vielleicht irre ich mich auch – bisher habe ich das Gefühl: nicht auf diesen Bühnen zuhause.

#stoppthassimnetz

Auf der anderen Seite sind da Menschen, die scheinbar wütend sind auf die, die auf der Bühne stehen. Die ihrem Unmut freien Lauf lassen. Womöglich etwas auf die Influener projizieren –und dann virtuell verletzen. Menschen, die – mein Gefühl – manchmal die Showbühne für bare Münze nehmen. Die Ausschnitte als gegeben. Als volle Realität. Und das ist fatal. Im Fernsehen sehen wir doch auch nur Ausschnitte. Subjektiv gewählt. Und nicht das volle Programm.

Plötzlich wird auch unsere MutterKutter-Frauenärztin Judith beschimpft, weil sie sich nun sehr für das Thema Nachhaltigkeit einsetzt und das ja offenbar nicht zum Leben einer Frauenärztin in Rom passt, die für manche Menschen offenbar mehr nach Seidenkissen auf dem Sofa als nach Bambuszahnbürste im Bad aussieht. PUH! Fühlt sich dann wie umgedrehte Show an: die Hater aus dem Publikum möchten 5 Minuten Ruhm. Ein Thema, das uns doch verbinden anstatt einzweien sollte. Unser aller Planet. Unser aller Verantwortung! Also bitte lasst uns hier zusammenhalten.

Die Filterblase: ein bisschen wie Privatfernsehen

Eine Greta wäre ohne Instagram vielleicht nicht so groß geworden. Und hier sitze ich applaudierend als Mutter im Publikum. Eine Mama, die sich um den Planeten sorgt und auch angefangen hat – Schritt für Schritt – das Familienleben nachhaltiger zu gestalten. Und, nein, ich bin dabei nicht perfekt. Genausowenig wie die Leben hinter den vermeintlich perfekten Accountfotos. Denn manchmal sollen sie einfach nur andere erfreuen, indem sie das Schöne zeigen. Virtual reality eben.

Apropos Leben gestalten und Instagram. Je nach Gemütslage finde ich die Shows total toll, schräg oder voll langweilig. Manchmal machen sie mich sehr müde. Aber hin und wieder ist es auch wie eine Show im Privatfernsehen: dann bleibe ich fassungslos hängen und muss glotzen. Oft lasse ich mich super gerne inspirieren, berieseln und kommentiere dann auch enthusiastisch mit. Denn viele viele Menschen machen hier einen spitzen Job auf ihrer Bühne. Mit Inhalt. Und Mehrwert.

Ich habe mir geschworen, dass ich mir einmal mehr bewusst mache, dass Instagram eine große Filterblase ist. Und dass ich mein Leben eben nicht in die Hände eines Algorithmus geben möchte. Ich freue mich über so viele tolle Frauen, die ich dank Instagram im echten Leben getroffen habe.

Und, ja, klar: Ich möchte auch die 10 000 knacken, um in den Stories direkt die neuen Beiträge verlinken zu können. Dazu ist es natürlich auch ein bisschen geil, wenn deine eigene Show beklatscht wird. The Show must go on – nur nicht um jeden Preis!

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