nachgefragt!

Darum zeige ich meine Familie! Nora Imlau im Interview.

Ein persönliches Gespräch über Kinderfotos im Netz. Autorin: Dorothee Dahinden

Nora Imlau erzählt in diesem Gespräch, warum sie ihre Familie zeigt.

Und welche Grenzen für sie private Fotos in der Öffentlichkeit haben.


Nora Imlau über Fotos von ihrer Familie:

„Wir zeigen keinerlei intime Momente.“

Liebe Nora, mir ist erst im letzten Jahr aufgefallen, dass du auch deine Familie auf Fotos zeigst. Hast du das eigentlich schon immer gemacht oder gab es da bel euch einen Turn, an dem ihr gesagt habt: „Wir möchten uns zeigen.“? Ich war mir nicht ganz sicher, weil du (glücklicherweise) verstärkt in meinem Feed angezeigt wurdest und damit auch Fotos von euch…

genderinklusive Sprache
Foto: Nora Imlau

Mein Mann und ich haben schon ganz zu Beginn meiner Arbeit als Autorin entschieden, dass zum authentischen Erzählen aus unserem Familienleben auch echte Bilder gehören. Die ersten öffentlichen Fotos meiner ältesten Tochter erschienen 2007 in der Zeitschrift ELTERN, da war unser Baby drei Monate alt.

Von da an habe ich immer wieder ausgewählte Einblicke in unser Familienleben gewährt. Zunächst vor allem in Printmedien, dann später auch in sozialen Netzwerken.

Ihre Familie gilt es natürlich dennoch zu schützen, erzählt Nora Imlau. Diese Fragen stellen sie und ihr Mann sich jedes Mal:

Wie zeigt ihr euch, was und welche Situationen? Ich kann mir vorstellen, dass es bei euch einen festgesteckten Rahmen gibt und ihr euch viele Gedanken macht.

Ja, natürlich machen wir uns viele Gedanken darüber, was wir zeigen. Es geht damit ja auch eine große Verantwortung einher. Letztlich überlegen wir bei jedem einzelnen öffentlich gezeigten Bild: Wie wäre es, wenn dieses Foto riesengroß auf allen Plakatwänden der Republik zu sehen wäre? Ist uns ein Bild dafür zu persönlich oder zu peinlich, gehört es nicht ins Netz. Was es deshalb bei uns gibt, sind ausgewählte Bilder vollständig bekleideter Kinder und Erwachsener in nicht im Ansatz bloß stellenden Situationen.

Unsere Kinder dürfen dann auch ein Veto einlegen!

Welche Ausschnitte zeigt ihr nicht bzw. Was ist für euch einfach zu privat?

Wir zeigen keinerlei intime Momente. Keine Augenblicke der Verletzlichkeit, keine Trauer, Wut, Verzweiflung. Keine Nacktheit, keine privaten Rückzugsräume wie etwa das eigene Kinderzimmer. Keine persönlichen Gegenstände, die für unsere Kinder eine sehr private Bedeutung haben. Und keine Verwandten und Freunde unserer Familie.

Und sobald unsere Kinder alt genug sind, um sich dazu zu äußern, dürfen sie natürlich auch selbst ein Veto einlegen und ohne Angabe spezieller Gründe sagen: Dieses Bild nicht.

Über ihre Familie in der Öffentlichkeit, sagt Nora Imlau:

„Mit einer gewissen Öffentlichkeit geht ein gewisses öffentliches Interesse einher.“

Du stehst stark in der Offentlichkeit- und damit auch deine Familie. Du erzählst ja auch privat von dir. Inwieferngehört es dann für dich auch dazu, sich auch ein bisschen privat zu zeigen?

Das ist tatsächlich unsere Sicht auf die Thematik: mit einer gewissen Öffentlichkeit geht ein gewisses öffentliches Interesse einher, diesen Menschen auch privat zu sehen und kennen zu lernen, von dem ich so viel lese und lerne. Und da muss sich natürlich jede irgendwie in der Öffentlichkeit stehende Person überlegen, wie sie damit umgeht.

Es gibt Menschen, die sind da sehr offen und andere, die wollen am liebsten gar nichts privates Preis geben – und für beides gibt es gute Gründe. Mein persönlicher Weg war es, zu schauen, welchen Umgang mit dem Thema Kinderbilder in der Öffentlichkeit ich bei richtig berühmten Menschen gut finde. Die Sängerin Pink zum Beispiel macht das finde ich toll: Ich weiß, wie ihre Kinder aussehen und kenne ein sympathisches Stillbild von ihr, fühle mich aber nie als Voyeurin ihres Privatlebens. Auch der Schauspieler Neil Patrick Harris und sein Mann David zeigen ihre Kinder auf sympathische und gleichzeitig nie effektheischerische Weise. Das gefällt mir sehr.

Solche Vorbilder habe ich mir ganz bewusst gesucht um für mich herauszufinden, wie ich das machen will: mich zeigen mit allem, was ich bin und wofür ich stehe. Und gleichzeitig die Privatsphäre meiner Familie schützen.

 „Wer seine Kinderbilder aus dem Internet heraushalten will, soll das natürlich tun.“

Ich habe bei Facebook kritische Kommentare dazu gelesen, dass du deine Familie überhaupt zeigst-nach dem Motto: Der Kinderschutz steht doch an erster Stelle. Was fühlst du, wenn du solche Worte liest und was denkst du? Kannst du die Kritik verstehen oder eher nicht? Kinderfotos im Netz ist ja berechtigterweise ein Thema, das heiß diskutiert wird. Aber du bist ja jemand, der sich sehr viele Gedanken macht und nicht einfach was Preis gibt-eben zum Schutz deiner Kinder…

Solche kritischen Kommentare lese ich immer wieder. Oft bringen Diskussionen da relativ wenig, weil einige Menschen einfach der sehr festen Überzeugung sind, Kinderbilder gehörten nicht ins Internet, und wer gegen diesen Grundsatz verstoße, mache da eben einen Fehler. Hinter dieser Überzeugung können vielfältige Gründe stehen: manche fürchten vor allem die falschen Hände, in die öffentliche Kinderbilder natürlich geraten können, andere sehen das Recht des Kindes an seinem eigenen Bild verletzt. Es scheint da auch eine starke kulturelle Komponente zu geben: in England, Kanada und den USA ist es nach meinem Empfinden viel weniger kontrovers, Kinderbilder im Netz zu zeigen.

„Natürlich stehen wir Eltern dabei in der Verantwortung, sehr achtsam mit der Privatsphäre unserer Kinder umzugehen.“

Ich will da auch gar niemanden überzeugen, etwas zu tun, was sich falsch anfühlt: wer seine Kinderbilder aus dem Internet heraushalten will, soll das natürlich tun. Umgekehrt finde ich, dass das Internet auch unsere Welt abbilden will, und zu der gehören nun einmal auch Familien mit Kindern. Die will ich sehen, und mich mit ihren Themen und Anliegen beschäftigen. Deshalb finde ich, dass eine bewusst ausgestaltete Präsenz von Kinderbildern auch in sozialen Netzwerken durchaus zu mehr Sichtbarkeit und Nahbarkeit von Familienthemen in der Öffentlichkeit beitragen kann.

Das erfährt die Öffentlichkeit von meinen Kindern nicht:

Aber natürlich stehen wir Eltern dabei in der Verantwortung, sehr achtsam mit der Privatsphäre unserer Kinder umzugehen – übrigens nicht nur im Bild, sondern auch im Text. Nur keine Kinderbilder zu teilen, heißt nämlich nicht automatisch, die Privatsphäre der eigenen Kinder zu schützen. Ich kann auch mit Worten sehr persönliche Informationen nach außen tragen. Für mich ist der Schutz der Privatsphäre meiner Kinder deshalb ein anderer: ja, es gibt einzelne ausgewählte Pressefotos von ihnen, so wie meinetwegen von den Kindern der Royals auch.

Aber was sie persönlich beschäftigt, welche Krankheiten sie hatten oder haben, welche Hobbys, Schulnoten und Erfahrungen mit Liebeskummer sie machen – all das erfährt in der Öffentlichkeit niemand. Nicht im Netz und nicht in meinen Büchern. Das macht für mich den Schutz der Persönlichkeitsrechte aus.

Ihre Familie reagiert so, erzählt Nora Imlau:

Letzte Frage: hast du eine Art -nennen wir es „moralisches Vorbild, was Familie in der Offentlichkeit betrifft? Das würde mich ja sehr interessieren.

Ein paar prominente Vorbilder habe ich ja schon genannt, von Pink bis zu den Cambridges. Meine größten Vorbilder im Alltag im Umgang mit Kinderbildern im Netz sind mittlerweile jedoch andere Mütter auf Instagram und anderswo, die den täglichen Balanceakt, sich und die eigene Familie zu zeigen und gleichzeitig die Privatsphäre der Kinder zu schützen, ganz wunderbar meistern. Viele von uns haben mittlerweile ja auch schon ältere Kinder, die selbst in den sozialen Netzwerken unterwegs sind und sich angucken, was wir da so machen. Und wenn etwa meine vierzehnjährige Tochter sich dann so durch meine Netzhistorie scrollt und an meinem öffentlichen Familienfeed nichts zu beanstanden hat, dann denke ich: so falsch werden wir mit unserem Weg nicht gelegen haben.

Mehr über die Familienspeakerin und Bestseller-Autorin Nora Imlau

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Nora Imlau auf MutterKutter:

Artikel über unsere Kinder:

Genderinklusive Sprache: Nora Imlau über ihre Grundwerte!

Nora Imlau: „Entscheidend ist letztlich das, was unsere Kinder fühlen. Was bei ihnen ankommt. Jetzt und auch in Zukunft.“ Film & Interview.

Gefühlsstarke Kinder: „Mein Kind macht kein Drama – es erlebt ein Drama.“

Schwangerschaft:

Ultraschall in der Schwangerschaft: Ist er tatsächlich gefährlich?

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